1960

Sieben Minuten vor Zwölf: Die politische Praxis straft das Konzept der „massiven Vergeltung“ Lügen. Zum ersten Mal soll die Gefahr eines Atomkrieges durch die Entspannungspolitik zwischen Washington und Moskau reduziert werden. Beide Staaten wollen eine direkte Konfrontation vermeiden, die durch Konflikte, wie die Suez-Krise, entstehen könnte. Vertrauensbildende Maßnahmen, an denen auch Wissenschaftler beteiligt sind, tragen zur weiteren Entspannung bei.

Studenten aus Mali protestieren gegen französischen Atomtest, Foto: Bundesarchiv13.02. Gerboise Bleue: Erster französischer Atombombentest in Reggane in der algerischen Saharawüste, während des Krieges mit Algerien. Die Bombe hatte eine Sprengkraft von 70 Kilotonnen (mehr als die 5fache Sprengkraft von Hiroshima) und war damit die größte, bei einem ersten Atomtest gezündete, Bombe.

05.10. Fehlalarm: Ein Frühwarnradar auf Grönland meldet einen massiven sowjetischen Angriff ballistischer Raketen auf die USA.

15.11. George Washington, das erste atomar bewaffnete U-Boot, geht auf Patrouille, bestückt mit Polaris-Raketen.

Dezember SIOP 62 wird fertig gestellt. Diese Kriegsplanung beinhaltet den Einsatz von mehr als 3000 US-Atomwaffen gegen 1000 Ziele im kommunistischen Block innerhalb den ersten Paar Stunden eines Atomkrieges.

1961

03.01. Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Kuba und den USA.

23.01. Ein B-52 bomber mit zwei Atombomben an Bord, jede mit einer Sprengkraft von 24 Megatonnen, stürzt in Goldsboro, North Carolina ab. Eine Bombe zerschellt am Boden, die andere findet sich per Fallschirm gelandet in einem Baum intakt wieder.

30.03. In zahlreichen westdeutschen Städten nehmen Atomwaffengegner an Ostermärschen gegen die Aufrüstung teil.

09.04. Bundeskanzler Adenauer fliegt nach Amerika, um mit US-Präsident Kennedy Europas Mitsprache dabei zu erörtern, ob, wo und wann Atomwaffen eingesetzt werden.

04.05. Der Bundestag billigt den im August 1959 unterzeichneten Truppenvertrag zwischen der Bundesrepublik und den NATO-Mitgliedsstaaten.

03./04.06. Bei einem Treffen mit dem neuen US-Präsidenten John F. Kennedy am 3. und 4. Juni 1961 in Wien erneuerte Chruschtschow das Berlin-Ultimatum.

23.06. Die Antarktis wird nicht nur zur atomwaffenfreien Zone, sondern insgesamt zu einer waffenfreien Zone erklärt und ist ausschließlich der friedlichen Nutzung vorbehalten.

25.07. Kennedy antwortete auf Chruschtschows Berlin-Ultimatum in einer Rundfunk- und Fernsehansprache mit den "Three Essentials" über die Rechte der Westmächte in Berlin. Er erklärt damit seine Entschlossenheit, die Anwesenheit westlicher Truppen in West-Berlin, den freien Zugang von und nach Berlin sowie die Freiheit und Lebensfähigkeit der Stadt zu verteidigen.

13.08. Die DDR beginnt mit der Errichtung der Berliner Mauer, um den Flüchtlingsstrom zu stoppen. Bewaffnete Volkspolizisten der DDR riegeln Ost-Berlin gegen West-Berlin ab.

16.08. Für alle Bewohner der DDR und Ost-Berlins wird die Grenze zur Bundesrepublik Deutschland geschlossen.

31.08. Die Sowjetunion beschließt, die Atomwaffentests wieder aufzunehmen. Dadurch wird die Konferenz über die kontrollierte Einstellung der Atomwaffentests in Genf vorzeitig beendet.

01.09. In einer Wahlkampfrede fordert Bundeskanzler Adenauer die Ausrüstung der Bundeswehr mit Atomwaffen.

27.-28.10. Am Grenzübergang Checkpoint Charlie in Berlin standen sich sowjetische und US-amerikanische Panzer gegenüber und richteten ihre Kanonenrohre aufeinander. Weitere Panzer standen in den Nebenstraßen bereit. 16 Stunden dauerte der Nervenkrieg an, bevor beide Seiten die Krise doch friedlich beilegten.

