
RABI Isidor Isaac
1898 - 1988

Isidor Isaac Rabi wurde am 29.07.1898 in Raymanov (Österreich) geboren. Seine Familie verließ bereits 1899 das Land und wanderte in die USA ein. 1919 machte er seinen Abschluss an der Cornell University in Chemie. Nach drei Jahren in einem nicht-wissenschaftlichen Beruf, begann Rabi 1921 ein Studium der Physik in Cornell. Dieses Studium setzte er an der Columbia University fort. 1927 erhielt er den Doktortitel für seine Arbeit über die magnetischen Eigenschaften von Kristallen. Rabi verbrachte zwei Jahre in Europa und arbeite dort mit Physikern, wie Sommerfeld, Bohr, Pauli, Stern und Heisenberg.
Als er 1929 in die USA zurückkehrte wurde er zum Dozenten für Theoretische Physik an der Columbia University ernannt. 1937 wurde Rabi dort Professor. 1940 erhielt er den Posten des Associate Director im Radiation Laboratory des Massachusetts Institute of Technology (MIT). Dort arbeitete er an der Entwicklung der ersten Atombombe mit.
»Im Zweiten Weltkrieg stellte der amerikanische Kernphysiker, Sohn jüdischer Einwanderer aus Galizien, sein Forschungstalent vorbehaltlos in den Dienst des Kampfes gegen Hitler. Rabi, der seinen Ruhm bahnbrechenden Erkenntnissen über die magnetischen Verhältnisse im Atomkern verdankte, stand an der Spitze des Teams, das am Massachusetts Institute of Technology die kriegswichtige Radartechnik entwickelte; 1943 wurde er als Berater in das Laboratorium von Los Alamos geholt und arbeitete an der Konstruktion der ersten Atombombe mit. Deren Zündung im Juli 1945 wurde für den Gelehrten zum Schlüsselerlebnis: "Mich überkam eine Gänsehaut, als ich mir klarmachte, was das hier für die Zukunft der Menschheit bedeutete." Mit dem Ansehen des Physik-Nobelpreisträgers wandte sich der 1967 emeritierte Rabi mit den Jahren immer schärfer gegen Politiker und Kollegen, die beim Anhäufen von atomaren Overkill-Kapazitäten Hand in Hand arbeiteten«. (Quelle: DER SPIEGEL 3/1988 vom 18.01.1988, Seite 190c)
Bekannt wurde Isidor Isaac Rabi durch seine Arbeiten zur Molekularstrahlmethode und erhielt dafür 1944 den Nobelpreis. 1945 ging er zurück nach Columbia und wurde dort Executive Officer der Physikabteilung. In späteren Jahren setzte sich stark für die friedliche Nutzung der Atomenergie ein. Bei der International Conference on Peaceful Uses of Atomic Energy (Genf, 1955) war er der Delegierte der USA und der Vizepräsident der Konferenz. 1959 wurde er Mitglied des Board of Governors, des Weizmann Institute of Science in Israel. Er starb am 11. Januar 1988 in New York. (Quelle: Christian-Albrechts-Universität, Technische Fakultät)
Bearbeitungsstand: Oktober 2008
Weitere Informationen zur Entwicklung der Atombombe
siehe auch: Los Alamos
siehe auch: Overkill
Rad
RAD (engl. Abk. für: Radiation absorbed dose) ist eine Einheit der absorbierten Strahlendosis und definiert als die Einwirkung von 100 Erg Energie pro Gramm Gewebe. Diese Energiemenge ist extrem klein. Die gleiche Menge, die als radioaktive Strahlung einen Menschen töten würde, nämlich 1000 Rad, könnte als Wärmeenergie den Körper nur um einige Tausendstel Grad Celsius erwärmen. Die Maßeinheit rad wurde durch die absolut gleichwertige Maßeinheit Gray (Gy) abgelöst. 100 Rad entsprechen 1 Gray.
Bearbeitungsstand: Juni 2007
Stichwort: Radioaktivität
Radioaktiver Niederschlag
engl.: fallout
Radioaktiver Niederschlag entsteht hauptsächlich durch verstrahltes Erdreich bei niedrigen Luft- oder Bodendetonationen. Eine Bodendetonation erzeugt immer radioaktive Teilchen. Dabei fallen die großen und schweren Teilchen innerhalb weniger Minuten nach der Detonation dicht am Nullpunkt zu Boden, so dass hier eine hohe für Menschen tödliche Strahlenbelastung entsteht.
Die leichteren und kleineren Teilchen steigen mit dem Feuerball und der Explosionswolke zunächst nach oben und fallen dann nach und nach in Windrichtung wieder zu Boden. In der Regel beginnt der radioaktive Niederschlag (Fallout) nach weniger als einer Stunde wieder zu Boden zu fallen und hält ein bis zwei Tage lang an, je nach der Entfernung zum Nullpunkt. Bei Explosionen mit einem hohen Detonationswert werden kleinste verstrahlte Teilchen bis in die Stratosphäre geschleudert und können dort monate- oder jahrelang verbleiben, bevor sie wieder auf den Erdboden sinken.
Über Ausmaß und Intensität des radioaktiven Niederschlags entscheiden verschiedene Faktoren, deren wichtigster die Wetterlage ist. Bei unsteten oder umlaufenden Winden in unterschiedlichen Höhen nimmt das Gebiet radioaktiven Niederschlags sehr komplexe Formen an, möglicherweise mit Stellen hoher Konzentration (hot spots) und strahlungsfreien Bereichen, so dass es in der Regel unmöglich ist, eine verlässliche Vorhersage über das Niederschlagsgebiet zu erstellen. Auch kann bei Regen oder Schnee eine Luftdetonation unter den Wolken, die bei klarem Wetter einen unerheblichen radioaktiven Niederschlag verursacht hätte, zu einem beträchtlichen nicht vorhersehbaren lokalen Niederschlag führen, weil die radioaktiven Teilchen durch den Regen oder Schnee konzentriert zu Boden fallen.
Der natürliche Zerfall der Radioaktivität ist der wichtigste Vorgang, um ein verstrahltes Gebiet wieder zugänglich (bewohnbar) zu machen. Auch Regen und Wind verkürzen diese Zeitspanne, indem sie radioaktive Teilchen ins Wasser und in den Erdboden schwemmen, wo sie im Allgemeinen weniger gefährlich sind, als auf der Erdoberfläche. Allerdings wird dadurch eine unkontrollierte Ausbreitung der Rückstandsstrahlung verursacht. Schließlich kann in begrenzten Gebieten auch durch Dekontamination (Entstrahlung) die Radioaktivität verringert oder ganz beseitigt werden. (Die UNO-Studie »Kernwaffen«, München 1982, S. 224.)
Bearbeitungsstand: Januar 2006
siehe auch: Detonationswert
Radioaktive Strahlung
engl.: radiation
Radioaktivität entsteht beim Zerfall von Atomkernen. Chemische Elemente, deren Atomkerne instabil sind, die so genannten Isotope, können zerfallen und setzen dabei Energie frei, die sich als Strahlung fortsetzt. Die strahlenden Isotope werden Radionuklide genannt. Wir alle sind einer so genannten natürlichen Strahlung ausgesetzt, die uns vorwiegend von außen trifft. Die Strahlenquelle befindet sich außerhalb unseres Körpers, sogar teilweise außerhalb unserer Erde. Die natürliche Radioaktivität setzt sich aus drei Komponenten zusammen:
- Die kosmische Strahlung ist die Strahlung aus dem Weltraum. Ein großer Teil dieser Strahlung wird durch die Atmosphäre und die Magnetfelder der Erde von uns ferngehalten.
- Die terrestrische Strahlung kommt hautsächlich aus dem Gestein. Diese Belastung ist im Gebirge höher als im Flachland.
- Ein kleiner Teil besteht aus der „inneren“ Strahlung, vorwiegend durch das im Körper aus der Nahrung oder Luft aufgenommene, lebensnotwendige Kalium.
Im Jahr beträgt die natürliche Strahlenbelastung im Durchschnitt 110 Millirem. Diese Strahlenbelastung kann Krankheiten auslösen.
Künstliche Radioaktivität wird erzeugt durch die Spaltung von Plutonium oder Uran zur Energiegewinnung in Atomkraftwerken. Sie kann niemals sicher von der Umwelt abgeschlossen werden. Auch bei strengsten Vorkehrungen entweicht immer ein gewisser Anteil. Besonders groß ist dieser bei der Wiederaufbereitung der Brennstäbe aus Atomkraftwerken.
Bei der medizinischen Strahlenanwendung werden Röntgenstrahlen (Wellenstrahlung von außen) und Radionuklide (Teilchen- und Wellenstrahlung von innen) für Diagnostik und Therapie angewendet. Dabei werden zwangsläufig Schäden verursacht, die auf lange Sicht das Risiko erhöhen, an Krebs zu erkranken. Deshalb muss bei jeder medizinischen Strahlenanwendung abgewogen werden, ob der unmittelbare Nutzen für den Patienten größer ist als der mögliche, erst nach langer Zeit auftretende Schaden.
Bei der Strahlung unterscheidet man Teilchenstrahlung (Neutronen-, Beta- und Alphastrahlen) und Wellenstrahlung (Gamma- und Röntgenstrahlen). Teilchenstrahlung gibt die Energie auf einer kurzen Wegstrecke vollständig ab (im Körpergewebe innerhalb von 1 mm); Wellenstrahlung reicht dagegen weit und wird erst durch Entfernung abgeschwächt. (XH)
Stichworte: Plutonium
siehe auch: Radionuklide
siehe auch: Teilchenstrahlung
Bearbeitungsstand: September 2007
Radioaktivität
engl.: radiation
Alle Stoffe, ob Gase, Flüssigkeiten oder feste Stoffe, sind aus Atomen aufgebaut. Doch nicht alle Atomarten sind gleich stabil. Manche Atomkerne wandeln sich in stabilere Kernarten um, indem sie Teilchen aussenden. Das sind z.B. Heliumkerne aus zwei Protonen und zwei Neutronen, sie so genannte Alpha-Strahlung oder auch Elektronen oder Positronen, zusammenfassend als Beta-Strahlung bezeichnet. Die Atomkerne von Jod-131 wandeln sich z.B. unter Aussendung je eines Elektrons in das stabilere Xenon-131 um.
