Überblick | Russland

Die Sowjetunion, Vorgängerstaat Russlands, wurde 1949 Atomwaffenmacht und führte über 700 Atomtests durch. Es wird geschätzt, dass Russland bzw. die Sowjetunion seit 1949 etwa 55.000 Atomwaffen produziert hat. Die Sowjetunion trat dem Nichtverbreitungsvertrag 1972 bei.

Laut Bulletin of Atomic Scientists enthält das russische Arsenal Anfang 2012 9.930 Atomwaffen, wovon ca. 4.430 aktive und einsatzfähige Atomsprengköpfe sind. Darunter befinden sich 2.430 strategische und 2.000 taktische Atomwaffen. In Lagern befinden sich bis zu 5.500 Atomwaffen, wovon ein großer Teil für die Abrüstung im Rahmen bilateraler Verträge vorgesehen ist. 1.490 strategischen Atomwaffen sind auf ballistischen Raketen und 950 auf SSBNs montiert.

Der Moskauer Vertrag (SORT) zwischen den USA und Russland aus dem Jahre 2002 sah vor, dass beide Staaten bis 2012 ihre strategischen Arsenale auf 1.700 bis 2.200 aktive Atomwaffen reduzieren. Mit dem Neuen START-Vertrag, den Russland im Januar 2011 ratifizierte, sollte die Zahl der einsatzbereiten strategischen Atomwaffen bis 2018 noch weiter auf je 1.550 reduziert werden. Die Zahl der einsatzbereiten, stationierten Trägersysteme sollte 700 nicht übersteigen und insgesamt sollte jeder Staat nicht mehr als 800 Trägersysteme besitzen.

Am 5. Februar 2011 veröffentlichte das US-Außenministerium Daten vom Neuen START, wonach Russland anscheinend die Reduzierungen für stationierte Atomwaffensysteme unter dem Neuen START jetzt schon erreicht hat. Nach den vorliegenden Daten sind 521 einsatzbereite Trägersysteme stationiert, mit einer Gesamtzahl von 1537 Atomsprengköpfen. (Die Zahl der Sprengköpfe für Langstreckenbomber ist jedoch nicht real, da nur eine Bombe pro Flugzeug unter dem Neuen START gezählt wird, obwohl sie mehr tragen können.) Russland hat insgesamt 865 Trägersysteme und muss daher noch 65 verschrotten, um die Reduzierungen perfekt zu machen. Weitere Details wurden nicht öffentlich gemacht, z.B. die Zahl der nicht stationierten Atomwaffen.

Anfang 2010 veröffentlichte Russland eine neue Militärstrategie. Obwohl die neue Strategie sehr wenig über den Einsatz von Atomwaffen aussagte, haben Experten sie als einen Fortschritt gegenüber der Strategie von 2000 eingeschätzt. Die Schwelle des Einsatzes wurde angehoben, Präventivangriffe mit Nuklearwaffen sind nicht mehr vorgesehen. Die NATO wird als „Gefahr“ statt als „Bedrohung“ gesehen, hauptsächlich wegen der Erweiterung der Allianz. Einen Angriff auf Russland, der „die Existenz des Staates in Gefahr bringt“, könnte den Einsatz von Atomwaffen auslösen. Damit macht Russland von der Klausel im Rechtsgutachten des Internationalen Gerichtshofes (IGH) von 1996 Gebrauch, in dem das Gericht nicht entscheiden konnte, ob eine Verteidigung mit Atomwaffen zum Weiterbestehen eines Staates rechtswidrig sei oder nicht.

Im November 2008 drohte russlands Präsident Medwedjew wegen der geplanten Raketenabwehr in Europa, Iskander-Raketen in Kaliningrad zu stationieren. Dieser Beschluss wurde im Januar 2009 als Reaktion auf das Verhandlungsangebot von Obama zurück genommen. Dennoch wird von manchen NATO-Ländern vor allem in Osteuropa die Befürchtung geäußert, dass die konventionellen Iskander-Raketen, die bereits nah an der Grenze zu NATO gelagert seien, auch mit Atomsprengköpfen bestückt werden können. Daher strebt die NATO nach mehr Transparenz über Zahl und Ort der taktischen Atomwaffen Russlands und fordert eine Verlagerung weg von der NATO-Grenze gemäß dem neuen Strategischen Konzept vom November 2010.

Seit einigen Jahren arbeitet Russland an der Modernisierung seiner atomaren Streitkräfte mit der Begründung, dass es unter anderem notwendig sei, den geplanten Raketenschirm der USA zu überwinden. Im März 2009 hat Russlands Präsident Dmitrij Medwedjew eine Modernisierung der Atomwaffen ab dem Jahr 2011 angekündigt und dies unter anderem mit den Erweiterungsplänen der NATO begründet. Dann beginne eine „umfassende Umrüstung“ des Heeres und der Flotte, sagte der Kremlchef.

