1958

15.01. 11.021 WissenschaftlerInnen überreichen durch Linus Pauling einen Appell für die Beendigung von Atomtests an UN-Generalsekretär Dag-Hammerskjöld. [Appell im Wortlaut]

22.01. DDR-Ministerpräsident Otto Grotewohl schlägt einen Volksentscheid in beiden deutschen Staaten über die Einbeziehung in eine atomwaffenfreie Zone vor.

31.01. James Van Allen entdeckt den Van-Allen-Gürtel.

07.02. Der französische Verteidigungsminister Jacques Chaban-Delmas erklärt, Frankreich wolle selbst Atomwaffen herstellen, um ein gerechtes Gleichgewicht innerhalb des Militärbündnisses NATO herzustellen.

18.02. Der polnische Außenminister Adam Rapacki veröffentlicht die 2. Fassung seiner Vorschläge für eine Atomwaffenfreie Zone in Mitteleuropa (Rapacki-Plan): Verbot von Raketenbasen und Errichtung eines wirksamen Kontrollsystems. [2. Fassung des Plans im Wortlaut ]

21.02. Das von der CND in Auftrag gegebene Friedenszeichen wurde von Gerald Holtom entworfen.
 
25.02. Der britische Philosoph Bertrand Russell gründete die Campaign for Nuclear Disarmament.

25.02. In einem Interview mit dem Deutschen Fernsehen erklärt der Oberbefehlshaber der NATO-Truppen in Europa, General Lauris Norstad, die Stationierung von Atomwaffen auf dem Boden der Bundesrepublik sei für die Verteidigung des Westens notwendig.

27.02. Der im Oktober 1956 vom Bundestag eingesetzte Sonderausschuss Radioaktivität stellt in einem ersten Bericht eine beständige Zunahme der Radioaktivität aufgrund von Atomwaffenversuchen fest.

07.03. Gründung des Arbeitsausschusses "Kampf dem Atomtod" durch namhafte Atomkraftgegner aus dem politischen, kulturellen und kirchlichen Leben der Bundesrepublik.

11.03. Ein US-amerikanischer B-47- Bomber wirft aus Versehen eine Atombombe über Mars Bluff, Southcarolina ab. Es kam zu keiner Kettenreaktion. Ein Haus wurde jedoch zerstört, einige Menschen verletzt.

22.03. Auf einer Kundgebung in Suhl kündigt DDR-Ministerpräsident Otto Grotewohl Gegenmaßnahmen der Warschauer-Pakt-Staaten für den Fall an, dass die Bundeswehr mit Atomwaffen ausgerüstet wird.

25.03. Der Bundestag beschließt die Ausstattung der Bundeswehr mit Atomwaffen im Rahmen der NATO und damit die Stationierung von Atomwaffen in Westdeutschland. »mehr zum Thema bei DW-Kalenderblatt

01.04. Einen Aufruf an alle Deutschen, durch politische Massenstreiks sich der Ausrüstung der Bundeswehr mit Atomwaffen entgegenzustellen, veröffentlicht das Präsidium des Nationalrats der Nationalen Front der DDR.

01.04. In Reaktion auf die sowjetische Ankündigung über die Einstellung von Atomtests vom 31. März erklärt US-Außenminister John Foster Dulles sein Land wolle Versuche zur Entwicklung einer “sauberen” Atomwaffe fortsetzen. – Großbritanniens Premierminister Harold Macmillan betont in einer Stellungnahme, der Westen sei bereit, im Rahmen eines Abrüstungsabkommens auch die Atomtests bei ausreichender Kontrolle einzustellen.

03.04. Auf einer Pressekonferenz in Paris tritt General Lauris Norstad, Oberbefehlshaber der Nordatlantikpakt-Truppen in Europa, für die Fortführung der Atomtests der Westmächte ein, damit eine größere Skala militärischer Mittel zur Verfügung stehe.

