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Seit 1998 hat Großbritannien nur noch ein Atomwaffensystem: Trident, eine Flotte von atombetriebenen U-Booten, die mit ballistischen Raketen bestückt sind.
Die Trident-Raketen sind von den USA gemietet. Obwohl die U-Boote in Großbritannien gebaut wurden, kommen auch viele Komponenten und Zielsysteme aus den USA. Die Sprengköpfe selbst wurde nach US-Design in Großbritannien bei Aldermaston gebaut. Manche wichtigen Teile der Sprengköpfe allerdings werden direkt in den USA entwickelt und hergestellt.
Jedes "Vanguard"-U-Boot trägt 16 Raketen mit bis zu 12 Sprengköpfen pro Rakete. Allerdings legte die britische Regierung 1998 die Gesamtzahl der Sprengköpfe auf je 48 für vier U-Boote fest, d.h. auf insgesamt 192. Im September 2009 kündigte der ehemalige Premierminister Gordon Brown eine Reduktion der U-Boote von vier auf drei mit insgesamt 160 Sprengköpfen an. Jeder Sprengkopf besitzt eine Sprengkraft von 100 Kilotonnen (das entspricht 380 Hiroshimabomben).
Die Raketen haben eine Reichweite von 7.400 Kilometer und können somit Russland oder den Nahen Osten erreichen. Ununterbrochen patroulliert ein U-Boot im Atlantik, während ein weiteres gewartet wird und die zwei übrigen im Hafen bleiben oder für militärische Übungen vorgesehen sind. Eines dieser letzten beiden U-Boote soll laut Brown in Zukunft wegfallen. Für die Durchführung der Reduktion gibt es allerdings noch keinen Termin.
Das patroullierende U-Boot wird in einer reduzierten Alarmbereitschaft gehalten, d.h. in den Raketen sind keine Zielcodes programmiert. Es soll erst nach Tagen möglich sein, die Atomwaffen abzufeuern. Während des Kalten Krieges waren es nur Minuten. Insgesamt soll Großbritannien laut Außenminister Hague künftig nicht über mehr als 225 einsatzfähige Sprengköpfe verfügen. Davon sind ca. 100 für taktische Zwecke gedacht. Eine nicht näher bezeichnete Zahl von Sprengköpfen ist derzeit außer Gefecht.
Die Trident II-Rakete hat als erste die Möglichkeit, auch stark gepanzerte Ziele zu vernichten. Sie kann damit z.B. unterirdische Ziele zerstören, ein Wunsch der Militärstrategen, die eine erhöhte Bedrohung von sogenannten Schurkenstaaten befürchten. Die USA plant 2020 eine Modernisierung der Raketen.
Das Trident-II-System wurde 1994 in Betrieb genommen und wird in ca. 15 Jahren auslaufen. Die Entscheidung über einen Ersatz musste bis zum Jahr 2010 fallen, da es sehr viel Zeit in Anspruch nimmt, ein neues System aufzustellen. Obwohl die Flotte noch bis 2020 oder länger einsatzfähig bleiben könnte, wurde im März 2007 durch das britische Parlament für eine Erneuerung der "Trident" Atomwaffenträger entschieden. 409 Abgeordnete stimmten dafür, 161 dagegen, davon 95 Abgeordnete der regierenden Labour-Partei. In den Monaten zuvor war in Großbritannien heftig über die Zukunft des nuklearen Arsenals des Landes debattiert worden. Ein Ersatz für Trident wird bis zu 20 Milliarden britische Pfund kosten.
Bearbeitungsstand: Mai 2010
| Britisches Arsenal 2010 | |
|---|---|
| Insgesamt | 225 |
Einsatzbereit | 160 |
| Reserve | 65 |
Quelle: GB-Regierung
Links
- Borchard, Ralf: Kein Geld mehr für Atomwaffen, Tagesschau, 3. Juli 2009. Beitrag hören
- Borger, Sebastian: Umkämpfter Beschluss: Großbritannien rüstet seine Atomwaffen auf, Der Spiegel, 14. März 2003
- Kempin, R., Kupferschmidt, F.: Pragmatische Fortschreibung der nuklearen Rolle, SWP-Aktuell, Dezember 2006
- Thibaut, Matthias: Briten streiten über Atomrüstung, Wirtschaftswoche, 9. November 2005