
Zar-Bombe
engl.: Tsar Bomba oder emperor bomb

Die Zündung der Zar-Bombe (oder Zarenbombe) am 30. Oktober 1961 gilt als die stärkste jemals vom Menschen verursachte Explosion der Geschichte. Die offiziell als RDS-220 bezeichnete Wasserstoffbombe wurde um 11:32 Uhr Moskauer Zeit auf der Insel Nowaja Semlja von einem TU-95 Flugzeug in über 10.000 Meter Höhe abgeworfen. Sie erhielt ihren Kosenamen "Zar-Bombe" vom Westen nach zwei anderen russischen Objekten: derZar-Glocke und der Zar-Kanone, die auch als die größten ihren Arten galten.
Die Explosion fand in einer Höhe von ca. 4.000 m statt. Der Atompilz erreichte kurzfristig eine Höhe von ca. 64 km. Die von der Bombe erzeugte Druckwelle war angeblich so stark, dass sie noch bei ihrer dritten Umrundung der Erde messbar war. Die seismische Welle erreichte 5,0 auf der Richter-Skala. Die Sprengkraft der Bombe betrug ca. 50 Megatonnen (MT) - 3.800 mal stärker als die Hiroshima-Bombe „Little Boy“. Sie war auch etwa vier- bis fünf mal stärker als die Castle-Bravo-Bombe, welche die wirkungsvollste, je getestete Atombombe der USA war. Die Zone totaler Zerstörung hatte einen Radius von 35 km, der Feuerball ein Radius von 3,5 km.
Bereits im Juli 1961 befohl Kruschtew die Entwickung einer Bombe mit einer Sprengkraft von 100 MT. Die Zar-Bombe wurde innerhalb von nur 14 Wochen entwickelt und gebaut. Anders als frühere Wasserstoffbomben, hatte sie drei Stufen, statt nur zwei, um die Sprengkraft zu erhöhen. Allerdings hatte sie doch nur die Hälfte der geplanten Sprengkraft, um den Fallout zu reduzieren. Sie wog 27 Tonnen, war acht Meter lang und zwei Meter breit. Eine große Herausforderung bei der Konstruktion war die Herstellung eines Fallschirms, welcher die 27 Tonnen schwere Bombe nach dem Abwurf trug. Somit hatte das Flugzeug mehr Zeit, um von der Explosion wegzukommen. Er war mit weißer Farbe gestrichen, um vor der Hitzewelle geschützt zu werden. Obwohl die Überlebenschance des Piloten und seines Crews nur auf 50% eingeschätzt wurde, haben sie den Test überlebt.
Der Test wurde in einer Zeit der erhöhten Spannung durchgeführt. Am 1. September 1961 ging ein dreijähriges Testmoratorium zu Ende. In den folgenden 16 Monaten führten die USA und Russland mehr oberirdische Tests durch, als in den vorigen 16 Jahren.
Wegen ihrer Vernichtungskraft, wurde ihr Konstrukteur Andrej Sacharom Dissident. Militärisch war diese Bombe unter anderem aufgrund ihres hohen Gewichts jedoch unbrauchbar und als reine Machtdemonstration im Zuge des Kalten Krieges konzipiert. (xh)
Bearbeitungsstand: Oktober 2011
siehe auch: MT (Megatonne)
siehe auch: Sprengkraft
siehe auch: Wasserstoffbombe
Zebra-Paket
engl.: Zebra Package
Das ‚Zebra-Paket’ war ein System von 141 Nuklearsprengköpfen mit einer Sprengkraft zwischen 0,1 und 10 Kilotonnen TNT-Äquivalent (Hiroshima: 12,5 Kilotonnen). Von den 141 Atomsprengköpfen sollten im Kriegsfall innerhalb von zwei Stunden 114 im Fulda Gap und 27 im Kinzigtal als ‚nukleares Sperrfeuer’ gezündet werden. (Quelle: Krusewitz/Maul: Vom Fulda Gap zur UNESCO-Modellregion? Biosphärenreservat Rhön. Niederaula 2001, S. 13.)
Bearbeitungsstand: Oktober 2005
siehe auch: Fulda Gap
siehe auch: Hiroshima
siehe auch: KT (Kilotonne)
Zentralasien
engl.: Central Asia
Am 8. September 2006 unterzeichneten die Außenminister der fünf zentralasiatischen Staaten Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan in Semipalatinsk den Vertrag über eine kernwaffenfreie Zone in Zentralasien.