Radioaktive Umwandlungen sind rein statistische Prozesse. Eine Halbwertzeit von 28 Tagen bei Jod-131 bedeutet nicht, dass sich die gesamte Stoffmenge in 28 Tagen schlagartig umwandelt. Vielmehr ist in dieser Zeit die Hälfte der vorhandenen Atome zerfallen; manche gleich zu Beginn, die meisten am ersten Tag, die andere Hälfte aber noch gar nicht. Nach jeweils weiteren acht Tagen halbiert sich der Restbestand an Jod, wobei man nicht angeben kann, welche Atome in einer bestimmten Zeit zerfallen werden.
Jod-131 kann für die menschliche Gesundheit gefährlich sein, denn es wird vom Körper aufgenommen und konzentriert sich hauptsächlich in einem einzigen Organ, der Schilddrüse. Dabei ist Jod-131 nicht wegen seiner chemischen Eigenschaften schädlich, es verhält sich chemisch genau so wie das nicht radioaktive Jod-127. Gefährlich sind allein die beim Zerfall ausgesendeten Elektronen (Beta-Strahlen). Wenn diese Elektronen auf andere Atome treffen, können sie aus deren Hülle Elektronen herauslösen, die Folge ist eine Ionisierung dieser Atome. Ionen verhalten sich chemisch aber anders als elektrisch neutrale Atome und auf diese Weise können im menschlichen Körper Zellen zerstört oder verändert werden. Radioaktive Strahlung kann aber auch Körperzellen zu unkontrolliertem Wachstum anregen, also Krebs erzeugen.
Gemessen wird die Radioaktivität in der Einheit Becquerel. Ein Becquerel, bezogen auf 1 m³ Luft, bedeutet, dass sich in diesem Volumen pro Sekunde ein Atomkern umwandelt.
Die biologische Wirkung von Alpha-, Beta- und Gammastrahlen ist aber sehr unterschiedlich. Alpha-Strahlen haben wegen ihrer großen Masse eine starke Wirkung, dafür aber im Körper nur eine Reichweite von wenigen Millimetern. Beta-Strahlen können wegen ihrer kleinen Masse viel weiter in den Körper eindringen. Um diese Unterschiede auszugleichen, wurde zusätzlich die Einheit Sievert (Sv) für die biologische Wirksamkeit von Strahlen eingeführt.
Ein Teil der natürlichen Strahlung kommt aus dem Weltraum zu uns. Da die Lufthülle der Erde diese Strahlung vermindert, ist sie in großer Höhe, z.B. auf der Zugspitze, größer als in Meereshöhe. Ein weiterer Teil der natürlichen Strahlung kommt aus der Erde, weil dort radioaktive Zerfallsprozesse stattfinden. Diese Strahlenbelastung ist regional unterschiedlich. Der dritte Teil der Strahlenbelastung kommt aus dem menschlichen Körper selbst, denn mit der Nahrungskette nehmen wir Radionuklide auf, die im Körper weiter strahlen, z.B. radioaktives Jod-131 in der Schilddrüse. Zusätzlich zu der natürlichen Strahlung sind wir heute auch der Strahlung von künstlichen Radionukliden ausgesetzt. Diese entstehen bei Atombombenexplosionen und in Kernkraftwerken.
Als am 26.April 1986 ein schwerer Unfall im ukrainischen Atomkraftwerk Tschernobyl passierte, wurden große Mengen von künstlichen Radionukliden in die Luft freigesetzt und vom Wind über die ganze Welt verteilt.
(Quelle: www.stk.tu-darmstadt.de, Seite nicht mehr online)
Bearbeitungsstand: September 2007
siehe auch: Becquerel
siehe auch: Halbwertszeit
siehe auch: Jod-131
siehe auch: Radionuklide
siehe auch: Sievert
Radiologische Dispersionswaffen
Bei einer Radiologischen Dispersionswaffe, einer so genannten „schmutzigen Bombe“, besteht die Hauptwirkung in der flächigen Verseuchung durch radioaktiven Fallout. Dies wird durch eine Kernexplosion auf dem Erdboden erreicht. Insbesondere wurde die Kobaltbombe als schmutzige Bombe bezeichnet, deren Hülle aus Kobalt die Umgebung für Jahre verstrahlt.
Die wohl einfachste und billigste Möglichkeit, zu einer „schmutzigen Bombe“ zu kommen, bestünde darin, sich Nuklearmaterial wie waffenfähiges Plutonium oder aufgebrauchten Kernbrennstoff aus zivilen Atomkraftwerken, zu beschaffen und es mit Hilfe eines konventionellen Sprengsatzes über ein dicht besiedeltes Gebiet zu verteilen. Solche radiologischen Dispersionswaffen sind viel leichter herzustellen als eine Atom- oder Wasserstoffbombe. Sie würden weniger Zerstörungen und weniger unmittelbare Todesopfer verursachen als eine richtige Atomwaffe. Doch auch sie hätten langfristige Gesundheits- und Umweltschäden zur Folge und würden zu einem unkalkulierbaren sozialen und ökonomischen Chaos führen.
Mit Ausnahme des umstrittenen Einsatzes uranhaltiger Munition durch die USA während des Golfkrieges von 1991 und während des Kriegs gegen Jugoslawien von 1999 sind radiologische Waffen aus praktischen wie ethischen Gründen bei Konflikten weder stationiert noch eingesetzt worden. Noch nie wurden sie mit dem ausdrücklichen Ziel eingesetzt, durch die Verstrahlung von Mensch und Umwelt Leid zu verursachen. In der Hand von Terroristen bestünde der Zweck ihres Einsatzes nicht in militärischen Vorteilen, sondern in den Schäden und der Panik, welche die Freisetzung von radioaktivem Material in einem dicht besiedelten Gebiet zur Folge hätte. Bereits eine kleine radiologische Waffe könnte ein großes städtisches Gebiet verseuchen, die Krebsgefahr für die betroffene Bevölkerung vergrößern und sie hätte eine psychologisch unkalkulierbare Wirkung.
Die tatsächliche Wirkung von radiologischen Waffen hinge im Ernstfall von mehreren Faktoren ab:
- Der Art und Menge der freigesetzten Isotope;
- den Umweltfaktoren wie Jahreszeit, Inversionswetterlagen, Luftfeuchtigkeit und der vorherrschenden Windrichtung
- sowie von der Größe und Bevölkerungsdichte des betroffenen Gebiets.(Quelle: IPPNW)
Bearbeitungsstand: August 2005
Radionuklide
engl.: radionuclide
Als Radionuklide werden radioaktive chemische Stoffe bezeichnet. Sie zerfallen unter Aussendung von alpha- (α), beta- (β) oder gamma- (γ) Strahlen. Oft wird auch der Begriff (Radio-) Isotop gebraucht. Man unterscheidet natürliche Radionuklide, die durch den natürlichen radioaktiven Zerfall entstehen, und künstliche, die bei der Bestrahlung von Elementen, z.B. bei Kernreaktionen, entstehen.
Durch Reaktorunfälle (z.B. Tschernobyl) und Atomwaffenversuche reichern sich Radionuklide auch in der Nahrung an. Pilze nehmen beispielsweise das radioaktive Cäsium (Cs-137) auf. Somit gelangen Radionuklide über Pflanzen in die menschliche Nahrungskette. Auch das radioaktive Strontium (Sr-90) gelangt so in den Körper, wird dort vom Stoffwechsel wie Calcium behandelt und folglich in die Knochen eingebaut. (RH)
Bearbeitungsstand: Januar 2006
siehe auch: Alphastrahlen
siehe auch: Betastrahlen
siehe auch: Gammastrahlen
siehe auch: Isotope
siehe auch: Strontium
Radolfzell-Stahringen
ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland
Das französische Sondermunitionslager Radolfzell-Stahringen (47°46'58“N, 08°56'53“O) lag ca. 20 km nordwestlich der Stadt Konstanz (Bodensee) und war damit zugleich das südlichst gelegene Atomwaffenlager auf deutschem Boden. Ab 1960 wurden hier atomare Gefechtsköpfe für die in Radolfzell stationierte Artillerieeinheit 302ème Groupe d'Artillerie des II. Korps (FR) gelagert. Der Verband war mit der Kurzstreckenrakete Honest John ausgerüstet. Die für die Gefechtsköpfe zuständige US-Einheit war das 9th US Army Msl Det, das ebenfalls in Radolfzell stationiert war.
Nach dem Austritt Frankreichs aus der Kommandostruktur der NATO, erfolgte ab Juli 1967 der Abzug aller amerikanischen Atomwaffen von den französischen Einheiten. Auch das SAS Radolfzell-Stahringen wurde geräumt und alle Gebäude wurden abgetragen. Inzwischen ist der gesamte Bereich bewachsen und teilweise bewaldet. (LL)
Bearbeitungsstand: Dezember 2011
siehe auch: Honest John-Rakete
Rainout
Hierbei handelt es sich um eine Variante des radioaktiven Niederschlags. Wenn bei einer Detonation unter 10 KT radioaktive Teilchen in eine Wolke hineingetragen werden, so vereinigen sie sich mit den dort entstehenden Regentropfen und fallen zu Boden (Rainout). Die radioaktiven Teilchen werden durch die Regentropfen (oder Schneeflocken) mit zu Boden genommen. Dadurch erreicht der radioaktive Niederschlag den Erdboden schneller als bei Abwesenheit von Regen oder Schneefall. Es kann in kurzer Zeit zu einem beinahe vollständigen Niederschlag aller radioaktiven Teilchen kommen. (LL)
Bearbeitungsstand: März 2005
siehe auch: KT (Kilotonne)
Raketenabwehr
engl.: Missile Defense
Mit der Entwicklung moderner Großraketen entstand der Wunsch, diese mit Raketen oder anderen Technologien am Weiterflug zu hindern. Die Nukleararsenale der Kernwaffenstaaten fußen auch heute im Wesentlichen auf schnell einsetzbare ballistische Raketen, die über große Distanzen fremdes Territorium innerhalb von 30 Minuten oder weniger treffen und, bestückt mit Massenvernichtungswaffen, enorme Zerstörung anrichten können.
Raketenabwehrsysteme (Missile Defense, MD) werden auch als Anti-Ballistic Missile oder ABM-Systeme bezeichnet. Ist die Abwehr nur auf ballistische Systeme bezogen, redet man auch von Ballistic Missile Defense (BMD). Allgemein unterscheidet man zwischen Punktverteidigungssystemen, die kleine Flächen von einigen Dutzend Quadratkilometern abdecken und Flächenverteidigungssystemen, die einige hundert Quadratkilometer schützen sollen. Soll ein MD-System gegen die strategischen Arsenale eingesetzt werden, spricht man von »strategischer Abwehr«. Mobile MD-Systeme mit begrenzter Kapazität, die insbesondere für Kriegsschauplätze gedacht sind, nennt man auch »Theater Missile Defense« (TMD).