30.10. Zar-Bombe: Die Sowjetunion führt den größten aller Atomtests mit 50-58 Megatonnen (ca. 4000fache Sprengkraft von Hiroshima) in Nowaja Semlja durch.

1962

01.05. Unter dem Codenamen „Béryl” führt Frankreich einen Atomtest in einem Tunnel im Hoggar-Gebirgszug in der Nähe des Ortes In Ekker, in Algerien, durch. Die Explosion führte zu einer massiven Freisetzung von Radioaktivität und einer Massenpanik der Zuschauer des Tests. Etwa 100 Franzosen und eine unbekannte Anzahl von Algeriern wurden verstrahlt.

20.06. „Starfish”: verfehlter US-Weltraumatomtest. Die Rakete explodierte in einer Höhe von 10m Höhe und verseuchte Teile von Sand Island mit Plutonium.

06.07. „Storex Sedan”: sogenannter friedlicher Atomtest in Nevada, um den Einsatz von Atombomben für den Bergbau zu untersuchen. Die Sprengkraft betrug 104 Kilotonnen, es wurde ungefähr 11 Millionen Tonnen Gestein bewegt und die radioaktive Wolke erreichte eine Höhe von 3,7 km. Der entstandene Krater hatte eine Tiefe von circa 100 m und einen Durchmesser von 390 m.

09.07.Starfish Prime”: US-Atomtest im Weltraum mit einer Sprengkraft von 1.450 Kilotonnen. Es kam zu spektakulären, polarlichtähnlichen Leuchterscheinungen über Hawaii und Kwajalein. Im Zuge der Explosion legte ein elektromagnetischer Puls elektronische Geräte in weitem Umkreis um den Punkt auf der Erdoberfläche unterhalb der Detonation lahm.

SA-2-Raketenstellung auf Cuba, Foto: US National Security ArchiveOktober 1962: Die Kuba-Krise. Die Welt steht vor einem Atomkrieg, weil die Sowjetunion SS-4-Atomraketen auf Kuba stationierte. Nikita Chruschtschow glaubte, dass John F. Kennedy plane, Fidel Castro zu stürzen. John f. Kennedy orndete eine Seeblockade an. Nach einer Fernsehansprache von Kennedy, in der die Öffentlichkeit er über die Raketenstationierung informierte, brach tagelange Panik aus.

27.10. „Schwarzer Samstag”: Die US-Stabschefs verlangen einen Luftangriff auf Kuba, gefolgt von einer Invasion. Castro wollte, dass Chruschtschow die Atomwaffen startet.

28.10. Durch einen geheimen Brief von Chruschtschow erfuhr Kennedy, dass er - genauso wie Kennedy - keine Eskalation will. Moskau kündigte den Abzug seiner Raketen an, während Kennedy den Verzicht auf eine Invasion Kubas erklärte. Zudem versprach er, die Atomraketen aus der Türkei abzuziehen, welche für Moskau eine Bedrohung darstellten.

04.11.Tightrope”: Letzter atmosphärischer Atomtest der USA auf dem  Johnson-Atoll.

25.12. Letzter atmosphärischer Atomtest der UdSSR auf Nowaja Semlja.

1963

Zwölf Minuten vor Zwölf: Nach jahrzehntelangen Atomtests wird der „begrenzte Atomteststoppvertrag“ unterzeichnet. Damit werden alle Tests in der Atmosphäre verboten. Obwohl unterirdische Tests weiterhin erlaubt sind, bremst der Vertrag den Rüstungswettlauf und zeigt, dass die Supermächte kooperieren wollen.

10.06. US-Präsident John F. Kennedy hält seine "Friedensrede" in Washington, die die Entspannungspolitik zwischen Ost und West einläutete.

20.06. Die USA und die Sowjetunion richten eine Notkommunikation über Rundfunk und Telegraph ein, die so genannte Hotline. Die Hotline-Vereinbarung erkennt zum ersten Mal die Gefahr an, dass ein Atomkrieg aus Versehen - durch technischen oder menschlichen Fehler - geschehen könnte. Seit 1963 wurde diese direkte Leitung jede Stunde getestet. Sie besteht immer noch.