Auf dem Territorium dieser fünf ehemaligen Sowjetrepubliken befanden sich zu Zeiten der UdSSR mehr als 1400 strategische und über 700 taktische Nuklearwaffen, die inzwischen auf russisches Gebiet abgezogen wurden. Die Unterschrift unter den bereits seit längerem fertigen Vertragstext verzögerte sich zunächst, weil die gegensätzlichen Positionen der etablierten Kernwaffenmächte nur schwer unter einen Hut zu bringen waren. Vor allem Moskau fühlt sich durch die militärische Präsenz der USA im postsowjetischen Raum beunruhigt. Washington wiederum scheut vor rechtsverbindlichen Beschränkungen für künftige Waffenstationierungen und die Bewegungsfreiheit seiner Nuklearwaffen zurück. Während Russland und China immerhin grundsätzliche Zustimmung signalisierten, bestanden die westlichen Kernwaffenmächte USA, Frankreich und Großbritannien auf der Zusicherung, dass Russland die Zone nicht durch bilaterale Abkommen unterläuft, die eine Raketenstationierung in den zentralasiatischen Republiken erlauben.
Doch ungeachtet der Widerstände beharrten die Regionalstaaten auf dem Projekt, denn gerade wegen der von den Atommächten neuerdings verfolgte Doktrin präventiver Kriege sehen sie darin eine Sicherheitschance. Wenn das eigene Territorium frei von Kernwaffen ist, so das Kalkül, bietet es auch kein lohnenswertes Ziel für einen nuklearen Angriff. Eine vertraglich festgeschriebene Denuklearisierung könnte so für die Teilnehmer eine gewisse Schutzfunktion erfüllen, bindet sie doch durch Zusatzprotokolle auch die Kernwaffenmächte in einen völkerrechtlichen Verpflichtungsrahmen ein und begrenzt etwaige Nuklearkriegsambitionen.
Außerdem bewahrt die Zone deren Teilnehmer davor, in einen regionalen Rüstungswettlauf hineingezogen zu werden, denn mit China, Indien und Pakistan verfügen drei weitere rivalisierende Nachbarn über Kernwaffen. Nachdem innere Unruhen in Usbekistan und zwischenstaatliche Spannungen mit Kirgisistan abgebaut wurden, geben die zentralasiatischen Regierungen nun ein deutliches Signal an Moskau und Washington gegen mögliche Stationierungsabsichten in ihren Ländern. Das Abkommen verbietet darüber hinaus den Transit von Atomwaffen und schützt die Region davor, von Terroristen als Bewegungsraum für illegales Spaltmaterial missbraucht zu werden.
Nicht zufällig erfolgte die Unterzeichnung im kasachischen Semipalatinsk. Hier erkranken und sterben immer noch Menschen an den Spätfolgen von über 500 sowjetischen Kernwaffentests. Mit dem Vertrag von Semei wurde das dritte derartige Projekt auf dem asiatischen Kontinent zur Realität. Neben dem Vertrag von Bangkok über eine kernwaffenfreie Zone in Südostasien hat sich die Mongolei bereits vor Jahren zur „Einstaaten-Kernwaffenfreien-Zone“ erklärt.
(Quelle: www.uni-kassel.de)
Bearbeitungsstand: März 2007
Zentrifugalverfahren
engl.: centrifugal method

Natur-Uran besteht nur zu 0,7 Prozent aus dem spaltbaren Uran-Isotop U-235, zu 99,3 Prozent aus dem schwer spaltbaren Isotop U-238. Diese beiden Isotope sind zwar chemisch identisch, doch von verschiedenem Atomgewicht und unterschiedlichem Verhalten hinsichtlich der Kernspaltung. Sie müssen daher in ein günstigeres Mischungsverhältnis gebracht werden, bevor sie als Reaktor- oder Bomben-Brennstoff verwendet werden können, es sei denn man reichert das zur so genannten Moderation verwendete Wasser an und verwendet Schwerwasserreaktoren.
Der Anteil des Uran-235 muss auf drei bis vier Prozent gesteigert werden, wenn das Uran als Stoff für ein AKW der häufigsten Art (Leichtwasserreaktor) verwendet werden soll, auf bis zu 90 Prozent, wenn es für eine Atombomben bestimmt ist.
