Aktuelles | Pakistan

12.02.2011: 

Baut Pakistan einen neuen Reaktor?

Satellitenbild vom Khushab Atomzentrum, foto: ISIS/DigitalGlobe

Das Institute for Science and International Security (ISIS) in Washington veröffentlichte am Donnerstag Satellitenbilder vom 15. Januar, die zeigen, dass Pakistan begonnen habe, in seinem Atomzentrum Khushab einen vierten Reaktor zur Plutoniumproduktion zu errichten. Die Fotos zeigen einen Grundriss, der jenem des zweiten und dritten Reaktors gleichen würde.

Pakistan hatte den ersten Reaktor in Khushab nach eigenen Angaben 1998 in Betrieb genommen und zwischen 2000 und 2002 mit dem Bau eines zweiten Reaktor begonnen. Anzeichen für den Bau eines dritten Reaktors gab es in Satellitenbildern von Anfang 2007, die auch von ISIS veröffentlicht wurden. Im Februar vergangenen Jahres hatte Premier Jusuf Raza Gilani Khushab besucht, kurz nachdem der zweite Reaktor in Betrieb gegangen war. Auf den neuen Aufnahmen ist Dampf über dessen Kühltürmen zu erkennen, ein Zeichen, dass die Anlage in Betrieb sei. Die Reaktorhalle und Gebäude des benachbarten dritten Reaktors sind zumindest äußerlich fertiggestellt.

"Pakistan ist entschlossen, erheblich mehr Plutonium für Nuklearwaffen herzustellen" hieß es in einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht des US-Instituts für Wissenschaft und Internationale Sicherheit (ISIS).

Laut einem Bericht in der US-Zeitung Washington Post vom 31. Januar habe Pakistan in den vergangenen Jahren nach Einschätzung von NGO-Experten sein Atomwaffenarsenal verdoppelt und die Zahl seiner Atomsprengköpfe auf mehr als hundert erhöht. Die New York Times berichtete am selbem Tag, dass offizielle Quellen in der USA diese Einschätzung teilen. Vor vier Jahren noch wurde das Arsenal auf 30 bis 60 Atomsprengköpfe geschätzt. Seitdem habe das Land die Plutoniumherstellung und Urananreicherung allerdings stark vorangetrieben. xh (Quellen: SZ, Stern, Washington Post, New York Times, ISIS)

09.06.2010: 

China und Pakistan planen Atomdeal

In den nächsten Wochen wird erwartet, dass China den Verkauf von zwei Atomkraftwerken an Pakistan bekannt gibt. Technische Details und Umfang des Handels sind bisher nicht bekannt.

China beruft sich dabei auf die Ausnahmeregelungen die die Gruppe der Nuklearen Lieferländer (Nuclear Suppliers Group, NSG) für Indien getroffen hat. Die USA haben die NSG Staaten zu einer Änderung der Richtlinien bewogen, um Indien mit nuklearer Technologie zu beliefern. Das Abkommen, auch bekannt als „Atom-Deal“, stieß damals auf Kritik seitens der Rüstungskontroll- und Abrüstungsbefürworter.

Das geplante chinesisch-pakistanische Abkommen geht zurück auf die Zeit bevor China der NSG im Jahr 2004 beitrat.

Das Abkommen, dessen Reichweite und Bedeutung für die Atomwaffenpolitik Pakistans noch abzuwarten bleibt, ist insofern brisant, weil Pakistan wie Indien nicht dem Nuklearen Nichtverbreitungsvertrag beigetreten ist. Indien und Pakistan verfügen über ca. 50-70 Atomsprengköpfe und haben mehrer Kriege gegeneinander geführt. (jh; Quelle: Foreign Policy)

26.02.2010: 

Pakistan zeigt sich besorgt über Indiens Aufrüstung

Salman Bashir

Nach Gesprächen zwischen Indien und Pakistan äußerte sich der pakistanische Außenstaatssekretär Salman Bashir besorgt über den Anstieg der indischen Rüstungsausgaben. Er sagte, dass eine neue Doktrin, die Rüstungsausgaben und die Einführung neuer Waffensystem der regionalen Sicherheit und Stabilität abträglich sind. Besonders scharf kritisierte Bashir die Äußerungen des Vorsitzenden der indischen Armee, General Deepak Kapoor, Indien müsse einen „Zweifronten-Krieg“ kämpfen können.

Bereits kurz nach den Gesprächen, die zum ersten Mal seit den Terroranschlägen von Mumbai 2008 wieder aufgenommen wurden, zeigte sich die indische Seite enttäuscht. So sagte Frau Nirupama Rao, Außenstaatssekretären Indiens, Pakistans Position sei „nicht zufriedenstellend“.

Dennoch wird große Hoffnung in den Dialog zwischen beiden Seiten gelegt. Der wichtigste Streitpunkt zwischen den beiden Atommächten ist der Terrorismus. Bei den neuesten Gesprächen spielten die Themen Abrüstung und Rüstungskontrolle aber keine Rolle. (jh)

29.11.2009: 

Präsident Zardari gibt Kontrolle über Atomwaffen ab

Der wegen Korruptionsvorwürfe unter Druck geratene pakistanische Staatschef Zardari hat die Kontrolle über die Atomwaffen des Landes an den Ministerpräsidenten Yousaf Raza Gillani abgegeben. Die Entscheidung fiel vor dem Auslaufen einer Amnestieregelung.

28.09.2009: 

China half Pakistan beim Bau der Bombe

Abdul Q. Khan, 2008, Foto: US state dept

Pakistan erhielt von China Materialen und Informationen über den Bau einer Atombombe. Das geht aus einem im September 2009 veröffentlichten Brief von Abdul Q. Khan aus dem Jahr 2004 hervor. Darin schrieb er seiner Frau, die Chinesen hätten Pakistan Zeichnungen einer Atomwaffe, 50 kg angereichertes Uran, 10 Tonnen UF6 (Natur) und 5 Tonnen UF6 (um 3% angereichert) geliefert. Der Brief impliziert zudem, dass die Weitergabe von Zeichnungen und Technologie an den Iran vom damaligen Premier Zulfikar Bhutto abgesegnet gewesen sei.

Hausarrest für Khan endgültig aufgehoben
Ein Gericht in Lahore hat unterdessen die pakistanische Regierung im August 2009 aufgefordert, die anhaltende Überwachung des Nuklear-Wissenschaftlers Abdul Q. Khan zu beenden. Khan stand seit 5 Jahren unter Hausarrest, seit Februar 2009 hätte er sich eigentlich wieder uneingeschränkt innerhalb Pakistans bewegen dürfen, wurde aber weiterhin von Polizei und Armee bewacht. Khan hatte in den 90er Jahren Informationen und Technologie an den Iran, Nordkorea und Libyen weitergegeben.