1990

Zehn Minuten vor Zwölf: Osteuropa befreit sich von sowjetischer Kontrolle und Generalsekretär Gorbatschow interveniert nicht. Die Berliner Mauer ist gefallen. Damit ist der ideologische Kampf um Europa beendet und die Gefahr des Atomkrieges deutlich verringert.

Frederik Willem de Klerk und Nelson Mandela26.02. Südafrikas Präsident de Klerk ordnet schriftlich die Demontage des geheimen Atomwaffenprogramms an.

20.08.-14.09. Die 4. Überprüfungskonferenz des Atomwaffensperrvertrags findet in Genf statt. 140 Mitgliedsstaaten nehmen teil, sowie China und Frankreich als Beobachterstaaten. Kein Schlussdokument wird wegen Unstimmigkeiten über Article VI (Abrüstungsverpflichtung) verabschiedet.

25.09. Die USA ratifizieren den Partiellen Atomteststoppvertrag (PTBT).

27.09. Die letzten Pershing-II-Raketen verlassen Deutschland.

24.10. Letzter Atomtest der Sowjetunion von insgesamt 715 durchgeführten, 219 davon oberirdisch. Russland hat bislang keine Atombomben gezündet.

16.11. Stockholmer Erklärung zur Verhinderung eines Atomkrieges wird veröffentlicht.

19.11. Der KSE-Vertrag über konventionelle Streitkräfte in Europa wird unterzeichnet.

28.11. Der brasilianische President Collor de Mello und der argentinischen Präsident Carlos Saúl Menem unterschreiben ein Abkommen über den Verzicht auf die militärische Nutzung der Atomenergie. Präsident Collor hat das geheime Atomwaffenprogramm Brasiliens im Oktober offenbart. Im September hat er bereits die Atomtestanlage geschlossen.

12.12. Zwei Arbeiter erleiden bei einer Explosion im Brennelementwerk der Siemens AG im hessischen Hanau Verletzungen. Nach Firmenangaben seien sie "leicht" radioaktiv verseucht.

1991

Siebzehn Minuten vor Zwölf: Der Kalte Krieg ist vorbei. Die USA und Russland vereinbaren tiefe Einschnitte in ihre Atomwaffenarsenale. In beiden Ländern werden viele der Raketen und Bomber nicht mehr auf Höchstbereitschaft gehalten.

03.04. Der UN-Sicherheitsrat verabschiedet Resolution 687, die die Zerstörung der atomaren, chemischen und biologischen Waffen des Iraks, sowie seiner Raketen mit einer Reichweite von mehr als 150 Kilometer verlangt. Der Sicherheitsrat richtet eine Sonderkommission ein (UNSCOM), um die Eliminierung aller Massenvernichtungswaffen im Irak zu kontrollieren. » Im Wortlaut (PDF)

13.06. Die USA und UdSSR äußern sich unterschiedlich zu der Verbindung zwischen den START- und ABM-Verträgen. Die Sowjetunion sieht einen effektiven START nur gewährleistet, wenn der ABM-Vertrag befolgt wird.

10.07. Südafrika wird als atomwaffenfreier Staat Vertragspartei des Atomwaffensperrvertrages.

15.07. Frankreich führt seinen letzten Atomtest vor Inkrafttreten eines bis September 1995 andauernden Moratoriums durch.

31.07. Unterzeichnung des Vertrages über die Reduzierung von strategischen Atomwaffen (START I) zwischen den USA und der Sowjetunion. Der Vertrag sieht eine Abrüstung auf 1.600 Trägersysteme mit maximal 6.000 Atomsprengköpfen vor. » Im Wortlaut (PDF) englisch

29.08. Das sowjetische Atomtestgelände Semipalatinsk in Kasachstan wird nach insgesamt 496 Atomtests geschlossen.

03.09. Der russische Präsident Boris Jelzin ruft zu einem internationalen Atomtestmoratorium auf.

27.09. US-Präsident Bush kündigt den Abzug aller see- und landgestützten taktischen Atomwaffen auf fremden Territorien an.

05.10. Der sowjetischer Präsident Michail Gorbatschow kündigt ein einjähriges einseitiges Atomtestmoratorium an und fordert einen internationalen Atomteststopp.

