M51-Rakete

engl.: M-51 missile

Protestplakat gegen die M51-Rakete, Grafik: Greenpeace

Am 9. November 2006 hat Frankreich seine neue M51-Atomrakete (SLBM) erstmals getestet. Sie soll ab 2010 die älteren Typen M45 und M4 ersetzen. Sie soll sechs atomare Sprengköpfe tragen können. Entwickelt und gebaut wird die neue Waffe vom europäischen Rüstungsriesen EADS. (Quelle: www.imi-online.de)

Die tatsächliche Reichweite der M51 ist Militärgeheimnis. Schätzungen gehen von 6.000 bis 9.000 km aus. Als sicher scheint jedenfalls, dass die neue Rakete mindestens 2.000 km weiter reichen wird, als die zurzeit verwendete M45. Womit Frankreich mit den aktuellen Reichweiten der amerikanischen und russischen Interkontinentalraketen mithalten könnte.

Die M51 wiegt 56 Tonnen (50 % mehr als ihre Vorläuferin), ist 12m hoch und 2,3m breit. Für das neue » Schmuckstück « der französischen Abschreckung wird der Steuerzahler ganz schön tief in die Tasche greifen müssen: Das Verteidigungsministerium beziffert die Kosten für das M51-Programm mit stolzen 8,5 Milliarden Euro. 50-60 Raketen sollen gebaut werden, wobei eine Rakete mit 150 Millionen Euro veranschlagt wird. Noch dazu sind die Atomsprengköpfe im Preis nicht inbegriffen, der selbstverständlich ebenfalls Militärgeheimnis bleibt. Um die Rechnung ein wenig verdaulicher zu gestalten, läuft das Raketenprogramm bereits seit 1992, um 2010 dann dem gerade in Bau befindlichen Atom-U-Boot "Le Terrible" (der Schreckliche) die interkontinentale nukleare Reichweite zu verleihen. Doch der abschreckenden Ausgaben nicht genug: Die Kosten für den Bau des neuen SSBN belaufen sich ihrerseits auf 2,5 Milliarden Euro. Interessanterweise hat noch kein einziger der aussichtsreichsten Präsidentschaftskandidaten Sparmaßnahmen beim nuklearen Verteidigungsbudget in Aussicht gestellt.

Derweilen soll die M51 ab 2010 durch ihre versprochene Präzision eine größere » operationelle Flexibilität « ermöglichen, wie es der erneuerten französischen Nukleardoktrin entspricht. Man müsse nämlich » regionale Mächte « im nuklearen Visier haben. Diese »gestaffelte Abschreckung«, wie Präsident Chirac es nannte, soll es Frankreich erlauben, » neuralgische Zentren « ins Herz zu treffen. Als »letzte Warnung« sozusagen. Die hierfür benötigte Präzision der M51 soll trotz ihrer größeren Reichweite durch ein neues Navigationssystem erreicht werden, das die Position der Rakete in Bezug auf die Position der Sterne berechnet. Jeweils 3 der 4 Atom-U-Boote der Nation werden gleichzeitig mit 16 M51 bestückt sein können, wobei jede Rakete über 4-6 » Minisprengköpfe « (TN75) zu je 150 Kilotonnen verfügen wird. Der nukleare Sprengkopf TN75 bestückt schon die jetzige M45-Rakete. Nach 2010 soll dann der brandneue Nuklearsprengkopf TNO (ozeanischer Nuklearsprengkopf) zum Einsatz kommen. (Quelle: www.heise.de)

Bearbeitungsstand: Mai 2008

Mace-Marschflugkörper

engl.: Mace Cruise Missile

Der Mace-Marschflugkörper war eine atomwaffenfähige taktische Boden-Boden-Rakete. Sie wurde als Weiterentwicklung des Matador-Flugkörpers ab 1959 unter der Bezeichnung „TM-76B Mace“  auch bei den US-Streitkräften in Deutschland stationiert. Eine verbesserte Flughöhe führte zur Verdopplung der Reichweite im Vergleich zum Matador-Flugkörper. Da eine exakte Bestimmung der Startkoordinaten erforderlich war, konnte der Mace-Flugkörper zunächst nur von stationären verbunkerten Startplätzen aus eingesetzt werden. Erst Mitte der 1960er Jahre wurde auch eine mobile Variante eingesetzt.

Insgesamt gab es in der Bundesrepublik Deutschland sechs überirdische mobile Abschussanlagen. (Site 1: Mehlingen, Site 2: Enkenbach, Site 3: Grünstadt, Site 4: Wünschheim, Site 5: Kirchberg und Seite 6: Hundheim.) Jede dieser Abschussanlagen war mit 12 Flugkörpern bestückt. Hinzu kamen zwei stationäre unterirdisch verbunkerte Anlagen in Rittersdorf (Site 7) und Idenheim (Site 8), die mit jeweils 8 Flugkörpern bestückt waren, so dass insgesamt 88 Mace-Flugkörper für den Einsatz bereitgehalten wurden. Alle Flugkörper waren in US-Verbänden stationiert, da sich die deutsche Politik entschieden hatte, auf die Einführung dieses Systems zu verzichten und statt dessen die Pershing 1a als Nachfolger für die Matador zu übernehmen. Der Mace-Flugkörper wurde ab 1970 aus seinem Bereitschaftstatus herausgelöst. (LL)

Technische Daten:
Länge: 13,6 m
Spannweite: 7 m
Durchmesser: 1,2 m
Gewicht: 8500 kg
Geschwindigkeit: 0,9 Mach
Gipfelhöhe: 12,2 km
Reichweite: TM-76A: 1300 km, TM-76B: 2400 km
Gefechtskopf: thermonuklearer Sprengkopf (W-28) 1,1 MT
(Quelle: Mindling/Bolton: U.S. Air Force Tactical Missiles 1949-1969)

Bearbeitungsstand: Dezember 2010

siehe auch: Matador Marschflugkörper
siehe auch: MT (Megatonne)

Macheffekt

engl.: mach stem, mach wave, mach front

Erreicht nach einer Atombombendetonation die Stoßwelle die Erdoberfläche, so wird sie an dieser reflektiert. Durch die Tatsache, dass sich die reflektierte Stoßwelle in einer Luft bewegt, die bereits durch die direkte Stoßwelle erhitzt wurde, besitzt die reflektierte Welle eine höhere Geschwindigkeit. Damit ist sie in der Lage, der direkten Welle „nachzulaufen“, sie einzuholen und sich mit ihr zu vereinigen.

Durch die Überlagerung der beiden Stoßfronten kommt es zu einer verstärkten Wirkung im Ziel. Man spricht vom Mach-Effekt. Aus diesem Grund gibt es für die Zerstörung eine optimale Detonationspunktentfernung bzw. Detonationshöhe, wo der Schaden am größten ist.

Die beschriebene Stoßwelle kann nun die Zerstörung eines Zieles auf folgende zwei unterschiedliche Arten herbeiführen:

1. Durch den Überdruck:
Der Überdruck der Druckspitze zerquetscht gleichsam das Ziel.

2. Durch den dynamischen Druck (Sturmwind):
Infolge der vergleichsweise langen Dauer der beiden Druckphasen (Druck bzw. Sog) kommt es während deren Ausbildung zu einer starken Luftströmung - zu einem Sturmwind. Trifft dieser beispielsweise auf eine Gebäudemauer, so wird durch den entsprechenden Staudruck bzw. dynamischen Druck die Mauer zum Einstürzen gebracht.

Der Staudruck erreicht in der Regel nicht den absoluten Druck der Druckspitze. Seine zeitliche Dauer ist allerdings wesentlich größer. Besonders verheerend wirkt sich die Tatsache aus, dass der Sturmwind nach einer Zeit, die im Sekundenbereich liegt, seine Richtung umkehrt (durch die Sogphase).

Es hängt nun von der Art des Zieles ab, welche der beiden Wirkungen das Ziel überwiegend zerstört. Ein im Freien abgestelltes Flugzeug wird beispielsweise durch den Sturmwind (dynamischer Druck) zerstört. Befindet es sich jedoch in einem Schutzbunker, so ist für die Zerstörung der Überdruck ausschlaggebend. (Gerd Hartmut Lorenz: Aufbau und Wirkung Nuklearer Sprengkörper, München 2005)

Bearbeitungsstand: Dezember 2005

Mainbullau

ehem.Atomwaffenstandort, Deutschland

Im Rahmen der großräumigen Luftverteidigung Europas während der Zeit des Kalten Krieges waren auch die US-Streitkräfte an dem quer durch Deutschland verlaufenden Nike-Herkules Flugabwehrgürtel mit insgesamt sechs in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz, stationierten Bataillonen beteiligt. Das 1thMissile Battailon, 67thUS-Arty-Group verfügte über atomare Feuerstellungen in den Standorten Griesheim, Mainbullau, Hardheim und Dallau.
Die Nike-Feuerstellung (Launching Area) Mainbullau (49°41'40“N, 09°10'09“O) lag ca. 30 km südlich von Aschaffenburg im Odenwald in Bayern.  Die dort stationierte B-Battery, 1thMissile Battailon, 67thUS-Arty-Group bestand aus drei getrennten Bereichen: der Unterkunft, dem Feuerleitbereich in günstiger topografischer Lage mit bis zu 5 Radargeräten für Überwachung, Zielerfassung, Zielverfolgung und Flugkörperverfolgung und dem Abschussbereich mit jeweils 3 Abschussflächen und dazugehörigen Bunkern. In diesem Bereich befanden sich auch die Atomsprengköpfe.

In der Stellung Mainbullau waren von 1961 bis 1970 atomare Flugabwehrraketen vom Typ Nike stationiert. An Atomsprengköpfen waren zwei Versionen verfügbar. Die kleinere mit der Bezeichnung B-XS hatte eine Sprengkraft von 2 Kilotonnen. Die größere B-XL besaß ursprünglich 40 kT Sprengkraft. Letztere wurden in den 1970er Jahren gegen Sprengköpfe zu 20 kT ausgetauscht. Maximal waren je Stellung zehn Nuklear-Sprengköpfe vorhanden, acht mit der Stärke XS mit 2 Kilotonnen und zwei XL mit 40/20 Kilotonnen Sprengkraft. Für den Einsatz der Gefechtsköpfe gab es genau festgelegte Prioritäten. Beim Anflug eines einzelnen feindlichen Zielobjektes wurde ein kleiner atomarer Gefechtskopf (B-XS) eingesetzt. Beim Anflug mehrerer feindlicher Zielobjekte wurde soweit verfügbar ein großer atomarer Gefechtskopf (B-XL) eingesetzt. Die ebenfalls vorhandenen konventionellen Gefechtsköpfe dienten lediglich als Munitionsreserve.

Die NIKEs waren bis Ende der 1970er Jahre hier stationiert. Ab 1970 bis 1979 blieb die Liegenschaft militärisch ungenutzt, war jedoch Anfang der 70er Jahre übergangsweise als eine Pershingstellung vorgesehen (sog. "Interim Pershing Site 19"). Heute wird die ehemalige Feuerstellung intensiv genutzt von einer Firma, die Holzhackschnitzel herstellt.(LL)

(Quellen:  Jürgen Dreifke, Michael Juhls)

siehe auch: Nike Herkules
siehe auch: KT (Kilotonne)

Bearbeitungsstand: September 2010

Mainz-Lerchenberg

ehem. Atomwaffenstandort Deutschland

In unmittelbarer Nähe der ZDF-Sendeanstalten (Zweites Deutsches Fernsehen) befanden sich westlich der Stadt Mainz zur Zeit des Kalten Krieges auf einer Fläche von weniger als 2 km² im Bereich des Oberolmer Waldes (49°57'34”N, 8°10'11”O) insgesamt drei Atomwaffenstandorte. Dies waren im Einzelnen:

 

 

 

 

  • US Site No 31
  • US Site No 20
  • Nike Hercules Launching Area der A-Battery, 5thMissile Battailon, 1thUS-Arty-Group

Die US Site No 31 war ein Sondermunitionslager vom Typ J. Die Größe des Lagers lässt darauf schließen, dass es sich um ein sogenanntes VLM (Versorgungslager Munition) handelte. Die VLM dienten zur Bevorratung und Belieferung kleinerer Sonderwaffenlager. Über die eingelagerte Munition in Site No 31 gibt es nur Vermutungen. Es kann aber davon ausgegangen werden, dass atomare Sprengköpfe für das Waffensystem Honest John und zeitweise auch für das Waffensystem Pershing vor Ort waren.

Die US Site No 20  war ein  Sondermunitionslager vom Typ J. Es verfügte aber nur über drei Munitionsbunker. Hier waren u.a. Atomgranaten vom Kaliber 155 mm für das 5th Howitzer Bataillon 81 der US-Army eingelagert.

In der Nike Hercules Launching Area Wackernheim (Oberolmer Wald) der A-Battery, 5thMissile Battailon, 1thUS-Arty-Group befanden sich nachweislich die Atomsprengköpfe für das Flugabwehrsystem. Dabei handelte es sich um zwei unterschiedliche Gefechtskopftypen. Die kleineren mit der Bezeichnung B-XS hatten eine Sprengkraft von 2 Kilotonnen. Die größeren B-XL besaßen ursprünglich 40 kT Sprengkraft. Letztere wurden in den 1970er Jahren gegen Sprengköpfe zu 20 kT ausgetauscht. Maximal waren je Stellung zehn Nuklear-Sprengköpfe vorhanden, acht mit der Stärke XS mit 2 Kilotonnen und zwei XL mit 40/20 Kilotonnen Sprengkraft. (LL) (Quellen: Jürgen Dreifke)

Bearbeitungsstand: Januar 2012

siehe auch: Kalter Krieg
siehe auch: Nike Hercules
siehe auch: Honest John
siehe auch: Pershing
siehe auch: Wackernheim (Oberolmer Wald)
siehe auch: KT-Wert

Malden Insel

Die Malden Insel ist ein unbewohntes Atoll von ca. 39 km² Größe. Sie gehört zur Republik Kiribati im Zentralpazifik. In den Jahren 1946 bis 1963 führte Großbritannien auf dem Malden-Atoll in Kiribati insgesamt drei Atomtests durch. Zu dieser Zeit war der heute unabhängige Staat Kiribati noch Bestandteil der britischen Überseekolonien. (LL)

Bearbeitungsstand: September 2007

Siehe auch: Kiribati

Manhattan-Projekt

engl.: Manhattan Project

Unter diesem Decknamen entwickelten hochrangige Wissenschaftler und ein Heer von Ingenieuren und Arbeitern in den geheimen Forschungslabors von Los Alamos und in vielen anderen über die USA verstreuten Laboratorien und Industrieanlagen die ersten Atombomben. Das Manhattan Projekt zählt zu den größten technischen Forschungs- und Entwicklungsprojekten der Menschheitsgeschichte. Es wurde in den Jahren 1942 bis 1945 mit dem Ziel der Entwicklung von Atombomben durchgeführt.

Zur Vorgeschichte: Seit 1939 sondierte eine Reihe von Wissenschaftlern in verschiedenen Ländern der Erde die militärische Nutzung der ungeheuren, durch Kernspaltung freisetzbaren Energien. In den USA war es vor allem die Elite von Emigranten aus den europäischen Ländern unter faschistischer Herrschaft.