15.07. Egon Bahr stellt in einem Vortrag in der Evangelischen Akademie zum ersten Mal die „Ostpolitik” vor, unter dem Titel „Wandel durch Annäherung”.

25.07. Zwischen den USA und der UdSSR wird ein Abkommen über ein partielles Testverbot (PTBT = Partial Test Ban Treaty), das alle Atomwaffenversuche in der Atmosphäre, unter Wasser und im All untersagt, abgeschlossen.

05.08. Der Partielle Teststoppvertrag wird in Moskau von den USA (Dean Rusk), der UdSSR (A. Gromyko) und Großbritannien (Sir Douglas Home) unterzeichnet.

10.10. Der Partielle Teststoppvertrag für oberirdische Atomtests zwischen den USA, Großbritannien und der Sowjetunion tritt in Kraft.

15.10. Ein zwischen den USA und der Sowjetunion getroffenes Übereinkommen, keine Atomwaffen in den Weltraum zu bringen, ist in Form eines Resolutionsantrags im Politischen Ausschuss der UN-Vollversammlung eingebracht.

1964

13.01. Ein B-52-Flugzeug gerät in einen turbulenten Sturm und bricht über Pennsylvania auseinander und stürzt am Elbow Mountain im Savage River State Forest, Cumberland MD, ab. Die zwei Piloten überleben, drei Mitglieder der Crew sterben. Die zwei Mk-53-Wasserstoffbomben an Bord werden gesucht und schließlich „relativ intakt“ in Teilen der Trümmer unter 36cm Schnee in einem Bauernhof gefunden. Der Absturz ist als „Savage Mountain Crash“ bekannt.

24.07.  In einer Fabrik für nukleare Brennelemente in Charlestown, Rhode Island, USA, starb ein Mann an einer tödlichen Strahlendosis, als es in einer flüssigen Uranlösung, mit der er hantierte, zu einer Kettenreaktion kam.

14.10. Sturz Chruschtschows.

16.10. Erster chinesischer Atombombenversuch bei Lop Nor in der Provinz Xinjiang (Sinkiang-Uigur) mit der Bezeichnung 596 (westliche Bezeichnung „Chic-1”). Die Bombe ist ein Uranimplosionssprengsatz und hat eine Sprengkraft von 22 Kilotonnen.

08.12. Ein US-amerikanisches B-58-„Hustler”-Flugzeug mit einer Atombombe an Bord fängt Feuer kurz vor dem Start am US-Luftwaffenstützpunkt Bunker Hill in Indiana, USA. Die Atomwaffe brennt und die unmittelbare Gegend wird dadurch verseucht.

1965

März US-Marine-Infanteristen landeten am Strand von Da Nang in Südvietnam. Bis Ende des Jahres war die Zahl der Kampftruppen in Vietnam auf 185.000 gestiegen.

24.09. Die Sowjetunion legt den UN einen Vertragsentwurf gegen die weitere Ausbreitung von Kernwaffen vor. » Im Wortlaut (PDF) aus dem Archiv der Blätter für deutsche und internationale Politik

29.10. Die USA zündet die Atombombe „Long Shot” mit einer Sprengkraft von 80 KT (Kilotonnen) in einem 700m tiefen Loch auf der nordpazifischen Insel Amchitka.

19.11. Eine Resolution der UN-Vollversammlung über die Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen wird verabschiedet. » Im Wortlaut (PDF) aus dem Archiv der Blätter für deutsche und internationale Politik

1966

10.01. Der Ministerpräsident Indiens und der Präsident Pakistans erklären in der Deklaration von Taschkent den Entschluss, friedliche Beziehungen wieder herstellen zu wollen. » Im Wortlaut (PDF) aus dem Archiv der Blätter für deutsche und internationale Politik

02.07. Erster französischer Atomtest im Südpazifik mit einer Sprengkraft von 30 KT. Der Atomsprengsatz wurde auf einem Boot in der Lagune des Moruroa-Atolls gezündet.

1967

27.01. Der Weltraum-Vertrag, der die Stationierung von ABC-Waffen im Weltraum verbietet, wird unterzeichnet. » Im Wortlaut (PDF) aus dem Archiv der Blätter für deutsche und internationale Politik
 
14.02. Im Vertrag von Tlatelolco erklärt sich Lateinamerika zur atomwaffenfreien Zone. Inzwischen haben sich weltweit sieben atomwaffenfreie Zonen gebildet (die faktisch die ganze südliche Hemisphäre umfassen). » Im Wortlaut (PDF) aus dem Archiv der Blätter für deutsche und internationale Politik

20.04. Vor der Ile de Levante im Mittelmeer vor der französischen Küste bei Toulon wird der Prototyp der französischen Atomrakete M-112, die von einem U-Boot aus abgefeuert werden konnte, erfolgreich erprobt.