08.11. Der südkoreanische Präsident Roh Tae Woo kündigt die Erklärung zur Entnuklearisierung der koreanischen Halbinsel an. Südkorea verspricht damit, keine Atomwaffen herzustellen, zu besitzen, zu lagern, zu stationieren oder einzusetzen. » Im Wortlaut (PDF, englisch)

09.11. Erste kontrollierte Kernfusion in der Forschungsanlage JET bei London.
 
26.11. Letzter Atomtest Großbritanniens in Nevada, USA. Insgesamt zündeten die Briten 45 Atombomben, davon 21 oberirdisch.

05.12. US-Präsident Bush unterzeichnet das Raketenabwehrgesetz (Missile Defense Act 1991). Das Gesetz besagt, dass die USA ein Raketensystem in Übereinstimmung mit dem ABM-Vertrag bis 1996 aufbauen sollen.

21.12. In Alma-Ata kündigen die sowjetischen Republiken Ukraine, Weißrussland und Kasachstan an, dass alle taktischen Atomwaffen bis 1. Juli 1992 zurück nach Russland geschickt werden.

25.12. Gorbatschow tritt als sowjetischer Staatspräsident zurück und übergibt Jelzin als russischem Präsidenten das Kommando über die strategischen Atomwaffen. Die EG und die USA erkennen Russland als Rechtsnachfolger der UdSSR an.

31.12. Südkorea und Nordkorea unterschreiben die Süd-Nord gemeinsame Erklärung zur Entnuklearisierung der koreanischen Halbinsel. Sie einigen sich damit, keine Atomwaffen zu produzieren, zu erwerben, zu besitzen, zu stationieren oder einzusetzen und darüber hinaus keine Wiederaufarbeitung oder Urananreicherung zu betreiben. Gegenseitige Inspektionen zur Verifikation werden zudem vereinbart. » Im Wortlaut (PDF, englisch)

1992

03.01. Unterzeichnung des Vertrages über die weitere Reduzierungen von US-amerikanischen und russischen Atomwaffen (START II).

20.01. Unterzeichnung der Gemeinsamen Erklärung zur Entnuklearisierung des koreanischen Halbinsels.

09.03. China wird Mitgliedsstaat im Atomwaffensperrvertrag.

24.03. Der Vertrag über den offenen Himmel (Open Skies) wird unterzeichnet. Der Vertrag regelt die Öffnung des Territoriums für unbewaffnete Überwachungsflüge.

21.05. China führt seinen allergrößten unterirdischen Atomtest durch. Er hat eine Sprengkraft von 1 Megaton.

16.06. Präsidenten Bush und Jelzin unterschreiben eine gemeinsame Verständigung, in der sie versprechen, ihre strategischen Atomwaffen auf 3000 bis 3500 zu reduzieren. Diese Einigung bildet die Grundlage für START II.

03.08. Frankreich wird Mitgliedsstaat im Atomwaffensperrvertrag.

04.08. Der US-Kongress stimmt 68 zu 26 für ein Atomtestmoratorium ab 1. Oktober 1992 und den Abschluss eines umfassenden Atomteststoppvertrag bis zum 30. September 1996.
 
13.09. Die USA kündigen ein neun monatiges Atomtestmoratorium ab dem 30. September an. Das Moratorium wird am 3. Juli 1993 verlängert.
 
23.09. Letzter unterirdische Atomtest der USA in Nevada, seither werden nur noch "subkritische" Atomtests durchgeführt. Insgesamt führten die USA seit 1945 1.030 Atomtests durch, 215 davon oberirdisch.

25.09. Mongolien erklärt sein atomwaffenfreien Status.

02.10. US-Atomtestmoratorium wird durch die Unterschrift des US-Präsidenten auf dem Hatfield-Gesetz gültig. Präsident Clinton verlängert das Moratorium bis September 1994 und dann wieder bis September 1996.

19.10. Präsident Jelzin verlängert das russische Atomtestmoratorium bis zum 1. Juli 1993.

03.11. William Jefferson Clinton wird zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt. Clinton verspricht, dass die USA sich an den ABM-Vertrag halten wollen. Clinton kündigt allerdings den Aufbau einer Raketenabwehr für das Gefechtsfeld (Theater Missile Defense=TMD) an.