Nach zögerlichem Anfang begann nach dem japanischen Überfall auf Pearl Harbor im Dezember 1941 und dem Kriegseintritt der USA eine intensive Nuklearforschung mit Schwerpunkt in Los Alamos. Die gesamten Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten wurden dem US-Kriegsministerium unterstellt. Die militärische Leitung ging an General Leslie Groves, die wissenschaftliche Leitung übernahm der Quantentheoretiker Robert Oppenheimer.

Ab 1. Juli 1944 bekam das Manhattan Projekt Vorrang vor jedem anderen Projekt der Vereinigten Staaten. Das Laboratorium in Los Alamos musste umstrukturiert werden, da die geplante Atomwaffe innerhalb der kommenden 12 Monate einsatzbereit sein sollte.

Im August 1944 gab es auf Grund der Forschungsergebnisse die erste Schätzung für einen realistischen Bombeneinsatz; und zwar für Mitte Frühling 1945. In diesem Monat begann auch die Air Force den Bomber B-29 für den Einsatz mit Atomwaffen umzurüsten.

Am 16. Juli um 5:29:45 Uhr wurde die erste Atomexplosion der Geschichte ausgelöst. Die Sprengkraft entsprach 20-22 Kilotonnen TNT und verdampfte den Stahlturm. Dies war der endgültige Beweis für den Erfolg des Manhattan Projekts. Die Uranbombe Little Boy und die Plutoniumbombe Fat Man wurden mit fatalem Erfolg über Japan gezündet. (Quellen: 1.) Eugen Eichhorn: Manhattan-Projekt-Abstrakt, TFH Berlin 2005. 2.) www.lgl.lu)

Bearbeitungsstand: November 2006

siehe auch: Atombombe
siehe auch: Fat Man
siehe auch: KT (Kilotonne)
siehe auch: Little Boy
siehe auch: TNT (Trinitrotoluol)

Maralinga (Atomtests)

engl.: Maralinga (nuclear tests)

Zwischen 1952 und 1967 waren 22.000 Engländer, 14.000 Australier, 500 Neuseeländer sowie etliche Amerikaner, Kanadier und Fidschianer an den Atomtestserien in der Wüste von Maralinga (Süd-Australien), auf Christmas Island, auf der Monte Bello Insel vor der australischen Westküste und auf pazifischen Inseln (u. a. Kiribati) beteiligt.

Die britischen Atomtests im Jahr 1953 in der australischen Maralinga-Wüste unterlagen strenger Geheimhaltung. Ahnungslose Ureinwohner starben an Fallout-Folgen. Schwarzer Nebel rollte auf das Nomaden-Lager der Eingeborenen zu. Es stank bestialisch. »Die Alten des Stammes gruben Löcher in die Sanddünen, und wir legten uns hinein«, erzählt Yami Lester, Angehöriger der Pitjantjatjara und heute Direktor des Entwicklungsinstituts für Aborigines, Ureinwohner in Alice Springs. Fünf Tage später begann das große Sterben. Manche Aborigines spuckten nur noch grünen Brei. Ihre Augen entzündeten sich, das Trinkwasser schmeckte seltsam, und die Kehlen blieben rau und trocken. »Die Hunde liefen den Sterbenden hinterher und warteten, bis sie tot zu Boden sanken«, erinnert sich ein Zeuge, »dann fraßen sie die Leichen«. Die schwarze Wolke war nicht »Mamu«, der böse Geist, wie die Aborigines geglaubt hatten, sondern der radioaktive Fallout einer britischen Atombombenexplosion im Oktober 1953 in der südaustralischen Wüste.

Stets protestierten australische Regierungen lautstark, wenn die Franzosen Atomversuche vor ihrer Haustür in der Südsee veranstalteten. Die sozialistischen Gewerkschaften drohten Paris 1983 sogar mit einem Uran-Lieferstopp aus den australischen Minen. Die Presse sorgte sich um die Opfer der US-Testserien auf dem Bikini-Atoll - nur über die möglichen Folgen der britischen Nuklearexperimente im eigenen Land herrschte verdächtiges Schweigen. Dabei hatte es genügend Alarmzeichen gegeben. Die Bombenversuche in den fünfziger Jahren hatte die damalige liberale Regierung unter Premier Robert Menzies zu verantworten. 1979 legten die australischen Behörden mit Hilfe britischer Unterlagen den so genannten Pearce-Report vor, der Hinweise auf eine mögliche radioaktive Verseuchung von Eingeborenengebieten enthielt. Aber weder die damalige liberale Regierung Fraser noch die Labor-Abgeordneten auf der Oppositionsbank interessierten sich dafür.

Im Mai 1980 behauptete ein Beamter vom Gesundheitsdienst für Aborigines in Alice Springs, dass damals mindestens dreißig Eingeborene an den Folgen des radioaktiven Fallouts gestorben wären und die Krebsrate sich in manchen ihrer Siedlungen verdoppelt hätte. Doch das Thema blieb tabu. Noch im September 1983 ließ die Regierung, inzwischen von Labor-Premier Bob Hawke geführt, einen Report der nationalen Strahlenschutz-Kommission verbreiten, demzufolge bisher kein einziger Australier durch die englischen Atomversuche geschädigt und das Krebsrisiko für alle Beteiligten »nahezu Null« sei.

Erst 1984, 31 Jahre nach Beginn der britischen Versuche auf dem Gelände ihres Commonwealth-Partners Australien, erfährt die Öffentlichkeit, was sich damals in der Wüste abgespielt hat. Die britische Regierung hat geheime Dokumente freigegeben, die zeigen, wie wenig die Engländer sich um Sicherheit scherten und wie sie ihre eigenen Soldaten als Versuchskaninchen missbrauchten. Auch die Vorsorge für die Aborigines, die eigentlichen Bewohner des Testgebietes, war mangelhaft. Zwei Sicherheitsbeamte sollten in dem Hunderte von Quadratkilometer großem Wüstengebiet die gefährdeten Eingeborenen aufspüren und evakuieren. Für Aborigines, die nicht lesen und schreiben können, hatten die ebenfalls aufgestellten Warntafeln keine Bedeutung. Niemand konnte kontrollieren, ob nicht einige der ersten Australier noch Jahre später in radioaktiv verseuchten Gebieten umherzogen. Erst jetzt erfuhr die Bevölkerung von ihrem eigenen Verteidigungsminister, dass außer britischen und neuseeländischen Soldaten auch 9000 ihrer Landsleute an den Tests teilgenommen und dass 1300 von ihnen »tatsächlich oder potentiell« der radioaktiven Strahlung ausgesetzt waren, manche nur 1,6 Kilometer vom Explosionsort entfernt. Besonders schmutzig war der "Mosaic G 2"-Test im Juni 1956; eine 60 Kilotonnen-Explosion verstreute Fallout über ganz Australien.

Ziel der insgesamt sieben britischen Testversuche in der Wüste von Maralinga waren nicht nur waffentechnische Erkenntnisse. Die Atomtester wollten ihre Mannschaften auch zur Tapferkeit vor der Bombe erziehen. »Nach der Detonation führten wir die Soldaten in das radioaktive Gebiet, um ihnen zu beweisen, dass sie so eine Zone betreten können, ohne dass ihnen die Hoden abfallen«, erinnert sich John Morosi, heute Leiter des Strahlenlabors in Melbourne. »Uns wurde befohlen, ins Freie zu gehen, die Augen zu schließen und die Hände vors Gesicht zu halten«, so der frühere Marineoffizier Frank Bietzelt, 56. »Bei der Explosion sah ich jeden Knochen in meinen Händen, wie in einem Röntgenbild. Viele meiner Kameraden sind bisher an Krebs gestorben«. Australische Flugzeugbesatzungen flogen ihre Maschinen durch radioaktive Wolken. Angeblich trugen die Soldaten Schutzkleidung, aber Ex-Pilot Colin Bird, 58, sagt: »Wir hatten nur die normalen Fliegeranzüge angezogen. Heute habe ich Ohren- und Halskrebs«. Die Naivität der Offiziere und Mannschaften war grenzenlos. Unteroffizier William Jones setzte sich kurz nach der Detonation in einen Panzer, an dem die Wirkungen der Druck- und Hitzewellen geprüft werden sollten. Zwei Tage lang hielt er neben dem verseuchten Fahrzeug Wache. Er starb 1966, nur 13 Jahre nach den Tests, an Rückenmarkkrebs.

Viele Maralinga-Veteranen sind vom australischen Geheimdienst davor gewarnt worden, Einzelheiten publik zu machen. Auch der ehemalige Luftwaffentechniker John Philip Burke, 63, erhielt in den letzten Jahren ein Dutzend anonymer Anrufe, die ihn einschüchtern sollten. Doch Burke hatte nichts mehr zu verlieren. Ende April 1984, wenige Tage bevor er an Magenkrebs starb - einem Leiden, das er auf seine Maralinga-Zeit zurückführte, schockte er die Australier mit seinem Geständnis: Obwohl die Briten in Australien angeblich nur bis 1957 experimentierten, habe er selbst 1963 drei geheime Tests miterlebt. Nachdem auch der Ministerpräsident des Bundesstaates Südaustralien, John Bannon, Aufklärung von Canberra und London verlangte, trat das britische Verteidigungsministerium die Flucht nach vorn an: 1963 seien nur »sehr kleine, sehr begrenzte« Versuche durchgeführt worden, »um die Sicherheit von Atombomben« zu prüfen. Auch der Umkreis der Explosionen sei eher »in Metern denn in Kilometern« zu messen. Harmlos waren die Versuche wohl dennoch nicht. Burke entdeckte damals an einem Kraterrand vier tote Aborigines, die seiner Meinung an Strahlenverseuchung gestorben waren. Außerdem sah er missgestaltete Kaninchen und Kängurus im Testgelände. Seither plagten den Techniker Gewissensbisse, denn er wusste, dass an zwanzig Stellen dicht unter der sandigen Oberfläche radioaktive Abfälle vergraben wurden, die noch heute gefährlich sein könnten. Vor wenigen Monaten erst hatte die Regierung von Südaustralien den damals evakuierten Ureinwohnern ihren Besitztitel auf die Maralinga-Wüste zurückgegeben. Doch die haben nun Angst vor ihrer alten Heimat. »Man kann die Aborigines vor diesen Stellen, wo das Zeug 50 000 Jahre lang strahlt, gar nicht schützen«, sorgte sich Burke; sie einfach zurückkehren zu lassen, so der Luftwaffentechniker kurz vor seinem Tod, wäre glatter Mord. (Quelle: DER SPIEGEL 24/1984)

Ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss des britischen Unterhauses hatte seine Arbeit Mitte November 2007 aufgenommen. Er sollte die Spätfolgen der Atombombentests auf australische und britische Atomtestveteranen und ihre Familien untersuchen. Grund für die Einrichtung des Ausschusses war die Klage von 700 ehemaligen Arbeitern und Soldaten sowie ihren Angehörigen. Sie klagen vor dem obersten britischen Zivilgericht auf Entschädigungszahlungen wegen Gesundheitsspätfolgen.

Die Ergebnisse der Untersuchungskommission wurden Mitte Januar dem britischen Premierminister Gordon Brown vorgelegt. Der Ausschuss stützte sich auf bereits in der Vergangenheit durchgeführte medizinische Studien an den Atomtestveteranen und ihren Nachkommen. Sie belegen, dass die Kinder der unmittelbar an den Tests beteiligten Personen zehnmal so viele körperliche Behinderungen aufweisen und zehnmal so häufig an Krankheiten sterben, die sich auf die Einwirkung radioaktiver Strahlung zurückführen lassen. Die Kinder und Enkelkinder der Atomtestveteranen leiden zweimal so häufig an diversen Krebsarten und haben achtmal häufiger genetische Defekte als die Kinder von Eltern, die nicht an Atomtests beteiligt waren. Die britische Tageszeitung »Herald Sun« behauptet gar, die Langzeitfolgen der Atomtests erstreckten sich über 20 Generationen.

Bereits drei unabhängige Studien zu den Folgen der Tests hatte das »National Radiological Protection Board (NRPB)« in der Vergangenheit durchgeführt. Das Britische Unterhaus hat sowohl diese älteren Studien als auch die jüngsten Ergebnisse des parlamentarischen Untersuchungsausschusses nicht akzeptiert. Es weigert sich anzuerkennen, dass die vor 50 Jahren stattgefundenen Atomtests auf die heute noch lebenden Nachkommen der Arbeiter und Soldaten gesundheitliche Auswirkungen haben. Das Unterhaus hat den Antrag gestellt, den Prozess um Kompensationszahlungen um mindestens 18 Monate zurückzustellen. Vorläufig und quasi zur Beruhigung sollen den betroffenen Familien jedoch jetzt 10.000 Pfund (ca. 13.270 €) Entschädigung gezahlt werden.

Der Anwalt der 700 Kläger, Mervyn Fudge von der Kanzlei Rosenblatt, sagte gegenüber der Zeitung »The Epoch Times«, diese Verzögerungstaktik der Regierung sei eine »bloody disgrace« (verfluchter Schande). Er befürchtet, dass in den 18 Monaten bis zur Wiederaufnahme des Verfahrens weitere Atomtestveteranen sterben könnten. »Es ist eine Schande, wie die Regierung mit diesen Menschen umgeht, sie spielt auf Zeit«, entsetzte sich der Anwalt.(Quellen: Pazifik aktuell Nr. 73, Februar 2008; BBC News 15.10.07, Herald Sun 18.01.08, The Epoch Times 23.01.08)

Bearbeitungsstand: November 2008

siehe auch: Detonationswert
siehe auch: Fallout
siehe auch: KT (Kilotonne)

Marienheide

ehem. Atomwaffenlager in Deutschland

Link zum GroßansichtDie Nike-Feuerstellung (Launching Area) Marienheide (51°05’43“N, 07°33’17“O) der 4. Batterie des FlaRakBtl 22 lag 7 km nördlich der Stadt Gummersbach im Bergischen Land. Die Batterie wurde im Sommer 1962 von Köln-Wahn nach Marienheide verlegt. Sie bestand aus drei getrennten Bereichen: der Unterkunft, dem Feuerleitbereich in günstiger topografischer Lage mit bis zu 5 Radargeräten für Überwachung, Zielerfassung, Zielverfolgung und Flugkörperverfolgung und dem Abschussbereich mit jeweils 3 Abschussflächen und dazugehörigen Bunkern. In diesem Bereich befanden sich auch die Atomsprengköpfe. Während die Raketen in Montagebunkern oder auf durch Erdwälle geschützten  Abschussschienen bereit gehalten wurden, lagen die Radaranlagen in exponierter Stellung und konnten nur mit Sandsäcken oder Konturen verwischender Tarnung ungenügend geschützt werden. Zum Eigenschutz vor allem gegen angreifende Tiefflieger, wurden die Stellungen später zusätzlich mit 20mm Zwillingsgeschützen ausgestattet.

In der Stellung Marienheide waren von 1963 bis 1987 atomare Flugabwehrraketen vom Typ Nike stationiert. An Atomsprengköpfen waren zwei Versionen verfügbar. Die kleinere mit der Bezeichnung B-XS hatte eine Sprengkraft von 2 Kilotonnen (KT). Die größere B-XL besaß ursprünglich 40 KT Sprengkraft. Letztere wurden in den 1970er Jahren gegen Sprengköpfe zu 20 KT ausgetauscht.

