
Überblick | USA

Die USA haben es offiziell geschafft, die obere Grenze von 2.200 erlaubten, einsatzbereiten, strategischen Atomwaffen nach dem Moskauer Abkommen (SORT) von 2002 zu erreichen. Dennoch geht die Abrüstung nur schleppend voran.
Das US-Arsenal enthält rund 5.200 Atomsprengköpfe. 2.700 sind einsatzbereit, davon 2.200 sind strategische und 500 taktische Sprengköpfe. 2500 werden in Reserve gehalten und zusätzlich warten 4.200 auf ihrer Zerstörung.
Die USA sind offiziell anerkannter Atomwaffenstaat und Mitglied des Atomwaffensperrvertrags seit dem Jahr 1970, in dem sich die USA verpflichteten, "in redlicher Absicht Verhandlungen zu führen über wirksame Maßnahmen zur Beendigung des nuklearen Wettrüstens in naher Zukunft und zur nuklearen Abrüstung sowie über einen Vertrag zur allgemeinen und vollständigen Abrüstung" (Artikel VI).
Als erster Staat, der 1945 die Atombombe entwickelte, trieben die USA seit Beginn des atomaren Zeitalters das weltweite Wettrüsten an. Die USA haben als erster und einziger Staat Atomwaffen eingesetzt: 1945 auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki. Seit 1945 produzierten sie etwa 70.000 Atomwaffen; darunter 70 verschiedene Typen, von der kleinen Atommine bis zu riesigen Wasserstoffbomben mit Megatonsprengkraft.
Die erklärte Strategie der USA hat George W. Bush 2002 verändert: Atomwaffen konnten nun auch gegen Staaten eingesetzt, die keine Atomwaffen besitzen, oder als "präventive" Waffe beim Verdacht eines geplanten Angriffes mit Massenvernichtungswaffen. Vor und während des Irakkrieges 2003 drohten die USA, Atomwaffen einzusetzen, falls Irak die USA mit Massenvernichtungswaffen angreift.
Unter dem neuen US-Präsidenten Barak Obama wurde die Atomwaffenstrategie erneut geändert. So erklärte Obama bereits in seinen Wahlkampfreden 2008, dass er die Atomwaffenpolitik der USA wesentlich ändern und für eine atomwaffenfreie Welt arbeiten wird. Diese Vision hat er in Prag am 5. April 2009 als US-Präsidenten erneut zum Ausdruck gebracht. Am 24. September 2009 brachte er eine Resolution in den UN-Sicherheitsrat ein, die u.a. die Vision einer atomwaffenfreien Welt bekräftigte. Die Resolution wurde einstimmig angenommen. Am 9. Oktober 2009 wurde Obama unter anderem für seine Bemühungen und seine Vision einer atomwaffenfreien Welt mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.
Am 26. März 2010 verkündeten die USA und Russland, dass sie sich nach monatelangen Verhandlungen auf einen neuen Vertrag zur Abrüstung strategischer Atomwaffen geeinigt hätten, welcher das im Dezember 2009 ausgelaufenen START-Abkommen ersetzen soll. Laut Vertrag sollen die strategischen Atomwaffen der beiden Länder um ca. ein Drittel reduziert werden. Das bedeutet, dass die Zahl der Atomsprengköpfe auf strategischen Trägersystemen innerhalb von sieben Jahren auf 1.550 Stück reduziert wird. Das sind ein Drittel weniger als im letzten SORT-Vertrag von 2002 vorgesehen (SORT=Strategic Offensive Reductions Treaty).
Am 6.März 2010 schließlich ließ Obama die neue "Nuclear Posture Review" vorstellen, in welcher ein Präsident und seine Regierung ihre Strategie der nuklearen Abschreckung sowie die Regeln für den Umgang mit dem atomaren Waffenarsenal fest setzen. Demnach sollen Atomwaffen bei der Verteidigung des Landes eine geringere Rolle spielen als zuvor. So soll für die USA ein Ersteinsatz dieser Waffen künftig nur noch unter eingeschränkten Bedingungen infrage komme. Die USA wollen auch keine neuen Atomsprengköpfe bauen, und sie bleiben bei ihrem Verzicht auf Atomtests. Offenbar beibehalten werden soll aber die Option eines nuklearen Erstschlages.
Bearbeitungsstand: April 2010
| US-Arsenal 2010 | |
|---|---|
| Insgesamt | 9568 |
| Einsatzbereit | 2468 |
| Reserve | 2600 |
| für Abrüstung markiert | 4500 |
«Die Nuklearstreitkräfte der USA müssen in der Lage sein – und zwar nach außen erkennbar -, diejenigen kriegsrelevanten Einrichtungen und Potentiale zu zerstören, auf die die Führung eines potentiellen Feindes besonderen Wert legt und auf die sie sich verlassen würde, um in einer Nachkriegswelt ihre eigenen Ziele zu erreichen.»
Donald Rumsfeld, ehem. Verteidigungsminister der USA in "Doctrine for Joint Nuclear Operations", 16. Dezember 2004
Im Wortlaut
- DoD-Factsheet: Increasing Transparency in the US Nuclear Weapons Stockpile, 03.05.2010 (engl.)
- Nuclear Posture Review, April 2010 (engl.)
- Section1251, National Defense Authorization, 4.11.2009 (engl.)
- UNSR-Resolution 1887, 24.09.2009
- JASON Study on Life Extension Programs, 9.09.2009 (engl.)
- Prager Rede von Barack Obama, 5.04.2009
- Text des Abkommens zwischen USA und Japan über Atomwaffen, 19.11.1969 (engl.)
Glossarbegriffe
- Abschreckung
- Atomteststopp
- Atomwaffendoktrin der USA
- Atomwaffensperrvertrag
- B-61-Bombe
- Bunker Buster
- Bush-Putin Abkommen
- Complex 2030
- Counterproliferation
- ICBM
- Interkontinentalrakete
- Minuteman
- MIRV
- Nuclear Posture Review
- Nuklearwaffenkosten
- Ohio-U-Boot
- Raketenabwehr
- Reliable Replacement Warhead (RRW) Program
- SIOP
- SORT-Vertrag
- START-I-Vertrag
- Stockpile Stewardship Program
- Strategische Atomwaffen
- subkritischer Atomtest
- Tomahawk-Marschflugkörper
- Triade
- Trident-II-U-Boot
- USA
- Wasserstoffbombe
Videos
- Zoomin: Obama verspricht eine Welt ohne Atomwaffen, 05.04.09
Links
- Becker, M: Aufmotzen statt abrüsten, Spiegel online, 7.04.2010
- Krüger, P.-A.: USA verzichten auf Tausende Atomwaffen, SZ, 02.03.2010
- Nassauer, O.: Barack Obama zwischen Vision und Realpolitik, ND, 28.12.2009
- Hall, X.: Was beinhaltet die von den USA eingebrachte Resolution? Kommentar, IPPNW-Webseite, 25.09.2009
- Deuerlein, M.: Zwischen atomarer Abrüstung und atomarer Aufrüstung: Die amerikanischen Programme für neue nukleare Gefechtsköpfe, SWP-Diskussionspapier, November 2008
- Nassauer, O.: Veraltete Atomwaffen? Modernisierungspläne der US-Streitkräfte sind gescheitert, Streitkräfte & Strategien NDRinfo, 18.10.2008
- Deutsche Welle: Bush verschrottet noch mehr Atomwaffen, 19.12.2007
- IPPNW: Neue Generation von Atomwaffen, 13.03.2007
- Cabasso, J.: Complex 2030: US-Atomwaffen für das 21. Jahrhundert, W&F, 2007-1