Eine ballistische Flugbahn wird in die Antriebsphase (Boost-Phase), die Mittelflugphase (Midcourse) und den Endanflug (Terminal) eingeteilt. Mittels verschiedener Abfangtechnologien kann der Abfangvorgang in all diesen Phasen erfolgen. Bei der »Terminal Defense« erfolgt der Abschuss des Sprengkopfes in der Atmosphäre oder kurz davor. Bei der »Mid-course Defense« kann der Abfangvorgang außerhalb der Erdatmosphäre im Weltraum geschehen, nachdem sich die Gefechtsköpfe von ihren Trägerraketen abgetrennt haben und antriebslos in ihrer Mittelflugphase auf ballistischen Flugbahnen auf ihre Ziele zu bewegen. Bei der »Boost-Phase Defense« wird die feindliche Rakete direkt nach dem Start attackiert.
Anstrengungen zur Einführung von strategischer Raketenabwehr wurden bereits von den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion in den 1960er Jahren unternommen. Das ABM-System »Safeguard« war 1975 nur wenige Monate in Betrieb und wurde bereits 1978 wieder demontiert. Die Einführung von Mehrfachsprengköpfen auf sowjetischer Seite führte zu einer Überforderung des Systems und machte es für Verteidigungszwecke ungeeignet. 1983 initiierte Präsident Reagan mit seiner »Star Wars« Rede die »Strategic Defense Initiative« (SDI), die die USA durch boden- und weltraumgestützte Waffen gegen anfliegende Sprengköpfe schützen und die Abschreckung überwinden sollte. Die Sowjetunion begann in den späten 1950ern mit den Planungen für einen Raketenabwehrgürtel, der Moskau schützen sollte. Die nuklearbestückten Galosh-Abfangraketen wurden 1978 in Dienst gestellt. Vor dem Hintergrund neuer Raketenprogramme im Irak, Nordkorea, Pakistan und Iran wurden unter Präsident Clinton die Ressourcen auf die Abwehr von Kurz- und Mittelstreckenraketen TMD (Theater Missile Defense) konzentriert. Die Entwicklung des nationalen Abwehrsystems »National Missile Defense« (NMD) begann. Das Prinzip der NMD-Technologie ist es, anfliegende Gefechtsköpfe von Langstreckenraketen durch direkte Treffer mit Abfangflugkörper bereits im Weltraum zu zerstören. Unter Präsident G.W. Bush wurde die Grundlage für den Aufbau eines globalen MD-Systems gelegt.
Bisher gelang es nicht, eine effektive Verteidigungskapazität mit hoher Zuverlässigkeit zu entwickeln. Das Endphasenabwehrsystem Patriot ist zwar stationiert, versagte im Golf-Krieg jedoch. Die unter Präsident Clinton in der Entwicklung befindlichen Gefechtsfeld-Raketenabwehrsysteme TMD hatten zunächst den Zweck, Truppen und wichtige Einrichtungen bei »Out of Area«-Einsätzen oder Flottenverbände vor Angriffen mit Kurzstreckenraketen zu schützen, da sie nur einen begrenzten Bereich abdecken können. Im US-Kongress herrscht seit wenigen Jahren Konsens über die Notwendigkeit einer Raketenabwehr, »wenn sie denn technologisch möglich ist«. Im Gegensatz zu der Situation im Kalten Krieg wären die Anforderungen gegen wenige Raketen der »rogue states« einfacher. Die geplante NMD- bzw. TMD-Abfangtechnik fußt auf vorhandene, konventionelle Technologien. Die ersten Testflüge, die nicht unter realistischen, sondern unter extrem günstigen Bedingungen stattfanden, zeigten keinen überzeugenden Durchbruch. Dennoch hat sich Präsident G.W. Bush für eine Stationierung entschieden; erste Silos sind bereits gebaut. (Quelle: http://www.armscontrol.de)
Bearbeitungsstand: Oktober 2008
Raketenabwehrvertrag
engl.: Anti-Ballistic Missile Treaty (ABM)
1972 schlossen die USA und die damalige Sowjetunion den ABM-Vertrag (zu dt.: Raketenabwehrvertrag). Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurden Russland, Kasachstan, Belarus (Weißrussland) und die Ukraine Rechtsnachfolger des Vertrags.
Der Vertrag spielte eine wichtige Rolle beim Versuch, das Wettrüsten im Kalten Krieg einzudämmen. Inhaltlich verbot er den Aufbau von nationalen (d.h. das Territorium von Russland oder den USA schützenden) Abwehrsystemen gegen ballistische Raketen. Außerdem schloss das Abkommen die Stationierung von Systemkomponenten für Raketenabwehr auf dem Meer, in Flugzeugen und im Weltraum aus.
Dahinter stand die Grundüberlegung, dass solch ein Abwehrsystem den Gegner nur zur Entwicklung neuer oder zur Stationierung von immer mehr Atomraketen provozieren würde, in der Hoffnung, das System so überwinden zu können. Der ABM-Vertrag zielte daher darauf ab, die gegenseitige Abschreckung zu erhalten, d.h. die uneingeschränkte gegenseitige Bedrohung der damaligen Supermächte mit ihren jeweiligen Langstreckenraketen.
Seit mehreren Jahren wollen die USA jedoch ein weltumspannendes Raketenabwehrsystem aufbauen, das auch Weltraumkomponenten umfasst. Dieses besonders von der Regierung unter George W. Bush verstärkte Programm hätte die Vereinbarungen des ABM-Vertrages verletzt. Daher haben die USA den Vertrag im Dezember 2001 gekündigt. Die Kündigung trat mit sechs Monaten Frist im Juni 2002 in Kraft.
Präsident Bush begründete den Schritt mit seiner Wahrnehmung einer geänderten Welt, in der die Bedrohung nicht mehr von Russland oder anderen Großmächten kommt, sondern das Land sich gegen Terroristen oder »Schurkenstaaten« schützen müsse. (LL)
Bearbeitungsstand: Juni 2006
siehe auch: Abschreckung
siehe auch: Kalter Krieg
Raketenlücke
engl.: Missile gap
Am 04.10.1957 startete die Sowjetunion den Sputnik-1. Dies löste in der westlichen Welt einen „Sputnik-Schock“ aus. In der Folge sprach man im Westen von einer Raketenlücke, die USA hätten zu wenige Interkontinentalraketen. Dazu gab es Geheimdienstberichte, Zeitungsartikel und Senatsdebatten. Das alles hielt eine Atmosphäre der Hysterie aufrecht, die sogar zu Kapitulationsdebatten im US-Senat führte und in Hamsterkäufen zur Zeit der Kubakrise gipfelte.
Es war John F. Kennedy, der während der Präsidentschaftswahlen die "Raketenlücke" beschwor. Allein in der Wahlkampfbroschüre des Präsidentschaftskandidaten stand zweimal das Wort Raketenlücke (missile gap).
Die Raketenlücke stand keinesfalls mit den Realitäten im Einklang. Über die Wirklichkeit hätte John F. Kennedy sehr wohl unterrichtet sein können. Im Sommer 1957 lagen die ersten Fotos von Startrampen für Interkontinentalraketen vor. Zuerst Spionageflüge mit der U-2, dann Spionagesatelliten lieferten die Information über die strategischen Kapazitäten der UdSSR. Gerade einmal 25 Startrampen gab es im Juni 1964! Der Verrat von militärischen Geheimnissen durch Oleg Penkowskij lieferte weitere Daten. Als Verteidigungsminister McNamara am 07.02.1961 die Katze aus dem Sack ließ wurde klar, dass die Unwahrheit gesagt worden war.
Es hat also nie eine Raketenlücke seitens der USA gegeben. Die Raketenlücke erwies sich als ein Beispiel von Meinungsmanipulation mit weit reichenden Folgen - vor allem eines erheblichen Wettrüstungsschubes. (Quelle: www.peterhall.de)
Bearbeitungsstand: Mai 2007
Siehe auch: Interkontinentalrakete
Ramstein
ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

Der Fliegerhorst (Air Base) Ramstein in der Pfalz wird seit 1953 von den US-Streitkräften genutzt. Das Gelände hat eine Größe von ca. 42 qkm. Die Landebahn ist 2.443 m lang. Die US-Streitkräfte nutzen Ramstein vorrangig als „Drehscheibe“ für transkontinentale Versorgungs- und Truppentransporte. Bis Ende 2005 wurde der Fliegerhorst erheblich ausgebaut, da die Rhein-Main-Airbase geschlossen und das Gelände dem Frankfurter Flughafen zugeschlagen wurde. (RH)
Inzwischen ist das auf der Air Base Ramstein gelegene größte Atomwaffenlager der USA in Europa wohl leer. Das belegt eine neue Dienstvorschrift der US-Luftwaffe in Europa aus dem Januar 2007, auf die Hans Kristensen von der Vereinigung amerikanischer Wissenschaftler (FAS) in Washington jetzt aufmerksam machte. Die Vorschrift beschreibt, welche Flugplätze mit Nuklearwaffenlagern in Europa in den kommenden Monaten Besuch von amerikanischen Experten für Nuklearwaffensicherheit bekommen. Diese sollen den örtlichen Mannschaften bei der Vorbereitung auf die regelmäßigen Nuklearen Sicherheitsinspektionen (NSI) helfen. Alle bekannten europäischen Nuklearwaffenstandorte sind dort gelistet. Auch Büchel. Ramstein aber fehlt erstmals. Da die regelmäßigen Inspektionen für alle Nuklearstandorte in Europa Pflicht sind, geht Hans Kristensen davon aus, dass in Ramstein keine Nuklearwaffen mehr sind.
Der Luftwaffenstützpunkt »Ramstein Air Base« beherbergt spezielle Lagerstätten für insgesamt 216 nukleare Bomben der Typen B-61-3 und B-61-4. In den Boden der Flugzeugschutzbauten sind 54 so genannte Nuklearwaffengrüfte (vaults) eingelassen, die je vier Atomwaffen aufnehmen können. Etwa 130 Waffen waren dort zuletzt eingelagert. Während der umfangreichen Bauarbeiten auf der Air Base in den vergangenen Jahren - Ramstein hat die Aufgaben der Rhein-Main Air Base in Frankfurt übernommen - wurden die Atomwaffen aus Sicherheitsgründen ausgelagert. Vermutet wurde, dass die Waffen nach Abschluss der Bauarbeiten nach Ramstein zurückgebracht würden. Dies ist wohl nicht geschehen.
