
Japan
Japan ist bisher das einzige Land, das durch die Abwürfe US-amerikanischer Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki 1945 Opfer eines nuklearen Angriffs wurde. An den Folgen des Abwurfs der Atombombe durch die USA am 6. August 1945 auf Hiroshima starben bis heute mehr als 250.000 Menschen. Mit der Kapitulation Japans am 2. September 1945 endete der Zweite Weltkrieg.
Nach Kriegsende gab sich Japan eine Demokratische Verfassung. Darin verzichtete das Land für alle Zeit auf das Recht zur Kriegführung:
Art. 9, Abs. 1: »In aufrichtigem Streben nach einem auf Gerechtigkeit und Ordnung gegründeten internationalen Frieden verzichtet das japanische Volk für alle Zeiten auf den Krieg als ein souveränes Recht der Nation und auf die Androhung oder Ausübung von Gewalt als Mittel zur Beilegung internationaler Streitigkeiten«.
Art. 9, Abs. 2: »Um das Ziel des vorhergehenden Absatzes zu erreichen, werden keine Land-, See- und Luftstreitkräfte oder sonstige Kriegsmittel unterhalten. Ein Recht des Staates zur Kriegsführung wird nicht anerkannt«.
Obwohl Japan auf Grund seiner Verfassung auf Streitkräfte verzichtet hat, betrachtet es der Staat als legitim, so genannte »Selbstverteidigungskräfte« zu unterhalten. Seit 2007 unterstehen alle Soldaten dem neu gegründeten Verteidigungsministerium. Die Truppen haben sich bis heute an keinen militärischen Aktionen beteiligt. In jüngster Zeit mehren sich die Stimmen, die eine Änderung bzw. Aufhebung des Artikels 9 fordern, um die Aufgaben und Fähigkeiten der japanischen Armee deutlich auszuweiten. Dabei argumentiert die Regierung in Tokio folgendermaßen: »Die Verfassung verbietet Japan nicht notwendigerweise den Besitz jedweder Art von Waffen, selbst wenn diese nuklearer Art sein sollten, wenn diese zur Verteidigung des Landes das erforderliche Minimum sind« (Antwort des Kabinetts auf eine Abgeordnetenanfrage). In dem Bericht erklärte die Regierung weiter, dass Japan aber niemals Atomwaffen besitzen werde, und verwies damit auf seine seit Jahrzehnten geltende Anti-Nuklearwaffenpolitik. Tokio hatte sich 1967 einem Kurs verpflichtet, nach dem weder der Besitz oder die Herstellung noch die Stationierung von Atomwaffen auf japanischem Boden erlaubt sind. (LL)
Bearbeitungsstand: Oktober 2008
siehe auch: Atombombe
siehe auch: Hiroshima
siehe auch: Kalter Krieg
siehe auch: Nagasaki
Jod-131
Alle Stoffe, ob Gase, Flüssigkeiten oder feste Stoffe bestehen aus Atomen. Doch nicht alle Atomarten sind gleich stabil. Manche Atomkerne wandeln sich in stabilere Kernarten um, indem sie Teilchen aussenden. Das sind z.B. Heliumkerne aus zwei Protonen und zwei Neutronen, sie so genannte Alpha-Strahlung oder auch Elektronen oder Positronen, zusammenfassend als Beta-Strahlung bezeichnet. Die Atomkerne von Jod-131 wandeln sich z.B. unter Aussendung je eines Elektrons in das stabilere Xenon-131 um.
Die Halbwertszeit bei Jod-131 beträgt 8 Tage. Das bedeutet nicht, dass sich die gesamte Stoffmenge in 28 Tagen schlagartig umwandelt. Vielmehr ist in dieser Zeit die Hälfte der vorhandenen Atome zerfallen; manche gleich zu Beginn, die meisten am ersten Tag, die andere Hälfte aber noch gar nicht. Nach jeweils weiteren acht Tagen halbiert sich der Restbestand an Jod, wobei man nicht angeben kann, welche Atome in einer bestimmten Zeit zerfallen werden.