Die Anreicherung kann entweder mittels Gasdiffusions- oder Zentrifugalverfahren durchgeführt werden. Beim Zentrifugalverfahren wird das Uran-Gas in einer überschnellen Zentrifuge rotiert; dabei sammeln sich an der Schleuder-Wand die schweren Isotope (U-238), während die leichteren U-235-Isotope an der Achse zurückbleiben. (XH)
Bearbeitungsstand: Oktober 2009
siehe auch: Gasdiffusionsverfahren
siehe auch: Isotope
siehe auch: Ultrazentrifuge
siehe auch: Uran-235
siehe auch: Urananreicherung
Zerfallszeit
engl.: decay time
Jeder radioaktive Stoff wandelt sich im Verlauf einer ganz bestimmten Zeitspanne, seiner Zerfallszeit, unter Aussendung von radioaktiver Strahlung in ein anderes Element um. Dieses Zerfallsprodukt kann auch ein Spaltstoff sein und sich wiederum unter Freisetzung von Radioaktivität in einen anderen Stoff umwandeln. Die Umwandlungskette führt im Endergebnis zur Entstehung eines nicht mehr radioaktiven, stabilen Stoffes. Die Zerfallszeit, die je nach Art des Stoffes Sekundenbruchteile bis hin zu vielen Jahrtausenden andauern kann, lässt sich nicht durch chemische Mittel oder andere Verfahren beeinflussen. (RH)
Bearbeitungsstand: August 2005
siehe auch: Halbwertszeit
Zielgenauigkeit
engl.: targetting precision
Die Zielgenauigkeit einer Waffe wird als Streukreishalbmesser oder »Circular Error Probability« (CEP) bezeichnet. Sie ist eine statistische Messgröße, die den Radius des Kreises um einen Zielpunkt bezeichnet, in den der Sprengkopf bzw. das Geschoss mit einer Wahrscheinlichkeit von 50% auftrifft. (Dieter S. Lutz: Weltkrieg wider Willen?, Hamburg 1981, S. 371.)
Die Verdopplung der Zielgenauigkeit eines atomaren Sprengkopfs (Halbierung des Zielfehlers CEP) entspricht in der Wirkung auf ein verbunkertes Silo einer Verzehnfachung seiner Sprengkraft. Es ist berechnet worden, dass bei einer Verbesserung der Zielgenauigkeit von 250 auf 125 Meter die Wahrscheinlichkeit für die Zerstörung eines Minuteman-Silos von 57 auf 95 Prozent steigt. (Robert Jastrow: SDI, Herford 1986, S. 21.)
Bearbeitungsstand: Mai 2008
siehe auch: CEP-Wert
ZINN Howard
1922 - 2010

Howard Zinn, Friedensaktivist, Historiker, Autor, Lehrer und Bürgerrechtler, ist an einem Herzinfarkt mit Alter von 87 Jahre am 27. Januar 2010 gestorben. Er war mitten in einer Vortragsreise. Zinn wurde am 24. August 1922 in Brooklyn, New York geboren. Seine Eltern waren jüdische Einwanderer aus Osteuropa. Nach seiner Zeit als Pilot bei der U.S. Air Force, die seine Einstellung zu Krieg nachhaltig prägte, engagierte sich Zinn für die Bürgerrechtsbewegungen in den USA. Er war einer der entschiedensten Kritiker des Vietnam-Krieges. Auch die Abwürfe der Atombomben 1945 auf Hiroshima und Nagasaki hat er kritisierte als „unvergessliche Gräuel“.
