B-53 Bombe

Die B-53 Bombe war eine der größten freifallenden Fliegerbomben, die jemals von den USA entwickelt wurden. Sie wog ca. 5 Tonnen und besaß eine 600 mal größere Sprengkraft als die Hiroshima-Bombe (13,4 Kilotonnen). Damit handelte es sich um die zerstörerischste Waffe im gesamten Atomwaffenarsenal der USA. Die ersten dieser von B-52-Bombern getragenen Waffen wurden 1962 in Dienst gestellt, als die Spannungen mit der damaligen Sowjetunion im Zuge der Kuba-Krise ihren Höhepunkt erreichten. Die Bomben spielten im Rahmen des US-Abschreckungskonzepts eine äußerst bedeutende Rolle. Bereits in den 1980 Jahren begann die Demontage von B-53 Bomben. Aber noch 1997 war eine größere Zahl funktions- und einsatzfähig. Erst im Oktober 2011 wurde die letzte Bombe in Amarillo im Bundesstaat Texas zerlegt. Dabei mussten 135 Kilogramm  hochangereichertes Uran aus dem Kern der Bombe entfernt werden. Der Verband der US- Wissenschaftler ließ erklären: "Das ist das Ende der Ära dieser Monsterwaffen." Heutige Bomben seien kleiner und präziser. (Quelle: Spiegel Online)

Bearbeitungsstand: Dezember 2011

siehe auch: Hiroshima
siehe auch: KT-Wert
siehe auch: Kubakrise

B-61-Bombe

B-61-Bomben auf einem Bombenwagen von vorne, Foto: Defenselink

Die B-61-Bombe ist eine freifallende Wasserstoffbombe mit fünf verschiedenen Modellen: B-61-3, -4, -7, -10 und -11. Die B-61-11 ist auch als nuklearer "Bunker Buster" bekannt. Alle Modelle haben eine wählbare Sprengkraft.

60 B-61-3 oder -4 Atombombe sind der NATO unter der sogenannten nuklearen Teilhabe zugeteilt und in Belgien (Klein Brogel), Deutschland (Büchel), und den Niederlanden (Völkel) gelagert. Darüber hinaus sind ca. 150 Atomwaffen in US-Basen in Italien (Aviano), und der Türkei (Incirlik) stationiert . In all diesen Ländern gibt es seit einigen Jahren eine Debatte über Sinn und Zweck der nuklearen Teilhabe, mit teilweise großen Mehrheiten für den Abzug der US-Atomwaffen.

Die erste Stationierung von Kernwaffen in Deutschland erfolgte bereits 1955 im Zusammenhang mit dem Kalten Krieg. Ein Großteil dieser Waffen wurden seit 1996 in die USA zurückverlegt. Mindestens 300 B-61-Bomben wurden in den letzten zehn Jahren von Ramstein, Nörvenich, Memmingen (D), Lakenheath (GB), Araxos (GR), Balikesir, Murted (TR) und Ghedi Torre (I) bereits abgezogen. Aus der nuklearen Teilhabe ausgeschieden sind neben Kanada auch Griechenland, die Türkei und zuletzt Italien.

Die B-61 ist die älteste Bombe im US-Arsenal. Zur Zeit wird im Senatsausschuss für Energie und Wasser diskutiert, ob ihre Betriebslaufzeit durch eine Modernisierung verlängert werden sollte (Life Extension Program).

Alle hier angegebenen Zahlen sind nur Einschätzungen, da die Zahl der in Europa befindlichen Atomwaffen der Geheimhaltung unterliegt. (XH)

 

Die in Europa gelagerten US-Atombomben der Versionen B-61-3 und B-61-4 sollen modernisiert werden. Gemeinsam mit der strategischen Version B-61-7 und einer weiteren taktischen Version, der B-61-10, sollen sie durch ein neues Modell, die B-61-12, abgelöst werden. Fast 2 Milliarden U.S.-Dollar sind derzeit für die Haushaltsjahre 2011-2015 für eine Machbarkeitsstudie und den Einstieg in Entwicklung und Bau der neuen Version in die Planung eingestellt. Weitere Milliarden müssen in den Folge-Jahren bis zum geplanten Programmende 2021/2 fließen, denn die neue Bombe kann frühestens ab 2017/18 als Bewaffnung für Jagdbomber und Langstreckenbomber bereitgestellt werden. Der bisher bestehende Unterschied zwischen taktischen und strategischen Versionen der B-61 würde mit der neuen Version hinfällig.