Maximal waren je Stellung zehn Nuklear-Sprengköpfe vorhanden, acht mit der Stärke XS mit 2 KT und zwei XL mit 40/20 KT Sprengkraft. (Jürgen Dreifke)

Ein Zeitzeuge erinnert sich: „Die vier Batterien des FlaRakBtls 22 [mit den Feuerstellungen Ödingen, Burbach, Waldbröl und Marienheide] befanden sich in unterschiedlichen Bereitschaftsstufen mit einer Reaktionszeit von maximal 30 Minuten, maximal 3 Stunden, maximal 12 Stunden und mehr als 12 Stunden. Innerhalb einer Batterie hatten mindestens zwei Abschussplätze den selben Bereitschaftsgrad. Konnte eine der Batterien aus technischen Gründen den Bereitschaftsgrad nicht einhalten, dann rückten die anderen Batterien eine Einsatzstufe nach oben. Abhängig vom Bereitschaftsgrad war die Stellung im Schichtbetrieb ständig besetzt und einsatzbereit. Dazu gab es in der Batterie drei Kampfbesatzungen für den Feuerleit- und Abschussbereich, die sich in einem System von 48-Std-Schichten während der Woche und 72-Std-Schichten am Wochenende abwechselten.

Für den Einsatz der Gefechtsköpfe gab es genau festgelegte Prioritäten. Beim Anflug eines einzelnen feindlichen Zielobjektes wurde ein kleiner atomarer Gefechtskopf (B-XS) eingesetzt. Beim Anflug mehrerer feindlicher Zielobjekte wurde ein großer atomarer Gefechtskopf (B-XL) eingesetzt. Die ebenfalls vorhandenen konventionellen Gefechtsköpfe dienten lediglich als Munitionsreserve.

Soweit mir bekannt, befanden sich in allen Nike-Stellungen der Bundesluftwaffe atomare Gefechtsköpfe.“ (Michael Juhls)

Bearbeitungsstand: Januar 2010

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: Gefechtskopf
siehe auch: KT (Kilotonne)
siehe auch: Nike Herkules

Marschall-Inseln

engl.: Marshall Islands

Die Marschallinseln sind eine Gruppe von 5 Inseln, 31 weit auseinander liegenden Korallenatollen und über 1000 kleineren Inseln und Riffen. Der Name der Inseln geht zurück auf den britischen Kommandanten der »Scarborough«, Kapitän John Marshall, der 1788 die Inseln erstmals kartographisch erfasste.

Die USA haben zwischen 1946 - 1962 insgesamt 106 Atomtests auf den Marschallinseln im Pazifik durchgeführt. Im Jahre 1946 wurden die ersten Tests auf dem Bikini-Atoll durchgeführt. Im Vorfeld der Tests musste die Bevölkerung das Atoll verlassen und wurde in dem Glauben gelassen, nach Beendigung der Tests wieder auf ihre Heimatinseln zurückkehren zu können.

Nach zwei Explosionen auf dem Bikini-Atoll wurden auch auf anderen Inseln in der Umgebung Atomtests durchgeführt. Als sicher kann heute gelten, dass die Tests zu erheblichen Umweltschäden auf den Inseln, Lagunen und Atollen geführt haben. Im Pazifik-Atoll Eniwetok soll gar eine kleinere Insel infolge eines Atomtests regelrecht "verdampft" und damit für alle Zeit verschwunden sein.
Die Fallouts nach Atomexplosionen verseuchten die Bewohner der umliegenden Inseln und Atolle vor allem bei widrigen Windverhältnissen. In einigen Fällen war die Verstrahlung der Bevölkerung so groß, dass diese evakuiert werden musste. Die Langzeitfolgen für die Gesundheit der Bewohner waren immens:Viele Menschen starben nach einigen Jahren an Krebs und Leukämie.

Ende der 60er Jahre forderten die Bewohner des Bikini-Atolls, die seit 1946 im Exil lebten, die Rückkehr auf ihre Heimatinsel. Die amerikanische Regierung gab daraufhin die Anweisung, das Atoll wieder bewohnbar zu machen. Die Sicherheit der Bewohner freilich konnte man nicht gewährleisten. 1972 konnten die Mikronesier nur unter großen Belastungen zurückkehren. U.a. mussten die Bewohner in den nächsten Jahren zu einem Großteil mit importierten Lebensmitteln versorgt werden, weil sie auf die Produkte vor Ort aufgrund der hohen Strahlenbelastung nicht zurückgreifen konnten. Im Jahre 1978 war es notwendig geworden, die Bewohner erneut zu evakuieren. Eine groß angelegte Dekontaminierungsmaßnahme wurde angekündigt und in die Wege geleitet. Bis heute werden ihre Entschädigungsforderungen von den USA nicht anerkannt. (Quelle: www.glasnost.de)

Bearbeitungsstand: Mai 2007

Stichworte: Bikini-Atoll

Marschflugkörper

engl.: cruise missile

Unter dem Begriff Marschflugkörper (Cruise Missile) versteht man grundsätzlich einen land-, luft- oder seegestützten Flugkörper, der über einen eigenen Antrieb verfügt und sich auf einer aerodynamisch stabilisierten Flugbahn bewegt. Er ist in der Lage, nach dem Abfeuern ein zuvor ohne direkte Line-of-Sight-Zielzuweisung programmiertes Ziel ohne weitere Einwirkung der Abschussplattform und ohne aktive Handlungen des Gegners (z.B. Abstrahlung von elektromagnetischen Wellen) zu finden und zu treffen. Seine Reichweite liegt dabei im mittleren bis großen Bereich von ca. 30 über 2800 km.

Gemäß dieser Definition kann man heute zwei verschiedene Kategorien von Lenkwaffen unterscheiden, welche allgemein unter dem Sammelbegriff Cruise Missile zusammengefasst werden. Es sind dies einerseits die » Land Attack Cruise Missiles« (LACM), die sich zur Bekämpfung von Landzielen in einer komplexem Umgebung eignen und andererseits die primär zur Schiffsbekämpfung verwendeten »Anti-Ship Missiles« (AShM). Als vermeintliche dritte Kategorie werden immer wieder Drohnen (Unmanned Aerial Vehicles) erwähnt. Diese Fluggeräte haben zwar zahlreiche Eigenschaften mit den Cruise Missiles gemeinsam, unterscheiden sich aber bezüglich gewisser technischer Faktoren und einsatzspezifischer Parameter grundsätzlich von diesen.

Marschflugkörper wurden erstmals von den USA im Golfkrieg von 1991 eingesetzt. Dabei bewiesen sie, dass sie wirkungsvoll für die Bekämpfung von zuvor aufgeklärten statischen Landzielen eingesetzt werden konnten. Inzwischen wird die weltweit verfügbare Zahl an Cruise Missiles auf rund 75.000 Stück geschätzt, die Zahl der Betreiberstaaten hat sich auf über 70 erhöht. Hauptsächlich wegen ihrer hohen Durchschlagskraft und Treffgenauigkeit ist die Proliferation dieser Waffensysteme schon sehr weit fortgeschritten.  (Quelle: Thomas S. Bättig: Marschflugkörper: Kategorien, Technologie, Leistungsfähigkeit, Proliferation, Bedrohung, Abwehr, in Air Power Revue der Luftwaffe Nr. 4, 2005.)

Bearbeitungsstand: Mai 2008

siehe auch: CEP-Wert
siehe auch: Detonationswert
siehe auch: SALT-II-Abkommen
siehe auch: Taktische Atomwaffen

MARV

Maneuvering Re-Entry Vehicle

Bei MARV (Maneuvering Re-Entry Vehicle) handelt es sich um eine Weiterentwicklung von MIRV. Jeder Sprengkopf ist manövrierfähig, also hängt seine Flugbahn nicht nur von den Gesetzen der Ballistik ab. Dadurch wird die Raketenabwehr weniger wirksam. Das MARV-System war ursprünglich für die Pershing-II-Rakete und die Trident (SLBM) vorgesehen, wurde aber nur bei der Pershing-Rakete in Dienst gestellt.

Eine Interkontinentalrakete kann zwischen drei und sechzehn (Trident (SLBM)) Atomsprengköpfe tragen, die sich nach dem Wiedereintritt von der Trägerrakete trennen und unabhängig auf einzelne Ziele gelenkt werden können. Gegenmaßnahmen werden dadurch nahezu unmöglich gemacht, da jeder Angriff mit vielen Abwehrraketen beantwortet werden müsste. Die große Zahl von anfliegenden Sprengköpfen überfordert nahezu jedes Verteidigungssystem.(Quelle: militaer.wisotoday.de, Seite nicht mehr online)

Bearbeitungsstand: September 2007

Siehe auch: MIRV
Siehe auch: Pershing-II-Rakete
Siehe auch: Trident

Massenvernichtungswaffe (MVW)

engl.: weapon of mass destruction(WMD)

Als „klassische“ Massenvernichtungswaffen werden aufgrund ihrer inhärenten Zerstörungskraft in erster Linie nukleare, biologische und chemische Waffen (NBC-Waffen) verstanden. Diese drei Typen besitzen drei wesentliche Charakteristiken, die sie so gefährlich machen, wenn sie zur Anwendung kommen: Ihre Zerstörungswirkung, ihre Transportierbarkeit und die eigenständige Herstellung der betreffenden Substanzen. Nach dem Verständnis der amerikanischen Regierung werden auch Trägersysteme wie Raketen und Marschflugkörper zu den MVW gerechnet. (Quelle: www.armscontol.de)

Bearbeitungsstand: Januar 2006

Massive Vergeltung

engl.: massive retaliation

Von 1950 bis 1960 galt das Prinzip der massiven Vergeltung und Präemption. (Präemption bedeutet, dass der gegnerische erste Schlag schon unterwegs ist oder unwiderruflich angeordnet ist. Präventiv ist ein Schlag, wenn der gegnerische Angriff nur geplant oder wahrscheinlich ist). US-Kriegsplanungen sahen bereits 1950 neben der Zerstörung von Städten auch die Vernichtung sowjetischer Produktionsanlagen von Atomwaffen vor. Ein unprovozierter Erstschlag gegen die UdSSR wurde jedoch vom Nationalen Verteidigungsrat der USA abgelehnt. Im Falle eines eindeutig bevorstehenden Angriffs wurde der präemptive Einsatz von Atomwaffen nicht ausgeschlossen. Die NATO übernahm die Strategie der massiven Vergeltung im Dezember 1954. Das NATO-Dokument MC 14/2 vom März 1957 sah einen raschen Rückgriff auf Atomwaffen bei nahezu jeder militärischen Auseinandersetzung mit der Sowjetunion vor. Ab Ende 1953 wurde dafür eine beträchtliche Anzahl taktischer Atomwaffen (Artilleriemunition, Bomben, Kurzstreckenraketen, Atomminen) in Europa stationiert, die Mitte der sechziger Jahre mit etwa 7000 Gefechtsköpfen ihren Höhepunkt erreichte. Die Aussage des stellvertretenden NATO-Oberbefehlshabers, General Bernard Montgomery, Ende 1954 lässt keinen Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Drohung, Atomwaffen einzusetzen: "Ich möchte absolut klarstellen, dass wir im NATO-Hauptquartier alle unsere Einsatzpläne auf die Verwendung von atomaren und thermonuklearen Waffen zu unserer Verteidigung stützen. Bei uns heißt es nicht: ‚Sie werden vielleicht eingesetzt’, sondern es heißt sehr bestimmt: ‚Sie werden eingesetzt, wenn wir angegriffen werden’".

Seit Mitte der 1950er Jahre gab es auch auf sowjetischer Seite Überlegungen, im Falle eines unmittelbar bevorstehenden Angriffs durch die USA, Atomwaffen präemptiv einzusetzen. Die sowjetische Militärdoktrin ging bis Mitte der sechziger Jahre von der Annahme aus, dass ein Krieg zwischen den Großmächten den Einsatz von Atomwaffen einschließen würde. Wie die USA, ging auch die UdSSR davon aus, in einer solchen kriegerischen Auseinandersetzung die Oberhand zu behalten und zu siegen. In der zweiten Hälfte der sechziger Jahre, angesichts einer gesicherten Zweitschlagskapazität, setzte sich in der UdSSR offenbar die Auffassung durch, dass ein Krieg zwischen den USA und der Sowjetunion nicht in jedem Fall zu einem Nuklearschlag gegen die UdSSR führen müsste. Zielorientierung war nicht mehr die Zerstörung Nordamerikas, sondern die Abschreckung eines Einsatzes der US-amerikanischen strategischen Nuklearwaffen. (Quelle nicht bekannt)

Bearbeitungsstand: Mai 2006

siehe auch: Abschreckung
siehe auch: Gefechtskopf
siehe auch: NATO
siehe auch: Kurzstreckenrakete
siehe auch: Zweitschlagsfähigkeit

Maßweiler

ehem. Atomwaffenstandort Deutschland

Das ehemalige US-Sondermunitionslager Maßweiler (Massweiler Ordnance Depot) (49°16'14“N, 7°32'11“O) lag ca. 9 km nordwestlich der Stadt Pirmasens in Rheinland-Pfalz. Hierbei handelte es sich um einen ehemaligen unterirdischen Westwall-Regimentsgefechtsstand aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges. Es war das einzige unterirdische Sonderwaffenlager auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland.

Bereits Ende 1955 wurde das 12th US-Ordnance Btn (Versorgungsbataillon für Sonderwaffen) nach Maßweiler verlegt und betrieb hier ein Sonderwaffenlager für die US Army Europe.

Zu den eingelagerten atomaren Sprengköpfen gehörten unter anderem Gefechtsköpfe für die Kurzstreckenrakete Honest John, Granaten für die Geschützkaliber 280 mm und 203 mm sowie ADM (Atomminen) vom Typ W7/T4. Das Lager wurde bereits in den 1960er Jahren wieder geräumt. (LL)

Bearbeitungsstand: Januar 2012

siehe auch: Honest John-Rakete
siehe auch: Atomgeschütze
siehe auch: ADM

Matador Marschflugkörper

engl.: Matador Cruise Missile

Martin Matador cruise missile, Warner-Robbins Air Museum, Georgia, Foto: Greg Goebel

Der Matador Marschflugkörper war das erste atomwaffenfähige System dieser Art, das die US-Streitkräfte beginnend ab 1958 in Deutschland stationierten. Der Flugkörper ähnelte einem unbemannten, mit Stahlturbinen ausgerüsteten Flugzeug und konnte sowohl mit einem konventionellen als auch mit einem nuklearen Gefechtskopf eingesetzt werden. Die konventionelle Version war wegen unzureichender Treffgenauigkeit jedoch nicht sinnvoll. Das System war mit einem Kommandolenkverfahren ausgerüstet, das eine Radar-Sichtverbindung voraussetzte, wodurch die Einsatzmöglichkeiten eingeschränkt wurden. Der Flugkörper wurde von einem Transportanhänger mit Unterstützung einer Starthilfsrakete (Booster) gestartet. Der Flugkörper bewegte sich mit einer konstanten Fluggeschwindigkeit. Erst bei Annäherung an das geplante Ziel erfolgte eine Aktivierung der Zündsysteme des Gefechtskopfes. Das Waffensystem war mit dem Nukleargefechtskopf W5 bestückt, der über eine Sprengkraft von 50 KT verfügte.

