
Nordkorea
Im Februar 2005 erklärte Nordkorea erstmals öffentlich, dass es über Nuklearwaffen verfüge. Bereits in den 1990er Jahren ging der US-amerikanische Geheimdienst davon aus, dass Nordkorea ein oder zwei funktionsfähige Atombomben besitze. Das dafür erforderliche Plutonium war bereits vor 1992 produziert worden.
Es ist aber bekannt, dass Pjöngjang ein Nuklearwaffenprogramm betreibt. Dass Nordkorea Atomwaffen besitzt, stellt für die Sicherheit im gesamten asiatischen Raum ein schwerwiegendes Problem dar. Auch die sicherheitspolitischen Interessen der USA sind davon betroffen. Indem Nordkorea den Atomwaffensperrvertrag verletzt hat, hat es nicht nur dem Vertrag selbst geschadet sondern damit auch deutlich gemacht, dass der Besitz von Atomwaffen durchaus ein geopolitischer Vorteil sein kann, vor allen Dingen dann, wenn es dabei um eine Auseinandersetzung mit den USA geht.
Es waren die USA, die während des Koreakrieges (1950-1953) Atomwaffen in Südkorea stationiert hatten und Nordkorea wiederholt mit deren Einsatz drohten. Bis 1967 wuchs der Bestand an Atomwaffen auf ungefähr 950 Gefechtsköpfe von acht verschiedenen Waffensystemen. Erst 1991 wurden die letzten US-amerkanischen Nuklearwaffen von der Koreanischen Halbinsel abgezogen.
Die atomare Bedrohung durch die USA hat Nordkorea vermutlich veranlasst, in den 1960er Jahren mit sowjetischer Unterstützung ein eigenes Nuklearwaffenprogramm zu entwickeln. Dieses wurde in den folgenden zwanzig Jahren vor allem mit chinesischer Hilfe systematisch vorangetrieben.
In jüngster Zeit hat vor allem Pakistan eine wesentliche Rolle bei der Weiterentwicklung des Nuklearprogramms gespielt. Etwa ab 1995 soll Abdul Qadeer Khan, der »Vater« des pakistanischen Atomwaffenprogramms, Nordkorea mit Geräten zur Urananreicherung aber auch mit Unterlagen zur Herstellung von Nuklearsprengköpfen unterstützt haben.
Nordkoreas Entwicklungszentrum für Nukleartechnik liegt in Jongbjon, ca. 60 Meilen nördlich von Pjöngjang. Westliche Geheimdienst und
Nuklearwaffenexperten vermuten, dass Nordkorea inzwischen über genug Plutonium verfügt, die Schätzungen schwanken zwischen 6 bis maximal 24 kg, um damit eine geringe Anzahl von Atomsprengköpfen herstellen zu können.
Im Oktober 2002 beschuldigten die USA öffentlich Nordkorea, ein geheimes Urananreicherungsprogramm zu betreiben. Dies wurde von Nordkorea bestritten. Als Reaktion auf die US-amerikanische Anschuldigung entfernte Nordkorea im Dezember 2002 die IAEA Sicherheitssiegel in Yongbyon, setzte die Überwachungskameras außer Betrieb und verwies die IAEA-Inspektoren des Landes. Im Januar 2003 erklärte Nordkorea als erstes Land, dass es den Atomwaffensperrvertrag kündigen werde.
Die Kapazität zur Herstellung von Plutonium ist nicht bekannt. Der CIA schätzt, dass, wenn alle Anlagen mit voller Leistung arbeiten, bis zu 275 Kilogramm Plutonium pro Jahr produziert werden können.
Seit den 1960er Jahren betreibt Nordkorea intensiv die Entwicklung ballistischer Trägerraketen. Zunächst lieferte die Sowjetunion mehrer Raketentypen nebst der erforderlichen Technologie zum Einsatz. In den 1970er Jahren unterstützte China die Weiterentwicklung. 1980 lieferte Ägypten einige sowjetische Raketen vom Typ Scud B einschließlich der Abschussrampen. Ab 1987 war Nordkorea in der Lage, pro Monat acht bis zehn eigene Raketen vom Typ Scud zu produzieren. Davon wurden ca. 100 Stück an den Iran verkauft, die dieser im Krieg gegen den Irak zum Einsatz brachte. Bis 1999 produzierte Nordkorea ca. 600-1000 Scud B und Scud C Raketen, wovon etwa die Hälfte an andere Staaten verkauft wurde.
Noch in der Entwicklung befindet sich die erste bereits erfolgreich getestete zweistufige Langstreckenrakete vom Typ Taepodong-1. Ihre maximale Reichweite beträgt 2300 Kilometer, wobei ein Gefechtskopf von maximal 1500 Kilogramm eingesetzt werden kann. Mit der zweistufigen Taepodong-2 sollen in Zukunft mit größeren Gefechtsköpfen Reichweiten über 6200 Kilometer erzielt werden. Damit könnten Ziele auf Hawaii und in Alaska erreicht werden. Bei einem Teststart im Juli 2006 stürzte die Rakete bereits nach 42 Sekunden ins Meer. Es ist nicht absehbar, wann die Taepodong-2 einsatzbereit sein wird und wie viel Nutzlast sie tragen kann. Der dreistufige Taepong-2 soll eines Tages Ziele in ganz Nordamerika angreifen können.
Neben der direkten Bedrohung anderer Staaten durch nordkoreanische Atomwaffen besteht die große Gefahr, dass Pjöngjang eines Tages Plutonium, hoch angereichertes Uran oder sogar einsatzfähige Nuklearwaffen an andere Staaten oder terroristische Organisationen weiter verkauft. Da Nordkorea bereits Raketen an den Iran, Jemen, Syrien und an Pakistan geliefert hat, ist diese Entwicklung nicht auszuschließen. Spaltbares Material oder Atomwaffen wären ein weitaus lukrativeres Geschäft, was unabsehbare Folgen für die regionale und internationale Sicherheit haben würde.
Am 10. Februar 2005 behauptete Nordkorea zum ersten Mal tatsächlich im Besitz von Atomwaffen zu sein. Am 9. Oktober 2006 zündete Nordkorea seine erste Atomwaffe mit einer Sprengkraft vergleichbar mit 550 Tonnen TNT auf dem Versuchsgelände in Hwaderi nahe der Stadt Kilju. Die Gefahr ist groß, dass es zu einem Wettrüsten in der Region kommt und Japan oder Südkorea der Ansicht übernehmen, ebenfalls Atomwaffen für ihre Sicherheit zu brauchen.
(Quelle: Nuclear Notebook 2005: North Korea 's nuclear program, 2005, S. 64-67.)
Bearbeitungsstand: Oktober 2006
siehe auch: Sprengkraft
siehe auch: TNT (Trinitrotoluol)