09.11. Der KSE-Vertrag über konventionelle Streitkräfte in Europa tritt in Kraft.

1993

03.01. Die Präsidenten Bush (senior) und Jelzin unterzeichnen START II; der Vertrag tritt aber aufgrund der verschlechterten politischen Lage zwischen den USA und Russland nicht in Kraft.

14.05. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beschließt, den Internationalen Gerichtshof aufzufordern, ein Rechtsgutachten über den Völkerechtsstatus des Einsatzes von Atomwaffen zu erstellen. Die Frage lautet: »Wäre der Einsatz von Atomwaffen durch einen Staat in einem Krieg oder einem anderen bewaffneten Konflikt im Hinblick auf die Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt ein Verstoß gegen die Verpflichtungen dieses Staates gemäß Völkerrecht und der Satzung der WHO?«

11.06. Ein Tag vor Inkrafttreten der nordkoreanischen Kündigung des Atomwaffensperrvertrags zieht Nordkorea seine Kündigung doch zurück. Erst 2003 tritt das Land endgültig aus dem Vertrag aus.

23.06 Das südakfrikanische Parlament verabschiedet das Gesetz über die Nichtverbreitung von Massenvernichtungswaffen. Damit wird Südafrika verpflichtet, auf Atomwaffen zu verzichten.

03.07. US-Präsident Clinton kündigt an, dass er das Atomtestmoratorium verlängern wird.

1994

Januar  Verhandlungen über einen umfassenden Atomteststopp werden in die Genfer Abrüstungskonferenz aufgenommen.

14.01. US-Präsident Bill Clinton und der russische Präsident Boris Jelzin kündigen an, dass ab Mai keine Raketen beider Länder auf irgendeinen Staat zielen werden. Die gemeinsame Erklärung der zwei Präsidenten erläutert: „Zum ersten Mal seit den frühesten Tagen des atomaren Zeitalters, werden diese beiden Länder die tägliche Operation ihrer Atomstreitkräfte nicht mehr wie Feinde ausüben.“  »Erklärung (engl.)

14.01.  Das trilaterale Abkommen zwischen Ukraine, Russland und den Vereinigten Staaten  über die Übergabe aller ehemaligen sowjetischen strategischen Atomwaffen an Russland zur Abrüstung wird von den Präsidenten der jeweiligen Länder unterschrieben. »Factsheet des Weißen Hauses

14.02. Kasachstan wird Mitglied des Atomwaffensperrvertrags.

14.03. US-Präsident Bill Clinton verlängert das Moratorium für US-Atomtests bis September 1995.

30.03. Der südafrikanische Präsident F. W. De Klerk erklärt im Parlament, dass Südafrika Atomwaffen gebaut hat, diese jedoch bereits zerstört wurden.

13.06. Nordkorea kündigt erneut seinen Austritt aus dem Atomwaffensperrvertrag. 

15.06. Ehem. US-Präsident Jimmy Carter vereinbart mit Nordkorea, das nordkoreanische Atomprogramm "einzufrieren" und Gespräche mit den Vereinigten Staaten wieder aufzunehmen.

28.09. Auf dem „Washingtoner Gipfel“ erklären die USA und Russland, das sie sich an den ABM-Vertrag halten und kooperativ an der Raketen-Abwehr für das Gefechtsfeld arbeiten wollen.

21.10. Die USA und Nordkorea unterzeichnen in Genf ein Nuklearabkommen: Pjöngjang stellt sein laufendes Atomprogramm ein, Washington sagt im Gegenzug den Bau von Leichtwasserreaktoren und Öllieferungen zu.

31.11. Die USA, Russland, Kasachstan, Weißrussland und die Ukraine unterzeichen ein Abkommen, dass die Fortsetzung des INF Vertrages regelt.

05.12. Der START-I-Vertrag tritt in Kraft.

1995

Vierzehn Minuten vor Zwölf: Hoffungen auf eine große Friedensdividende nach dem Ende des Kalten Krieges verblassen. Vor allem in den USA ändert sich die Rhetorik der nuklearen Hardliner nicht. Die Reduzierung der Arsenale weltweit verlangsamt sich, es gibt immer noch über 40.000 Atomwaffen. Die Angst vor der Abzweigung von Nuklearmaterialien durch Terroristen wächst.