Die als Lebensdauerverlängerung bezeichnete Planung für die B-61-12 ist weit mehr als nur das. Vier Wochen nach Veröffentlichung des NPR beantragte die zuständige NNSA (National Nuclear Security Administration) eine Erhöhung der für das Jahr 2011 beantragten Haushaltsmittel. Anfang Mai 2010 wurden die zuständigen Kongressausschüsse informiert, dass im Haushaltsjahr 2011 rund 53,5 Millionen Dollar zusätzlich eingestellt werden sollen, um 2017 den ersten neuen Sprengkopf vom Typ B-61-12 vorweisen zu können. Rund 19 der zusätzlichen Millionen sollen dazu dienen, die Machbarkeit einer Modernisierung der nuklearen Komponenten der Bomben zu untersuchen. Das Vorhaben schließe ein, „den Primary (primären Fusionssprengsatz) der B-61 neu aufzubauen, ein vorhandenes Pit (den nuklearen Kern) der B-61 wiederzuverwenden sowie das canned subassembly (mit der Interstage / Zwischenstufe und dem Secondary, dem sekundären nuklearen Fissionssprengsatz) der B-61 ebenfalls wiederzuverwenden oder neu aufzubauen.“ Arbeiten an den nuklearen Komponenten der Bombe B-61-12 hat der Kongress explizit von seiner gesonderten Zustimmung sowie weiteren unabhängigen Studien abhängig gemacht. Sie sind außerdem nur zulässig, wenn der Präsident ihnen explizit zustimmt und dadurch entweder die Handhabungssicherheit (surety) oder die Sicherheit (security) der Waffe gesteigert bzw. die Notwendigkeit nuklearen Testens verringert werden kann. (Otfried Nassauer, Oktober 2010)

Bearbeitet: November 2010

siehe auch: Büchel
siehe auch: Bunker Buster
siehe auch: nukleare Teilhabe
siehe auch: Ramstein
siehe auch: Wasserstoffbombe

Backfire

NATO-Bezeichnung für den sowjetischen Mittelstreckenbomber Tu-22M. Das 1974 eingeführte Flugzeug hatte einen Einsatzradius von über 4000 Kilometern und eine Höchstgeschwindigkeit von Mach 2,5 (2,5-fache Schallgeschwindigkeit). Der Backfire war nuklear und konventionell einsetzbar. Er konnte maximal zwei luftgestützte Marschflugkörper vom Typ AS-4 oder AS-6 tragen, deren Reichweite zwischen 300 bis 450 km lag. In der amerikanischen Debatte über das SALT-II-Abkommen tauchte die Frage auf, ob der Backfire interkontinental eingesetzt werden könnte.

Auf einem Gipfeltreffen in Wien am 16. Juni 1979 übergab der sowjetische Generalsekretär Breschnew an den amerikanischen Präsidenten Carter als Bestandteil der Unterschrift unter das SALT-II-Abkommen eine schriftliche Erklärung, wonach die Sowjetunion »nicht beabsichtige, das Flugzeug so auszulegen, dass es über interkontinentale Reichweiten operieren könne«. (Neumann: Kernwaffen in Europa, Bonn 1982, S. 52)

