Hintergrund

Das israelische Atomwaffenprogramm

Satellitenbild von der Dimona-Anlage

Israel besitzt das größte und am höchsten entwickelte nukleare Arsenal außerhalb der fünf offiziell anerkannten Atomwaffenstaaten. Der Kern des Atomwaffenprogramms befindet sich im Negev Atomforschungszentrum in der Nähe des Wüstenortes Dimona und wird daher meistens als "Dimona" bezeichnet. Hier werden alle Atommaterialien hergestellt. 2.700 Arbeiter sind im Dimona-Komplex in neuen Gebäuden (Machon) beschäftigt.

Machon-1 ist der Reaktor mit einem 30 Meter hohen silbernem Dom. Über Machon-2 gibt es viele Informationen, weil Vanunu dort arbeitete. Die oberirdischen Gebäude scheinen harmlos zu sein: Büros, eine Kantine, Lager usw. Der unterirdische Bau allerdings hat sechs Ebenen, die eine Plutoniumtrennungs- und eine -herstellungsanlage und eine Fabrik für Bombenkomponenten enthalten. Die Trennungsanlage befindet sich in einer Halle, die über vier Ebenen reicht. Eine Herstellungsphase dauert 34 Wochen lang und findet einmal im Jahr statt. Ansonsten bleibt die Anlage geschlossen.

In Machon-8 und -9 wird Uran mit Zentrifugentechnologie oder Laserisotopentechnologie angereichert. Die anderen Gebäude enthalten Anlagen für die Herstellung von Brennelementen, für Urankonversion, für Müllverarbeitung, für die Herstellung von Munition mit abgereichertem Uran usw. Das Tritium für die Erhöhung der Explosivkraft der Atombombe wird auch im Dimona hergestellt. Israel lieferte zwischen 1977 und 1979 30g Tritium an Südafrika.

Weitere Informationen sind entweder Spekulationen, Annahmen oder Schätzungen aufgrund der Mengen und des Typs von Spaltmaterialien, die Israel hergestellt hat. So ist es unmöglich einzuschätzen, wie viele Atomwaffen Israel heute tatsächlich besitzt und welchen Typs sie sind. Dennoch gibt es viele glaubwürdige Berichte über Atomtests in der Negev-Wüste und die Beteiligung Israels an den Atomtests von Frankreich und Südafrika.

Aus israelischen Quellen wurde zudem bekannt, dass es sich bei drei von diesen Tests um miniaturisierte atomare Artilleriegranaten und Raketen mittlerer Reichweite handele. Man schätzt, dass Dimona vier bis fünf Sprengköpfe pro Jahr herstellt. Der jetzige Bestand besteht vor allem aus taktischen Atomwaffen, die im Nahen Osten eingesetzt werden könnten - darunter Neutronenbomben, die mit hoher Gammastrahlung und wenig Sprengwirkung mehr auf Menschen als auf Gebäude zielen. Zu den Waffen sollen auch ballistische Raketen und Bomber, Cruise Missiles, Landminen und Artilleriegeschosse gehören.

Besonders interessant dabei sind die möglichen U-Boot-gestützten Kernwaffenträger an Bord der von Deutschland gelieferten Dolphin-Klasse, die sowohl AGM-84 Harpoon als auch Raketen mittlerer Reichweite russischer Bauart verschießen können.

Bearbeitungsstand: Mai 2008

Hintergrund

Die atomare Streitkräfte Israels

Atomare Streitkräfte 2002
TypStationierungs-
Jahr
Reichweite
(km)
Bemerkungen
Strategische Streitkräfte
Flugzeuge
F-16A/B/C/D/I Fighting Falcon19801.600Bomben evtl. in Tel Nof, Nevatim, Ramon, Ramat-David und Hatzor gelagert
F-15I Ra’am
(Thunder)
19984.450könnte Langstrecken-
Angriffe fliegen
landgestützte
Raketen
Jericho I19721.200evtl. 50 in Zekharyeh gelagert
Jericho II1984-51.800evtl. 50 in Zekharyeh gelagert, mobile Startrampen, in Höhlen
seegestützte
Raketen
Dolphin-Klasse
U-Boote
2002??mit modifizierten Harpoon-Raketen
Taktische Streitkräfte
Artillerie und
Landminen
??