Im Mai 1954 wurde die erste Matador in Bitburg stationiert, später auch in Sembach und Hahn (Rheinland-Pfalz). Bis einschließlich 1962 waren insgesamt 72 Matador-Flugkörper in ständiger Gefechtsbereichtschaft. Ab 1962 begann die Ausmusterung der Matador, die durch die Pershing 1 Rakete ersetzt wurde.

Technische Daten:

Länge: 12,1 m

Durchmesser: 120 cm

Spannweite: 8,7 m

Gewicht: 5.400 kg

Geschwindigkeit: 0,9 Mach

Gipfelhöhe: 10,6 km

Reichweite: max. 1.000 km

Sprengkopf: konventionell möglich, in der Regel W5 mit 50 KT

(Quelle: Mindling/Bolton: U.S. Air Force Tactical Missiles 1949-1969)

Bearbeitungsstand: November 2010

siehe auch: Gefechtskopf
siehe auch: Marschflugkörper
siehe auch: Treffgenauigkeit

MBFR

engl.: Mutual Balanced Force Reduction

dt.: beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierung

Die MBFR-Gespräche, bei denen es um die Begrenzung konventioneller Streitkräfte in Mitteleuropa ging, wurden am 31. Januar 1973 in der Wiener Hofburg eröffnet und im Februar 1989 ohne nennenswerten Erfolg beendet. Schon bei der Bestandsaufnahme der in Europa vorhandenen Rüstungen ging es jahrelang nicht voran. Und auch über mögliche Reduzierungsmodelle konnte man sich nicht einigen, weil die unterschiedliche Streitkräftestruktur und die stark voneinander abweichenden Streitkräftezahlen einen Kompromiss nicht zuließen.

Erst die Nachfolgekonferenz, die seit dem 9. März 1989 unter Beteiligung von 16 NATO- und sechs Warschauer-Pakt-Staaten unter dem Titel "Verhandlungen über konventionelle Streitkräfte in Europa" (VKSE) ebenfalls in Wien tagte, brachte nach weiteren 20 Monaten Verhandlungen einen Vertrag über konventionelle Abrüstung in Europa zustande, der am 19. November 1990 auf einem KSZE-Sondergipfel in Paris von den Staats- und Regierungschefs unterzeichnet wurde und Obergrenzen für Personal und Ausrüstung der Streitkräfte vom Atlantik bis zum Ural sowie ein komplexes Informations- und Verifizierungssystem vorsah.(Quelle: Informationen zur politischen Bildung, Heft 245: Entspannung und Neue Ostpolitik 1969-1975).

Bearbeitungsstand: September 2007

Siehe auch: NATO
Siehe auch: Warschauer Pakt

McCloy-Sorin-Abkommen

Gemeinsame Erklärung über die Grundsätze der Abrüstungsverhandlungen sog. McCloy-Sorin-Abkommen vom 20. September 1961, einstimmig angenommen von der Vollversammlung der UN am 20.12.1961:

»Die Vereinigten Staaten von Amerika und die UdSSR sind, nach einem regen Meinungsaustausch über die Abrüstung anschließend an die übereinstimmende Erklärung, die sie am 30. März 1961 während der Generalversammlung abgegeben haben, mit Sorge feststellend, dass der andauernde Rüstungswettlauf der Menschheit eine schwere Bürde auferlegt und Gefahren für die Sache des Weltfriedens in sich birgt, noch einmal bekräftigend, dass sie sich an sämtliche Bestimmungen der Resolution 1378 (XIV) der Generalversammlung vom 20 November 1959 halten wollen, versichernd, dass es notwendig ist, um die allgemeine und vollständige Abrüstung in einer friedlichen Welt zu ermöglichen, dass alle Staaten an den bestehenden internationalen Vereinbarungen festhalten, Handlungen die dazu geeignet sind, die internationalen Spannungen zu erhöhen, vermeiden und die Beilegung aller zwischenstaatlichen Streitigkeiten mit friedlichen Mitteln anstreben, überein gekommen, die folgenden Gründsätze als Basis für zukünftige multilaterale Verhandlungen über Abrüstung zu empfehlen und die Staaten aufzurufen, zusammen zu arbeiten, um möglichst bald ein Abkommen über allgemeine und vollständige Abrüstung in einer friedlichen Welt, in Übereinstimmung mit diesen Grundsätzen zu erreichen.

1. Verhandlungsziel ist das Einvernehmen über ein Programm, das sicherstellt,

  • dass die Abrüstung allgemein und vollständig und der Krieg kein Mittel zur Erledigung internationaler Streitigkeiten mehr ist,
  • dass eine solche Abrüstung mit dem Aufbau verlässlicher Verfahren zur friedlichen Streiterledigung und wirksamen Vorkehrungen für die Aufrechterhaltung des Friedens in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der UNO-Charta Hand in Hand geht.

2. Das Programm einer allgemeinen und vollständigen Abrüstung soll sicherstellen, dass den Staaten lediglich solche Nichtnuklearen Rüstungen, Streitkräfte, Einrichtungen und Vorkehrungen zur Verfügung stehen, die im gegenseitigen Einvernehmen zur Aufrechterhaltung der inneren Ordnung und zum Schutz der persönlichen Sicherheit der Bürger erforderlich sind und dass die Staaten geeignete Einsatzkräfte (manpower) für eine UNO-Friedenstruppe unterhalten und zur Verfügung stellen.

3. Zu diesem Zweck soll das Programm einer allgemeinen und vollständigen Abrüstung hinsichtlich der militärischen Ausrüstung der einzelnen Staaten Bestimmungen folgenden Inhalts enthalten:

  • die Auflösung der bewaffneten Streitkräfte, die Auflösung militärischer Einrichtungen einschließlich aller Stützpunkte, die Einstellung der Herstellung von Rüstungsgütern sowie ihre Beseitigung bzw. Konversion für die friedliche Nutzung;
  • die Beseitigung sämtlicher Vorräte an Atom-, chemischen, bakteriologischen oder anderen, zur Massenvernichtung geeigneten Waffen und die Einstellung ihrer Herstellung;
  • die Beseitigung aller zum Abschuss und Transport von Massenvernichtungswaffen geeigneten Systeme,
  • die Auflösung jeglicher für die militärischen Anstrengungen der Staaten bestimmten Organisation bzw. all ihrer Einrichtungen, die Abschaffung der militärischen Ausbildung und die Schließung aller militärischen Ausbildungsstätten;
  • Streichung sämtlicher, für militärische Zwecke bestimmten Haushaltsmittel.

4. Die Durchführung des Abrüstungsprogramms sollte in einvernehmlich festgelegten Stufen und einvernehmlich festgelegter Zeitfolge durchgeführt werden. Der Übergang in eine nächstfolgende Stufe sollte aufgrund einer Prüfung erfolgen, ob die für die vorhergehende Stufe vereinbarten Maßnahmen durchgeführt sind, was ausdrücklich bestätigt werden muss; etwaige zusätzliche Einrichtungen zur Beaufsichtigung von Maßnahmen der nächsten Stufe müssen, soweit erforderlich, arbeitsbereit sein.

5. Alle Maßnahmen zur Herbeiführung der allgemeinen und vollständigen Abrüstung sollten in der Weise gegeneinander ausgewogen werden, dass kein Staat und keine Staatengruppe auf irgendeiner Durchführungsstufe in eine, für ihn militärisch vorteilhafte Lage gelangt und die Sicherheit gleichmäßig für alle Staaten gewährleistet ist.

6. Alle Abrüstungsmaßnahmen sollten von Anfang bis zum Schluss so genau und wirksam beaufsichtigt werden, dass über ihre genaue Einhaltung kein Zweifel obwalten kann. Während und nach der Durchführung der allgemeinen und vollständigen Abrüstung muss eine durchgreifende Beaufsichtigung gesichert sein, deren Art und Maß von den, auf jeder Stufe zu beaufsichtigenden Durchführungsmaßnahmen abhängt. Zu diesem Zweck ist unter Beteiligung aller Vertragsteile eine internationale Abrüstungsbehörde im Rahmen der UNO zu errichten. Dieser Behörde und ihren Aufsichtspersonen sollte, soweit zur Durchführung einer wirkungsvollen Beaufsichtigung erforderlich, freier Zugang zu allen Plätzen ohne jede Einschränkung (without veto) gewährleistet sein.

7. Dem Fortgang der Abrüstung sollten Maßnahmen zur Stärkung der zur Aufrechterhaltung des Friedens und zur Erledigung internationaler Streitigkeiten mit friedlichen Mitteln zuständigen Einrichtungen entsprechen. Während und nach der Durchführung des Programms der allgemeinen und vollständigen Abrüstung sollten in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der UNO-Satzung die zur Aufrechterhaltung des internationalen Friedens und der internationalen Sicherheit erforderlichen Maßnahmen getroffen werden, einschließlich der Pflicht der Staaten, geeignete Einsatzkräfte (manpower) für eine UNO-Friedenstruppe zur Verfügung zu stellen, die gemäß vorheriger Abmachung mit bestimmten Waffenarten auszustatten sind. Abmachungen über den Einsatz dieser Truppe sollten sicherstellen, dass die UNO in der Lage ist, jeder Bedrohung mit oder Anwendung von Waffengewalt, soweit es sich dabei um eine Verletzung der Grundlagen und Zwecke der UNO handelt, wirksam vorzubeugen bzw. ihr wirksam zu begegnen.

8. Die an den Verhandlungen teilnehmenden Staaten sollten danach trachten, möglichst rasch zu einem möglichst weit reichenden Einvernehmen zu gelangen. Hierauf gerichtete Bemühungen sollten ununterbrochen solange fortgeführt werden, bis eine Einigung über das Gesamtprogramm erzielt ist, und Bemühungen um eine baldige Einigung über, sowie die Durchführung von, Abrüstungsmaßnahmen sollten unbeschadet des Fortgangs der Verhandlungen über das Gesamtprogramm und auf solche Weise unternommen werden, dass die zu vereinbarenden Maßnahmen jenes Programm erleichtern und sich in dasselbe einfügen«. (Quelle: www.ne.jp)

Bearbeitungsstand: Juni 2007

Meeresbodenvertrag

Der Meeresbodenvertrag zum Verbot der Stationierung von Nuklearwaffen und anderer Massenvernichtungswaffen auf dem Meeresboden oder dessen Untergrund trat am 18. Mai 1972 in Kraft. Darin werden der Meeresboden und dessen Untergrund vom Wettrüsten ausgeschlossen „als ein Schritt hin zur Abrüstung, zum Abbau internationaler Spannungen und zur Aufrechterhaltung des Weltfriedens“. Der Vertrag verbietet die Stationierung von Nuklear- oder von Massenvernichtungswaffen ebenso wie Errichtung von Abschussvorrichtungen oder Lagerung, Testversuche und Einsatz derartiger Waffen auf dem Meeresgrund oder dessen Untergrund. Innerhalb der Zwölf-Meilen-Zone gilt diese Verpflichtung nicht für die Küstenstaaten.
Der Vertrag beschränkt nicht die militärisch-nukleare Nutzung des Wassers über dem Meeresboden. Mit Nuklearwaffen ausgerüstete U-Boote werden wie andere Schiffe behandelt und sind von vertraglichen Beschränkungen nicht betroffen. (LL) (Quelle: www.admin.ch)

Bearbeitungsstand: September 2007

Mehlingen

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

Die Stellung Mehlingen (49°28'17“N, 7°50'55“O) gehörte zum Einsatzbereich Sembach und lag ca. 6 km nordöstlich vom Stadtzentrum Kaiserslautern entfernt. Sie war ab 1959 die Abschussanlage Nr. 1 für den mobilen Einsatz des Mace-Marschflugkörpers. Insgesamt wurden für die Stellung 12 Flugkörper vom Typ TM-76A bereitgehalten, die über den atomaren Gefechtskopf W-28 mit einer Sprengkraft von 1,1 MT verfügten.

Weitere mobile Stellungen befanden sich in Enkenbach, Grünstadt, Wüschheim, Kirchberg und Hecken, in denen ab 1960 insgesamt 72 Mace-Marschflugkörper verfügbar waren. Jede Stellung verfügte über mindestens zwei Abschussbereiche (complex) mit je vier Abschussplätzen, wodurch mindestens acht Flugkörper individuell für den Abschuss vorbereitet werden konnten.
In Ergänzung zu den mobilen Stellungen gab es zwei stationäre unterirdisch verbunkerte Abschussanlagen in der Eifel bei Rittersdorf („Launch site 7“) und bei Idenheim („Launch site 8“). Diese waren mit jeweils acht Flugkörpern des modifizierten Typs TM-76B bestückt.

Ab Oktober 1966 begann die Rückverlegung der „Mace“ in die USA. Heute befindet sich in der ehemaligen Stellung Mehlingen ein Sport- und Freizeitpark. (LL)

Bearbeitungsstand: Dezember 2010

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: MACE-Marschflugkörper
siehe auch: MT (Megatonne)

Mehrfachvernichtungskapazität

engl.: Overkill

Die Atommächte waren und sind, durch ihre Unmengen von Atomwaffen, in der Lage die Welt mehrfach zu zerstören. Dieses Übermaß an Atomwaffen wird mit dem englischen Begriff »Overkill« (Mehrfachvernichtungskapazität) beschrieben.
Um das Ausmaß der nuklearen Bedrohung zu veranschaulichen, stellte die Theologin Uta Ranke-Heinemann, in einer Rede im Oktober 1981, die Frage, woher man denn die 100 Milliarden Menschen bekommen würde, die durch die Sprengkraft vernichtet werden könnten. Es bestünde ja kein Mangel an Waffen mehr, vielmehr reichen die Menschen, die durch Atomwaffen vernichtet werden könnten, nicht mehr aus. Statistisch gesprochen klaffe die Schere zwischen aktivem und passivem Vernichtungspotential immer weiter auseinander, so Ranke-Heinemann. (LL)

Bearbeitungsstand: August 2005

Weitere Infos zum »Overkill«

Mehrfachwiedereintrittsflugkörper

engl.: Mulitple Reentry Vehicle (MRV)

Bezeichnung für zwei oder mehr mit einem ballistischen Flugkörper eingesetzte Wiedereintrittskörper, die über einen atomaren Gefechtskopf verfügen und in einem »BUS« von einem Flugkörper transportiert werden. Anders als bei MIRV werden die MRV gemeinsam ausgestoßen und folgen einer ballistischen Flugbahn. Dadurch können sie wirksamer auf ein großes Flächenziel verteilt werden. Die USA führten Ende der sechziger Jahre mit dem SLBM Polaris AkDS-3 den ersten einsatzfähigen ballistischen Flugkörper mit MRV ein. (Neuman: Kernwaffen in Europa, Bonn 1982, S. 96)

Bearbeitungsstand: September 2007.