04.-07.04. Die CND organisierte den ersten Ostermarsch gegen Atomwaffen. Der Marsch startete im Hyde Park, London und führte die TeilnehmerInnen bis nach Aldermaston, Berkshire.

10.04. Zum Abschluss eines neuntägigen Besuchs des rumänischen Ministerpräsidenten Chivu Stoica in der Volksrepublik China fordern beide Seiten u.a. die Einstellung der Atomtests durch Großbritannien und die USA, die Ersetzung der Militärblöcke durch kollektive Sicherheitssysteme sowie die Auflösung militärischer Stützpunkte außerhalb der eigenen Grenzen.

17.04. Zum Abschluss einer dreitägigen Konferenz der NATO-Verteidigungsminister in Paris erklären die Teilnehmer, die Verteidigungsstrategie des Nordatlantikpakts müsse auf einer starken Abwehrkraft beruhen, zu der sowohl ein Verteidigungsschild mit konventionellen und atomaren Waffen als auch die mit Atomwaffen ausgerüstete Vergeltungsmacht gehöre.

19.04. In Bielefeld, Bremen, Dortmund, Essen, Hamburg, Kiel, Mannheim und München finden Massenkundgebungen der Aktion "Kampf dem Atomtod" gegen die Aufrüstung der Bundeswehr mit Atomwaffen statt, an denen sich insgesamt rund 200 000 Menschen beteiligen.

28.04. Die USA beginnen mit einer neuen auf 30 Versuche angelegten Atomtestreihe auf der Pazifikinsel Eniwetok. – Auch Großbritannien startet einen neuen Atomtest: Über der Weihnachtsinsel, die ebenfalls im Pazifik liegt, wird ein britischer Atomsprengkörper in großer Höhe zur Explosion gebracht.

04.05. In einer Note an die polnische Regierung lehnt die US-Regierung den Rapackiplan einer atomwaffenfreien Zone in Mitteleuropa ab und schlägt stattdessen die Schaffung einer Inspektionszone vor, die sich von Großbritannien bis zum südlichen Ural erstrecken soll.

15.05. Zum Abschluss eines am 29. April begonnenen Staatsbesuches des Präsidenten der Vereinigten Arabischen Republik, Gamal Abd an Nasser, in der Sowjetunion wird eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht, in der beide Seiten u.a. für die friedliche Koexistenz, das Verbot von Atomwaffen sowie den Abschluss von Nichtangriffsverträgen eintreten.

24.06. Auf Antrag der Bundesregierung erlässt das Bundesverfassungsgericht eine Einstweilige Verfügung, die es der hessischen Landesregierung untersagt, Volksbefragungen über die Aufrüstung der Bundeswehr mit Atomwaffen in den hessischen Gemeinden zuzulassen.

05.07. Zum Abschluss ihrer viertägigen Sitzung in Paris erklärt die Versammlung der Westeuropäischen Union (WEU), der vom polnischen Außenminister Adam Rapacki vorgeschlagene Plan einer atomwaffenfreien Zone in Mitteleuropa stelle eine tödliche Gefahr für den Westen dar.

11.07. Der Schweizer Bundesrat entscheidet sich grundsätzlich für die Ausrüstung der Armee mit Atomwaffen.

30.07. Das Bundesverfassungsgericht erklärt die von Hamburg und Bremen geplante Volksbefragung über die atomare Bewaffnung der Bundeswehr für verfassungswidrig.

03.08. "USS Nautilus" erreicht den Nordpol. Mit der Fahrt der USS Nautilus wollen die USA ihre technische und politische Überlegenheit demonstrieren. Ein Jahr nachdem die Sowjetunion den Satelliten Sputnik ins All geschossen hat, gleichen die USA im Wettlauf um die größten technischen Innovationen aus. »mehr zum Thema im DW-Kalenderblatt

22.08. US-Präsident Dwight D. Eisenhower kündigt an, sein Land sei aufgrund der in Genf erzielten Ergebnisse bereit, Atomwaffentests für zunächst ein Jahr einzustellen, sobald eine Konferenz über die kontrollierte Einstellung aller Atomwaffentests zusammengetreten ist.