Bearbeitungsstand März 2012

Die russischen Atomstreitkräfte

Tabelle: Die russischen Atomstreitkräfte 2009

Typ (Name)TrägerStationie-rungsjahrSprengköpfe/
Sprengkraft (KT)
Sprengköpfe insg.
STRATEGISCHE OFFENSIVWAFFEN
ICBMs
SS-18 M6 (Satan)50198810 X 500/800 (MIRV)500
SS-19 M3 (Stiletto)5019806 X 400 (MIRV)300
SS-25 (Sickle/Topol)12019851 X 800120
SS-27 Mod1 (Topol-M2)5119971 X 80051
SS-27 Mod1 (Topol-M1)1820061 X 800?18
SS-27 Mod2 (RS-24)620103 X 400? (MIRV)18
Zwischensumme295

1.007
SLBMs
SS-N-18 M1 (Stingray)4/6419783 X 50 (MIRV)192
SS-N-23 (Skiff)1/1619864 X 100 (MIRV)64
SS-N-23 M1 (Sineva)5/8020074 X 100 (MIRV)320
SS-N-30 (Bulawa)(1/16)(2011)6 X 100 (MIRV)(96)
Zwischensumme10/160

576
Bomber/Waffen
Tu-95 MS6 (Bear-H6)3219846 X AS-15A ALCMs, Bomben192
Tu-95 MS16 (Bear-H16)31198416 X AS-15A ALCMs, Bomben496
Tu-160 (Blackjack)13198712 X AS-15B ALCMs oder AS-16 SRAMs, Bomben156
Zwischensumme76


844

Zwischensumme strategische offensive Streitkräfte




~2.430
NICHT STRATEGISCHE UND DEFENSIVWAFFEN
ABM/Luftverteidigung
53T6 (Gazelle)6819861 x 1068
SA-10 (Grumble)1.90019801 x niedrig~800
Landgestützt
Bomber/Jäger~682ASM, Bomben682
Kurzstreckenraketen?1 X ??
Seegestützt
U-Boote/Schiffe/LuftwaffeSLCM, ASW, SAM, ASM, DB, Torpedos~590
Zwischensumme nicht-strategische und defensive Streitkräfte


~ 2.080
Gesamtsumme


~ 4.500

NB: Nach Einschätzungen von US-Geheimdiensten trägt die SS-N-23 (Sineva) vier Sprengköpfe.

Die Waffen für die Bomber sind gelagert, nicht auf den Flugzeugen montiert. Es wird eingeschätzt, dass nur ein paar Hundert Bombe auf zwei Stützpunkte gelagert werden, alle andere befinden sich im Zentrallager.

Angeblich sind alle 32 "Gorgon"-Raketen aus dem ABM-System entfernt worden.

Teilweise addieren sich die Zahlen wegen Ab- und Aufrundung nicht. Alle nichtstrategische Sprengköpfe sind zentral gelagert. Zusätzliche 1.600 bis 3.300 nichtstrategische Waffen befinden sich vor der Verschrottung. Es gibt daher ein Gesamtarsenal von nichtstrategische Waffen von 3.700 bis 5.400.

Schätzungsweise befinden sich zusätzlich 3.000 strategische Sprengköpfe vor der Verschrottung. Das komplette Atomwaffenarsenal besteht also schätzungsweise aus ca 11.000 Sprengköpfen.

ABM: Raketenabwehrrakete

ALCM: Luftgestützter Marschflugkörper

ASM: Luft-Boden-Rakete

ASW: Anti-U-Boot-Waffe

DB: Wasserbombe

ICBM: Interkontinentalrakete

MIRV: Mehrfachsprengkopf

SAM: Boden-Luft-Rakete

SLBM: U-Boot-gestützte ballistische Rakete

SLCM: Seegestützter Marschflugkörper

SRAM: Kurzstreckenrakete

Quelle: Norris, Robert S./Kristensen, Hans M.: Nuclear Notebook: Russian Nuclear Forces, 2011, in: Bulletin of the Atomic Scientists May/June 2011, S. 55-64.

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Russisches Arsenal 2012
Insgesamt9.930
Einsatzbereit4.430
Reserve5.500

Nikolai Patruschew, Sekretär des Sicherheitsrates Russlands«"Vorgesehen ist die Möglichkeit einer Kernwaffenanwendung nach Lage und den Absichten des möglichen Gegners... In den für die nationale Sicherheit kritischen Situationen ist ein Kernwaffenschlag gegen den Gegner, darunter auch ein präventiver, nicht auszuschließen."»

Nikolai Patruschew, Sekretär des Sicherheitsrates Russlands

Videos:

RIA Novosti: Russlands neue Atomrakete Jars kennt keine Konkurrenz, 21.12.2010, Länge: 00:01:08

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