Berichte konnten nicht bestätigt werden

Quelle: Norris, R: Nuclear Notebook in Bulletin of the Atomic Scientists, September/Oktober 2002

Hintergrund

Doktrin: "Samson-Option"?

Titelbild von Time Magazin, Sept 1969

Die israelische Bombe gilt im Lande als "ultima ratio" (letzte Option), sollte die vollständige Vernichtung Israels drohen. Dies lässt die Regierung wissen, ohne offiziell zuzugeben, dass Israel Atomwaffen besitzt. In der Presse nannte man sie die "Samson-Option", nach der biblischen Geschichte von Samson, der die Säulen des Königspalastes einriss, um die Philister zu vernichten. Dabei starb natürlich auch er selbst.

Kein anderer Staat beschäftigt sich so viel mit dem Thema Selbstverteidigung und Sicherheit seiner Existenz bis hin zu Selbstmordgedanken wie Israel. Die Wahrnehmung extremer arabischer Feindlichkeit macht für Israel seine militärische Stärke unabdingbar. Viele in der Welt glauben fest daran, dass Israel seine Atomwaffen wirklich nur in der letzten Minute einsetzen würde. Sie reden vom "Holocaustsyndrom" und "Opfergefühlen", die dazu beitragen, dass die Israelis sich absichern wollen. Es gibt Berichte, dass auf die erste je produzierte israelische Atombombe "Nie Wieder" geschrieben wurde.

Dennoch spricht die Tatsache, dass Israel so viele taktische und miniaturisierte Atomwaffen besitzt eher dafür, dass sich das Land den Einsatz der Atomwaffen auf einem Schlachtfeld gut vorstellen kann. Auch wenn die israelische Regierung in Wirklichkeit in der Atomwaffenoption einen reinen militärischen Vorteil sieht, wird diese gegenüber der israelischen Bevölkerung als ultimatives Selbstmordattentat verkauft und damit gebilligt.

Es gab immer wieder verschleierte atomare Drohungen: Laut der US-Zeitschrift Time am Anfang des Krieges von 1973, als Israel gleichzeitig von zwei Seiten - Ägypten und Syrien - bedroht wurde, befahl Golda Meir die Montage von Atomsprengköpfen auf Kurzstreckenraketen. Moshe Dayan erklärte, Israel habe keine andere Wahl. 1992 sagte Oded Brosh, israelischer Atomexperte: "...wir müssen uns nicht schämen, dass die Kernwaffenoption ein Hauptinstrument unserer Verteidigung als Abschreckung gegen alle ist, die uns angreifen." Oder Israel Shahak: "Israel bereitet sich auf einen Krieg vor, wenn es sein muss, auf einen Kernwaffenkrieg..."

Israel nutzte seine Bombe auch, um Druck auf die USA auszuüben. Yitzhak Shamir erklärte 1987: "Wenn Israel allein gelassen wird, wird es keine andere Wahl haben, als auf eine riskante Verteidigung zurückzugreifen, die es selbst und die Welt stark gefährden wird ... Um Israel in die Lage zu versetzen, auf die Abhängigkeit von Atomwaffen zu verzichten, braucht es zwei bis drei Milliarden Dollar an US-Hilfe jährlich."

Am 22. Februar 2001 gab Israel Raketenalarm, nachdem es Nachricht über die Bewegungen irakischer Panzerdivisionen erhielt. Die Israelis warnten den Irak, sie seien bereit, in einem Präventivangriff Neutronenbomben einzusetzen. Dies zeigt, wie gefährlich die Situation im Nahen Osten ist. Die Wahrscheinlichkeit eines atomaren Einsatzes in dieser angespannten Lage ist sehr hoch.

Außerdem berichteten zwei britische Zeitungen im Januar 2007, dass Israel darüber nachdenkt, taktische Nuklearwaffen gegen den Iran einzusetzen.

Seitdem gibt es Spekulationen darüber, ob die Äußerungen Olmerts und Levites ein Versehen waren, oder ob mehr dahinter steckt. Eine These ist, dass darin eine Drohung an den Iran versteckt ist, sich nicht mit Israel anzulegen. Manche sehen hinter den öffentlichen Bekenntnissen zur Atombombe auch einen Appell an die USA. Diese sollen dazu bewegt werden, im Iran einzugreifen - andernfalls wird Israel dies selbst tun, und zwar mit Nuklearwaffen. (XH)

Bearbeitungstand: März 2007

Glossar

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