Jod-131 kann für die menschliche Gesundheit gefährlich sein, denn es wird vom Körper aufgenommen und konzentriert sich hauptsächlich in einem einzigen Organ, der Schilddrüse. Dabei ist Jod-131 nicht wegen seiner chemischen Eigenschaften schädlich, es verhält sich chemisch genau so wie das nicht radioaktive Jod-127. Gefährlich sind allein die beim Zerfall ausgesendeten Elektronen (Beta-Strahlen). Wenn diese Elektronen auf andere Atome treffen, können sie aus deren Hülle Elektronen herauslösen, die Folge ist eine Ionisierung dieser Atome. Ionen verhalten sich chemisch aber anders als elektrisch neutrale Atome und auf diese Weise können im menschlichen Körper Zellen zerstört oder verändert werden, wodurch es auch zu Krebs kommen kann. (www.stk.tu-darmstadt.de, Seite nicht mehr vorhanden)
Bearbeitungsstand: September 2008
Siehe auch: Halbwertszeit
Johnston Atoll

Das Johnston Atoll liegt im nördlichen Pazifik, 1.150 km südwestlich von Hawaii. Die Inselgruppe gehört politisch zu den Vereinigten Staaten. Die Hauptinsel Johnstoninsel zählte bis 2004 noch etwa 317 Einwohner, hauptsächlich US-Militärs. Die 2,67 km² große Inselgruppe besteht aus den beiden stark durch den Menschen veränderten Inseln Johnston Island und Sand Island sowie den zwei künstlichen Inseln Akau im Norden und Hikina im Osten. Den Inseln ist im Nordwesten ein Korallenriff vorgelagert. Auf dem Atoll gibt es keine natürlichen Süßwasserquellen.
Die Inseln wurden von den USA für insgesamt 12 Atomwaffentests benutzt und dabei 1962 bei der Explosion eines Flugkörpers stark mit Plutonium verseucht. Bis 2000 dienten die Inseln als Lagerstätten für radioaktives Material sowie für die Vernichtung chemischer und biologischer Waffen wie Sarin-Nervengas und Agent Orange. Im Jahr 2000 begannen Aufräumarbeiten.
Von der Johnstoninsel wurden auch Raketen für hochatmosphärische Tests von »Starfish Prime« (als Teil der Operation Dominic)) gestartet, wobei der auftretende EMP zahlreiche elektrische und elektronische Geräte auf Hawaii störte. Bei einem Raketenstart am 20. Juni 1962 explodierte die Rakete in einer Höhe von ca. 10 Kilometern. Hierbei wurde die benachbarte Sand Island mit Plutonium kontaminiert. Bei einem weiteren Startversuch am 26. Juli 1962 explodierte die Rakete mit dem Atomsprengkopf auf der Abschussrampe, wodurch diese zerstört und das umliegende Areal mit Plutonium kontaminiert wurde. Dies führte zu einer fast vierteljährigen Pause der Experimente. Diese wurden am 16. Oktober 1962 wieder aufgenommen, wobei es wieder zu einem Fehlschlag kam. Die Rakete vom Typ Thor DSV-2E explodierte in einer Höhe von 10 Kilometern, wobei auf der Johnstoninsel auch etwas radioaktiver Niederschlag fiel.
Weitere Raketen zum Zweck hochatmosphärischer Atombombentests wurden gestartet:
- Oktober 1962 (Startrakete: Strypi, Sprengkopf: 60 KT, Explosionshöhe: 147 km)
- Oktober 1962 (Startrakete: Thor DSV-2E, Sprengkopf: 300 KT, Explosionshöhe: 50 km)
- November 1962 (Startrakete: Thor DSV-2E, Sprengkopf: 300 KT, Explosionshöhe: 98 km)
- November 1962 (Startrakete: Nike Herkules, Sprengkopf: ? KT, Explosionshöhe: 21 km).
Nachdem keine oberirdischen Kernwaffentests mehr möglich waren, wurden von der Johnstoninsel bis 1975 zahlreiche Forschungsraketen (auch für die zivile Forschung) in Höhen von bis zu 1148 Kilometern gestartet. Ende der 1980er Jahre wurde auf der Insel eine Anlage für die Verbrennung chemischer Kampfstoffe errichtet. Ende 2003 wurden die Inseln vom Militär geräumt und die Verwaltung dem U.S. Fish and Wildlife Service übertragen. Dieser schuf das Naturschutzgebiet Johnston Atoll National Wildlife Refuge und gliederte es in den Pacific Remote Islands National Wildlife Refuge Complex ein. (Quelle: www.studipilot.de)
Bearbeitungsstand: Mai 2008
siehe auch: EMP
siehe auch: KT (Kilotonne)
siehe auch: Plutonium
siehe auch: Radioaktiver Niederschlag
Jornada
Im US-Bundesstaat New Mexico liegt östlich des Rio Grande und nördlich der Organ Mountains ein Tal mit der Bezeichnung »Jornada del Muerto« (Reise des Todes). Am 16. Juli 1945 explodierte auf dem dortigen Alamogordo-Testgelände die erste Atomwaffe der Geschichte. Dabei handelte es sich um eine in Los Alamos neu entwickelte Implosionswaffe, durch deren Einsatz der Zweite Weltkrieg beendet werden sollte. Die Plutoniumbombe, die beim Atomtest »Trinity« explodierte, war der gleiche Typ Bombe, die am 9. August 1945 auf Nagasaki abgeworfen wurde und binnen 4 Monaten 64.000 Menschen tötete. (Quelle: IPPNW)
Bearbeitungsstand: April 2008
siehe auch: Alamogordo
siehe auch: Los Alamos
siehe auch: Nagasaki
siehe auch: Trinity
JUNGK Robert
1913 - 1994

Robert Jungk, Träger des Alternativen Nobelpreises, der ihm im Jahre 1986 in Stockholm verliehen wurde, war und ist prägend für Generationen. Sein Vermächtnis, die »Internationale Bibliothek für Zukunftsfragen« arbeitet in seinem besten Sinne weiter und findet internationale Beachtung. NGOs und ungezählte Gruppen und Personen in aller Welt sind dabei, im Sinne Robert Jungks an der Gestaltung zukunftsfähiger Gesellschaften mitzuwirken.
