
PETROW Stanislaw
1939 -

Als Oberst der Sowjetarmee hat Stanislaw Petrow (geb. 1939) im September 1983 einen potentiellen Atomkrieg verhindert. Er weigerte sich, entgegen den Anzeigen seines elektronischen Frühwarnsystems auf einen scheinbaren Raketenangriff der USA auf die UdSSR mit Gegenmaßnahmen zu reagieren. Im Nachhinein stellten sich die Computerangaben als fehlerhaft heraus, so dass Petrow zu Recht die potentielle Verhinderung eines möglichen Dritten Weltkrieges zugeschrieben werden kann. Als verantwortlicher Offizier in einem strategischen Überwachungsbunker bestand seine Aufgabe in der computer- und satellitengestützten Überwachung des Luftraumes. Im Falle eines nuklearen gegnerischen Angriffes auf die Sowjetunion bestand die Abwehrmaßnahme in einem mit allen Mitteln geführten, sofortigen nuklearen Gegenschlag In der Nacht des 26. Septembers 1983 meldete das Frühwarnsystem eine auf die UdSSR anfliegende amerikanische Atomrakete.
Petrow erkannte die Unwahrscheinlichkeit eines solchen Angriffes, da es militärisch sinnlos gewesen wäre, die Sowjetunion mit einer einzigen Rakete anzugreifen. Kurze Zeit später meldete das Computersystem allerdings weitere Richtung UdSSR abgefeuerte US-Raketen. Petrow glaubte weiterhin an einen Fehlalarm, obwohl er über keine verlässlichen Quellen verfügte, um seine Vermutung zu überprüfen. Er blieb bei seiner Entscheidung, die Informationen, die zu einem Gegenangriff geführt hätten, nicht weiterzuleiten, obwohl ihm bewusst war, dass bei einem Irrtum mehrere Nuklearraketen über der Sowjetunion niedergehen würden. Da das Satellitensystem nur fünf abgefeuerte Raketen meldete, ging er weiterhin von einem Fehlalarm aus. Ein wirklicher Angriff hätte seiner Ansicht nach mit deutlich mehr Waffen stattfinden müssen. Bereits nach wenigen Stunden stellte sich heraus, dass Petrows Einschätzungen richtig waren. Das satellitengestützte sowjetische Frühwarnsystem hatte Sonnenreflexionen auf Wolken irrtümlich als US-Raketenstarts interpretiert.
Indem Petrow sich weigerte, die automatischen Warnungen weiterzugeben, hatte er gegen seine Dienstvorschriften verstoßen. Entsprechend wurde er von seinen Vorgesetzten fortan als unzuverlässiger Offizier eingestuft. Er wurde für sein Verhalten weder bestraft noch belobigt. Von offizieller Seite bekam er einen Verweis für falsche Archivierung von Schriftangelegenheiten und seine militärische Karriere fand ein jähes Ende. Er wurde auf einen unbedeutenden Posten versetzt und später aus dem aktiven Militärdienst entlassen. Aus Gründen der militärischen Geheimhaltung wurde Petrows Tat bis 1988 unter Verschluss gehalten.
Seit seiner Entlassung lebt Petrow in ärmlichen Verhältnissen als Pensionär. Als Anerkennung für seine Tat, erhielt er von der kalifornischen Associatian of World Citizens im Mai 2004 den mit eintausend US-Dollar dotierten »World Citizen Award«. Im Januar 2006 erhielt er die Auszeichnung »Man Who Averted Nuclear War« von der UNO. (Quelle: peacemagazine.org)
Bearbeitungsstand: Mai 2007