Da die USA nun ihr größtes Lager geräumt haben, wird es für die Bundesregierung schwieriger, den Verbleib atomarer Waffen in Deutschland zu begründen. Viele Experten bezweifeln, dass die Waffen in Deutschland einen nachvollziehbaren militärischen Zweck erfüllen. Abzugsbefürwortern hat die Bundesregierung bislang entgegengehalten, Washington halte an der Stationierung von Atomwaffen in Deutschland auch für die eigenen Streitkräfte fest und Berlin sei in der Pflicht, Solidarität in der Nato zu zeigen. Das erste Argument ist hinfällig. Die Bundesregierung muss begründen, warum sie an der Lagerung atomarer Waffen festhält, wenn die USA dies nicht mehr für nötig halten. (Quelle: Otfried Nassauer, Frankfurter Rundschau vom 10.07.2007, S. 7)
Bearbeitungsstand: August 2007
Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland
siehe auch: NATO
siehe auch: Nukleare Teilhabe
Rapacki-Plan
Der polnische Außenminister Adam Rapacki legte erstmals 1957 einen Plan für eine Atomwaffenfreie Zone in Mitteleuropa vor. Dieser Plan wurde in den folgenden Jahren mehrmals überarbeitet. Die Fassung vom 28. März 1962 hat folgenden Wortlaut:
"Das Ziel ist die Abschaffung von Kernwaffen und der Mittel zu ihrer Beförderung, sowie eine Herabsetzung der Streitkräfte und Rüstungen innerhalb eines begrenzten Gebietes. Dieses Gebiet umfasst die Volksrepublik Polen, die Tschechoslowakische Sozialistische Republik, die Deutsche Demokratische Republik und die Bundesrepublik Deutschland.
In der ersten Phase werden alle nuklearen Waffen und Raketen, die sich in diesem Gebiet befinden, „eingefroren“; das heißt, es werden dort keine neuen Stützpunkte mehr errichtet und auch keine neuen Kernwaffen oder Mittel zu deren Beförderung mehr produziert noch von außen hereingebracht.
In einer zweiten Phase werden dann gleichzeitig alle Kernwaffen und Kernwaffenträger aus dieser Zone entfernt und zwar auch die auf diesem Territorium stationierten Streitkräfte anderer Staaten. Dem schließt sich eine zu vereinbarende Herabsetzung der Streitkräfte innerhalb dieser Zone an, verbunden mit einer angemessenen Verminderung der herkömmlichen Bewaffnung.
Um die Durchführung dieser Abrüstungsmaßnahmen zu gewährleisten, werden Vorkehrungen für ein System strenger internationaler Kontrolle und Inspektion getroffen zu Lande und in der Luft, einschließlich der Errichtung entsprechender Kontrollposten." („Information für Abrüstung“, Nummer 2, München 1963)
Bearbeitungsstand: Oktober 2006
Räumungsübung
engl.: Annual Evacuation Exercise (AEE)
In der jährlichen Räumungsübung wurde überprüft, ob die dazu beauftragten Einheiten ein Sondermunitionslager in angemessener Zeit räumen und die Sondermunition sicher abtransportieren konnten. Zur Teilnahme verpflichtet waren die Begleitbatterie, die Transporteinheit des Artilleriespezialzuges und Teile des US-Detachements. Folgende Aufgaben mussten erfolgreich durchgeführt werden:
- Verladen der Sondermunition
- Räumung des Sondermunitionslagers Typ A innerhalb von 2 Stunden
Dazu mussten ausreichend verkehrssichere Transportfahrzeuge und das entsprechende Verzurrmaterial bereitgestellt werden, so dass die Sondermunition zu 100% ausgelagert werden konnte. Alle deutschen Einheiten/Teileinheiten deren Sondermunition eingelagert war, nahmen an der Räumung teil. (Quelle: Chronik der Begleitbatterie 7, o.O,o.J.)
Bearbeitungsstand: November 2009
siehe auch: Artilleriespezialzug
siehe auch: Sondermunitionslager
Rechtsgutachten des Internationalen Gerichtshofs
engl.: Advisory Opinion of the International Court of Justice
An 8. Juli 1996 Tage hat der Internationale Gerichtshof (IGH) in Den Haag - der "World Court", wie der IGH im angelsächsischen Sprachraum genannt wird - auf Anforderung der UN-Generalversammlung gemäß Art. 96 UN-Charta ein sehr gewichtiges völkerrechtliches Gutachten ("advisory opinion") zur Atomwaffenfrage erstattet. Die ihm vorgelegte Rechtsfrage nach der Völkerrechtsmäßigkeit der Androhung und des Einsatzes von Atomwaffen hat er dabei recht eindeutig beantwortet.
Der IGH hat in seiner Entscheidung - einstimmig - ausdrücklich klargestellt, dass jedenfalls die folgenden Regeln des sog. humanitären (Kriegs)-Völkerrechts als geltendes Völkergewohnheitsrecht anzusehen und zu beachten sind, die aber bei einem Atomwaffeneinsatz aufgrund der spezifischen Eigenschaften von Nuklearwaffen typischerweise gerade nicht eingehalten werden könnten:
- Jeder Einsatz von Waffen muss zwischen kämpfender Truppe (Kombattanten) und der Zivilbevölkerung unterscheiden.
- Bei jedem Waffeneinsatz müssen unnötige Grausamkeiten und Leiden vermieden werden.
- Unbeteiligte und neutrale Staaten dürfen bei einem Waffeneinsatz nicht in Mitleidenschaft gezogen werden.
Der IGH hat daraus den weiteren Schluss gezogen:"Aus den oben ... erwähnten Anforderungen ergibt sich, dass die Androhung und der Einsatz von Atomwaffen grundsätzlich/generell ("generally") gegen diejenigen Regeln des Völkerrechts verstoßen würden, die für bewaffnete Konflikte gelten, insbesondere gegen die Prinzipien und Regeln des humanitären Kriegsvölkerrechts." (Nummer 105 (2) E Absatz 1).
Diese Teil-Entscheidung des IGH erging zwar nur auf der Grundlage einer sehr knappen Abstimmungsmehrheit, bei der die Stimme des Gerichtspräsidenten den Ausschlag gab. Zu berücksichtigen ist freilich, dass drei weitere Richter nur deshalb insoweit nicht mit der Präsidenten-Mehrheit stimmten, weil sie die Androhung und den Einsatz von Atomwaffen nicht nur "grundsätzlich/generell" ("generally"), sondern ausnahmslos als verboten ansahen. Insofern ist die Sachentscheidung, soweit sie die Legalität eines Einsatzes von Atomwaffen und dessen Androhung verneint, letztlich mit einer Mehrheit von 10 zu 4 Stimmen ergangen.
Die Mehrheit des Gerichtshofes sah sich darüber hinaus zwar nicht abschließend in der Lage, positiv oder negativ definitiv festzustellen, ob es unter bestimmten Voraussetzungen einen Ausnahmefall von dieser grundsätzlichen Völkerrechtswidrigkeit jeder Androhung und jedes Einsatzes von Atomwaffen geben kann. Im der maßgeblichen Mehrheitsentscheidung heißt es dazu:
"Der Gerichtshof kann jedoch in Anbetracht des gegenwärtigen Völkerrechts und der ihm zur Verfügung stehenden grundlegenden Fakten nicht definitiv entscheiden, ob die Androhung oder der Einsatz von Atomwaffen in einer extremen Selbstverteidigungssituation, in der das reine Überleben eines Staates auf dem Spiele stehen würde, rechtmäßig oder unrechtmäßig sein würde." (Nummer 105 (2) E Absatz 2)
Mit anderen Worten: Völkerrechtlich "sicher" und "geklärt" ist die grundsätzliche/generelle Völkerrechtswidrigkeit eines Einsatzes und der Androhung eines Einsatzes von Atomwaffen. "Unsicher" und "ungeklärt" ist dagegen, ob Atomwaffenstaaten in einer "extremen Selbstverteidigungssituation, in der die Existenz des/eines Staates auf dem Spiele stünde", ausnahmsweise doch den Einsatz von Atomwaffen androhen und vornehmen dürfen. Nur in dieser "Nische" können seit dem Vorliegen dieses höchstrichterlichen Rechtsgutachtens Nuklearstrategien und -planungen von Atomwaffenstaaten und ihrer Verbündeten künftig allenfalls noch zulässig sein - wenn überhaupt. Dies ist für Atomwaffenstaaten - völkerrechtlich betrachtet - keine "angenehme Nische". Denn es ist alles andere als sicher, ob das Völkerrecht einen solchen Ausnahmefall überhaupt zulässt und ob in einem konkreten Konfliktfall ein solcher eingreifen würde.
Der IGH hat in seinem Richterspruch vom 8.7.1996 darüber hinaus - einstimmig - die völkerrechtlich verbindliche Verhandlungs-Pflicht zur Realisierung vollständiger nuklearen Abrüstung ("atomare Nulllösung") festgestellt. Er hat seiner Entscheidung mit den Stimmen aller seiner Richter entschieden:"Es besteht eine völkerrechtliche Verpflichtung, in redlicher Absicht Verhandlungen zu führen und zum Abschluss zu bringen, die zu nuklearer Abrüstung in allen ihren Aspekten unter strikter und wirksamer internationaler Kontrolle führen." (Quelle: Dieter Deiseroth, Friedensforum 1/05)
Bearbeitungsstand: September 2004
siehe auch: Projekt Weltgerichtshof
Reflektor
Die kritische Masse für eine Kettenreaktion kann reduziert werden, wenn das Material von einem Reflektor umgeben ist. Herbei handelt es sich in der Regel um Uran U-238 oder Beryllium, die den Kernbrennstoff umgeben, wodurch Neutronen, die sonst verloren gingen, zurückgestreut werden. Ein schwerer Reflektor, zum Beispiel aus Uran, verzögert außerdem durch seine Trägheit die Expansion der Kugel und verbessert damit den Wirkungsgrad. Reflektoren werden sowohl beim Kanonenrohr- als auch beim Implosionsprinzip verwendet.
Mit einer Kompression um den Faktor 2 und einem 10 cm dicken Beryllium-Reflektor erhält man eine kritische Masse von nur 1 kg Für Waffenplutonium, für hochangereichertes Uran liegt der Wert bei nur 5 kg. (Quelle: Anette Schapers: Kernwaffen der ersten und zweiten Generation, in Rüstungsmodernisierung und Rüstungskontrolle, Baden-Baden 1992, S. 74f.)
