
China
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China ist erst seit 1992 Mitglied des Atomwaffensperrvertrags. Das Land fordert zwar stets einen Vertrag zur Abschaffung aller Atomwaffen und unterhält nur eine relativ kleine atomare Abschreckungsmacht, rüstet aber auch nicht ab. Stattdessen reagiert China auf die US-Raketenabwehrpläne mit einer beschleunigten Modernisierung seiner Atomstreitkräfte, vor allem der Trägersysteme. Es entwickelt Interkontinentalraketen, um seine Langstreckenraketen zu ersetzen. Ein neuer Typ von Interkontinentalraketen soll jederzeit und überall einsatzbereit sein. Auch die Raketen für die chinesischen U-Boot-Streitkräfte sollen durch bessere ersetzt werden. Im jetzigen Arsenal befinden sich rund 175 einsatzbereite Atomwaffen meist kürzerer Reichweite, stationiert auf U-Booten, Flugzeugen und landgestützten ballistischen Raketen. Man geht derzeit davon aus, dass gut 30 chinesische Interkontinentalraketen die USA erreichen können. China ist der einzige Atomwaffenstaat mit einer Politik des Nichtersteinsatzes.
China verfügt über ca. 135 einsatzbereite ballistische Raketen mit jeweils einem atomaren Sprengkopf. Derzeit sind sechs verschiedene Raketensysteme im Dienst:
- Die DF-3A Rakete ist eine Mittelstreckenrakete und wird nach 30jähriger Betriebszeit Schritt für Schritt außer Dienst gestellt. Die 17 Raketen werden demobilisiert.
- Bei der DF-4 Rakete handelt es sich um eine zweistufige, flüssigkeitsangetriebene Langstreckenrakete. Sie ist bunkergeschützt und wird vor dem Abschuss nach einem Transport und durch eine Raketenabschussrampe in Position gebracht. Davon gibt es noch ca. 17 Raketen, die auf Russland, Indien und Guam (US-Stutzpunkt) zielen. Sie werden langfristig von der neuen DF-31 ersetzt.
- Die DF-5/5A Rakete hat ebenfalls flüssigen Brennstoff. Sie ist in unterirdischen Betonsilos stationiert und wird vor dem Abschuss in eine senkrechte Position gebracht. Die Zahl der einsatzbereiten DF-5/5A Raketen wird auf ca. 20 Stück geschätzt. Diese Rakete ist die einzige, die die USA erreichen kann.
- Die zweistufige DF-21A Rakete besitzt einen Feststoffmotor. Sie ist beweglich und auf einem Transport- und Abschusssystem montiert. Manche sind konventionell bewaffnet und 60 sind derzeit stationiert.
- Die DF-31 ist eine feststoffgetriebene Langstreckenrakete, die auf einer mobilen Abschussrampe montiert wird. Sie ist für regionale Aufgaben vorgesehen und kann das Kernland der Vereinigten Staaten nicht erreichen. Momentan sind etwa acht Exemplare einsatzbereit.
- Von der DF-31A sind derzeit ca. 13 Exemplare stationiert. Sie hat eine interkontinentale Reichweite, ansonsten ähneln ihre Eigenschaften denen der DF-31.
Die chinesische Luftwaffe verfügt über ca. 20 strategische Mittelstreckenbomber vom Typ H-6 zum Einsatz von Atombomben. Die H-6 wurde wiederholt zum Abwurf von Testbomben eingesetzt. Im November 1976 wurde von einer H-6 Maschine eine Bombe mit einer Sprengkraft von 4 Megatonnen (MT) abgeworfen. Wieviel Atombomben hierfür zur Verfügung stehen ist ungewiss.
In Ergänzung zu den strategischen Atomwaffen hält China auch eine nicht bekannte Anzahl an taktischen Atomwaffen einsatzbereit. Die Schätzungen westlicher Geheimdienste über die verfügbaren Stückzahlen gehen weit auseinander und sind teilweise widersprüchlich.
Die Gesamtzahl der Atomsprengköpfe im chinesischen Arsenal wird geheim gehalten. Nach eigenen Angaben sollte China allerdings der kleinste unter den Atomwaffenstaaten sein. Wenn dies der Wahrheit entspricht, und wenn auch die Atomwaffen in Reserve miteingeschlossen sind, dann müsste es unter 200 Atomwaffen besitzen.
