
Thule-Luftwaffenstützpunkt
engl.: Thule Air Force base
Die USA errichteten im 2. Weltkrieg einen Luftwaffenstützpunkt an der Nordwestküste Grönlands. 1951 schlossen die USA und Dänemark einen Vertrag über die gemeinsame Verteidigung der Insel - ohne die Grönländer zu fragen. Stillschweigend und ohne Information der Insulaner tolerierte Kopenhagen, dass die USA in Thule Atomwaffen stationierten.
In der North Star Bay wurde eine Stadt (Thule Airbase) mitten in der Arktis errichtet, strategisch von ungeheurem Wert. Via Nordpol ließ sich von Thule jeder Punkt der Sowjetunion, Japans und Zentralasiens mit Interkontinentalraketen erreichen. Riesige unterirdische Hangars entstanden, zahlreiche Raketenabschussrampen, die von oben kaum als solche erkennbar sind.
Thule Airbase war Teil des US-amerikanischen Raketenfrühwarnsystems. Mit einer hohen Radaranlage ließ sich von hier aus in der Vorsatellitenzeit der Luftraum Russlands bis zur Ukraine überwachen. Die B-52 Bomber, die in den sechziger Jahren rund um die Uhr in der Luft waren, um einen nuklearen Erstschlag abzuwehren, wurden unter anderem hier betankt und gewartet. Während des Koreakrieges flog man via Pol die verletzten US-Soldaten ein, um sie hier zu versorgen und die Verluste vor der Heimat zu verbergen.
Es passierten auch »Missgeschicke« in Thule, so der »Verlust« zweier Wasserstoffbomben, die das Meer vor Thule Airbase verseuchten. Die Militärs ließen damals das Eis abtragen und mit Schiffen abtransportieren. Die Helfer erkrankten Jahre später an Leukämie und, falls sie überlebten, kämpfen sie bis heute um Anerkennung und Schadenersatz.
Dänemark untersagte den USA Ende der sechziger Jahre die weitere Stationierung von Raketen. Wo zeitweise mehrere Tausend Soldaten gelebt hatten, leben heute noch ein paar hundert. Thule Airbase ist aber auch nach dem Kalten Krieg von militärischer Bedeutung geblieben. Der Zugang zum Stützpunkt ist heute strenger denn je reglementiert. Aber wegen des Flugplatzes ist der Transfer unumgänglich, sofern man aus dem Süden kommend ins zivile Thule (Qaanaaq) der Eskimo gelangen will.
Was sich heute auf dem Stützpunkt verbirgt, erfährt niemand. Es sickerte durch, dass hochgiftiger Abfall, den die US-Militärs in den fünfziger und sechziger Jahren »entsorgten«, durch das Abschmelzen des Eises inzwischen zutage tritt. Früher oder später wird das strahlende Material ins Meer gelangen. Die Inselbewohner fürchten die Konsequenzen, wenngleich sie diese aufgrund der unzureichenden Informationslage kaum vollständig abschätzen können. (Quelle: Tourism Watch)
Bearbeitungsstand: November 2008
siehe auch: Wasserstoffbombe