Zinn wurde vor allem als Autor und politischer Aktivist bekannt. Er wurde von der New York Times als “wohl der einflussreichste Historiker der Vereinigten Staaten” beschrieben. Zu seinen Werken gehört u.a. „Eine Geschichte des amerikanischen Volkes” (1980), das einige Aspekte der US-amerikanischen Geschichte untersucht, die vorher in klassischen Geschichtsbücher übergangen wurden. In dem Buch warf er Christopher Columbus Genozid vor. Das Buch wurde über 2 Millionen Mal verkauft und oft wegen mangelnder Objektivität kritisiert. „Es gibt keine Unbefangenheit bei der Geschichtsschreibung“ sagte Zinn. „Das größte Problem für historische Ehrlichkeit ist nicht das blanke Lügen. Es ist das Weglassen oder Verzerren von wichtigen Daten.“
In „Eine Geschichte des amerikanischen Volkes“ bezeichnet er die Abwürfe von Hiroshima und Nagasaki als „nicht nötig“, da die USA wussten, dass Japan zur Kapitulation bereit war. Er deckte die Lüge der „Raketenlücke“ [missile gap] auf, wobei die USA behaupteten, dass die Sowjetunion in der Zahl ihrer Atomraketen überlegen sei. In Wirklichkeit besaßen die USA viel mehr und technisch weitaus bessere Waffen. Auch über die „Pentagon Papers“ berichtete er in diesem Buch, sowie zur antinuklearen Bewegung, die „Freeze“-Bewegung und Ärzte in sozialer Verantwortung (PSR).
Zinn erwarb seinen Doktor in Geschichte. Er selbst bezeichnete sich als links und sah seine Geschichtsauffassung als Antwort auf traditionelle Sichtweisen. In den 50er und 60er Jahren lehrte er am Spelman College in Atlanta, wo es einen hohen Anteil an schwarzen und weiblichen Studierenden gab. Er engagierte sich dort für die Bürgerrechtsbewegung und verlor seinen Lehrstuhl, weil er sich für die Studierenden gegen die Universität einsetzte. Danach lehrte er Politikwissenschaft an der Universität von Boston. Dort engagierte er sich gegen den Vietnamkrieg, was wiederum zu Auseinandersetzungen mit der Universität führte. Seine Vorlesungen waren immer überlaufen und in seiner Zeit als Lehrer bis 1988 war er bei den Studierenden sehr beliebt.
Zinn war immer gegenüber der Politik – sei es republikanische oder demokratische – sehr kritisch. Er glaubte jedoch an der Macht von sozialen Bewegungen. Er sagte “Das Wichtigste ist nicht wie man wählt, sondern ob man an einer Bewegung teilnimmt, die auf die gewählte Person Druck ausüben wird. Man muss Macht außerhalb von politischen Prozessen aufbauen.”
Bis zu seinem Tod stand er der Außenpolitik der USA skeptisch gegenüber. Er war ein ausgesprochener Kritiker des Irakkrieges. Selbst die Euphorie über die Wahl Barack Obamas zum U.S. Präsidenten teilte er nicht. Er erwarte nichts von Obama und sei deshalb nicht enttäuscht, sagte Zinn. Kurz vor seinem Tod sagte er, dass Obama in dieser Zeit wie ein normaler Präsident agiere – was bedeuten würde, dass er gefährlich sei.
Daniel Ellsberg beschrieb Zinn als „der beste Mensch, den ich jemals kannte. Das beste Beispiel davon, wie ein Mensch sein kann und was man mit seinem Leben machen kann“. Zinn versteckte die “Pentagon Papers” für Ellsberg, als die FBI seine Wohnung durchsuchte. (JH/XH)
Lesenswert:
Zinn H und Bonin S: Eine Geschichte des amerikanischen Volkes“, Schwarzerfreitag, 2007
Zinn H: Die Bomben in August – zum Gedenken an Hiroshima und Nagasaki, Lebenshaus Schwäbische-Alb, 09.08.2000
Zinn H: Gegen Entmutigung, Friedensratschlag, 24.05.2005
Bearbeitungsstand: Januar 2010
siehe auch: ELLSBERG Daniel
Zusatzprotokoll
Das Zusatzprotokoll zum Nichtverbreitungsvertrag wurde 1997 von der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) beschlossen. Es ergänzt den nuklearen Nichtverbreitungsvertrag von 1968. Es bietet mehr Kontrollmöglichkeiten (z.B. unangemeldete Kontrollbesuche), die notwendig wurden aufgrund der Erfahrungen mit den Atomrüstungsplänen des Irak aus der Zeit vor dem Golfkrieg 1991. Fast 100 Länder haben das Zusatzprotokoll bereits unterzeichnet. Nach internationalem Druck und nach einem Ultimatum seitens der IAEO hat auch Iran im Dezember 2003 das Zusatzprotokoll unterzeichnet. (LL)