Modernisierung des Arsenals
Es wird berichtet, dass China seine Raketenstreitkräfte mit großem Aufwand modernisiert. Diese "Modernisierung" besteht zwar, ist aber sehr langsam in der Umsetzung. Vorrangig wird eine Reichweitensteigerung angestrebt. Seit 2005 kann China mit einer leistungsgesteigerten DF-31 Rakete mit geschätzter Reichweite von ca. 8000 km nicht nur Russland sondern erstmals auch die Gebiete um Hawaii und Alaska bedrohen. Der atomare Gefechtskopf erreicht eine Treffgenauigkeit (CEP) von 300-600 Meter. Bis 2010 soll eine verbesserte Df-31 A Rakete Ziele bis 12000 km erreichen können. Damit würde auch das Kernland der USA bedroht. Die Stationierung dieser neuen Modelle geht jedoch langsamer voran als von den US-Geheimdiensten vorausgesagt und es ist schwer abzuschätzen, wie viele in den nächsten Jahren dazukommen werden.
Problematisch ist, dass beim Ausbau des Arsenals an DF-21-Raketen sowohl nukleare (DF-21 und DF-21A) als auch konventionell bewaffnete Exemplare (DF-21C) stationiert werden. Dies kann im Konfliktfall zu gefährlichen Missverständnissen führen.
Neben den landgestützten Raketensystemen besitzt China ein altes atombestücktes U-Boot (SSBN). Das "Xia"-U-Boot soll bis zu 12 JL-1 Atomraketen (SLBMs) mit einer Reichweite von 1000 bis 1700 km an Bord haben. Die Raketen tragen jeweils einen Atomsprengkopf mit einer Sprengkraft von 2-300 Kilotonnen. Es ist unsicher, ob dieses U-Boot überhaupt im Einsatz ist.
China baut ein modernes U-Boot vom Typ 094, das bis zu 16 JL-2 Atomraketen (SLBMs) mit einer Reichweite von ca. 8000 km an Bord haben soll. Diese Rakete sollte eine Variante der D-31 sein und wurde in 2004 getestet. Wann dieses Boot einsatzbereit sein wird und wie viele Exemplare gebaut werden sollen, ist unklar.
Stand: November 2010
Die chinesischen Atomstreitkräfte
Tabelle: Das chinesische Nuklearwaffenarsenal 2010
| Typ | Zahl | Reichweite (km) | Sprengkopf/ -kraft (KT) | |
|---|---|---|---|---|
| Landgestützte ballistische Raketen | ||||
| DF-3A | ca 17 | 3.100 | 1/3.300 | |
| DF-4 | ca 17 | 5.400+ | 1/3.300 | |
| DF-5A | ca 20 | 13.000+ | 1/4.000-5.000 | |
| DF-21 | ca 60 | 2.150 | 1/200-300 | |
| DF-31 | ca 8 | 7.200+ | 1/200-300? | |
| DF-31A | ca 13 | 11.200+ | 1/200-300? | |
| Seegestützte ballistische Raketen | ||||
| JL-1 | (12) | 1.000+ | 1/200-300 | |
| JL-2 | (36) | 7.200+ | 1/200-300? | |
| Flugzeuge | ||||
| H-6 | ca 20 | 3.100 | 1/Bombe | |
| DH-10 | ||||
| Andere (?) | ? | 1/Bombe | ||
| Insgesamt | ca 175 | |||
NB: Es könnten zusätzlich noch ca 65 Atomsprengköpfe in Reserve gehalten werden, was sich zu einem Gesamtarsenal von ungefähr 240 Sprengköpfen summieren würde. Weder die JL-1 noch die JL-2 sind voll einsatzbereit, wobei jedoch eventuell Sprengköpfe vorhanden sind. Es ist nicht sicher, dass die DH-10 als Atombombe eingesetzt werden kann. Sie wird jedoch von der Aufklärung der US-amerikanischen Luftwaffe als | ||||
Quelle: Norris, R./Kristensen, H.: Nuclear Notebook, in: Bulletin of the Atomic Scientists, 2010
| Chinesisches Arsenal 2006 | |
|---|---|
| Insgesamt | 200 |
| Einsatzbereit | 130 |
| Reserve | 70 |
«In der Tat liegt, im Gegensatz zu Berichten, die Sie vielleicht gelesen haben, wonach es hunderte oder tausende chinesische Atomwaffen gibt, die wahre Größe des einsatzbereiten Arsenals wahrscheinlich bei nur ca. 80 Atomwaffen»
Jeffrey Lewis in "The ambiguous arsenal", Bulletin of Atomic Scientists, Mai/Juni 2005
Links
- Kirchner, R: Langer Marsch ins Atomzeitalter, Deutsche Welle, 12.04.2010
- Für eine atomwaffenfreie Welt, offizielle chinesische Seite zur Abrüstung, 28.05.2005
- Wolfgang Kötter: Tiger auf dem Sprung, Freitag, 27.08.2004