Bearbeitungsstand: Oktober 2005

Baden-Söllingen

ehem. Atomwaffenstandort Deutschland

Der Fliegerhorst Baden-Söllingen (48°45'37”N, 08°04'54”O) lag ca. 12 km westlich der Stadt Baden-Baden. Von 1953 bis 1993 waren hier auch Soldaten der Royal Canadian Air Force (422 (S/A) Squadron „Tomahawk“ CF-104) stationiert. Nach Abschluss der Ausstattung der kanadischen Luftwaffe mit dem Atombomber Starfighter F104 wurden ab 1964 amerikanische Atomsprengköpfe vom Typ Mk.28 FUFO auf dem Fliegerhorst für den Einsatz bereitgehalten. Diese frei fallenden Fliegerbomben verfügten über eine Sprengkraft von 1100 Kilotonnen (KT). Ab 1968 wurde die Mk.28 durch die Mk.43 Atombombe abgelöst. Diese Waffe verfügte über eine unveränderliche Sprengwirkung von 1 Megatonne (MT). Sie war als Außenlast speziell für den Abwurf von schnell und tieffliegenden Jagdbombern entwickelt worden. (LL)
Gemäß den NATO-Forderungen wurden pro Geschwader ständig vier Maschinen (später auf zwei reduziert) in der QRA in Bereitschaft gehalten. Unter einem „Dual Key Arrangement“ wurde sichergestellt, dass kanadische und amerikanische Offiziere gleichzeitig den Einsatzbefehl geben mussten, um Missbräuche zu verhindern. Innerhalb der QRA durfte sich nur eine begrenzte Anzahl ausgewählter Personen aufhalten und sich niemals alleine den atomar bewaffneten Maschinen nähern. Kein Starfighter wurde jemals mit atomarer Bewaffnung außerhalb der QRA bewegt, geschweige denn geflogen. Die speziell entwickelten Abwurfverfahren für den Tiefflug wurden mit Trainingsbomben („shapes“, welche die gleichen ballistischen Eigenschaften wie die Mk 28 aufwiesen) auf den Schießplätzen Capo Frasca auf Sardinien und Suippes in Frankreich geübt. Das automatische Bombenabwurfsystem LABS half dem Piloten, ein Flugprofil einzuhalten, welches einen Abwurf im Tiefflug und ein anschließendes Entkommen ermöglichte. Dabei wäre entweder ein Abwurf „über die Schulter“ oder mit Fallschirm (Low Angle Drogue Delivery) in Betracht gekommen. Eine Besonderheit der kanadischen Starfighter-Flotte bestand darin, dass auch eine begrenzte Anzahl von CF-104D-Doppelsitzern für die Aufnahme von Atomwaffen ausgerüstet wurde”. (Quelle: www.f4-phantom.de/rcaf/RCAFinEurope2-3.htm)
Der atomare Einsatz endete im Dezember 1971. Danach flogen die USA ihre Atomwaffen zurück in die Vereinigten Staaten und zogen ihr Detachement mit dem speziell ausgebildeten Wach- und Wartungspersonal vom Fliegerhorst Baden-Söllingen ab.

