Überblick | Indien

Die Zahl der indischen Atomwaffen ist nicht bekannt. Es wird geschätzt, dass Indien zwischen 60 und 80, möglicherweise bis zu 120 besitzt. Auch über die Stationierung der Atomwaffen gibt es keine offiziellen Informationen. Es existieren Berichte, wonach Atomwaffen während des Kargil-Krieges 1999 "einsatzbereit" waren, das heißt, dass sie schnell (in weniger als einigen Stunden) auf die Trägersysteme montiert werden konnten.

Indien verfügt über Raketen mit über 1500 km Reichweite und kann das gesamte Territorium seines Erzrivalen Pakistans und auch China damit erreichen.

1999 verfasste Indien seine Atomwaffendoktrin. Sie basierte auf der Doktrin der offiziellen Atomwaffenstaaten: "Indien verfolgt eine Doktrin der glaubwürdigen Minimalabschreckung". Diese besteht aus:

  1. ausreichenden, überlebensfähigen und einsatzbereiten Atomstreitkräften
  2. robusten Kommando- und Kontrollsystemen
  3. effektiven Aufklärungs- und Frühwarnungspotentialen
  4. Planung und Training für atomaren Operationen
  5. dem Willen, Atomwaffen einzusetzen.


Die Atomstreitkräfte sollen auf Basis einer Dreiergruppe aus Luftwaffe, landgestützten und seegestützten Raketen operieren, die dem Angreifer bei einem Vergeltungsschlag "inakzeptablen Schaden zufügt". Volle Stationierung in kürzester Zeit ist erklärtes Ziel. Pläne zur Entwicklung von Marschflugkörpern mit atomaren Sprengköpfen und Raketen mit mehreren Sprengköpfen befinden sich noch in der Anfangsphase.

2003 wurde die offizielle und kürzere Version der Doktrin veröffentlicht: "Nukleare Vergeltung auf einen Ersteinsatz hin wird massiv sein und inakzeptablen Schaden verursachen". Aber: "Minimal" wird nicht auf eine kleine Streitkraft begrenzt, sondern lässt die Möglichkeit für eine Expansion offen.

Bisher galt eine Politik des Nichtersteinsatzes, jedoch behält sich Indien nun das Recht auf Vergeltung bei einem Angriff mit C- oder B-Waffen vor (Beispiel USA).

Die Befürchtung ist, dass Indien einen automatisierten Raketenstart einführt (d.h. die Raketen werden durch Signale des Frühwarnsystems gestartet) und damit ein Atomkrieg "aus Versehen" ausgelöst wird. Problematisch ist außerdem, dass alle indischen nuklearen Trägersysteme auch mit konventionellen Sprengköpfen bestückt werden können. Während eines Konflikts kann das schwerwiegende Folgen haben, da der Gegner nicht klar sehen kann, ob ein konventioneller oder ein atomarer Angegriff vorliegt.

Bearbeitungsstand: November 2010

Die indischen Atomstreitkräfte

Indische Atomstreitkräfte 2010
TypReichweite
(km)
Tragkraft
(kg)
Bemerkungen
Flugzeuge
Mirage 2000H/Vajra1.8006.300Gwalior Air Station
Jaguar IS/IB/Shamsher1.6004.775Ambala Air Station
landgestützte
Raketen
Privthi I1501.000ab 1998 stationiert
Agni I700+1.000stationiert 2004
Agni II2.000+1.000in Entwicklung

Agni III

3.000+1.500

in Entwicklung

Agni V??in Entwicklung, Test Ende 2010 vorgesehen
seegestützte
Raketen
Dhanush3501.000in Entwicklung, seegestützte Version der Privthi II
Sagarika/K-15300-700500-600in Entwicklung, wird voraussichtlich nach 2010 stationiert

Quelle: Norris, R./Kristensen, H.: Nuclear Notebook, in: Bulletin of the Atomic Scientists, 2010

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Indisches Arsenal 2010
Insgesamt80
Einsatzbereit50
Reserve30
P.K. Iyangar, ehem. Vorsitzender der indischen Atomenergiekommission

«Ich hoffe, dass die Öffentlichkeit in beiden Ländern [Indien und Pakistan] ihren Regierungen bewusst machen wird, dass eine erhöhte Zahl an Atomwaffen unnötig und eine Verschwendung von Ressourcen ist, die für die Entwicklung der jeweiligen Länder gebraucht werden».

Ehem. Vorsitzender der indischen Atomenergiekommission, P.K. Iyengar, in der Zeitung Asian Scientist, 28. Juli 2011

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