Bearbeitungsstand: September 2005
siehe auch: Atomwaffensperrvertrag
Zweibrücken
ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland
Der Fliegerhorst Zweibrücken (49°12'33”N, 07°23'29”O) liegt ca 15 km westlich der Stadt Pirmasens. Hier waren von 1964 bis 1969 atomwaffenfähige Starfighter der kanadischen Luftwaffe stationiert. Für den Einsatz wurden amerikanische Atomsprengköpfe vom Typ Mk.28 FUFO auf dem Fliegerhorst bereitgehalten. Diese frei fallenden Fliegerbomben verfügten über eine Sprengkraft von 1100 Kilotonnen (KT). Ab 1968 wurde die Mk.28 durch die Mk.43 Atombombe abgelöst. Diese Waffe verfügte über eine unveränderliche Sprengwirkung von 1 Megatonne (MT). Sie war als Außenlast speziell für den Abwurf von schnell und tieffliegenden Jagdbombern entwickelt worden. (LL)
Gemäß den NATO-Forderungen wurden pro Geschwader ständig vier Maschinen (später auf zwei reduziert) in der QRA in Bereitschaft gehalten. Unter einem „Dual Key Arrangement“ wurde sichergestellt, dass kanadische und amerikanische Offiziere gleichzeitig den Einsatzbefehl geben mussten, um Missbräuche zu verhindern. Innerhalb der QRA durfte sich nur eine begrenzte Anzahl ausgewählter Personen aufhalten und sich niemals alleine den atomar bewaffneten Maschinen nähern. Kein Starfighter wurde jemals mit atomarer Bewaffnung außerhalb der QRA bewegt, geschweige denn geflogen. Die speziell entwickelten Abwurfverfahren für den Tiefflug wurden mit Trainingsbomben („shapes“, welche die gleichen ballistischen Eigenschaften wie die Mk 28 aufwiesen) auf den Schießplätzen Capo Frasca auf Sardinien und Suippes in Frankreich geübt. Das automatische Bombenabwurfsystem LABS half dem Piloten, ein Flugprofil einzuhalten, welches einen Abwurf im Tiefflug und ein anschließendes Entkommen ermöglichte. Dabei wäre entweder ein Abwurf „über die Schulter“ oder mit Fallschirm (Low Angle Drogue Delivery) in Betracht gekommen. Eine Besonderheit der kanadischen Starfighter-Flotte bestand darin, dass auch eine begrenzte Anzahl von CF-104D-Doppelsitzern für die Aufnahme von Atomwaffen ausgerüstet wurde”. (Quelle: www.f4-phantom.de/rcaf/RCAFinEurope2-3.htm)
Der atomare Einsatz endete im August 1969. Danach übergab die kanadische Luftwaffe die von ihr genutzten Einrichtungen an die US-Air Force.
Bearbeitungsstand: Juli 2011
Zweischlüssel-Abkommen
engl.: two party key control treaty oder: two key international arms control treaty
Regelung zum Einsatz von US-amerikanischen Atomwaffen durch NATO-Verbündete. In diesem Fall bleiben die Gefechtsköpfe in der Hand der vor Ort anwesenden amerikanischen Überwachungsteams, während die Trägersysteme sich im Besitz der Verbündeten befinden, die auch die Bedienungsmannschaften stellen. Dadurch sind beide Seiten in der Lage, einen Einsatz der Atomwaffen zu verhindern. Zusätzlich ist jeder Gefechtskopf gegen nicht autorisierten Gebrauch durch einen elektronischen Verschluss (PAL) gesichert. Die in Büchel (Eifel) gelagerten atomaren Fliegerbomben unterliegen dem Zweischlüssel-Abkommen. (LL)
Bearbeitungsstand: Oktober 2004
Zweitschlagfähigkeit
engl.: second strike capability
Die Zweitschlagfähigkeit ist die Fähigkeit, auch noch nach einem erlittenen Nuklearschlag einen Vergeltungsschlag gegen den Angreifer mit dem Ziel der “gesicherten Zerstörung” zu führen. Der Zweitschlag richtet sich vorrangig gegen weiche Ziele des Gegners wie Bevölkerungszentren (countercity) oder Industrieansiedlungen (countervalue). (Dieter S. Lutz: Weltkrieg wider Willen?, Hamburg 1981, S. 371.)