17.06. China zündet seine erste Wasserstoffbombe. Sie hat eine Sprengkraft von 3,3 Megatonnen.

18.09. Robert McNamara hält die "Mutual Deterrence" Rede in San Francisco - eine grundsätzliche Darlegung der nuklearen Verteidigungspolitik der USA und Ankündigung eines vorerst begrenzten ABM-Systems gegen China.

10.10. Der Weltraumvertrag tritt in Kraft. Er schreibt die friedliche Nutzung des Weltraums zum Wohle der gesamten Menschheit vor und untersagt die Stationierung von Atomwaffen im Erdorbit.

17.11. Beginn der ersten Runde der Strategic Arms Limitation Talks (SALT I) zwischen den USA und der Sowjetunion.

1968

Sieben Minuten vor Zwölf: Regionale Kriege brechen in Asien und dem Nahen Osten aus. Die USA sind in Vietnam verstrickt, Indien und Pakistan sowie Israel und arabische Staaten kämpfen gegeneinander. Darüber hinaus steigt durch die französischen und chinesischen Atomtests die Zahl der Atommächte. Das Bulletin beklagt die Ideenlosigkeit im Kampf gegen die Gefahren der atomaren Anarchie.

21.01. Ein US-amerikanischer B-52-Bomber stürzt über Grönland ab. Dabei werden vier Atombomben abgeworfen. Als Folge müssen die USA Hunderte von Tonnen mit Plutonium verseuchtem Eis entsorgen.

31.01. Die kriegsentscheidende Tet-Offensive des Vietcong beginnt.

08.-10.03. Ein mit drei Atomraketen bewaffnetes sowjetische U-Boot sinkt 1200 km von der Küste der Insel Oahu, Hawaii entfernt.

19.06. UN-Sicherheitsrat verabschiedet eine Resolution (255) die Sicherheitsgarantien für atomwaffenfreie Staaten gewährt, die NVV-Mitgliedstaaten sind.

01.07. Die drei Großmächte USA, UdSSR und Großbritannien unterzeichnen den Atomwaffensperrvertrag, der die Weitergabe von Atomwaffen an Drittländer untersagt.
 
24.08. Canopus: Frankreich zündet seine erste Wasserstoffbombe mit einer Sprengkraft von 2,6 Megatonnen auf der Insel Fangataufa im Südpazifik.
 
29.10. Der erste deutsche Atommeiler Obrigheim geht ans Netz.

1969

Zehn Minuten vor Zwölf: Fast die gesamte Welt kommt 1969 zusammen um den nuklearen Nichtverbreitungsvertrag zu unterzeichnen. Der Vertrag stellt eine Art „Tauschgeschäft“ dar, in dem die Nichtkernwaffenstaaten Zugang zu friedlicher Atomtechnik bekommen und gleichzeitig auf den Erwerb von Atomwaffen verzichten. Die Atomwaffenstaaten versprechen, ihre Waffen abzurüsten, sollten es die Umstände erlauben. Obwohl Indien, Israel und Pakistan die Unterschrift verweigern, ist das „Bulletin“ vorsichtig optimistisch.

14.03. ABM: U.S.-Präsident Nixon kündigt an, mit Hilfe des „Safeguard“-Programms die U.S.-amerikanischen Atomwaffen schützen zu wollen.

25.04. Der Vertrag von Tlatelolco tritt in Kraft (Lateinamerikanische atomwaffenfreie Zone).

29.09. Erster chinesischer Test mit einer Wasserstoffbombe in der Atmosphäre. Er hat eine Sprengkraft von ca. 3 Megatonnen.

02.10. Die USA führen eine zweite Testexplosion mit dem Codename „Milrow” auf der nordpazifischen Insel Amchitka durch.

17.11. Die USA und die Sowjetunion beginnen die SALT-I-Verhandlungen zur Begrenzung der strategischen Verteidigung und der strategischen Offensivwaffen.