Bearbeitungsstand: Dezember 2007
Siehe auch: Kompaktierung
Siehe auch: Kritische Masse
Reitscheid
ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland
Im Rahmen der großräumigen Luftverteidigung Europas während der Zeit des Kalten Krieges waren auch die US-Streitkräfte an dem quer durch Deutschland verlaufenden Nike-Herkules Flugabwehrgürtel mit insgesamt sechs in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz, stationierten Bataillonen beteiligt. Das 5thMissile Battailon, 6thUS-Arty-Group verfügte über atomare Feuerstellungen in den Standorten Schönborn, Wüschheim, Baumholder und Reitscheid.
Die Nike-Feuerstellung (Launching Area) Reitscheid (49°31'24”N, 07°13'23”O) lag ca. 7 km nordöstlich der Stadt St. Wendel in Rheinland-Pfalz . Die dort stationierte D-Battery, 5thMissile Battailon, 6thUS-Arty-Group bestand aus drei getrennten Bereichen: der Unterkunft, dem Feuerleitbereich in günstiger topografischer Lage mit bis zu 5 Radargeräten für Überwachung, Zielerfassung, Zielverfolgung und Flugkörperverfolgung und dem Abschussbereich mit jeweils 3 Abschussflächen und dazugehörigen Bunkern. In diesem Bereich befanden sich auch die Atomsprengköpfe.
In der Stellung Reidscheid waren bis 1983 atomare Flugabwehrraketen vom Typ Nike stationiert. An Atomsprengköpfen waren zwei Versionen verfügbar. Die kleinere mit der Bezeichnung B-XS hatte eine Sprengkraft von 2 Kilotonnen. Die größere B-XL besaß ursprünglich 40 kT Sprengkraft. Letztere wurden in den 1970er Jahren gegen Sprengköpfe zu 20 kT ausgetauscht. Maximal waren je Stellung zehn Nuklear-Sprengköpfe vorhanden, acht mit der Stärke XS mit 2 Kilotonnen und zwei XL mit 40/20 Kilotonnen Sprengkraft. Für den Einsatz der Gefechtsköpfe gab es genau festgelegte Prioritäten. Beim Anflug eines einzelnen feindlichen Zielobjektes wurde ein kleiner atomarer Gefechtskopf (B-XS) eingesetzt. Beim Anflug mehrerer feindlicher Zielobjekte wurde soweit verfügbar ein großer atomarer Gefechtskopf (B-XL) eingesetzt. Die ebenfalls vorhandenen konventionellen Gefechtsköpfe dienten lediglich als Munitionsreserve.
Ab 1983 wurde Reitscheid zu einer HAWK-Stellungen umgewandelten, wobei allerdings nur die frühere Nike-Launching Area weiter genutzt wurde. Heute befindet sich dort ein Gewerbegebiet, das unter anderem für Blockhausbau genutzt wird. (LL)
(Quellen: Jürgen Dreifke, Michael Juhls)
Bearbeitungsstand: August 2010
Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland
siehe auch: KT (Kilotonne)
siehe auch: Nike Herkules
Reliable Replacement Warhead (RRW) Programm
Das Reliable Replacement Warhead Programm ist die Bezeichnung eines kompletten Austauschs des bestehenden US-Atomwaffenarsenals durch „zuverlässige Ersatz-Atomsprengköpfe“.
Nach einem Wettbewerb zwischen den Atomwaffenlaboren in den USA hat das Lawrence Livermore Labor 2007 den Auftrag bekommen, eine neue Generation von Atomwaffen zu entwickeln, wenn der US-Kongress die Finanzierung bewilligt. Seit mehr als 20 Jahren sind keine neuen Atomwaffen in den USA gebaut worden.
Der neue Atomsprengkopf, der den Wettbewerb gewonnen hat, sollte als erste Waffe den W-76 ersetzen, eine auf Trident U-Boote gestützte Wasserstoffbombe mit einer Sprengkraft von 100 Kilotonnen. Über 3000 dieser Atomsprengköpfe sind zurzeit stationiert.
Die Bush-Regierung behauptete, dass die bestehenden Atomwaffen im Arsenal ersetzt werden müssen, weil sie veraltet und damit unzuverlässig sind. Kritiker meinen, dass die Realität anders aussieht: „Tatsache ist, dass das US-Arsenal ‚sicher und zuverlässig’ für die nächsten 50 Jahre ist. Über 50 Jahre Forschung und mehr als 1000 Atomtests haben genug Daten geliefert, um dies zu sichern“, so John Isaacs, vom Center for Arms Control and Non-Proliferation in den USA. Im November 2006 veröffentlichten die Atomlabore eine Studie, die zeigte, dass die Plutoniumkerne der Atomwaffen im Arsenal für bis zu 90 Jahre weiterhin funktionieren werden. Sorgen, dass sie wegen Veralterung nicht mehr mit der erwarteten Sprengkraft detonieren, sind damit nicht mehr gültig.
Die Entwicklung der neuen Atomwaffen soll laut Livermore-Labor keine Atomtests benötigen, da die Wissenschaftler bereits getestete Komponenten verwenden werden.
Dennoch bewilligte der US-Kongress die Finanzierung des Programms nicht und es wurden daher als „Life Extension Programm (LEP)“ (Programm zur Betriebszeitverlängerung) neu genannt und wieder 2009 als Pilotprojekt zur Abstimmung den Kongress vorgelegt. Als erstes soll die B-61-Bombe modernisiert werden, die älteste Bombe des Arsenals. (XH)
Bearbeitungsstand: Oktober 2009
Weitere Informationen zum US-amerikanischen Atomwaffenprogramm
Rem
engl.: radiation equal man
Maßeinheit für die biologische Wirksamkeit von Strahlung. Diese Einheit trägt der Tatsache Rechnung, dass die verschiedenen Formen ionisierender Strahlung einen unterschiedlichen biologischen Einfluss haben: Zum Beispiel geht man davon aus, dass eine gegebene Menge Alphastrahlung ungefähr die zehnfache Wirkung wie die gleiche Menge Gammastrahlung hat. So ist 1 rad Alphastrahlung in 10 rem zu übersetzen, während 1 rad Gammastrahlung nur 1 rem entspricht.
Die Bezeichnung rem wurde durch die Bezeichnung Sievert abgelöst. (1 Sievert = 100 rem) (Quelle nicht bekannt)
Bearbeitungstand: Januar 2006
siehe auch: Gammastrahlen
RERF
engl.: Radiation Effects Research Foundation
Forschungsinstitut zur Auswertung der Gesundheitsdaten der Hiroshima- und Nagasaki-Atombombenopfer. Die RERF wird vom Energieministerium (Department of Energy, DoE) in den USA und dem Gesundheitsministerium von Japan finanziert. (LL)
Bearbeitungsstand: Juni 2006
Reststrahlung
engl.: residual radiation
Bei jeder oberirdischen Atomexplosion wird Radioaktivität freigesetzt. Diese kann durch entsprechende Messungen in der Atmosphäre und an der Erdoberfläche nachgewiesen werden.
In der Regel wird nur zwischen Anfangsstrahlung (innerhalb der ersten Minute nach der Detonation) und Rückstandsstrahlung unterschieden. Ist Radioaktivität auch noch nach Jahren oder Jahrzehnten am Detonationsort oder in der Umgebung nachweisbar, so spricht man von Reststrahlung. Dies gilt generell für alle oberirdischen Detonationen, bei denen der Feuerball den Boden berührt und damit das Erdreich verseucht hat. Aber auch als Folge des Reaktorunglücks in Tschernobyl lässt sich heute noch eine erhebliche Reststrahlung nachweisen, die für die dort lebende Bevölkerung eine große Gefahr darstellt. (LL)
Bearbeitungsstand: Juni 2010
siehe auch: Anfangsstrahlung
siehe auch: Rückstandsstrahlung
siehe auch: Radioaktivität
Riedheim-Günzburg
ehem. Atomwaffenstandort Deutschland
Das Sondermunitionslager (SAS) Riedheim-Günzburg (48°27'11“N, 10°10'41“O) unmittelbar an der Donau in Bayern gelegen, war ca. 15 km in südwestlicher Richtung von der Stadt Ulm entfernt. Das Lager wurde 1965 in Betrieb genommen. Hier war die Mehrzahl der Atomwaffen für das II. Deutsche Korps eingelagert. Für den Weitertransport der atomaren Gefechtsköpfe in die unterstellten Divisionen (1.GebDiv., 1.LLDiv., 4.PzGrenDiv., 10.PzDiv.) war das Nachschubbataillon 220 (SW) zuständig. Von US-amerikanischer Seite wurde die Kontrolle durch die 512th USAAG und die 510th Ord. Company wahrgenommen.
Eingelagerte Munition
Zu unterschiedlichen Zeiten lagerten hier atomare Sprengköpfe für die Waffensysteme Honest John, PzHaubitze M109 (ab 1972 atomar) und M110 (ab 1960 atomar).
- von 1965-1971 Honest John Gefechtsköpfe vom Typ W-31 mit folgender Sprengkraft: Version Mod.0 Y1: 2KT, Version Mod.0 Y2: 40KT und Version Mod.3 Y3 mit 20KT.
- von 1972-1989 Gefechtsköpfe vom Typ W-48 für die Haubitze 155 mm mit folgender Sprengkraft: Version Mod.0: 72t, Version Mod.1: 72t.
- von 1965-1989 Gefechtsköpfe vom Typ W-29 für die Haubitze 203 mm mit folgender Sprengkraft: Version Mod.0 Y1: 0,1KT, Version Mod.0 Y2: 0,7KT, Version Mod.0 Y3: 1,1KT, Version Mod.1: 0,8KT.
Über die Anzahl der eingelagerten atomaren Gefechtsköpfe gibt es keine Angaben. (LL)
Bearbeitungsstand: September 2011
siehe auch: Honest John
siehe auch: Panzerhaubitze M 109
siehe auch: Panzerhaubitze M 110
siehe auch: Sondermunitionslager
Ristedt
ehem. Atomwaffenstandort Deutschland
Die Nike-Feuerstellung (Launching Area) Ristedt ( 52°37’29“N, 11°05’41“O) lag ca. 17 km südlich von Bremen. Sie wurde im März 1973 von der 4. Batterie des FlaRakBtl 24 übernommen, die zu diesem Zweck von der temporären Stellung Delmenhorst-Adelheide nach Ristedt verlegt wurde. Der Standort gehörte zur "1st Row" des NikeGürtels, so wurde die östliche Stellungskette bezeichnet.