Robert Jungk, 1913 als Jude in Berlin geboren, nahm sehr früh als Jugendlicher die heraufziehende Gefahr des Naziterrors wahr. Seine humanistische und an Gerechtigkeit orientierte Persönlichkeit brachte ihn deshalb schon mit 19 Jahren in den Widerstand. Trotz aller persönlichen Gefährdungen riss er nach dem Reichstagsbrand Naziparolen in der Berliner Humboldt-Universität ab. Einen Tag später wurde er verhaftet und kam unter glücklichen Umständen bald wieder frei ─ auch, weil der Rechtsstaat noch ein paar Stunden funktionierte.
Bedingt durch seine Ausbürgerung im Jahre 1934 betrieb er seine Widerstandsarbeit größtenteils aus dem Exil. Während des Krieges lebte er in der Schweizer Emigration. Viele seiner jüdischen Freunde kamen in Konzentrationslagern ums Leben. Sein eigenes Überleben war ihm Verpflichtung, sein Leben dem Kampf für eine bessere Zukunft zu widmen, in der Menschen ihre sozialen und humanen Fähigkeiten zur Entwicklung toleranter und gerechter Gesellschaften entfalten. Jungks Zukunftsdenken war begleitet von engagierten Warnungen vor Faschismus und Intoleranz.
Tief bewegt wurde er außerdem durch die Nachrichten über die Abwürfe der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki. Seinen Weltbestseller »Strahlen aus der Asche« (1963), in dem er über die Wiederauferstehung der Stadt Hiroshima nach dem Abwurf der ersten Atombombe am 6. August 1945 berichtet und zahlreiche Einzelschicksale der Überlebenden in beklemmender und beeindruckender Weise schildert, beendet er so: »Als ich nach Hiroshima reiste, kam ich als Reporter, der die interessante Geschichte einer fremden Stadt aufschreiben wollte. Aber je länger ich mich mit dieser Story beschäftigte, umso klarer wurde mir, dass ich nicht außerhalb und über ihr stand, sondern ein Teil von ihr war. Auch ich bin nämlich ein ›Überlebender‹, der, wenn es das Schicksal nicht zufällig anders gewollt hätte, in einem der Massenvernichtungslager des Dritten Reiches umgekommen wäre. Und nun suchte ich am anderen Ende der Welt, am Rande Ostasiens, Antwort auf eine Frage, die mir mein eigenes Leben gestellt hatte. Diese Frage heißt: ›Was haben wir, die Überlebenden des Zweiten Weltkriegs, bisher getan, um unsere Rettung zu rechtfertigen?‹ Ich hatte die Tatsache, verschont geblieben zu sein, jahrelang genauso gedankenlos hingenommen wie viele andere. Dann aber traf ich die Atomopfer von Hiroshima und erhielt durch sie eine Vorahnung des neuen Unheils, das auf uns zukommt. Seither weiß ich, dass wir, die Generation derer, die ›noch einmal davongekommen sind‹, unsere ganze Kraft darauf verwenden müssen, dass unsere Kinder nicht nur so zufällig überleben wie wir.
Finde jeder seinen Weg, für die Bewahrung des Lebens zu kämpfen. Nur ernst muss es ihm sein.«
Robert Jungk nahm sich, dem Zitat folgend, bescheiden zurück, denn er hatte sich schon viele Jahre, bevor er dieses Buch schrieb, intensiv für die Zukunft der Menschheit engagiert und schon lange davor Bücher wie »Die Zukunft hat schon begonnen« (1952) und »Heller als tausend Sonnen« (1956) geschrieben und darin vehement für eine menschliche Zukunft mit einer zukunftsfähigen Wissenschaft und Technik plädiert.