Siehe auch: Ballistischer Flugkörper
Siehe auch: BUS
Siehe auch: MIRV
Siehe auch: SRBM

MEITNER Lise

1878 - 1968

Lise Meitner wurde am 17. November 1878 in Wien geboren. Von 1901-1906 absolvierte sie ein Studium der Physik und Mathematik an der philosophischen Fakultät der k.k. Universität zu Wien. 1906 ist sie grade mal die vierte weibliche Doktorandin an der Wiener Universität. In ganz Deutschland waren bis 1900, in Berlin sogar noch bis 1907, Frauen nicht zum Studium zugelassen.

Von 1907-1912 folgen Studium und wissenschaftliche Mitarbeit am Institut für theoretische Physik der Universität Berlin. Lise Meitner durfte sich nur ausnahmsweise an der Berliner Universität immatrikulieren und später am Institut forschen mit der Auflage, nur in einem Zimmerchen im Untergeschoß zu arbeiten, das sie zudem durch einen separaten Eingang zu betreten hatte! Frauen war es erst nach 1920 möglich, zu habilitieren. 1922 erhielt Lise Meitner die Lehrberechtigung im Alter von 43 Jahren sehr viel später als die meisten männlichen Kollegen. 1926 wurde sie zur Professorin ernannt - eine der ersten in Deutschland. 1933 wurde ihr die Lehrerlaubnis von den Nationalsozialisten wieder entzogen.

Kurz bevor Otto Hahn 1938 die Kernspaltung entdeckte, musste die jüdische Physikerin Lise Meitner aus Berlin fliehen. Das entscheidende, historische Experiment konnte sie so leider nicht mehr mit ihrem Kollegen Hahn zusammen durchführen, aber sie überprüfte und interpretierte die Ergebnisse aus ihrem Exil in Stockholm. Gemeinsam mit ihrem Neffen publizierte sie daraufhin über die Atomspaltung. Während Hahn für die Entdeckung der Kernspaltung 1944 den Nobelpreis erhielt, wurde Meitners wesentlicher Anteil an dieser Arbeit nicht gewürdigt.

Von 1945-1953 forschte und lehrte sie an der Königlich-Technischen Hochschule Stockholm. 1948 erhielt sie die schwedische Staatsbürgerschaft. In späteren Jahren setzte sich Lise Meitner mit der Gleichberechtigung der Frau in der Wissenschaft und in Führungspositionen auseinander. Sie trat auch stark für eine friedliche Nutzung der Kernenergie ein. Im Alter von 82 Jahren zieht sie 1960 nach Cambridge, wo sie am 27.10.1968 fast neunzigjährig stirbt. (Quelle: hausfrauenseite.de)

Bearbeitungsstand: September 2007

Memmingen

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

Cockpit des F-104, Foto: Wikipedia commons

Am Fliegerhorst Memmingen war das Jagdbombergeschwader 34 stationiert. Es wurde am 05. Mai 1959 in Dienst gestellt und flog zunächst die F-84F "Thunderstreak"; ab 1964 die F-104 "Starfighter" und ab 1987 die PA 200 "Tornado". Während der Zeit des Kalten Krieges hatte das Geschwader einen doppelten Einsatzauftrag, konventionell und atomar. Die atomare Abschreckung war Teil der NATO-Konzeption. Der Auftrag war aufwendig. Eine besondere Staffel, die Sicherungsstaffel “S”, war für die Bewachung des atomaren Waffenlagers und der sofort startbereiten, beladenen Alarmflugzeuge in der QRA (Quick Reaction Alert) erforderlich. Eine Staffel der USAF, die 7261st MUNSS, war mit über 100 Soldaten für die Waffen verantwortlich. Für sie gab es eine eigene Kaserne, eigene Wohnsiedlung, eigene Betreuungseinrichtungen und eine eigene Schule. (Quelle: echo34allgaeu.de)

In jedem Jagdbombergeschwader standen jeweils zwei Alarmrotten mit Atombomben startklar. Diese Maschinen waren betankt und bewaffnet in einem besonders gesicherten Bereich des Flugplatzes am Rande der Startbahn positioniert. Der Sicherheitsbereich war durch eine weiße Linie markiert und wurde durch US-amerikanische Soldaten; die auf jeden Unbefugten, der die Linie überschritt, sofort zu schießen hatten, bewacht. US-Offiziere hatten die Schlüsselgewalt und verfügten über die Codes zur Schärfung der Bomben. Die deutschen Piloten befanden sich in unmittelbarer Nähe ihrer Flugzeuge. Bei Alarmierung mussten sie innerhalb von fünf Minuten mit ihren Maschinen in der Luft sein. In versiegelten Umschlägen befanden sich die anzufliegenden Zielkoordinaten.

Der Standort Memmingen verfügte zu unterschiedlichen Zeiten über insgesamt  drei räumlich getrennte Atomwaffenlagerorte. Bis Ende 1989 wurde auf jenen Haupteinsatzflugplätzen, die in das NATO System der Sofort-Reaktion, des Quick Reaction Alert (QRA), eingebunden waren, so auch in Memmingen, eine kleine Anzahl von Atomwaffen in einem verbunkerten Sondermunitionslager (47°58'43“N, 10°14'11“O) auf dem Gelände des Flugplatzes selbst bereitgehalten. Die große Mehrzahl der Atombomben für den Fliegerhorst wurde in einem abseits davon gelegenen, getrennten Atomwaffenlager (47°58'15“N, 10°13'41“O) aufbewahrt.  Der Transport der Atomwaffen zu den Flugzeugen erforderte "Konvois mit starken Sicherungskräften, die durch öffentlich zugängliche Gebiete fahren mussten". Schon das Vorhandensein der Konvois zog Aufmerksamkeit auf sich und war für Sabotageakte anfällig.

1990 wurden im Rahmen eines NATO-Bauprogrammes moderne Atomwaffenlager unter anderem auf drei deutschen Flugplätzen (Büchel, Memmingen und Nörvenich) in Betrieb genommen. Dieses System ermöglichte die Lagerung der Atomwaffen in den Flugzeugschutzbauten unmittelbar unter den Flugzeugen. Am Fliegerhorst  Memmingen  befand sich das neue Lager (47°58'35“N, 10°13'45“O) unmittelbar am südwestlichen Ende der Rollbahn.  Mit der Umrüstung wurden die zu den betreffenden Flugplätzen gehörigen "Sonderwaffenlager", d.h. spezielle Munitionsbunker für Atomwaffen, außer Betrieb genommen. (Otfried Nassauer: Amerikanische Nuklearwaffen in Europa 1996-97)

Die atomare Bewaffnung der F-84F Thunderstreak bestand aus einer freifallenden Fliegerbombe mit einer Sprenkkraft von 8 Kilotonnen.

Der Starfighter F-104G war anfangs mit einer Mk.28 Atombombe ausgerüstet.. Es handelte sich dabei um die erste amerikanische Waffe dieser Art. Nach einem Baukastenprinzip konnte diese Waffe in 5 verschiedenen Abwurfvarianten zusammengesetzt werden, um verschiedenen Trägersystemen gerecht zu werden. Bei der Version für die F-104G handelte es sich um die Version Mk.28 FUFO, die den gebremsten Abwurf von schnellen Jet's im Tiefflug erlaubte und weiter über eine Sprengkraft von 1100 Kilotonnen (KT) verfügte. Die Abwurfhöhe lag zwischen 91 und 183 Metern.

Diese Version wurde ab 1968 von der Mk.43 Atombombe des Tactical Air Command abgelöst. Die Waffe verfügte über ein Gewicht von knapp 1000 kg und einer unveränderlichen Sprengwirkung von 1 Megatonne (MT). Sie war als Außenlast speziell für den Abwurf von schnell und tieffliegenden Jagdbombern entwickelt worden.

Die Ausbildung in den einzelnen Abwurfverfahren erfolgte mit der Übungsbombe MK-106, die von den Abwurfbehältern / Übungsbombenträgern getragen wurden. Diese amerikanische Übungsbombe wurde etwa ab 1975 von der DM18 aus deutscher Produktion abgelöst. Erst wenn der Pilot sich in allen Verfahren qualifiziert hatte, erhielt er die Möglichkeit die Profilübungsbombe BDU-8/B/BDU-12B (Bomb Dummy Unit) bei einem Übungseinsatz auf dem NATO-Schießplatz Decimomannu (Deci) abzuwerfen.

Ständige Weiterentwicklungen und Erprobungen fügte als Ergänzung ab 1968 die Mk.57 Atombombe mit einer vergleichsweise minimalen Sprengkraft von 5-20 KT dem A-Waffenarsenal der deutschen "F-104" hinzu.

Ab dem Jahr 1975 wurde die Version Mk.43 von der Mk/B 61 Abwurfwaffe abgelöst. Dies war eine optimierte und fortschrittlichere Bombe für den Abwurf von schnell und unter 90 Metern fliegenden Kampfflugzeugen, zu denen die F-104G gehörte, und als Mehrzweckwaffe für taktische und strategische Einsätze gedacht.

Der Einsatz der mit A-Waffen beladenen Starfighter war nur möglich, wenn die Bomben zuvor vom amerikanischen Personal geschärft worden waren. Das geschah erst unmittelbar vor dem befohlenen Einsatz. War der Kode an der Bombe von den Amerikanern nicht korrekt eingestellt, konnte diese nicht zum Einsatz gebracht werden.(Rolf Ferch: www.rolfferch.de/F104G/html/strikebeladeschema.html)

Ab 1968 wurde bei den Jagdbombergeschwadern die Wasserstoffbombe vom Typ B-61 für den Einsatz bereitgehalten. Dabei handelte es sich um eine frei fallende Fliegerbombe, von der fünf verschiedenen Modelle existierten (B-61-3, -4, -7, -10 und -11). Die B-61-11 ist auch als nuklearer "Bunker Buster" bekannt. Alle Modelle besaßen eine variable Sprengkraft: Modell 3 bis zu 45 Kilotonnen, Modell 4 bis zu 170 Kilotonnen, bis hin zu maximal 340 Kilotonnen, was mehr als der 26-fachen Zerstörungskraft der Hiroshima-Bombe  entspricht. (LL)

Bearbeitungsstand: Juni 2011

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: B-61-Bombe
siehe auch: Büchel
siehe auch: KT (Kilotonne)
siehe auch: NATO
siehe auch: Sondermunitionslager
siehe auch: Starfighter-F104

Menden

ehem. Atomwaffenstandort Deutschland

Die britische Armee hatte, so weit bekannt, zwischen 1960 und 1986 mehrere auf deutschem Boden stationierte Artillerieverbände mit atomarer Munition ausgestattet. Die Munition wurde von den US-Streitkräften bereitgestellt und stand auch unter deren Kontrolle. Die britischen Einheiten waren an den Standorten Hohne, Lippstadt, Menden, Paderborn und Sennelager stationiert.

Das Sondermunitionslager Menden (51°25'48”N, 7°56'08”O) lag ca. 10 km östlich der gleichnamigen Stadt Menden im Sauerland. Die britischen Verbände wurden vor Ort unterstützt durch das 69. (US)Field Artillery Detachment. Im Depot befanden sich:

von 1960-1976 Honest John Gefechtsköpfe vom Typ W-31 mit folgender Sprengkraft:

Version Mod.0 Y1: 2.000 t
Version Mod.0 Y2: 40.000 t
Version Mod.3 Y3: 20.000 t

von 1977-1992 Lance Gefechtsköpfe vom Typ W-70 mit folgender Sprengkraft:

Version Mod.0: 1.000 t
Version Mod.1: 10.000 t
Version Mod.2: 100.000 t
Version Mod.3: 750 t
Version Mod.4: 1.250 t

von 1960-1971 Gefechtsköpfe vom Typ W-33 für die Haubitze 203 mm mit folgender Sprengkraft:

Version Mod.0 Y1: 500 t
Version Mod.1 Y2: 40.000 t
Version Mod.1 Y3: 10.000 t
Version Mod.1 Y4: 5.000 t

und vermutlich Gefechtsköpfe vom Typ W-29 für die Haubitze 203 mm mit folgender Sprengkraft:

Version Mod.0 Y1: 100 t
Version Mod.0 Y2: 700 t
Version Mod.0 Y3: 1.100 t
Version Mod.1: 800 t

Über die Anzahl der eingelagerten Gefechtsköpfe gibt es keine konkreten Angaben. (LL)

Bearbeitungsstand: Juli 2011

Mengen

ehem. Atomwaffenstandort Deutschland

Im Rahmen der großräumigen Luftverteidigung Europas während des Kalten Krieges waren auch die französischen Streitkräfte an dem quer durch Deutschland verlaufenden Nike-Herkules Flugabwehrgürtel mit insgesamt sechs in Süddeutschland gelegenen Feuerstellungen beteiligt. Dabei handelte es sich um die Standorte Böttingen, Friedrichshafen, Mengen, Münsingen, Stetten und Inneringen.

Die ehemalige Nike Stellung (Launching Area) Mengen (48°02'56“N, 09°21'55“O) lag auf einem Flugplatz unmittelbar östlich der Stadt Mengen in Baden-Württemberg. Die dort stationierte 3./521 war in drei getrennten Bereichen untergliedert: der Unterkunft, dem Feuerleitbereich in günstiger topografischer Lage mit bis zu 5 Radargeräten für Überwachung, Zielerfassung, Zielverfolgung und Flugkörperverfolgung und dem Abschussbereich mit jeweils 3 Abschussflächen und dazugehörigen Bunkern. In diesem Bereich befanden sich auch die Atomsprengköpfe.

In der Stellung Mengen waren von 1965 bis 1966 atomare Flugabwehrraketen vom Typ Nike stationiert. An Atomsprengköpfen waren zwei Versionen verfügbar. Die kleinere mit der Bezeichnung B-XS hatte eine Sprengkraft von 2 Kilotonnen. Die größere B-XL besaß 40 kT Sprengkraft. Maximal waren je Stellung zehn Nuklear-Sprengköpfe vorhanden, acht mit der Stärke XS mit 2 Kilotonnen und zwei XL mit 40/20 Kilotonnen Sprengkraft. Für den Einsatz der Gefechtsköpfe gab es genau festgelegte Prioritäten. Beim Anflug eines einzelnen feindlichen Zielobjektes wurde ein kleiner atomarer Gefechtskopf (B-XS) eingesetzt. Beim Anflug mehrerer feindlicher Zielobjekte wurde soweit verfügbar ein großer atomarer Gefechtskopf (B-XL) eingesetzt. Die ebenfalls vorhandenen konventionellen Gefechtsköpfe dienten lediglich als Munitionsreserve. (Quellen: Jürgen Dreifke, Michael Juhls)

Mit dem Austritt Frankreichs aus der integrierten Befehlsstruktur der NATO am 1. Juli 1966 wurde die Stellung von den französischen Truppen geräumt. (LL)

Bearbeitungsstand: Februar 2012

siehe auch: Nike Herkules
siehe auch: KT-Wert

Meyn

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

Das Sondermunitionslager Meyen (54°44’37“N, 09°14’30“O) lag ca. 13 km west südwestlich von der Stadt Flensburg in Schleswig-Holstein. In diesem Lager waren die atomaren Sprengköpfe für das seit April 1973 in Flensburg-Weiche stationierte Raketenartilleriebataillon 650 gelagert. Dabei handelte es sich zunächst ab 1965 um Sprengköpfe für die Kurzstreckenrakete »Sergeant« und ab 1977 um Sprengköpfe für die Kurzstreckenrakete »Lance«.