Bearbeitungsstand: Februar 2006
Zyklon-Rakete
engl.: cyclone missile, SS-9 dt.: auch Tsyklon-Rakete
Im Jahre 1962 kündigte die Sowjetunion den Bau einer Interkontinentalrakete an, die jeden Punkt der Erde -auch unter Nutzung von Flugbahnen über den Südpol- erreichen könnte. Dies stellte für die USA eine neue Bedrohung dar, weil deren Frühwarnstationen alle nahe des nördlichen Polarkreises angeordnet waren. Die Sowjetunion ihrerseits sah sich von den Mittelstreckenraketen der USA, die in der Türkei, Italien und Großbritannien stationiert waren bedroht, da diese die Sowjetunion innerhalb von wenigen Minuten erreichten konnten. Dagegen benötigten sowjetische Raketen wegen der Flugbahnen ca. 30 Minuten um die USA zu erreichen, so dass für einen Gegenschlag der USA ausreichend Zeit zur Verfügung stand. Der Grund für die lange Vorwarnzeit war die Flugbahn der Raketen. Diese flogen auf ballistischen Bahnen mit einer Gipfelhöhen von 1000-2000 Kilometern über den Nordpol. Die USA hatten große Radaranlagen auf Grönland und in Alaska stationiert, also nahe am Nordpol und weit von den Zielen der Raketen entfernt. Dadurch konnten die Raketen schon in der Aufstiegsphase geortet werden. So konnten strategische Ziele in der Sowjetunion bedroht werden, ohne dass genügend Zeit für eine Reaktion zur Verfügung stand. Dieses Dilemma versuchte die Sowjetunion zu lösen, indem sie analog zu den USA Mittelstreckenraketen in der Nähe der USA auf Kuba stationierte. Dies führte im Jahre 1962 zur Kuba Krise an deren Ende eine Stationierung von Mittelstreckenraketen auf Kuba verhindert wurde.
Gelänge es stattdessen die USA von Süden anzugreifen und / oder in geringer Höhe, so wäre die Vorwarnzeit nur noch 5 Minuten. Mit dieser Zielsetzung wurde die Interkontinentalrakete SS-9 entwickelt. Allerdings war die Flugstrecke wesentlich größer: Die Rakete musste praktisch um die ganze Erde herum fliegen anstatt nur etwa 6000-8000 km weit. Anders als normale Raketen flog diese auf einer Bahn über den Südpol, die ähnlich wie die eines Satelliten ausgelegt war. Kurz vor den USA wird die Bahn abgebremst, und der Sprengkopf schlägt auf seinem Ziel ein. Dadurch reduziert sich die Vorwarnzeit enorm. Von 1967-1972 wurde ein solches System unter der Bezeichnung FOBS getestet. Dabei wurde eine Attrappe in eine Bahn gebracht, die von Baikonur über den südlichen Pazifik, die Spitze von Südafrika, Westafrika auf das Gebiet der Sowjetunion führte, wo der Satellit kurz vor Beendigung seines ersten Umlaufs abgebremst wurde und dort landete. Prinzipiell konnte man so auch einen Sprengkopf in Richtung USA starten, ja es wäre möglich gewesen den Sprengkopf im Orbit zu stationieren und erst bei Bedarf abzubremsen. Selbst wenn es den USA gelänge, alle Atomwaffen am Boden auszuschalten, so blieben noch die weltraumgestützten Sprengköpfe. Dieses System wurde jedoch mit dem Vertrag über das Verbot von Atomwaffentests im Weltraum und der Stationierung von Waffen im Weltraum im Jahre 1967 nicht umgesetzt. Zudem war die militärische Bedeutung eher gering, da mit der damaligen Technik eine punktgenaue Landung nicht möglich war.
Die Entwicklung der Zyklon begann am 16.4.1962. Der erste Teststart fand im Juli 1965 statt und die ersten R-36 Raketen wurden am 5.11.1966 stationiert. Im Jahre 1971 wurden Sie zu MIRV Trägern umgerüstet. Die letzten R-36 wurden im Jahre 1979 aus dem Dienst genommen.
Über die technischen Details der Zyklon war im Westen lange Zeit wenig bekannt. In ihrer Auslegung ist sie mit der westlichen Rakete Titan 2 vergleichbar. Ähnlich wie diese gehört sie zur zweiten Generation der Interkontinentalraketen. Beide verwenden die gleichen Treibstoffe und zwei Stufen. Jedoch ist die Zyklon größer als die Titan. Sie hat eine Startmasse von 182 t in der Interkontinentalraketenversion im Vergleich zu 157 t bei der Titan 2. Die Zyklon ist die schwerste je stationierte Interkontinentalrakete.
