
Subkritischer Atomtest
engl.: subcritical nuclear test

Am 24. September 1996 unterzeichnete Präsident Clinton den Atomteststoppvertrag. Ein Akt, der nach internationalem Recht den Unterzeichner dazu anhält, von jeglicher Handlung Abstand zu nehmen, die dem Kern des Vertrages zuwider läuft. Doch bereits am 8. Oktober 1996 erklärte das US-amerikanische Energieministerium (engl. Abkürzung: DOE), „subkritische Atomtests” durchführen zu wollen.
Bei einem subkritischen Test werden 50 bis 500 Pfund chemische Explosivstoffe mit kleinen Mengen waffenfähigem Plutonium in circa 300 Meter Tiefe gezündet. Mit solchen Experimenten mit weniger als der für eine atomare Kettenreaktion notwendigen kritischen Masse - deswegen „subkritisch” -, wird das Verhalten des Plutoniums erforscht. Die gewonnenen Daten sind für die Computersimulation gedacht und können der Waffenentwicklung dienen. Das Energieministerium hat zukünftige Experimente mit „Atomwaffenkonfiguration” nicht ausgeschlossen.
Der Atomteststoppvertrag definiert einen Atomtest nicht, aber anerkannte Deutung ist, dass das Abkommen Explosionen mit einer messbaren radioaktiven Freisetzung verbietet. Damit verstoßen „subkritische Tests” vielleicht nicht gegen den Text des Vertrages - aber sie höhlen seine Absicht und seinen Geist aus. Jeder Test einer Atomwaffenmacht untergräbt das notwendige Vertrauen anderer Länder, sich für eine Welt ohne Atomwaffen zu entscheiden, und fördert damit die Gefahr der atomaren Weiterverbreitung. Es ist besonders an den Atomwaffenmächten, ihre Abrüstungsabsicht durch vertrauensbildende Taten zu demonstrieren. (Quelle: IPPNW, Factsheet von 2000)
Die USA haben am 15. September 2010 einen sogenannten subkritischen Atomtest durchgeführt. Der Test stieß auf scharfe Kritik, vor allem in Japan, verstoße er doch gegen Präsident Obamas Bekenntnis zu einer atomwaffenfreien Welt. Der Atomtest war der 24. subkritische US-Test und wurde in einem unterirdischen Labor im Bundesstaat Nevada durchgeführt. Den letzten Test dieser Art gab es im August 2006 während der Amtszeit von Präsident George W. Bush. Der Test sei nur zur Datensammlung geschehen, um die Funktionstüchtigkeit der Atomwaffen und die Sicherheit ihrer Lagerung zu überprüfen, erklärte das dem US-Energieministerium unterstellte Amt für Atomsicherheit (NNSA). Die bei subkritischen Tests gesammelten Daten sind jedoch auch der Waffenentwicklung dienlich, argumentieren dagegen Atomwaffenexperten.
Laut NNSA sei der Test erfolgreich gewesen. Die US-Regierung plane, zwischen Oktober 2010 und September 2011 zwei weitere Tests durchzuführen.
Seit 1998 führen die USA subkritische Tests unter dem sogenannten "Stockpile Stewardship Program" durch. Dabei werden 45 bis 450 Kilogramm chemische Explosivstoffe mit kleinen Mengen waffenfähigem Plutonium in circa 300 Meter Tiefe gezündet. Es kommt zu einer Explosion, aber nicht zu einer atomaren Kettenreaktion, weil das Plutonium die für eine atomare Kettenreaktion notwendige kritische Masse nicht erreicht. Deshalb nennt man diese Atomtests "subkritisch".
In Hiroshima und Nagasaki kam es zu Protestaktionen von BürgerInnen, die ihrer Empörung über den Test Ausdruck gaben. Die „Friedensuhr“ im Hiroshima Atombomben-Museum, die die Tage seit dem letzten Atomtest zählt, wurde am 13. Oktober 2010 von 506 auf 28 Tage zurück gestellt. Der zuvor letzte Atomtest war der am 25. Mai 2009 in Nordkorea. (Quellen: Hindustan Times, Asahi Shimbun, Mainichi Daily News)
Mehr Informationen zu subkritische Atomtests
Bearbeitungsstand: Januar 2011
siehe auch: Kritische Masse
siehe auch: Stockpile Stewardship Program