Die Sergeant war mit dem Nukleargefechtskopf W52 ausgerüstet, der über eine Sprengleistung von 200 KT verfügte.

Die Lance war mit dem Nukleargefechtskopf W70 ausgerüstet, der über eine variable Sprengleistung von 1-100 KT verfügte.

Das Lager wurde vermutlich im Jahr 1991 geräumt. (LL)

Bearbeitungsstand: Oktober 2009

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: KT (Kilotonne)
siehe auch: Lance-Rakete
siehe auch: Sergeant-Rakete
siehe auch: Sondermunitionslager

Middle Powers Initiative

Logo der MPI

Die Middle Powers Initiative (MPI) wurde im März 1998 von einem Netzwerk internationaler Nichtregierungsorganisationen* gegründet und wählte den ehemaligen Diplomaten und Senator Douglas Roche aus Kanada zu ihrem Vorsitzenden. Sie versteht sich als eine weltweite Kampagne, die die führenden Politiker der Atomwaffenstaaten dazu drängen will, aus den Denkmustern des Kalten Krieges auszubrechen und den existenziellen Gefahren der atomaren Selbstvernichtung auf neue Art zu begegnen. Angestrebt werden beispielsweise ein Verzicht auf den Ersteinsatz, die Aufhebung der Alarmbereitschaft sämtlicher Nuklearstreitkräfte und Verhandlungen zur vollständigen Abschaffung der Atomwaffen.

Die Geschäftsstelle befindet sich beim Global Security Institute in New York. Aber aktiv sind die Mitstreiter in der ganzen Welt. Sie helfen bei der Mobilisierung einflussreicher Mittelmacht-Staaten, um deren politischen Willen für die Schaffung einer atomwaffenfreien Welt zu fördern. Zur Aufklärungskampagne gehören Seminare, Publikationen und Beratungen mit Regierungen, Parlamentariern wie auch Bürgerorganisationen.

Als Bündnispartner auf staatlicher Seite haben sie die aus sieben Ländern bestehende "New Agenda Coalition" gewonnen. Ägypten, Brasilien, Irland, Neuseeland, Mexiko, Slowenien, Südafrika und Schweden üben in internationalen Foren gebündelten politischen Druck auf die Atomwaffenmächte aus, damit diese ihrer völkerrechtlichen Verpflichtung zur nuklearen Abrüstung endlich nachkommen. Im Artikel VI des seit 1970 geltenden Atomwaffensperrvertrages haben sich diese nämlich zu Verhandlungen über die nukleare wie auch die allgemeine und vollständige Abrüstung verpflichtet.

Einen Erfolg erlangte die "New Agenda Coalition" und die sie unterstützende "Middle Powers Initiative" durch intensive Lobbyarbeit auf der Überprüfungskonferenz im Jahre 2000. In einer dramatischen Schlussdebatte einigten sich die Teilnehmer damals auf ein Aktionsprogramm von 13 konkreten Schritte der atomaren Abrüstung. Die Zusicherung der Nuklearmächte, ihre Arsenale vollständig abzurüsten, ohne dies wie bis dahin lediglich als "Fernziel" zu bezeichnen, war ein bemerkenswerter diplomatischer Sieg.

Im Jahr 2005 scheiterte die Konferenz zur Überprüfung des Atomwaffensperrvertrags. Um ein erneutes Scheitern in 2010 zu verhindern und die nukleare Abrüstung endlich in Gang zu bringen, iniierte die "Middle Powers Initiative" 2005 das sogenannte Artikel-VI-Forum. Die Aktivisten wollen gleich gesinnte Länder zusammenbringen, um gemeinsam juristische, technische und politische Elemente für eine atomwaffenfreie Welt zu erarbeiten. Bisher traf sich das Forum in New York (2005), Den Haag (2006), Ottawa (2006), Wien (2007), Dublin (2008) und Berlin (2009). Das letzte Strategietreffen fand im Carter Center in Atlanta im Januar 2010 statt. 2009 übernahm der schwedische Botschafter Henrik Salander den Vorsitz der MPI. (Quelle: Wolfgang Kötter)

*Die "Middle Powers Initiative" wird von acht Nichtregierungsorganisationen gesponsert: Albert Schweitzer Institute; Global Security Institute (GSI); International Association of Lawyers Against Nuclear Arms (IALANA); International Network of Engineers and Scientists (INES); International Peace Bureau (IPB); International Physicians for the Prevention of Nuclear War (IPPNW); Nuclear Age Peace Foundation; Women's International League for Peace and Freedom (WILPF).

Webseite der MPI (in englischer Sprache)

Im Wortlaut: Die 13 Schritte (Abschlussdokument der NVV-Überprüfungskonferenz 2000)

Bearbeitungsstand: März 2010

siehe auch: Atomwaffensperrvertrag
siehe auch: Ersteinsatz
siehe auch: Launch-on-Warning
siehe auch: New Agenda Coalition (NAC)
siehe auch: Nuklearwaffenkonvention

Mininuke

Eine Mininuke (Atomwaffen mit geringer Sprengkraft) ist eine Atomwaffe mit einer Sprengkraft unter fünf Kilotonnen (eine Kilotonne entspricht der Explosivkraft von 1000 Tonnen TNT). Es gibt im US-Arsenal bereits fünf verschiedene Modifikationen der B-61-Bomben, die als Mininukes einsetzbar sind.

Diese Bomben können mit einer auswählbaren Sprengkraft von 0,3 bis zu 340 Kilotonnen (Typ B-61-11) konfiguriert werden. (Quelle IPPNW-Aktuell 10/03 (XH))

Die Bomben vom Typ B-61 wurden zwar schon in den sechziger und siebziger Jahren entwickelt, verfügen aber über relativ moderne Sicherungs- und Freigabesysteme (Permissive Action Links der Kategorie F), da sie immer wieder modernisiert wurden. Die elektronischen Sicherheitsvorrichtungen wurden zuletzt 2002 aktualisiert. Die Sprengkraft der Waffen ist unterschiedlich variabel, von 0,3 Kilotonnen bis zu 45 Kilotonnen (Modell B-61-4) oder bis zu 170 Kilotonnen (Modell B-61-3). Letzteres entspricht mehr als der 13-fachen Zerstörungskraft der Hiroshima-Bombe. (Quelle: http://www.bits.de)

Bearbeitungsstand: August 2007

Siehe auch: KT
Siehe auch: PAL
Siehe auch: Sprengkraft

Minuteman

US-amerikanische Interkontinentalrakete (ICBM), die in der modernsten Version (Minuteman III) über drei einzeln lenkbare Atomsprengköpfe von 170 oder 370 Kilotonnen Vernichtungsenergie verfügt. Bei Ausfall der Startkontrollzentren am Boden, können die Raketen auch von einem Kontrollzentrum aus der Luft gestartet werden. Die Zielgenauigkeit (CEP) der Sprengköpfe liegt bei einer Reichweite von mindestens 13.000 km über das Satellitennavigationssystem Navstar bei weniger als 30 Meter. (LL)

Bearbeitungsstand: März 2007

Siehe auch: CEP
Siehe auch: Interkontinentalrakete
Siehe auch: KT

MIRV

engl.: Multiple Independently targetable Re-entry Vehicle

MIRV ist die Bezeichnung für nukleare Mehrfachsprengköpfe für Interkontinentalraketen. MIRVs ermöglichen es, mit einer einzigen Trägerrakete mehrere Ziele gleichzeitig anzugreifen und gleichzeitig Abwehrmaßnahmen gegen den Angriff zu erschweren. (Quelle: militaer.wisotoday.de, Seite nicht mehr online)

Das System der mehrfach unabhängig zielprogrammierbaren Wiedereintrittskörper (MIRV) wurde von den USA in den späten sechziger Jahren entwickelt und später auch von der Sowjetunion eingeführt. In einem mit MIRV ausgestattetem System werden die einzelnen Wiedereintrittskörper (RV = re-entry vehicle) gewöhnlich in einem Muttergefechtskopf befördert, der die RVs einzeln »aussteigen« lässt nach vorprogrammierten Wechseln der Geschwindigkeit und der Richtung, so dass die RVs auf Bahnen gebracht werden, auf denen sie ihre jeweiligen Einzelziele erreichen können. (Quelle: Die UNO-Studie »Kernwaffen«, München 1982, S. 24)

Das stärkste von den USA entwickelte MIRV-System war die LG 118A (Peacekeeper), die bis zu zehn Sprengköpfe mit je einer Sprengkraft von bis zu 300 KT TNT-Äquivalent tragen konnte. Auf russischer Seite war es die SS-18 (Natobezeichnung: Satan) mit bis zu zehn Sprengköpfen mit jeweils 550KT, aber mit einer geringeren Zielgenauigkeit als die Peacekeeper. Die SS-18 konnte eine Fläche von 60.000 km2 verwüsten. (Quelle: militaer.wisotoday.de, Seite nicht mehr online)

Bearbeitungsstand: September 2007

Siehe auch: KT
Siehe auch: Interkontinentalrakete
Siehe auch: Peacekeeper-Rakete
Siehe auch: Wiedereintrittskörper

Mischoxid

Ein Mischoxid (kurz MOX) ist ein Stoff, der sich aus mehreren Oxidenen zusammensetzt. Ein Beispiel aus der Kerntechnik sind die MOX-Brennelemente, die aus Urandioxid UO2 und Plutoniumdioxid PuO2 besteht. Sie werden heute in verschiedenen Ländern (vor allem Frankreich und Deutschland, aber auch Schweiz, Belgien) in Kernreaktoren eingesetzt, um das bei der Wiederaufarbeitung abgetrennte Plutonium zu verwerten und dabei gleichzeitig für Kernwaffen weitgehend unbrauchbar zu machen.

Auch wenn häufig der Begriff Mischoxid mit dem Uran-Plutonium-Gemisch gleichgesetzt wird, gibt es noch viele weitere Mischoxide. (Quelle: mox.lexikona.de/art/MOX.html, Seite nicht mehr vorhanden)

Bearbeitungsstand: April 2007

siehe auch: MOX-Anlage
siehe auch: Plutonium

Missile gap

dt.: Raketenlücke

Am 04.10.1957 startete die Sowjetunion den Sputnik-1. Dies löste in der westlichen Welt einen „Sputnik-Schock“ aus. In der Folge sprach man im Westen von einer Raketenlücke, die USA hätten zu wenige Interkontinentalraketen. Dazu gab es Geheimdienstberichte, Zeitungsartikel und Senatsdebatten. Das alles hielt eine Atmosphäre der Hysterie aufrecht, die sogar zu Kapitulationsdebatten im US-Senat führte und in Hamsterkäufen zur Zeit der Kubakrise gipfelte.
Es war John F. Kennedy, der während der Präsidentschaftswahlen die "Raketenlücke" (missile gap) beschwor. Allein in der Wahlkampfbroschüre des Präsidentschaftskandidaten stand zweimal das Wort Raketenlücke (missile gap).

Die Raketenlücke stand keinesfalls mit den Realitäten im Einklang. Über die Wirklichkeit hätte John F. Kennedy sehr wohl unterrichtet sein können. Im Sommer 1957 lagen die ersten Fotos von Startrampen für Interkontinentalraketen vor. Zuerst Spionageflüge mit der U-2, dann Spionagesatelliten lieferten die Information über die strategischen Kapazitäten der UdSSR. Gerade einmal 25 Startrampen gab es im Juni 1964! Der Verrat von militärischen Geheimnissen durch Oleg Penkowskij lieferte weitere Daten. Als Verteidigungsminister McNamara am 07.02.1961 die Katze aus dem Sack ließ wurde klar, dass die Unwahrheit gesagt worden war.

Es hat also nie eine Raketenlücke seitens der USA gegeben. Die Raketenlücke erwies sich als ein Beispiel von Meinungsmanipulation mit weit reichenden Folgen - vor allem eines erheblichen Wettrüstungsschubes. (Quelle: www.peterhall.de)

Bearbeitungsstand: Mai 2007

Siehe auch: Interkontinentalrakete

Mittelstreckenmarschflugkörper

engl.: Medium Range Cruise Missile (MRCM)

Die US-amerikanischen Tomahawk Marschflugkörper werden in Verbindung mit dem NATO-Doppelbeschluss von 1979 den Mittelstreckenraketen zugeordnet.

Im Gegensatz zu den Mittelstreckenraketen verfügen sie aber über keinen Raketenantrieb und fliegen auch nicht auf ballistischen Bahnen. Die Tomahawk Marschflugkörper haben jedoch vergleichbare Reaktionszeiten, eine entsprechende Treffgenauigkeit sowie vergleichbare Angriffsreichweiten. In den 1980er Jahren waren diese Waffensysteme vorübergehend auch in der Bundesrepublik Deutschland stationiert.

Mittelstreckenmarschflugkörper werden auch von anderen Staaten entwickelt und einsatzbereit gehalten. So gab Pakistan im Dezember 2007 den erfolgreichen Test einer »medium-range Cruise Missile« bekannt. Die neue Version der »Babur Missile« verfügt über eine Reichweite von ca. 700 km und kann mit einem Nuklearsprengkopf bestückt werden. Damit kann Pakistan strategische Ziele bis tief im Inneren Indiens erreichen. (LL)

Bearbeitungsstand: September 2008

siehe auch: Mittelstreckenrakete
siehe auch: NATO-Doppelbeschluss

Mittelstreckenrakete

engl.: Medium Range Ballistic Missile (MRBM)

Hierbei handelt es sich um eine ballistische Rakete von mittlerer Reichweite, die in der Lage ist, ABC-Gefechtsköpfe auf eine Entfernung zwischen 1000 und 2700 km ins Ziel zu tragen. Ihre Startvorrichtungen können stationär (Silo) oder beweglich (Fahrzeug, Schiff, Flugzeug) sein. (LL)

Bearbeitungsstand: Februar 2005

Montabaur

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

Das Sondermunitionslager Montabaur befand sich ca. 5 km südwestlich von der Stadt Montabauer in Rheinland Pfalz (50°24’55“N, 07°46’12“O ). In diesem Lager waren ausschließlich die atomaren Sprengköpfe für das in Montabaur stationierte Raketenartilleriebataillon 350 gelagert. Dabei handelte es sich zunächst ab 1965 um Sprengköpfe für die Kurzstreckenrakete »Sergeant« und ab 1977 um Sprengköpfe für die Kurzstreckenrakete »Lance«.

Die Sergeant war mit dem Nukleargefechtskopf W52 ausgerüstet, der über eine Sprengleistung von 200 KT verfügte.

Die Lance war mit dem Nukleargefechtskopf W70 ausgerüstet, der über eine variable Sprengleistung von 1-100 KT verfügte.