27.08. Auf einer Konferenz in Nyborg in Dänemark verabschiedet der Weltkirchenrat eine Resolution, in der die Atommächte zu verstärkten Bemühungen um eine Einstellung der Kernwaffenversuche aufgerufen werden.

06.09. Während der zweiten Quemoy-Matau Krise mit China, fordert General Twining Präsident Eisenhower auf, den Befehl für Atomwaffeneinsätze gegen China zu erteilen. Eisenhower lehnt ab.

08.09. Die Vereinigten Staaten beenden ihre diesjährige Atomtestserie im Pazifik, die am 28. April begonnen hat. – Ab 15. September sollen in der Wüste von Nevada noch einmal zehn Kernwaffenversuche durchgeführt werden.

29.09. Die Sowjetunion nimmt ihre am 31. März eingestellten Atomwaffentests wieder auf. Die US-Regierung stellt daraufhin fest, dass es sich bei der Einstellung in erster Linie um ein Propagandamanöver gehandelt habe.

30.10. Die Sowjetunion lehnt den Vorschlag der Vereinigten Staaten und Großbritanniens ab, die Atomtests für ein Jahr einzustellen. Beiden Mächten wird vorgeworfen, sie machten diesen Vorschlag erst, nachdem sie selbst die bislang größten Testserien durchgeführt hätten.

31.10. In Genf beginnen die Gespräche der drei Atommächte über die Einstellung der Atomtests unter internationaler Kontrolle. Der US-Präsident Dwight Eisenhower erklärt, dass die USA ihre Atomtests aussetzen und fordert die Sowjetunion auf, sich dem Moratorium anzuschließen. Das Atomtestmoratorium hält bis zum 15. September 1961.

11.11. Die britische Regierung erklärt sich nicht bereit, den sowjetischen Plan einer sofortigen Einstellung der Atomwaffentests ohne ein gleichzeitiges Abkommen über ein Kontrollsystem anzunehmen.

27.11. Berlin-Ultimatum von Chruschtschow. In der Note an die Westmächte forderte er die Umwandlung West-Berlins in eine Freie Stadt, also unabhängig von der Bundesrepublik Deutschland und DDR. Er forderte damit einen Abzug der Truppen der Westalliierten. Somit begann die Berlin-Krise.

28.11. General Lauris Norstad, Oberbefehlshaber der Truppen des westlichen Militärpaktes (NATO) in Europa, kündigt die Ausrüstung der meisten NATO-Armeen mit „modernsten“ Atomwaffen innerhalb der nächsten drei bis sechs Monate an. Die Kontrolle über die Atomsprengköpfe wollen sich die USA vorbehalten.

28.11. Eine US-amerikanische Interkontinentalrakete vom Typ “Atlas” legt von Cape Canaveral/Florida zu ihrem Zielgebiet im Südatlantik erstmals die volle vorgesehene Distanz von 10 000 km zurück.

16.12. Die Außenminister der NATO-Staaten bestätigen nochmals, die Zugehörigkeit West Berlins zum Schutzbereich der NATO.

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Zitiert:

Konrad Adenauer, 1952. Foto: Bundesarchiv

»Die taktischen Atomwaffen sind im Grunde nichts anderes als eine Weiterentwicklung der Artillerie, und es ist ganz selbstverständlich, dass bei einer so starken Fortentwicklung der Waffentechnik, wie wir sie leider jetzt haben, wir nicht darauf verzichten können, dass unsere Truppen auch jetzt bei uns - das sind ja besondere normale Waffen in der normalen Bewaffnung -, die neuesten Typen haben und die neueste Entwicklung mitmachen.«

Ehem. Bundeskanzler Konrad Adenauer, Spiegel, 15. Mai 1957