Gegen weltweiten Protest unternimmt Frankreich ab September 1995 nochmals sechs Atomtests auf dem Moruroa-Atoll. Der letzte Test wurde am 26. Januar 1996 durchgeführt. Damit kommt Frankreich auf 210 Atomtests insgesamt; wovon 50 oberirdisch gezündet wurden.
 
11.05. Der Atomwaffensperrvertrag wird unbefristet verlängert.

1996

26.01. Der U.S.-Senat stimmt für den START-II-Vertrag mit 87:4 Stimmen.

26.01. Beginn der umstrittenen Zwischenlagerung von Atommüll in Gorleben.

27.01. Letzter und größter französicher Atomtest (120 Kilotonnen) auf dem Fangataufa-Atoll im Südpazifik. Am 29.1. kündigt der französische Präsident Jacques Chirac an, dass Frankreich nie wieder Atomwaffen testen wird.

29.01. Der französische Staatspräsident Jacques Chirac erklärt in einer Fernsehansprache, dass die seit dem Sommer 1995 wieder aufgenommenen Atomwaffentests in der Südsee endgültig eingestellt werden. Ursprünglich sollte die Testreihe bis Mitte 1996 fortgesetzt werden, angesichts der massiven nationalen und internationalen Proteste entschloss sich Chirac jedoch zu einer früheren Beendigung. - aus der Dokumentation zur Abrüstung und Sicherhheit, BandXXVI, 1993/1996.

23.02. Der französische Präsident Jacques Chirac kündigt die Beendigung der Herstellung von spaltbaren Materialien für Atomwaffen und die endgültige Schließung des Atomtestgeländes, sowie Reduzierungen der atomaren Streitkräfte Frankreichs an.

18.03. Eine Studie mit dem Titel „Avoiding Nuclear Anarchy“ des Center for Science and International Affairs der Harvard-Universität weist auf die Gefahren hin, die sich in Russland sowie anderen GUS-Staaten infolge der unsicheren Lagerung nuklearer Materialien ergeben. Die Studie kommt zum Ergebnis, dass die neue Bedrohung durch nukleare "Lecks" durch Diebstahl und Weitergabe von Nuklearmaterial aus der ehem. Sowjetunion das Problem der Weiterverbreitung grundlegend verändert hat. - aus der Dokumentation zur Abrüstung und Sicherheit, BandXXVI, 1993/1996.

25.03. Die USA, Frankreich und Großbritannien unterzeichnen auf den Fiji-Inseln die Protokolle des Raratonga-Vertrags vom 6. August 1985, der eine atomwaffenfreie Zone im Südpazifik einrichtet. Die Protokolle verbieten u.a. den Einsatz von Atomwaffen oder seine Androhung gegen Vertragspartner sowie Atomtests innerhalb der Zone. Die Sowjetunion unterzeichnete bereits 1986 und China 1987. 

19./20.04. Ein Gipfeltreffen der G7-Staaten gemeinsam mit der russischen Führung („G-8 Gipfel“) zur nuklearen Sicherheit und Sicherung findet statt. Die Zusammenarbeit der westlichen Staaten mit Russland im Bereich der Sicherheit nuklearer Anlagen und Spaltmaterialien wird besprochen.

02.06. Der Präsident der Ukraine, Leonid D. Kutschma, erklärt in einer Rede die Ukraine für atomwaffenfrei. Der letzte Atomsprengkopf wurde am 1. Juni an Russland zurückgegeben. Damit hat die Ukraine ihren Teil der trilateralen Vereinbarung (USA, Russland, Ukraine) vom 14. Januar 1994 vollzogen. »Nachricht (engl.)

04.06. Die Verteidigungsminister der USA, Russland und der Ukraine treffen sich am ehemaligen Raketenstutzpunkt Pervomajsk, um die Atomwaffenfreiheit der Ukraine zu feiern. Die Minister streuen Sonnenblumenkerne und pflanzen Sonnenblumen wo die Raketen früher unterirdisch gelagert wurden. US-Verteidigungsminister William Perry sagt: "Sonnenblumen statt Raketen in der Erde werden Frieden für künftige Generationen sichern." »Nachricht (engl.)