Unterkunft der Einheit war die Caspari-Kaserne in Delmenhorst-Deichhorst. Das Personal pendelte zwischen Delmenhorst und Syke. Die Stellung war im Schichtbetrieb rund um die Uhr mit Soldaten besetzt. Ein sehr kleine dauerhafte Garnison gab es in Syke-Leerßen auch. Unmittelbar vor der Tor der Feuerleitstellung stand das Unterkunftsgebäude des Delta-Team vom 51st US Army Artillery Detachment. Dieses Team bestand aus etwa 30 US-Soldaten. Sie hatten die Schlüsselgewalt über die in der Feuerstellung vorhandenen Atomsprengköpfe der Nike-Hercules. Das Team nahm offiziell am 1. Januar 1974 seinen Dienst in Ristedt auf. In der ersten Zeit mußten zunächst die Voraussetzungen für die Aufnahme der nuklearen Munition getroffen werden. Für diese Belegung waren die Sicherheitsbestimmungen der NATO sehr streng. Am 10. Oktober 1975 trafen schließlich die atomaren Sprengköpfe in der Feuerstellung ein.
Die Feuerstellung erstreckte sich über etwa 14 ha. Einen geeigneten Standort für diesen Bereich zu finden war nicht einfach. Die Nike-Raketen waren zweistufig ausgelegt. Die erste Startstufe stürzt nach dem Ausbrennen und der Trennung wieder auf die Erde zurück. Für den Einschlagpunkt wurde eine Booster-Fallzone von 4 km Durchmesser veranschlagt. In Ristedt wären die Raketen so gestartet, dass die Zone südöstlich an die Feuerstellung anschloss. Im vorderen, östlichen Teil der Stellung standen das Bereitschaftsgebäude und eine Halle für vier 20 mm-Maschinenkanonen. Gleich anschließend folgte der Bereich für die technische Betreuung der Raketen. Hier wurden das Raketenmontagegebäude, die Lenkgeschoss-Montagehalle und ein Generatorengebäude errichtet.
Hauptteil der Stellung waren die drei Abschusssektionen. In Ristedt sind diese geteilt worden. Die Sektionen Alpha und Bravo befanden sich in der besonders gesicherten "Secure Area". Hier gab es eine weitere Torkontrolle, die durch US-Soldaten des Custodial-Teams durchgeführt wurde. In diesen beiden Sektionen waren neben den konventionellen auch Atomsprengköpfe auf den Raketen montiert. Die Sektion Charlie war dagegen ausschließlich mit konventionellen Sprengköpfen ausgestattet, sie lag außerhalb der "Secure Area". Die besonderen Sicherungsmaßnahmen der "Secure Area" bestanden in der ersten Zeit aus einer separaten Abzäunung mit Torkontrolle durch das US-Personal. Am Zaun standen in den Ecken fünf hölzerne Wachtürme. Anfang der 1980er Jahre wurden die Bestimmungen mit dem LRSP verschärft. Dieses zog nach sich, dass ein neues Wachgebäude errichtet werden musste. Es bestand aus massivem Beton und war klimatisiert. Die hölzernen Türme wurden durch zwei stählerne ersetzt. Auch die Zäune wurden modernisiert, sie bekamen Bewegungsmelder und Blendscheinwerfer. Im November 1984 konnten diese neuen Sicherheitseinrichtungen übernommen werden.
Alle Sektionen waren nach dem gleichen Schema aufgebaut. Eine große Lenkgeschoss-Lagerhalle diente zur geschützten Ablage der fertig montierten Nike-Hercules-Flugkörper. Davon befand sich eine Betonfläche, auf der drei Abschussgestelle standen. Die Raketen wurden in liegender Position auf Laufschienen aus der Halle geschoben und auf dem Launcher zum Starten fast senkrecht aufgerichtet. Die Freifläche ist durch Erdwälle umrahmt. Diese dienten sowohl zum Schutz der Raketen, als auch der Umgebung beim Zünden der Triebwerke. In einem der seitlichen Erdwälle war ein Bunker integriert. Hierin stand die Section Control Group, aus der die Flugkörper in der letzten Phase vor dem Start überwacht wurden. Er diente gleichzeitig auch als Schutzraum für das Personal der Sektion. Im Bereich hinter diesem Bunker stand ein Generatorengebäude für die Stromversorgung.
In der Stellung Ristedt waren von 1973 bis 1988 atomare Flugabwehrraketen vom Typ Nike stationiert. An Atomsprengköpfen waren zwei Versionen verfügbar. Die kleinere mit der Bezeichnung B-XS hatte eine Sprengkraft von 2 Kilotonnen. Die größere B-XL besaß ursprünglich 40 KT Sprengkraft. Letztere wurden in den 1970er Jahren gegen Sprengköpfe zu 20 KT ausgetauscht.
Maximal waren je Stellung zehn Nuklear-Sprengköpfe vorhanden, acht mit der Stärke XS mit 2 KT und zwei XL mit 40/20 KT Sprengkraft. Der Abzug der zehn vorhandenen nuklearen Sprengköpfe aus Ristedt erfolgte am 24. Mai 1988. Die 4./24 war die letzte Einheit des Bataillons, die denuklearisiert worden ist. (Quelle: Jürgen Dreifke)
Ein Zeitzeuge erinnert sich: „Die vier Batterien des FlaRakBtls 24 [mit den Feuerstellungen Moorriem, Schönemoor, Westerscheps und Ristedt] befanden sich in unterschiedlichen Bereitschaftsstufen mit einer Reaktionszeit von maximal 30 Minuten, maximal 3 Stunden, maximal 12 Stunden und mehr als 12 Stunden. Innerhalb einer Batterie hatten mindestens zwei Abschussplätze den selben Bereitschaftsgrad. Konnte eine der Batterien aus technischen Gründen den Bereitschaftsgrad nicht einhalten, dann rückten die anderen Batterien eine Einsatzstufe nach oben. Abhängig vom Bereitschaftsgrad war die Stellung im Schichtbetrieb ständig besetzt und einsatzbereit. Dazu gab es in der Batterie drei Kampfbesatzungen für den Feuerleit- und Abschussbereich, die sich in einem System von 48-Std-Schichten während der Woche und 72-Std-Schichten am Wochenende abwechselten.
Für den Einsatz der Gefechtsköpfe gab es genau festgelegte Prioritäten. Beim Anflug eines einzelnen feindlichen Zielobjektes wurde ein kleiner atomarer Gefechtskopf (B-XS) eingesetzt. Beim Anflug mehrerer feindlicher Zielobjekte wurde ein großer atomarer Gefechtskopf (B-XL) eingesetzt. Die ebenfalls vorhandenen konventionellen Gefechtsköpfe dienten lediglich als Munitionsreserve.
Soweit mir bekannt, befanden sich in allen Nike-Stellungen der Bundesluftwaffe atomare Gefechtsköpfe.“ (Quelle: Michael Juhls)
Bearbeitungsstand: Januar 2010
Weitere Informationen zu ehem. Atomwaffenstandorte in Deutschland
siehe auch: KT (Kilotonne)
siehe auch: Nike Hercules
Rittersdorf
ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

Die Mace Feuerstellung Rittersdorf (49°59'32“N, 6°28'56“O) lag ca. 3 km nordwestlich der Stadt Bitburg, unweit der Bundesstraße 50, südwestlich der Gemeinde Rittersdorf; umgeben von landwirtschaftlichen genutzten Flächen und Waldgebieten. Sie war eine von insgesamt zwei in Deutschland errichteten stationären unterirdischen verbunkerten Abschussanlagen in der Eifel. Die baugleichen Stellungen bei Rittersdorf („Launch site 7“) und bei Idenheim („Launch site 8“) waren mit jeweils acht Flugkörpern des modifizierten Typs TM-76B bestückt, die über den atomaren Gefechtskopf W-28 mit einer Sprengkraft von 1,1 MT verfügten.
Die Bunkeranlagen wurden von 1963 bis 1969 als Mace Feuerstellungen genutzt. Das Gelände in Rittersdorf gehört heute einem Bauunternehmer. (LL)
Bearbeitungsstand: Januar 2011
Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland
siehe auch: Mace-Marschflugkörper
siehe auch: MT (Megatonne)
Rodenkirchen
ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland
Die Nike-Feuerstellung (Launching Area) Rodenkirchen (53°23’57“N, 08°24’11“O) der 2. Batterie des FlaRakBtl 26 lag ca. 11 km südwestlich der Stadt Nordenham an der Unterweser in Niedersachsen.
Die dort stationierte FlaRakBatterie bestand aus drei getrennten Bereichen: der Unterkunft, dem Feuerleitbereich in günstiger topografischer Lage mit bis zu 5 Radargeräten für Überwachung, Zielerfassung, Zielverfolgung und Flugkörperverfolgung und dem Abschussbereich mit jeweils 3 Abschussflächen und dazugehörigen Bunkern. In diesem Bereich befanden sich auch die Atomsprengköpfe. Während die Raketen in Montagebunkern oder auf durch Erdwälle geschützten Abschussschienen bereit gehalten wurden, lagen die Radaranlagen in exponierter Stellung und konnten nur mit Sandsäcken oder Konturen verwischender Tarnung ungenügend geschützt werden. Zum Eigenschutz vor allem gegen angreifende Tiefflieger, wurden die Stellungen später zusätzlich mit 20mm Zwillingsgeschützen ausgestattet.
In der Stellung Rodenkirchen waren von 1963 bis 1989 atomare Flugabwehrraketen vom Typ Nike stationiert. An Atomsprengköpfen waren zwei Versionen verfügbar. Die kleinere mit der Bezeichnung B-XS hatte eine Sprengkraft von 2 Kilotonnen. Die größere B-XL besaß ursprünglich 40 kT Sprengkraft. Letztere wurden in den 1970er Jahren gegen Sprengköpfe zu 20 kT ausgetauscht.
Maximal waren je Stellung zehn Nuklear-Sprengköpfe vorhanden, acht mit der Stärke XS mit 2 Kilotonnen und zwei XL mit 40/20 Kilotonnen Sprengkraft. (Quelle: Jürgen Dreifke)
Ein Zeitzeuge erinnert sich: „Die vier Batterien des FlaRakBtls 26 [mit den Feuerstellungen Holzkirchen-Mederns, Rodenkirchen, Wiesmoor, Dornum] befanden sich in unterschiedlichen Bereitschaftsstufen mit einer Reaktionszeit von maximal 30 Minuten, maximal 3 Stunden, maximal 12 Stunden und mehr als 12 Stunden. Innerhalb einer Batterie hatten mindestens zwei Abschussplätze den selben Bereitschaftsgrad. Konnte eine der Batterien aus technischen Gründen den Bereitschaftsgrad nicht einhalten, dann rückten die anderen Batterien eine Einsatzstufe nach oben. Abhängig vom Bereitschaftsgrad war die Stellung im Schichtbetrieb ständig besetzt und einsatzbereit. Dazu gab es in der Batterie drei Kampfbesatzungen für den Feuerleit- und Abschussbereich, die sich in einem System von 48-Std-Schichten während der Woche und 72-Std-Schichten am Wochenende abwechselten.