Von der Zyklon wurden 2 Versionen eingesetzt. Die erste Version (Zyklon 1) entsprach der originalen Interkontinentalrakete. Mit 2 Stufen konnte die Nutzlast nur auf eine suborbitale Bahn transportiert werden. Das heißt, ähnlich wie bei der amerikanischen Atlas benötigte die Nutzlast eine weitere Oberstufe und ihre Bahn zu erreichen.
Die Zyklon 1 wurde 1969 von einer verbesserten Version, der Zyklon 2 abgelöst, die heute noch im Einsatz ist. Das besondere an der Rakete ist, das sie die Nutzlast nicht in eine Bahn sondern nur eine suborbitale Bahn befördert. Die beiden ersten Stufen verwenden das lagerfähige Treibstoffe Stickstofftetroxid (NTO) und Unsymmetrisches Dimethylhydrazin (UDMH). Die Stufentrennung erfolgt »heiß«, d.h. die Zündung der zweiten Stufe findet statt, wenn die erste Stufe noch brennt. Dazu wird zeitgleich ein Kommando zum Zünden der zweiten Stufe und zum Abschalten der ersten Stufe gesendet. Durch den Schub der zweiten Stufe brechen Verbindungen zwischen den Stufen. Vier kleine Feststoffraketen drücken dann die erste Stufe von der Oberstufe weg. Die Zyklon verwendet wie die meisten sowjetischen Raketen dazu einen Stufenadapter aus Gittern. Die dritte Stufe (Boost Segment) hing von der Nutzlast ab. Die ersten zwei Stufen hatten ein eigenes Lenksystem, das 752 kg wog und autonom arbeitete. Die dritte Stufe wurde dagegen von einem eigenen Steuerungssystem gesteuert.
Seit 1970 lief die Entwicklung einer einheitlichen Oberstufe für die Zyklon. Doch erst 1977 fand der erste Start und 1980 nach der Flugerprobung die Indienststellung statt. Seitdem hat die Zyklon 3 hinsichtlich Startrate die Zyklon 2 überholt. Bedingt durch den hohen Schub der ersten beiden Stufen muss dabei eine Freiflugphase während des Betriebs der dritten Stufe absolviert werden. Mit dieser Rakete sind auch höhere Bahnen möglich. Durch die relativ kleine Oberstufe (im Vergleich zur 10-mal größeren zweiten Stufe) ist die Nutzlast nur wenig größer als bei der Zyklon 2.
Die Zyklon 3 startet nur vom Startzentrum Plesetsk im Norden Sibiriens aus. Im Vergleich zur Zyklon 2 wurden die Stufen 1+2 nur gering modernisiert. Die Triebwerke wurden verbessert und liefern einen etwas höheren Schub und haben einen besseren spezifischen Impuls. Die neue dritte Stufe wird kalt gezündet, also erst nach Abtrennung der zweiten Stufe. Dazu beschleunigen zwei Feststofftriebwerke zuerst die Stufe um den Treibstoff zu sammeln. Dann erst erfolgt die Zündung. Weiterhin hat die Oberstufe ihre eigene Steuerung und die ersten beiden Stufen ihre eigene Steuerung. Sie arbeitet wie die ersten beiden Stufen mit den lagerfähigen Treibstoffen NTO und UDMH. Die Zyklon 3 hatte ihren Erstflug am 24.6.1977; ihr letzter Flug fand am 28.12.2001 statt. Insgesamt erfolgten 120 Einsätze, davon 6 Fehlstarts.
Nach drei Jahren Pause fand 2004 erstmals wieder der Start einer verbesserten Zyklon (Zyklon 4) statt, die einen militärischen Satelliten transportierte. Die Rakete kann bis zu 1,8 to Nutzlast tragen. Zukünftig sollen damit auch Satelliten anderer Nationen zur zivilen Nutzung in den Orbit befördert werden. Man hofft ab 2007 mindestens 3 eventuell bis zu 6 Starts pro Jahr durchführen zu können. (Quelle: http://www.bernd-leitenberger.de/tsyklon.shtml )
Bearbeitungsstand: Februar 2008