04.06. Nach zweijährigen Verhandlungen, schließen Frankreich und die USA einen Geheimpakt in welchem sie vereinbaren, die Daten aus computersimulierten Atomexplosionen miteinander zu teilen.

08.06. China führt seinen 44. und vorletzten Atomtest in Lop Nor durch. Er misst 5,7 auf der Richterskala.

30.06. Frankreich beendet die Herstellung von hochangereichertem Uran für Atomwaffen.
 
08.07. Der internationale Gerichtshof erklärt in einem Rechtsgutachten den Einsatz und die Androhung des Einsatzes von Atomwaffen generell für völkerrechtswidrig.
 
29.07. Die letzte chinesische Atombombe wird getestet. Insgesamt testete China 45 Atomsprengsätze, davon 23 oberirdisch.

14.08. Die „Canberra Commission on the Elimination of Nuclear Weapons“, initiiert von der australischen Regierung, veröffentlicht ihre Ergebnisse. Die Sicherheit aller Staaten – auch der Atomwaffenstaaten – wird durch Atomwaffen verringert. Die Kommission fordert die fünf anerkannten Atomwaffenstaaten auf, sich unmissverständlich für die Eliminierung aller Atomwaffen zu verpflichten und dafür umgehend die Arbeit sowie Verhandlungen aufzunehmen. 

10.09. Die Generalversammlung der Vereinten Nationen nimmt den am 22. August fertiggestellten Vertragsentwurf über einen Umfassenden Atomteststopp mit 158 Stimmen bei 3 Gegenstimmen und 5 Enthaltungen an. Weil Indien seine Zustimmung verweigerte, war eine Verabschiedung des Entwurfes in der Abrüstungskonferenz nicht möglich. »Text der Resolution (PDF)  »Erklärung Indiens zur Resolution (PDF) aus Blätter für deutsche und internationale Politik

20.09. Frankreich ratifiziert die drei Protokolle zum Vertrag von Raratonga und zum Vertrag von Pelindaba.
 
24.09. Ein umfassender Atomteststopp-Vertrag (CTBT, Comprehensive Test Ban Treaty) wird durch die UN-Generalversammlung in New York erarbeitet und für die Unterzeichnung bereitgestellt.

24.09 Die ehemaligen sowjetischen Republiken Weißrussland, Ukraine und Kasachstan werden atomwaffenfrei.

10.11. Der Atomteststoppvertrag (CTBT) wird unterzeichnet. Der Vertrag verbietet jegliche Nukleartests, gleich ob für Waffen- oder andere Zwecke. Subkritische Tests, bei denen es nicht zu einer Kettenreaktion kommt, sind durch den Vertrag nicht ausdrücklich verboten und werden von einigen Staaten weiterhin durchgeführt.

1997

USA entwickelt die B-61-11-Bombe ("Bunker Buster"), um tief in die Erde eindringen zu können.

13.03. Das europäsiche Parlament ruft seine Mitgliedsstaaten auf, die Aufnahme von Verhandlungen über eine Nuklearwaffenkonvention zu unterstützen. [Resolution im Wortlaut (engl.)]

20./21.03. Die Präsidenten Clinton und Jelzin geben das Rahmenabkommen für START III bekannt, es kommt aber in der Folge nicht zu einer Einigung.

29.04. Die Chemiewaffenkonvention tritt in Kraft.

15.05. Ein Modellentwurf des Zusatzprotokolls zum Safeguards-Abkommen wird von der IAEO verabschiedet. [Modellentwurf im Wortlaut]

15.05. China führt einen Atomtest durch, obwohl nur ein paar Tage davor, die Regierung versprach, sich „äußerst zurückhaltend“ im Bezug auf Atomtests zu verhalten.

27.05. Die NATO-Russland-Grundakte wird in Paris unterzeichnet.

26.06. Fünfzig namhaften ehemaligen US-Senatoren, Regierungsmitgliedern und Botschaftern bezeichnen die NATO-Erweiterung in einem offenen Brief an US-Präsident Clinton als „politischen Irrtum historischen Ausmaßes“, der die Stabilität in Europa gefährde.