Für den Einsatz der Gefechtsköpfe gab es genau festgelegte Prioritäten. Beim Anflug eines einzelnen feindlichen Zielobjektes wurde ein kleiner atomarer Gefechtskopf (B-XS) eingesetzt. Beim Anflug mehrerer feindlicher Zielobjekte wurde ein großer atomarer Gefechtskopf (B-XL) eingesetzt. Die ebenfalls vorhandenen konventionellen Gefechtsköpfe dienten lediglich als Munitionsreserve.
Soweit mir bekannt, befanden sich in allen Nike-Stellungen der Bundesluftwaffe atomare Gefechtsköpfe.“ (Quelle: Michael Juhls)
Bearbeitungsstand: Januar 2010
Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland
siehe auch: Gefechtskopf
siehe auch: KT (Kilotonne)
siehe auch: Nike Herkules
RÖNTGEN Wilhelm Conrad
1845 - 1923

Wilhelm Conrad Röntgen wurde am 27.03.1845 in Remscheid-Lennep geboren. 1849 zog die Familie nach Apeldorn (Niederlande); dort und später in Utrecht besuchte er verschiedene Schulen und begann ein Universitätsstudium. Von 1865 bis 1868 studierte er an der Eidgenössischen Polytechnischen Schule in Zürich und erhielt das Diplom als Maschineningenieur. Mit der Dissertation »Studien über Gase« erwarb er 1868 an der Züricher Universität den Grad eines Doktors der Philosophie. Von 1870 bis 1872 war er in Würzburg Assistent des Physikers Professor August Kundt. 1872 folgte er Prof. Kundt an die neu gegründete »Reichsuniversität Straßburg«. Hier wurde er 1874 nach seiner Habilitation Privatdozent und 1876 Professor und Leiter des 2. Lehrstuhles für Physik, nachdem er 1875 bereits eine Professur für Mathematik und Physik an der Landwirtschaftlichen Akademie in Hohenheim innegehabt hatte.
1879 erhielt er die Berufung als Ordentlicher Professor für Physik an der Universität Gießen. 1888 nahm er die Berufung als Ordentlicher Professor für Physik und Leiter des Physikalischen Instituts der Julius-Maximilians-Universität Würzburg an. Am 08.11.1895 entdeckte Wilhelm Conrad Röntgen in seinem Labor in diesem Hause die später nach ihm benannten Strahlen. Vom Dezember 1895 bis Januar 1896 veröffentlichte er seine Entdeckung. 1900 wurde er als Ordentlicher Professor und Vorstand des Physikalischen Instituts der Ludwig-Maximilians-Universität nach München berufen.
Am 10.12.1901 erhielt Wilhelm Conrad Röntgen den ersten Nobelpreis für Physik der Königlichen Schwedischen Akademie der Wissenschaften. 1920 wurde er von seiner akademischen Lehrverpflichtung entbunden und starb am 10.02.1923 in München. Sein Grab befindet sich in Gießen. (Quelle: Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt)
Bearbeitungsstand: September 2008
Rollback Strategie
engl.: rollback strategy
Die Rollback Strategie wurde während des Kalten Krieges unter Federführung des damaligen US-Außenministers John Foster Dulles entwickelt. Ziel dieser Strategie war es, den Einfluss der westlichen Welt unter Führung der USA gegenüber der damaligen Sowjetunion und deren Satellitenstaaten auszubauen. Dabei wurden bewaffnete Auseinandersetzungen auch unter Einsatz von Atomwaffen nicht ausgeschlossen.
Die Rollback Strategie wurde jedoch nie in praktisches Handeln umgesetzt, da sie zwangsläufig zu einer militärischen Auseinandersetzung geführt hätte. Wegen des bereits vorhandenen atomaren Patts zwischen den beiden Großmächten, wären die möglichen Folgen unabsehbar gewesen. Spätestens in Verbindung mit dem Berlinaufstand am 17. Juni 1953 erwies sich die Strategie als unbrauchbar. Die USA mussten tatenlos zusehen, wie sowjetische Streitkräfte im Osten der Stadt den Aufstand niederschlugen. (LL)
Bearbeitungsstand: September 2011
siehe auch: Kalter Krieg
siehe auch: Atomares Patt
ROTBLAT Joseph
1908 - 2005

Josef Rotblat wurde am 4.November 1908 in Warschau geboren. Er studierte Physik und begann seine Forschungen im Warschauer „Strahlenlabor“. 1939 ging er nach Liverpool. Ab dieser Zeit beschäftigte Rotblat sich mit der militärischen Anwendung der Nuklearenergie. Bereits 1940 begannen die Briten mit einer „Machbarkeitsstudie“ zur Atombombe.
Im März 1944 kam Rotblat nach Los Alamos, um vor Ort am Manhattan-Projekt mitzuarbeiten. Wie bei vielen anderen Wissenschaftlern war seine Antriebskraft die Befürchtung, dass Hitler ebenfalls über eine Atombombe verfügen könne. Als sich diese Vermutung nicht bestätigte, beendete er seine Mitarbeit am Manhattan-Projekt und kehrte nach Großbritannien zurück.
Nur wenige Monate nach den Atomexplosionen in Hiroshima und Nagasaki begann er die britische Öffentlichkeit über die nuklearen Gefahren aufzuklären und für die Kontrolle nuklearer Energie einzutreten. 1954, unter dem Eindruck der Wasserstoffbombentests, kam Rotblat in Kontakt mit Bertrand Russell, der im Juli 1957 vor der Weltpresse das „Russell-Einstein-Manifest“ vorstellte. In diesem Dokument wurde die Abschaffung der Nuklearwaffen und des Krieges generell gefordert.
Im selben Jahr fand im kanadischen Nova Scotia die erste Pugwash-Konferenz statt, zu der sich mitten im Kalten Krieg 22 führende Wissenschaftler aus Ost und West trafen, um über die Abschaffung der Atomwaffen zu diskutieren. Rotblat war viele Jahre Generalsekretär und später Präsident der Pugwash-Konferenzen.
Der breiten Öffentlichkeit wurde Rotblat erst 1995 durch die Verleihung des Friedensnobelpreises bekannt. Sein Lebensziel war die Abschaffung der Nuklearwaffen, der wohl fürchterlichsten Waffe, die die Menschheit hervorgebracht hat, und letztlich die Abschaffung des Krieges an sich: „Um die Zukunft der Menschheit zu sichern, müssen wir nicht nur die Instrumente der Kriegsführung vernichten, sondern den Krieg selbst“. In seiner letzten Botschaft an die Teilnehmer der Jahrestagung in Hiroshima 2005 verwies er darauf, dass die Gefahren einer nuklearen Auseinandersetzung nach wie vor akut sind.
Joseph Rotblat starb am 31. August 2005 in London. (Götz Neuneck)
Bearbeitungsstand: März 2007
siehe auch: Hiroshima
siehe auch: Kalter Krieg
siehe auch: Manhattan-Projekt
siehe auch: Nagasaki
siehe auch: RUSSELL Bertrand
siehe auch: Wasserstoffbombe
Rückstandsstrahlung
engl.: residual radiation
Bei einer Atomwaffendetonation unterscheidet man zwischen Anfangs- und Rückstandsstrahlung. Rückstandsstrahlung entsteht, indem sich radioaktive Elemente an Partikel anlagern, die entweder von den Waffentrümmern der Bombe oder, im Falle einer Bodendetonation, vom Erdreich selbst stammen. Bei einer Boden- oder bodennahen Detonation verseuchen die Neutronen der Anfangsstrahlung das Erdreich radioaktiv. Ein Teil dieses verseuchten Materials wird in den Feuerball der Detonation hineingesogen und erhöht damit die Rückstandsstrahlung wesentlich.
Verstrahlte Teilchen bezeichnet man auch als "Fallout" (radioaktiver Niederschlag)
Bearbeitungsstand: September 2005
siehe auch: Anfangsstrahlung
siehe auch: Fallout
siehe auch: Feuerball
Rüstungskontrolle
engl.: arms control
Rüstungskontrolle hat es zu allen Zeiten gegeben. Die klassische Rüstungskontroll-Theorie verfolgt zwei Hauptziele:
- Reduzierung des Kriegsrisikos und
- Verringerung der Kriegskosten und Schäden, falls ein Krieg dennoch ausbricht.
Rüstungskontrolle soll:
- bestimmte Kategorien von Waffen einfrieren, begrenzen, reduzieren oder abschaffen
- bestimmte militärische Aktivitäten verbieten, begrenzen oder verhindern
- die Weitergabe von militärischen Gütern regulieren oder verbieten
- den Gebrauch von bestimmten Waffen einschränken oder verbieten
- militärische Aktivitäten in bestimmten Gebieten einschränken oder verbieten
- Vertrauen schaffen durch Transparenz im militärischen Bereich.
Durch die Anhäufung von Massenvernichtungswaffen und dem sogenannten „Wettrüsten“ in der Zeit des Kalten Krieges wurde Rüstungskontrolle zu einer existenziellen Herausforderung namentlich der Großmächte Sowjetunion und USA. Der durch Nuklearwaffen dominierte Ost-West-Konflikt war zu einer Bedrohung der gesamten Menschheit geworden. Nur durch verifizierbare Verträge konnte ein Minimum an Vertrauen zwischen den verfeindeten Machtblöcken geschaffen werden.
Rüstungskontrolle darf nicht mit Abrüstung verwechselt oder gleichgesetzt werden. Ganz im Gegenteil können Rüstungskontrollvereinbarungen vorübergehend sogar zu Aufrüstungsmaßnahmen führen. Diese Gefahr ist konkret vorhanden, wenn vereinbarte Waffenobergrenzen oberhalb der aktuell vorhandenen Bestände eines der Vertragspartner liegen. Prinzipiell ist es aber das Ziel von Rüstungskontrolle, die vorhandenen Waffenbestände zu reduzieren. (LL)
Bearbeitungsstand: Januar 2011
Weitere Informationen zu den Verträgen und Abkommen zur Rüstungskontrolle
Weitere Informationen zur Geschichte der Rüstungskontrolle
siehe auch: Kalter Krieg
RUSSELL Bertrand
1872 - 1970

Bertrand Russell wurde am 18. Mai 1872 in Trellek (Wales) geboren. Er war der Spross einer adligen Familie, die ihren Stammbaum auf Heinrich VIII (1509 - 47) zurückführte. Als kompromissloser Pazifist verlor er während des 1. Weltkrieges seine Professur am Trinity College in Cambridge und verbrachte ein halbes Jahr im Gefängnis. Bei einer Massenveranstaltung wurde er beinahe gelyncht.