Das Lager wurde vermutlich im Jahr 1991 geräumt. (LL)

Bearbeitungsstand: Oktober 2009

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: KT (Kilotonne)
siehe auch: Lance-Rakete
siehe auch: Sergeant-Rakete
siehe auch: Sondermunitionslager

Monte Bello

Die Montebello-Inseln liegen etwa 80 km nordwestlich vor der australischen Küste. Hier führte Großbritannien im Jahr 1952 insgesamt 3 Atomtests durch. Die erste britische Atombombe vom Typ »Hurricane« explodierte am 10. März 1952. Weitere Tests folgten im Mai und Juni mit größeren Bomben (ca. 60 KT). Nach den Tests stieg die Belastung mit radioaktivem Jod durch den Fallout an einem Messpunkt in über 3200 km Entfernung auf mehr als das Vierhundertfache.(Quelle: www.maraba.de)

Bearbeitungsstand: Oktober 2008

siehe auch: Fallout
siehe auch: KT (Kilotonne)

Montebello-Beschluss

engl.: Montebello Decision on reductions of Nuclear Forces

Im Oktober 1983 fand eine Ministersitzung der Nuklearen Planungsgruppe (NPG) der NATO in Montebello statt. Der während der Tagung gefasste Beschluss (Montebello-Beschluss) sah eine weitere drastische Reduzierung der nuklearen Gefechtsköpfe der NATO in Europa vor, und zwar um 1400 Gefechtsköpfe spätestens bis Ende 1989. Die in Europa gelagerten Atomminen (ADM) und das atomare Luftverteidigungssystem Nike wurden in Folge des Beschlusses vollständig abgezogen. Zusammen mit den 1000 nuklearen Gefechtsköpfen, die bereits 1980 aus Europa abgezogen worden waren, verringerte sich das Nuklearpotential der NATO in Europa um ca. 30 % und erreichte damit den niedrigsten Stand seit den 1960er Jahren.

Im Kommunique der NATO-Ratstagung vom 27./28.10.83 heißt es aber auch: »Damit dieser auf ein Mindestmaß zurückgeführte Bestand [an Nuklearwaffen] den bestmöglichen Beitrag zur Abschreckung leisten kann, müssen sowohl die Trägersysteme als auch die Gefechtsköpfe überlebensfähig, reaktionsfähig und wirksam sein. In dieser Erkenntnis haben die Minister sich über eine Reihe von möglichen Verbesserungen verständigt«. (Bulletin, 3. November 1983, Nr. 115, S. 1047).

In Montebello wurde also nicht nur der Abzug von 1400 veralteten Atomsprengköpfen festgelegt, sondern auch die weit reichende Modernisierung des verbleibenden Bestandes beschlossen. (LL)

Bearbeitungsbestand: März 2009

Moorriem

ehem. Atomwaffenstandort Deutschland

Die Nike-Feuerstellung (Launching Area) Moorriem (53°12’32“N, 08°22’00“O) der 1. Batterie des FlaRakBtl 24 lag ca. 12 km nordöstlich der Stadt Oldenburg in  Niedersachsen. Die dort ab April 1964 stationierte Batterie war zuvor vom Fliegerhorst Oldenburg nach Moorriem verlegt worden. Die Stellung bestand aus drei getrennten Bereichen: der Unterkunft, dem Feuerleitbereich in günstiger topografischer Lage mit bis zu 5 Radargeräten für Überwachung, Zielerfassung, Zielverfolgung und Flugkörperverfolgung und dem Abschussbereich mit jeweils 3 Abschussflächen und dazugehörigen Bunkern. In diesem Bereich befanden sich auch die Atomsprengköpfe. Während die Raketen in Montagebunkern oder auf durch Erdwälle geschützten  Abschussschienen bereit gehalten wurden, lagen die Radaranlagen in exponierter Stellung und konnten nur mit Sandsäcken oder Konturen verwischender Tarnung ungenügend geschützt werden. Zum Eigenschutz vor allem gegen angreifende Tiefflieger, wurden die Stellungen später zusätzlich mit 20mm Zwillingsgeschützen ausgestattet.

In der Stellung Mooriem waren von 1964 bis 1988 atomare Flugabwehrraketen vom Typ Nike stationiert. An Atomsprengköpfen waren zwei Versionen verfügbar. Die kleinere mit der Bezeichnung B-XS hatte eine Sprengkraft von 2 Kilotonnen. Die größere B-XL besaß ursprünglich 40 KT Sprengkraft. Letztere wurden in den 1970er Jahren gegen Sprengköpfe zu 20 KT ausgetauscht.

Maximal waren je Stellung zehn Nuklearsprengköpfe vorhanden, acht mit der Stärke XS mit 2 KT und zwei XL mit 40/20 KT Sprengkraft. (Quelle: Jürgen Dreifke)

Ein Zeitzeuge erinnert sich: „Die vier Batterien des FlaRakBtls 24 [mit den Feuerstellungen Moorriem, Schönemoor, Westerscheps und Ristedt] befanden sich in unterschiedlichen Bereitschaftsstufen mit einer Reaktionszeit von maximal 30 Minuten, maximal 3 Stunden, maximal 12 Stunden und mehr als 12 Stunden. Innerhalb einer Batterie hatten mindestens zwei Abschussplätze den selben Bereitschaftsgrad. Konnte eine der Batterien aus technischen Gründen den Bereitschaftsgrad nicht einhalten, dann rückten die anderen Batterien eine Einsatzstufe nach oben. Abhängig vom Bereitschaftsgrad war die Stellung im Schichtbetrieb ständig besetzt und einsatzbereit. Dazu gab es in der Batterie drei Kampfbesatzungen für den Feuerleit- und Abschussbereich, die sich in einem System von 48-Std-Schichten während der Woche und 72-Std-Schichten am Wochenende abwechselten.

Für den Einsatz der Gefechtsköpfe gab es genau festgelegte Prioritäten. Beim Anflug eines einzelnen feindlichen Zielobjektes wurde ein kleiner atomarer Gefechtskopf (B-XS) eingesetzt. Beim Anflug mehrerer feindlicher Zielobjekte wurde ein großer atomarer Gefechtskopf (B-XL) eingesetzt. Die ebenfalls vorhandenen konventionellen Gefechtsköpfe dienten lediglich als Munitionsreserve.

Soweit mir bekannt, befanden sich in allen Nike-Stellungen der Bundesluftwaffe atomare Gefechtsköpfe.“ (Michael Juhls)

Bearbeitungsstand: Januar 2010

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: KT (Kilotonne)siehe auch: Nike Hercules

Moratorium

engl.: moratorium

Moratorium (lat. mora, der „Verzug“) bezeichnet allgemein die Übereinkunft, eine bestimmte Sache aufzuschieben oder vorläufig zu unterlassen. Im Zusammenhang mit Nuklearwaffen versteht man unter einem Moratorium die vorübergehende oder unbefristete Aussetzung von atomaren Testversuchen. Bereits 1985 erklärte die damalige Sowjetunion ein einseitiges sechsmonatiges Atomtest-Moratorium, setzten ihre Tests später aber fort.

Ein erster Versuch die Testserien zu stoppen erfolgte im Jahre 1966. Allerdings ist diese Moratorium von den Franzosen (Moruroa 1966–1974 und wieder  1986-1995) nicht eingehalten worden. Aber auch die Amerikaner und die Russen führten während des Moratoriums weitere unterirdische Tests durch, mit der Begründung, diese Tests seien von dem Verbot nicht betroffen.

Seit 1992 halten die USA ein entsprechendes Atomtest-Moratorium ein. Die Sowjetunion bzw. Russland testete zuletzt 1990, Großbritannien 1991. Der bislang nicht in Kraft getretene Atomteststoppvertrag von 1996 führte zu einem allgemein anerkannten Atomtest-Moratorium. Allerdings verstießen nach Indien und Pakistan 1998 auch Nordkorea 2006 und 2009 gegen dieses weltweite Moratorium. Eine Ratifizierung des Atomteststoppvertrages ist wegen dieser Ereignisse bis auf weiteres nicht in Sicht. (LL)

Bearbeitungsstand: November 2009

siehe auch Atomteststopp

MORRISON Philip

1915 - 2005

Philip Morrison wurde am 7. November 1915 in Somerville im US-Bundesstaat New Jersey geboren. Wegen einer Erkrankung an Kinderlähmung benötigte er zeitlebens einen Stock als Stütze. Er studierte Physik und promovierte 1940 bei Robert Oppenheimer. Mit Beginn des 2. Weltkrieges wurde er zur Mitarbeit am Manhattan-Projekt verpflichtet. Er war der Mann für die heikelsten Experimente beim Atombombenbau in Los Alamos. Beim ersten Test in der Wüste von New Mexico transportierte er eigenhändig den Plutoniumkern zum Versuchsgebiet. Und Hand legte er auch an die Bombe »Fat Man«, die wenige Wochen später über Nagasaki explodierte. Die atomare Wüstenei, die der US-Physiker kurz darauf vor Ort begutachten musste, verschaffte ihm den »Schock meines Lebens«. Wie so viele seiner Kollegen wurde auch Morrison, der als Student an der Universität in Berkeley nicht zuletzt wegen seines Flirts mit der kommunistischen Partei als Unruhestifter bekannt war, fortan zum heftigen Kritiker atomarer Rüstung und widmete sich nur noch der Forschung und Lehre. Philip Morrison starb am 22. April 2005 in Cambridge, Massachusetts im Alter von 89 Jahren. (Quelle: Der Spiegel, 18/2005 vom 2.5.2005, S. 186)

Bearbeitungsstand: September 2008

Weitere Informationen zur Entwicklung der Atombombe

siehe auch: Fat Man
siehe auch: Los Alamos
siehe auch: Manhattan-Projekt
siehe auch: Nagasaki
siehe auch: OPPENHEIMER J. Robert

Moruroa-Atoll

Moruroa-Atoll

Das Atoll wurde als Testgelände für die französischen Kernwaffenversuche bekannt. Frankreich, das seit dem 13. Februar 1960 Atommacht ist, zündete am 2. Juli 1966 auf Moruroa seine erste Atombombe. Die Insel wurde hierfür ausgewählt, weil sie weit von bewohnten Zentren entfernt liegt. Die ersten Tests fanden in der Atmosphäre statt. Seit 1974 werden sie wegen schwerer Schäden an der Oberfläche des Atolls und des radioaktiven Fallouts unterirdisch durchgeführt. Von 1975 bis Juli 1991 erfolgten 108 unterirdische nukleare Explosionen in Moruroa. Die späteren Tests wurden im Inneren des Vulkans in einer Tiefe bis zu 1.200 Metern durchgeführt, so dass das Risiko einer nuklearen Verstrahlung des Meeres besteht. Sechs Atomwaffenversuche vom 5. September 1995 bis zum 27. Januar 1996 (zwei davon wurden auf dem nahe gelegenen Fangataufa-Atoll durchgeführt) stießen auf heftigen, weltweiten Widerstand vor allem bei den anderen Pazifikstaaten und führten in Papeete, auf dem 1.200 Kilometer nordwestlich gelegenen Tahiti, zu Unruhen. Die Umweltorganisation Greenpeace verletzte mehrfach die französischen Hoheitsgewässer in dem vergeblichen Versuch die Tests zu behindern. Die Zahl der französischen Kernwaffenversuche hat sich mit dieser letzten Serie auf 210 erhöht. (Quelle: militaer.wisotoday.de, Seite nicht mehr vorhanden)

Bearbeitungsstand: August 2005

siehe auch: Fallout

Moskauer Vertrag

engl.: Strategic Offensive Reductions Treaty (Abk.: SORT)

Putin und Bush unterzeichnen den Moskauer Vertrag, 2002, Foto: White House

Im Mai 2002 unterzeichneten die Präsidenten der USA und Russlands, George W. Bush und Vladimir Putin, als Ersatz für das gescheiterte START-II-Abkommen, den SORT-Vertrag, auch Bush-Putin-Abkommen genannt. Gemäß diesem Vertrag müssen die beiden Länder die stationierten strategischen Atomwaffen bis zum Jahr 2012 auf jeweils höchstens 1.700 bis 2.200 reduzieren. Der Vertrag ist für viele Experten das Papier nicht Wert, auf das er geschrieben wurde. So enthält er keinen Zeitplan für die Abrüstung, sieht keinerlei Verifikationsmaßnahmen vor und endet am selben Tag, an dem er erfüllt werden muss, also am 31. Dezember 2012. Die "abgerüsteten" Systeme brauchen nicht verschrottet sondern lediglich in ein Lager verbracht zu werden. Überdies kann der Vertrag jederzeit mit einer Frist von drei Monaten gekündigt werden. (RH)

Bearbeitungsstand: Dezember 2005

siehe auch: START-II-Vertrag
siehe auch: Strategische Atomwaffen
siehe auch: Verifikation

MOX

engl.: mixed oxide

Ein Mischoxid (kurz MOX) ist ein Stoff, der sich aus mehreren Oxidenen zusammensetzt. Ein Beispiel aus der Kerntechnik sind die MOX-Brennelemente, die aus Urandioxid UO2 und Plutoniumdioxid PuO2 besteht. Sie werden heute in verschiedenen Ländern (vor allem Frankreich und Deutschland, aber auch Schweiz, Belgien) in Kernreaktoren eingesetzt, um das bei der Wiederaufarbeitung abgetrennte Plutonium zu verwerten und dabei gleichzeitig für Kernwaffen weitgehend unbrauchbar zu machen.

Auch wenn häufig der Begriff Mischoxid mit dem Uran-Plutonium-Gemisch gleichgesetzt wird, gibt es noch viele weitere Mischoxide. (Quelle: mox.lexikona.de, Seite nicht mehr online)

Bearbeitungsstand: April 2007

siehe auch: MOX-Anlage
siehe auch: Plutonium

MOX-Anlage

Dient der Herstellung von Mischoxid- (MOX-) Brennstoff. Er besteht aus einer Mischung von Uranoxid und Plutoniumoxid. Zur Herstellung von MOX muss zunächst Plutonium in einer Wiederaufarbeitungsanlage aus abgebrannten Brennelementen herausgetrennt werden. Das Plutonium wird in der MOX-Fabrik zunächst gemahlen, danach mit Uran gemischt, zu Tabletten gepresst und in einem Sinterofen gebrannt. Anschließend werden die Tabletten (Pellets) auf eine bestimmte Größe geschliffen und in Brennstäbe gefüllt. Mehrere Brennstäbe werden zu einem Brennelement zusammen montiert.

Die Gewinnung von Plutonium durch Wiederaufarbeitung mit anschließender Fertigung von Plutonium-Brennstoff in MOX-Anlagen und dem Einsatz in Schnellen Brütern oder Leichtwasserreaktoren wird als „Plutoniumwirtschaft“bezeichnet. Wichtig ist, dass es keine grundsätzliche Unterscheidung zwischen „zivilem“ und „militärischem“ Plutonium gibt. Während in der zivilen Plutoniumwirtschaft tonnenweise Plutonium anfällt, wird im militärischen Bereich für den Bau einer Atombombe nur eine Menge von 10 Kilogramm Plutonium oder weniger benötigt. Daraus folgt, dass der Besitz einer MOX-Anlage und deren missbräuchliche Verwendung jeden Staat in die Lage versetzen, sich das für den Atombombenbau notwendige Plutonium in beliebigen Mengen zu beschaffen. (Günther/Heidel/Wollenteit/Hack: „Expertise: Export der Hanauer MOX-Brennelementefabrik nach China“, Hamburg 2003.)