02.07. Die USA führt den ersten unterirdischen subkritischen Atomtest mit der Bezeichnung „Rebound“ in Nevada durch.

08.09. Alexander Lebed, der ehem. Nationale Sicherheitsberater der russischen Präsident Boris Jelzin, behauptet, dass er bei einem Inventur feststellte, ca. 100 atomare Kofferbomben nicht auffindbar seien.

18.09. Zweiter subkritischer Atomtest in Nevada, mit der Bezeichnung Holog.

26.09. Die Außenminister Albright und Primakow unterzeichnen ein Abkommen, dass die Frist zur Eliminierung von strategischen Trägermitteln (strategic nuclear delivery vehicles=SNDV) verschiebt. Beide Seiten einigen sich auch darauf, dass alle SNDVs, die unter dem Vertrag verboten sind, bis zum 31.12.2003 vernichten werden sollen, sobald START-II in Kraft tritt.

23.10. Neun FriedensnobelpreisträgerInnen veröffentlichen anläßlich UN-Abrüstungstag eine Erklärung mit der Forderung nach einer atomwaffenfreien Zone in Mittel- und Osteuropa.

17.11. Die Vereinten Nationen veröffentlicht den Modellentwurf einer Nuklearwaffenkonvention [A/C.1/52/7]. Das Dokument wurde von NGOs geschrieben und den Vereinten Nationen durch Costa Rica vorgelegt.

22.12. Die USA zerstört das letzte Minuteman-II-Silo.

1998

Neun Minuten vor Zwölf: Indien und Pakistan werden Atommächte. Innerhalb von drei Wochen führen beide Länder 12 Atomtests durch. Diese Tests werden als Mangel des internationalen Willens, die Verbreitung der Atomwaffen einzudämmen, bewertet. Die USA und Russland sind nach wie vor schlechte Vorbilder für die Welt, mit mehr als 7000 Atomsprengköpfen fertig zum Abschuss innerhalb von 15 Minuten.

März Die Abrüstungskonferenz in Genf beschließt ein Mandat für Verhandlungen über ein Herstellungsstopp von Materialien ("Cut-Off"), die dem Bau von Atomwaffen dienen. Bis heute haben die Verhandlungen nicht angefangen.

11. und 13.05. Indien führt eine Reihe von Atomtests durch.
 
28. und 30.05. Pakistan führt eine Reihe von Atomtests durch.
 
06.06. Störfall im Atomkraftwerk Unterweser. Ursachen sind menschliches Versagen und mangelhafte Leittechnik der Firma Siemens.

09.06. Die Regierungen von Ägypten, Brasilien, Irland, Mexiko, Neuseeland, Schweden, Slowenien und Südafrika geben die Gründung der "New Agenda Coalition" bekannt, die sich intensiv für eine atomwaffenfreie Welt einsetzen will. Slowenien zieht sich (wohl auf Druck der USA) bald wieder aus dem Zusammenschluss zurück.

25.12. Aufgrund der von Großbritannien und den USA durchgeführten Luftschläge gegen den Irak, verzögert das russische Parlament, die Duma, die Abstimmung über die Verlängerung der START-II Frist.

1999

Im Krieg gegen Jugoslawien wird Uranwaffen eingesetzt.

Juni Präsident Clinton und Präsident Jelzin reden in Köln über den ABM- und START III-Vertrag.

30.09. Der weltweit dritt schwerste Atomunfall nach Tschernobyl und Harrisburg ereignet sich in Tokaimura, Japan. Nach offiziellen Angaben sind 150 Menschen der Strahlung ausgesetzt gewesen. Mindestens ein Mensch ist dabei ums Leben gekommen.
 
14.10. US-Senat lehnt die Ratifizierung des Atomteststoppvertrages ab.
 
30.11. In der Urankonversionsanlage Tokaimura in Japan wurden anstelle einer zulässigen Menge von 2,5 kg 16 kg Uranhexanfluorid in einen Tank eingebracht. Drei Arbeiter waren tödlichen bis annähernd tödlichen Dosen von Radioaktivität ausgesetzt. Die beiden Schwerstbestrahlten sind inzwischen gestorben.