Ab 1944 war Russell wieder Professor in Cambridge. Nach dem Krieg engagierte er sich in der Friedensbewegung. Mit Einstein verfasste er das Einstein-Russell-Manifest gegen das Wettrüsten. Seinem Projekt einer Gelehrtenkonferenz entsprang die Pugwash-Bewegung, benannt nach dem kanadischen Ort ihrer ersten Zusammenkunft. Die Gelehrtenkonferenz orientierte sich an der platonischen Staatsauffassung, nach der nur die weisesten Menschen politische Entscheidungsträger sein sollten. Ihr Einfluss auf die kruden Machtpolitiker blieb leider sehr gering. Anlässlich der Kubakrise initiierte Russell 1963 die Gründung der Bertrand Russell Peace Foundation. Sie unterstützte auch zahlreiche Initiativen zur Beendigung des Vietnamkrieges.
Trotz seiner zahlreichen Aktivitäten war Russell zeitlebens hauptsächlich als Schriftsteller tätig. Neben 70 Büchern zur Mathematik, Philosophie, Politik und Pädagogik verfasste er unzählige Aufsätze und war weltweit auf Vortragsreisen unterwegs. Er starb, fast hundertjährig, im Jahr 1970.
Quelle: www.tu-harburg.de/rzt/rzt/it/sofie/node41.html
Bearbeitungsstand: März 2007
siehe auch: Pugwash-Konferenz
Russell-Einstein-Manifest
Am 9. Juli 1955, veröffentlichten der Philosoph Bertrand Russell und der Physiker Albert Einstein ihre berühmte Erklärung, in der sie gemeinsam mit neun weiteren namhaften Wissenschaftlern vor den Gefahren eines Krieges mit Nuklearwaffen warnten und die Regierungen der Welt aufforderten, Wege für eine friedliche Lösung aller ihrer Kontroversen zu finden. Auch wenn das Russell-Einstein-Manifest unter dem Eindruck des Ost-West-Konflikts geschrieben wurde, seine Kernaussagen sind auch heute noch unverändert gültig.
Einsteins und Russels Zweifel am Urteilsvermögen der Verantwortlichen in aller Welt gelten deshalb weiterhin: "Die breite Öffentlichkeit, ja sogar viele Personen in verantwortlichen Positionen, haben nicht begriffen, was in einem Krieg mit nuklearen Bomben auf dem Spiele steht."
Russell, Einstein und ihre Kollegen fühlten sich in der Pflicht, vor dem zu warnen, was ihnen aufgrund ihrer Fähigkeit zum wissenschaftlichen, logisch konsequenten Denken unvermeidlich erschien. "Um die Zukunft der Menschheit zu sichern, müssen wir nicht nur die Instrumente der Kriegsführung vernichten, sondern den Krieg selbst. So lange der Krieg eine anerkannte gesellschaftliche Einrichtung ist und so lange Konflikte mit militärischen Mitteln gelöst werden, besteht die Gefahr, dass ein Krieg … weltweit eskaliert und Massenvernichtungswaffen zum Einsatz kommen … Eine Welt ohne Krieg ist zu einer äußersten Notwendigkeit geworden. Sie zu erschaffen, muss zu unserem unerschütterlichen Ziel werden." (Joseph Rotblat) (Quelle: www.dpg-physik.de)
Bearbeitungsstand: Juli 2007
Russland
engl.: Russia

Die Sowjetunion, Vorgängerstaat Russlands, wurde 1949 Atomwaffenmacht und führte über 700 Atomtests durch. Es wird geschätzt, dass Russland bzw. die Sowjetunion seit 1949 etwa 55.000 Atomwaffen produziert hat. Die Sowjetunion trat dem Nichtverbreitungsvertrag 1972 bei.
Laut Bulletin of Atomic Scientists enthält das russische Arsenal im Jahr 2011 rund 11.000 Atomwaffen, wovon ca. 4.500 aktive und einsatzfähige Atomsprengköpfe sind. Darunter befinden sich 2.430 strategische und 2.080 taktische Atomwaffen. In Lagern befinden sich bis zu 6.300 Atomwaffen, wovon ein großer Teil für die Abrüstung im Rahmen bilateraler Verträge vorgesehen ist. Von den 2.430 strategischen Atomwaffen sind 1.583 auf ballistischen Raketen montiert und 844 sind für Langstreckenbomber vorgesehen.
Der Moskauer Vertrag (SORT) zwischen den USA und Russland aus dem Jahre 2002 sah vor, dass beide Staaten bis 2012 ihre strategischen Arsenale auf 1.700 bis 2.200 aktive Atomwaffen reduzieren. Mit dem Neuen START-Vertrag, den Russland im Januar 2011 ratifizierte, sollte die Zahl der einsatzbereiten strategischen Atomwaffen bis 2018 noch weiter auf je 1.550 reduziert werden. Die Zahl der einsatzbereiten, stationierten Trägersysteme sollte 700 nicht übersteigen und insgesamt sollte jeder Staat nicht mehr als 800 Trägersysteme besitzen.
Am 5. Februar 2011 veröffentlichte das US-Außenministerium Daten vom Neuen START, wonach Russland anscheinend die Reduzierungen für stationierte Atomwaffensysteme unter dem Neuen START jetzt schon erreicht hat. Nach den vorliegenden Daten sind 521 einsatzbereite Trägersysteme stationiert, mit einer Gesamtzahl von 1537 Atomsprengköpfen. (Die Zahl der Sprengköpfe für Langstreckenbomber ist jedoch nicht real, da nur eine Bombe pro Flugzeug unter dem Neuen START gezählt wird, obwohl sie mehr tragen können.) Russland hat insgesamt 865 Trägersysteme und muss daher noch 65 verschrotten, um die Reduzierungen perfekt zu machen. Weitere Details wurden nicht öffentlich gemacht, z.B. die Zahl der nicht stationierten Atomwaffen (xh; Quellen: Bulletin of Atomic Scientists; US State Department).
Bearbeitungsstand: Juni 2011
Weitere Informationen zum russischen Atomwaffenprogramm
siehe auch: Moskauer Vertrag
siehe auch: Nichtverbreitungsvertrag
siehe auch: SORT-Vertrag
siehe auch: START-Vertrag, neuer (2010)S-Texte
RUTHERFORD Ernest
1871 - 1937

Ernest Rutherford wurde am 30. August 1871 in Spring Grove, Neuseeland geboren.
Er zeichnete sich früh durch außergewöhnliche schulische Leistungen aus, so dass ihn mehrfach gewährte Stipendien in die Lage setzten, die Universität von Christchurch in Neuseeland und danach das Cavendish-Laboratorium in Cambridge zu besuchen. Unter der Leitung von Joseph John Thomson führte er zunächst seine schon in Neuseeland begonnenen Arbeiten - seine erste wissenschaftliche Publikation erschien 1894 in den 'Transactions of the New Zealand Institute' - über die magnetisierende Wirkung schnelloszillierender elektromagnetischer Felder fort. Mit einem selbsterfundenen magnetischen Detektor stellte er den damaligen Entfernungsrekord für Radiowellenempfang von 0.5 Meilen auf.
Die Entdeckung der Radioaktivität durch Antoine Henri Bequerel im Februar 1896 gab seiner Forschung eine neue, für seine weitere Laufbahn bestimmende Richtung. Er untersuchte die ionisierende Wirkung radioaktiver Strahlung auf Gase und entdeckte zwei unterschiedlich stark absorbierbare Komponenten, die er Alpha-Strahlen und Beta-Strahlen nannte.
Im Sommer 1898 erhielt er eine Berufung als Professor für Physik an die McGill-Universität in Montreal, Kanada, an der er ein knappes Jahrzehnt (bis 1907) blieb.
Die Alpha-Teilchen waren ein Lieblingsgegenstand seiner Forschungen. 1903 gelang ihm ihre Ablenkung im starken Magnetfeld und der Nachweis, dass sie positiv geladen sind. Dass es sich um zweifach positiv geladene Helimionen bzw. Helimukerne handelt, zeigten 1908 zwei Mitarbeiter Rutherfords, Hans Geiger und Thomas Royds.
Das Gesetz des radioaktiven Zerfalls, die herausragende Entdeckung seiner kanadischen Zeit, fand er 1902 zusammen mit Frederick Soddy. Für seine “Untersuchungen über den Zerfall der Elemente und die Chemie der radioaktiven Materie” erhielt er 1908 den Nobelpreis für Chemie.
1907 kehrte Rutherford als Nachfolger von Arthur Schuster, der zu Rutherfords Gunsten auf den Langworthy-Lehrstuhl in Manchester verzichtet hatte, nach England zurück. Im Anschluss an die 1906 beobachtete Schmalwinkelstreuung von Alpha-Teilchen beim Durchgang durch dünne Materieschichten suchten im Frühjahr 1909 Ernest Marsden und Hans Geiger in Rutherfords Labor nach einer potentiellen Weitwinkelstreuung.
Das Rutherfordsche Modell des Atoms mit Kern war die Grundlage der Atomtheorie Niels Bohrs, der im Sommer 1912 bei Rutherford gearbeitet hatte und Mitte 1913 seine neuen Ideen publizierte (Bohr-Sommerfeldsche Atomtheorie). Sie erfuhren noch im selben Jahr in Rutherfords Labor eine glänzende Bestätigung durch Henry Moseleys Experimente über die Wellenlängen der charakteristischen Röntgenstrahlung.
Nach jahrelangen Vorarbeiten gelang Rutherford 1919 der Nachweis der ersten künstlich erzielten Kernumwandlung. Im gleichen Jahr wurde Rutherford Nachfolger seines Lehrers Thomson und Leiter des Cavendish-Laboratoriums in Cambridge. Hier entfaltete er seine Qualitäten als Dirigent aktueller Forschung. 1932 krönte sein Schüler James Chadwick diese Phase seines Lebens mit der Entdeckung des von Rutherford schon 1920 vermuteten Neutrons.
Rutherford starb am 19.Oktober 1937 in Cambridge. (Quelle: Manuela Dreier)
Bearbeitungsstand: Dezember 2009
siehe auch: Alphastrahlen
siehe auch: Betastrahlen
siehe auch: BOHR Niels
siehe auch: CHADWICK James
siehe auch: Radioaktivität