Bearbeitungsstand: Oktober 2004

siehe auch: Plutonium

MRBM

engl.: Medium Range Ballistic Missile

Hierbei handelt es sich um eine ballistische Mittelstreckenrakete von mittlerer Reichweite, die in der Lage ist, ABC-Gefechtsköpfe auf eine Entfernung zwischen 1000 und 2700 km ins Ziel zu tragen. Ihre Startvorrichtungen können stationär (Silo) oder beweglich (Fahrzeug, Schiff, Flugzeug) sein. (LL)

Bearbeitungsstand: Januar 2006

siehe auch: Gefechtskopf
siehe auch: Mittelstreckenrakete
siehe auch: NATO-Doppelbeschluss

MRCM

engl.: Medium Range Cruise Missile (MRCM)

Die US-amerikanischen Tomahawk Marschflugkörper werden in Verbindung mit dem NATO-Doppelbeschluss von 1979 den Mittelstreckenraketen zugeordnet.
Im Gegensatz zu den Mittelstreckenraketen verfügen sie aber über keinen Raketenantrieb und fliegen auch nicht auf ballistischen Bahnen. Die Tomahawk Marschflugkörper haben jedoch vergleichbare Reaktionszeiten, eine entsprechende Treffgenauigkeit sowie vergleichbare Angriffsreichweiten. In den 1980er Jahren waren diese Waffensysteme vorübergehend auch in der Bundesrepublik Deutschland stationiert.

Mittelstreckenmarschflugkörper werden auch von anderen Staaten entwickelt und einsatzbereit gehalten. So gab Pakistan im Dezember 2007 den erfolgreichen Test einer »medium-range Cruise Missile« bekannt. Die neue Version der »Babur Missile« verfügt über eine Reichweite von ca. 700 km und kann mit einem Nuklearsprengkopf bestückt werden. Damit kann Pakistan strategische Ziele bis tief im Inneren Indiens erreichen. (LL)

Bearbeitungsstand: September 2008

siehe auch: Mittelstreckenrakete
siehe auch: NATO-Doppelbeschluss

MRTNF

engl.: Abk. für: Medium Range Theater Nuclear Forces

Nukleare Gefechtsfeldwaffen können entsprechend ihrer Reichweite in drei Kategorien unterteilt werden:

  • Weit reichende Atomwaffen in und für Europa (LRTNF) sind Kernwaffen mit einer maximalen Reichweite von mehr als 100 km, aber weniger als 5500 km (=interkontinentale Reichweite).
  • Atomwaffen in und für Europa mit mittlerer Reichweite (MRTNF) haben eine Reichweite zwischen 200 und 1000 km.
  • Kurzstreckenatomwaffen in und für Europa (SRTNF) haben eine Reichweite bis zu 200 km.

Während des Kalten Krieges waren MRTNF Waffen in Europa zur Unterstützung von militärischen Operationen der NATO auf der Ebene von Armeekorps oder im Falle der Sowjetunion auf der Ebene der Front vorgesehen. (SIPRI Atomwaffen in Europa, Rüstungsjahrbuch '82/83, S. 39f.)

Bearbeitungsstand: April 2008

siehe auch: Kalter Krieg
siehe auch: LRTNF
siehe auch: SRTNF

MRV

engl.: Multiple Reentry Vehicle

Bezeichnung für zwei oder mehr mit einem ballistischen Flugkörper eingesetzte Wiedereintrittskörper, die über einen atomaren Gefechtskopf verfügen und in einem „Bus“ von einem Flugkörper transportiert werden. Anders als bei MIRV werden die MRV gemeinsam ausgestoßen und folgen einer ballistischen Flugbahn. Dadurch können sie wirksamer auf ein großes Flächenziel verteilt werden. Die USA führten Ende der sechziger Jahre mit dem SLBM Polaris AkDS-3 den ersten einsatzfähigen ballistischen Flugkörper mit MRV ein. (Neuman: Kernwaffen in Europa, Bonn 1982, S. 96.)

Bearbeitungsstand: Oktober 2004.

Siehe auch: Ballistischer Flugkörper
Siehe auch: BUS
Siehe auch: MIRV

MT (Megatonne)

Die Explosionsenergie (Detonationswert) wird in den Maßeinheiten Kilotonne (KT) und Megatonne (MT) angegeben. Eine Megatonne bezeichnet die Energie, die von 1. Million Tonnen TNT (Trinitrotoluol) freigesetzt wird. Die über Hiroshima abgeworfene Atombombe hatte einen Detonationswert von 12,5 KT (0,0125 MT). Die Nagasaki-Bombe hatte einen Detonationswert von 22 KT (0,022 MT). (Anmerkung: 200 g TNT reichen aus, um einen Menschen zu töten!) (LL)

Bearbeitungsstand: Oktober 2004

siehe auch: KT (Kilotonne)
siehe auch: TNT (Trinitrotoluol)

Multilaterale Nuklearflotte

engl.: Multilateral Force (MLF)

Die Multilaterale Nuklearflotte war ein US-amerikanischer Vorschlag aus dem Jahr 1963, wonach eine Reihe von U-Booten und ca. 25 Kriegsschiffe der NATO mit Atomraketen ausgerüstet werden sollten. Bei den Raketen handelte es sich um Polaris-Raketen mit einer Reichweite von maximal 4500 km. Dadurch sollten die Nato-Staaten, die über keine eigenen Atomwaffen verfügten, die Möglichkeit erhalten, Zugriff auf Massenvernichtungswaffen zu bekommen. Es war vorgesehen, Raketen und Sprengköpfe in den gemeinsamen Besitz der beteiligten NATO-Staaten zu überführen und unter ein integriertes Kommando zu stellen. Der Vorschlag der USA scheiterte letztlich an der Kostenfrage, da sich nur die USA und die Bundesrepublik Deutschland bereiterklärten, einen finanziellen Beitrag zu leisten.

Als Frankreich ab 1964 mit dem Aufbau einer eigenen NATO-unabhängigen Atomstreitmacht (Force de Frappe) begann und 1966 die militärischen Strukturen der NATO verließ, war das MLF-Projekt endgültig gescheitert. Obwohl der Aufbau einer NATO-Atomstreitmacht scheiterte, gelang es den NATO-Mitgliedern zumindest ab 1967 eine Nukleare Planungsgruppe (NPG) ins Leben zu rufen, allerdings ohne französische Beteiligung. Damit wurde deutlich, dass die NATO auf Dauer von den Atomwaffen der USA abhängig sein würde. (LL)

Bearbeitungsstand: April 2008

Münsingen

ehem. Atomwaffenstandort Deutschland

Im Rahmen der großräumigen Luftverteidigung Europas während des Kalten Krieges waren auch die französischen Streitkräfte an dem quer durch Deutschland verlaufenden Nike-Herkules Flugabwehrgürtel mit insgesamt sechs in Süddeutschland gelegenen Feuerstellungen beteiligt. Dabei handelte es sich um die Standorte Böttingen, Friedrichshafen, Mengen, Münsingen, Stetten und Inneringen.

Die ehemalige Nike Stellung (Launching Area) Münsingen (48°25'27“N, 09°32'19“O) lag ca. 3 km nordöstlich von Münsingen in Baden-Württemberg. Die dort stationierte 4./521 SQN France war in drei getrennten Bereichen untergliedert: der Unterkunft, dem Feuerleitbereich in günstiger topografischer Lage mit bis zu 5 Radargeräten für Überwachung, Zielerfassung, Zielverfolgung und Flugkörperverfolgung und dem Abschussbereich mit jeweils 3 Abschussflächen und dazugehörigen Bunkern. In diesem Bereich befanden sich auch die Atomsprengköpfe.

In der Stellung Münsingen waren von 1965 bis 1966 atomare Flugabwehrraketen vom Typ Nike stationiert. An Atomsprengköpfen waren zwei Versionen verfügbar. Die kleinere mit der Bezeichnung B-XS hatte eine Sprengkraft von 2 Kilotonnen. Die größere B-XL besaß 40 kT Sprengkraft. Maximal waren je Stellung zehn Nuklear-Sprengköpfe vorhanden, acht mit der Stärke XS mit 2 Kilotonnen und zwei XL mit 40/20 Kilotonnen Sprengkraft. Für den Einsatz der Gefechtsköpfe gab es genau festgelegte Prioritäten. Beim Anflug eines einzelnen feindlichen Zielobjektes wurde ein kleiner atomarer Gefechtskopf (B-XS) eingesetzt. Beim Anflug mehrerer feindlicher Zielobjekte wurde soweit verfügbar ein großer atomarer Gefechtskopf (B-XL) eingesetzt. Die ebenfalls vorhandenen konventionellen Gefechtsköpfe dienten lediglich als Munitionsreserve. (Quellen: Jürgen Dreifke, Michael Juhls)

Mit dem Austritt Frankreichs aus der integrierten Befehlsstruktur der NATO am 1. Juli 1966 wurde die Stellung von den französischen Truppen geräumt. (LL)

Bearbeitungsstand: Januar 2012

siehe auch: Nike Herkules
siehe auch: KT-Wert

Münster-Dieburg

ehem. Atomwaffenstandort Deutschland

Das ehemalige atomare “Versorgungslager Munition” (VLM) Münster-Dieburg (49°55'57“N, 8°48'41“O) lag ca. 4 km nordwestlich der Stadt Münster in Nordrhein-Westfalen. Während des Kalten Krieges gehörte es zu den 10 US-Hauptlagern für Atomwaffen in der Bundesrepublik Deutschland.

Neben NATO Site 4 und 5 war es das wichtigste und zugleich größte Nachschubdepot für Sonderwaffen im Bereich des “Fulda-GAP”. Hier lagerten unterschiedliche Gefechtsköpfe, angefangen von ADM's verschiedener Größe bis zu nuklearer Munition für die Rohrartillerie. Die Munition wurde anfangs in speziellen Bereichen und Bunkern gelagert, die bereits in der Zeit des 2. Weltkrieges genutzt wurden. Ende der 1970er begannen dann hier wie auch an anderen Standorten die Planungen, Sonderwaffen künftig nur noch in speziell gesicherten Depots zu lagern. So wurde Anfang der 1980er Jahre innerhalb des bereits vorhandenen Munitionslagers das Special Weapons Depot eingerichtet.
(Quelle: Entwicklungsgesellschaft Fulda-GAP e.V. (EFG e.V.))

Bearbeitungsstand: Januar 2012

siehe auch: Fulda Gap
siehe auch: ADM

Mutlangen

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

Blockade in Mutlangen

Das US-Sonderwaffenlager Mutlanger Heide (48°48’54”N, 09°48’22”O) unmittelbar am südlichen Ortsrand von Mutlangen gelegen, befand sich nur knapp 2 km nördlich der Stadt Schwäbisch Gemünd in Baden-Württemberg. Als am 25. November 1983 als Folge des NATO-Doppelbeschlusses die ersten Pershing-II-Raketen in Deutschland eintrafen, wurden diese unverzüglich in das Depot (MSA, Mutlangen Storage Area) gebracht.

Insgesamt kamen 108 Pershing-II-Raketen mit den dazugehörigen Gefechtsköpfen nach Deutschland. Ferner wurde 12 Trainingsraketen (nicht einsetzbar und ohne atomare Gefechtsköpfe) für Ausbildungs- und Übungszwecke der zuständigen Artillerieeinheiten geliefert.

Von Mutlangen aus wurden die Pershing-II-Raketen (jeweils 36 Stück) an die drei Einsatzorte: Inneringen (48°10’39”N, 09°17’14”O), Kettershausen (48°12’36”N, 10°14’36”O) und Waldheide-Heilbronn (49°07’44”N, 09°16’30”O) weitergeleitet.

Die Stationierung der Pershing-II-Raketen führte zu heftigen Protesten und Blockaden durch die Friedensbewegung. In Mutlangen blockierten Demonstranten wiederholt die Zufahrt zu den US-Einrichtungen. Unter den Demonstranten waren auch zahlreiche bekannte Namen wie Oskar Lafontaine, Walter Jens sowie Petra Kelly. Sie alle versammelten sich unter dem Slogan „Unser Mut wird langen – nicht nur in Mutlangen“.

Nach Ende des Kalten Krieges wurde das Lager geräumt und das Gelände an die Gemeinde Mutlangen übergeben. (LL)

Beabeitungsstand: November 2009

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: Kalter Krieg
siehe auch: NATO-Doppelbeschluss
siehe auch: Pershing-II-Rakete

Mutlanger Manifest

engl.: Mutlangen Manifesto

Der Bürgermeister von Mutlangen Peter Seyfried (CDU), der Oberbürgermeister von Schwäbisch Gmünd Wolfgang Leidig (SPD) und der Landrat des Ostalbkreises Klaus Pavel (CDU) haben im Dezember 2007 mit dem Mutlanger Manifest den INF-Vertrag gewürdigt. Sie fordern darin, den Erhalt des Abrüstungsvertrages und weitergehend den Abzug der letzten US-amerikanischen Atomwaffen aus Deutschland.

Dokument als pdf-Datei

Bearbeitungsstand: April 2008

siehe auch: INF-Vertrag

MX-Rakete

engl.: MX missile, Peacekeeper missile

Die MX-Rakete, auch Peacekeeper-Rakete genannt, war eine vierstufige Interkontinentalrakete, die aus unterirdischen Silos abgefeuert wurde. Sie konnte bis zu elf Wiedereintrittskörper (Re-entry Vehicle) vom Typs Avco MK 21 tragen, in denen sich bis zu zehn Atomsprengkörper befanden. Mit der Peacekeeper konnten individuelle Ziele angegriffen werden. Diese Rakete verfügte über die höchste Treffgenauigkeit aller US-amerikanischen Interkontinentalwaffen.

Die einzelnen Atomsprengkörper wurden während des Fluges in einem speziellen Wiedereintrittskörperträger transportiert. Im Zielgebiet konnten die Wiedereintrittskörper einzeln auf ihre jeweilige ballistische Flugbahn eingesetzt werden.

In Zeiten des Kalten Krieges zielten diese Raketen vorrangig auf Ziele in der ehemaligen Sowjetunion. Weil ihr Standort an Land dem potentiellen Gegner bekannt war, waren sie selbst Ziele für sowjetische Interkontinentalraketen. Daher stationierten die US-Streitkräfte einen Teil ihrer Nuklearraketen an Bord von U-Booten der Ohio-Klasse, die versteckt durch die Weltmeere tauchten.

Die Peacekeeper war Teil des Abrüstungsprogramms von strategischen Nuklearwaffen im Rahmen des START-II-Vertrags (Strategic Arms Reduction Treaty). Im Oktober 2002 begann die US-Air Force mit der Reduzierung des Waffensystems. Im September 2005 wurde die letzte Peacekeeper deaktiviert.


Technische Daten

Antrieb: Stufe 1-3: Festbrennstoff
Stufe 4: lagerfähiger Flüssigtreibstoff
Maße: Länge gesamt: 21,8 m
Durchmesser: 2,3 m
Gewichte: Gesamtgewicht: ca. 88.450 kg
Reichweite: 9700 km
Geschwindigkeit: 15.000 Meilen pro Stunde (ca. 20fache Schallgeschwindigkeit)
Flughöhe: ca. 215 km (700.000 Fuß)
Zielgenauigkeit: 120 m (Circular Error Probable)
Sprengköpfe: W-87 Sprengkopf 300KT

Bearbeitungsstand: Februar 2007

siehe auch: CEP-Wert

Glossar

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