Jungk kritisierte stets die bestehenden Trends in Wissenschaft und Technik scharf. Er war einer der großen Visionäre des 20. Jahrhunderts, der gerne utopische Ideen in Diskussionen einbrachte. In seinen zahlreichen Publikationen verband er Kritik an den bestehenden Verhältnissen (Technikkritik, Politik- und Gesellschaftskritik) konsequent mit konstruktiven Visionen einer lebenswerten und zukunftsfähigen Welt. Er war kein Theoretiker und engagierte sich weltweit dort, wo ihn die Alternativbewegungen, Atomkraftgegner, die Friedens- und Umweltbewegung, die Zukunftsforschung und andere Neue Soziale Bewegungen brauchten. Er hatte den festen Glauben, dass Veränderungen von »unten« beginnen und spürte ihre Potentiale weltweit auf.
In seinem Buch »Der Jahrtausendmensch. Bericht aus den Werkstätten der neuen Gesellschaft« (1973) stellte er schon zu Beginn der Umwelt,- Zukunfts- und Friedensbewegungen umfassend den beginnenden Wandel des Strebens der Menschen nach einer gerechten, humanen Welt dar. Vieles, was Robert Jungk in diesem Buch als beispielgebend darstellte, wurde später zum Gedankengut vieler weiterer Projekte der Alternativbewegung und grüner Parteien. In diesem Buch betonte er nicht nur die dringende Notwendigkeit zur Veränderung der Menschen und der Gesellschaft, sondern zeigte auch auf, dass in jedem Menschen genug Phantasie steckt, um Veränderungen zu realisieren.
Schon in seinem frühen Weltbestseller »Heller als tausend Sonnen« (1956) sprach er sich auf der Basis der Geschichte der Atombombe mit erschütternden Hintergrundfakten gegen den blinden Fortschrittsoptimismus aus. Sein »Trotzdem. Mein Leben für die Zukunft« (1993) hinterließ deutliche Spuren im Denken und Handeln bei Millionen von Menschen. Viele Jahrzehnte lang war er unermüdlich auf unzähligen Veranstaltungen in der ganzen Welt durch Vorträge, Diskussionen und Mitarbeit aktiv. Besonders mit seinem Engagement gegen die Nutzung der Atomenergie, verschaffte er sich auch bei Kritikern in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft großen Respekt. Dass seit langem (und nicht erst nach Harrisburg und Tschernobyl) die Nutzung der Kernenergie auf sehr breite Ablehnung stößt und der Bau neuer Kraftwerke weltweit zum Teil gestoppt wurde, dazu hat Robert Jungk beigetragen. In dieser Autobiographie berichtet er umfassend über seinen bewegten Lebensweg, seine Antriebe, seinen Optimismus und über viele Projekte und Erfahrungen zur zukunftsfähigen Umgestaltung des Bestehenden. Der Begriff »Atomstaat«, basierend auf seinem gleichnamigen Buch (1977), ist heute Synonym für das Gefahrenpotential und die Unbeherrschbarkeit der Kernenergie und anderer Großtechnologien.
Robert Jungk starb am 14. Juli 1994 in Salzburg im Alter von 81 Jahren. (Quelle: Werner Mittelstaedt)
Bearbeitungsstand: November 2009
Jupiter (bzw. Thor)
US-amerikanischer ballistischer Flugkörper mittlerer Reichweite der frühen 1960er Jahre. Drei NATO-Länder erklärten sich bereit, die Waffensysteme zu stationieren. Großbritannien installierte insgesamt 60 Thor-Flugkörper auf Stützpunkten der Royal Air Force. In Italien und der Türkei wurden jeweils 30 Thor-Flugkörper und 15 Jupiter-Flugkörper stationiert. Die USA behielten die Verfügungsgewalt über die insgesamt 150 in Europa stationierten Systeme.
Die Flugkörper wurden mit Flüssigtreibstoff angetrieben, was eine lange Reaktionszeit bedeutete. Zudem war das Trägheitslenksystem nicht genau genug, um Schläge gegen kleinere militärische Ziele damit führen zu können. Deshalb wurden Gefechtsköpfe im Megatonnen (MT)-Bereich verwendet. Die Zielplanung richtete sich hauptsächlich gegen Städte und Industrieanlagen. Die Reichweite betrug maximal 2400 km, weit genug, um Moskau und andere wichtige sowjetische Städte bedrohen zu können. Die in ortsfesten, ebenerdigen Stellungen installierten Flugkörper waren leicht verwundbar. Die Härtung der Stellungen wurde wegen der hohen Kosten verworfen, zumal sich die Stationierung dadurch verzögert hätte. Deshalb waren die Thor und Jupiter Flugkörper ausschließlich für einen Erstschlag geeignet. 1964 wurden Jupiter und Thor aus Europa abgezogen. (Neuman: Kernwaffen in Europa, Bonn 1982, S. 134f).
Bearbeitungsstand: September 2006
siehe auch: Erstschlag
siehe auch: MT (Megatonne)