Hintergrund

Außenminister Shigumitsu unterschreibt Kapitulation Japans am 2. September 1945, Foto: US-Verteidigungssministerium

Die Gründe für die Entscheidung der US-Regierung, am Ende des Zweiten Weltkrieges Atomwaffen gegen Japan einzusetzen, sind umstritten. Die Niederlage Japans stand bereits fest, aber Japan verweigerte die von den USA geforderte bedingungslose Kapitulation in der Hoffnung, günstigere Konditionen aushandeln zu können. Eine Milderung der Kapitulationsbedingungen oder ein demonstrativer Einsatz der Atombombe über unbewohnten Gebiet hätten vielleicht auch zur Kapitulation Japans geführt, wurden aber nicht erwogen. Stattdessen wurde ohne Vorwarnung der Abwurf der Bomben beschlossen.

Die militärische Notwendigkeit war zweifelhaft. Die USA muss sich also den Vorwurf gefallen lassen, dass andere Gründe für den Einsatz entscheidend waren: Der Abwurf der Bomben war auch eine Demonstration der Stärke gegenüber der - noch - alliierten Sowjetunion, mit der sich eine Konfrontation nach Ende des Zweiten Weltkriegs bereits abzeichnete.

Gleichzeitig dienten die Städte Hiroshima und Nagasaki einschließlich ihrer Bewohner als Versuchsobjekte, an denen die Wirkung der Atombombe getestet wurde. Die beiden Städte wurden u.a. deshalb ausgesucht, weil sie trotz ihrer militärischen Bedeutung bisher von strategischen Bombardierungen verschont geblieben waren und sie die „richtige" Größe hatten. In Nagasaki wurde ein anderer Typ von Atombombe eingesetzt, als in Hiroshima.

In der Folgezeit versuchte die US-Regierung, die Berichterstattung über die furchtbaren Folgen der Atombomben zu behindern und sich von der Verantwortung für die Opfer zu befreien. Bis zum Friedensvertrag von San Francisco, der im April 1952 in Kraft trat, wurden von den USA Untersuchungen über die Leiden der Überlebenden angeordnet, die Ergebnisse jedoch nur nach und nach zugänglich gemacht. Über Hiroshima und Nagasaki war eine Nachrichtensperre verhängt. Das heißt, dass die Medien keine Berichte über Hiroshima oder Nagasaki zeigen durften.

Der Artikel 19 des Friedenvertrags besagt, dass Japan auf sämtliche Forderungen nach Reparationszahlungen für Kriegsschäden zu verzichten hat. Die USA wurden dadurch von allen Verpflichtungen gegenüber den Überlebenden befreit.

„Wenn die Japanern vorher mitgeteilt werden, dass die Bombe an einem bestimmten Ort abgeworfen wird, könnten sie vorher unsere Jungs, die sie in ihren Gefangenenlagern haben, in dieses Gebiet bringen."

US-Außenminister James F. Byrnes, 1945

Literaturhinweise

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Coulmas, Florian: Hiroshima. Geschichte und Nachgeschichte, 2005: C.H. Beck, München.

Hasegawa, Tsuyoshi: Racing the Enemy. Stalin, Truman and the Surrender of Japan, Belknap Press, Cambridge MA, 2005 (in engl. Sprache)

Hersey, John: Hiroshima 6. August 1945, 8 Uhr 15, Autoren Edition in Athenaum Verlag, München 1982.

Hida, Shuntaro: Der Tag, an dem Hiroshima verschwand, Donat-Verlag, 1989.

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Jungk, Robert: Strahlen aus der Asche. Hiroshima 1945 und die Folgen, William Heyne, 1990.

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Tashiro, Elke und Jannes K. Tashiro: Hiroshima. Menschen nach dem Atomkrieg. Zeugnisse, Berichte, Folgerungen, 1982: dtv, München.

Walker, Stephen: Hiroshima. Countdown der Katastrophe, c. Bertelsmann-Verkag, München 2005.