Bearbeitungsstand: Juli 2011

Balesfeld

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

Im Rahmen der großräumigen Luftverteidigung Europas während der Zeit des Kalten Krieges waren auch die US-Streitkräfte an dem quer durch Deutschland verlaufenden Nike-Herkules Flugabwehrgürtel mit insgesamt sechs in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz, stationierten Bataillonen beteiligt. Das 4thMissile Battailon, 6thUS-Arty-Group verfügte über atomare Feuerstellungen in den Standorten Hontheim, Welschbillig, Brimingen und Balesfeld.
Die Nike-Feuerstellung (Launching Area) Balesfeld (50°06'21”N, 6°34'58”O) lag ca. 15 km nördlich der Stadt Bitburg in der Eifel. Die dort stationierte D-Battery, 4thMissile Battailon, 6thUS-Arty-Group bestand aus drei getrennten Bereichen: der Unterkunft, dem Feuerleitbereich in günstiger topografischer Lage mit bis zu 5 Radargeräten für Überwachung, Zielerfassung, Zielverfolgung und Flugkörperverfolgung und dem Abschussbereich mit jeweils 3 Abschussflächen und dazugehörigen Bunkern. In diesem Bereich befanden sich auch die Atomsprengköpfe.
In der Stellung Balesfeld waren bis 1970 atomare Flugabwehrraketen vom Typ Nike stationiert. An Atomsprengköpfen waren zwei Versionen verfügbar. Die kleinere mit der Bezeichnung B-XS hatte eine Sprengkraft von 2 Kilotonnen. Die größere B-XL besaß ursprünglich 40 kT Sprengkraft. Letztere wurden in den 1970er Jahren gegen Sprengköpfe zu 20 kT ausgetauscht. Maximal waren je Stellung zehn Nuklear-Sprengköpfe vorhanden, acht mit der Stärke XS mit 2 Kilotonnen und zwei XL mit 40/20 Kilotonnen Sprengkraft. Für den Einsatz der Gefechtsköpfe gab es genau festgelegte Prioritäten. Beim Anflug eines einzelnen feindlichen Zielobjektes wurde ein kleiner atomarer Gefechtskopf (B-XS) eingesetzt. Beim Anflug mehrerer feindlicher Zielobjekte wurde soweit verfügbar ein großer atomarer Gefechtskopf (B-XL) eingesetzt. Die ebenfalls vorhandenen konventionellen Gefechtsköpfe dienten lediglich als Munitionsreserve. (LL)

(Quellen: Jürgen Dreifke, Michael Juhls)

Bearbeitungsstand: August 2010

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: KT-Wert
siehe auch: Nike Hercules

Balkansyndrom

engl.: Balkan syndrome

Anfang des Jahres 2001 tauchten Meldungen über Leukämieerkrankungen bei Soldaten auf, die am Krieg im ehemaligen Jugoslawien teilnahmen. Die Ursache dieser Erkrankungen liegt angeblich bei der durch die Amerikaner eingesetzten Uranwaffen (DU-Munition). Insgesamt sind ca. 12 Tonnen (Bosnien 3 Tonnen und im Kosovo 9 Tonnen) uranhaltiger Munition zum Einsatz gekommen.

Der Begriff Balkansyndrom steht für die verschiedenen Erkrankungen, die Soldaten erleiden, die mit dieser Uran-Munition in Berührung kommen oder die das Urandioxid, welches durch Aufprall und Verbrennung entsteht, einatmen. Die Krankheitssymptome sind vielfältig und reichen von Nierenerkrankungen, Herz-Kreislauferkrankungen, Lebererkrankungen über Schmerzattacken bis hin zu chronischer Müdigkeit und Schlafstörungen.

Die Zahl der erkrankten und bisher verstorbenen Soldaten liegt jeweils im zweistelligen Bereich. Über Opfer unter der Zivilbevölkerung gibt es keine Angaben. (Quelle: balkan-syndrom.de)

Bearbeitungsstand: Mai 2006

siehe auch: DU-Munition

Ballistic Missile Defence (BMD)

dt.: ballistische Raketenabwehr

Die USA planen in Europa Elemente für ihr strategisches Raketenabwehrsystem (Ballistic Missile Defence - BMD) aufzustellen. Mit den Regierungen in Polen und der Tschechischen Republik werden seit einiger Zeit Gespräche über die Stationierung entsprechender Radarsysteme und Abschussrampen geführt.

Das Ballistic Missile Defence System soll den USA in erster Linie einen Schutz gegen atomar bestückte Interkontinentalraketen über 5500 km (ICBM) bieten, über die derzeit nur China, Frankreich, Großbritannien, Russland und die USA verfügen. Das BDM-System wird aus verschiedenen Einzelsystemen bestehen, die durch boden- luft- und weltraumgestützte Elemente die anfliegenden Interkontinentalraketen während verschiedener Phasen ihres Fluges abschießen sollen. Ein funktionierendes BDM-System ausreichenden Umfangs würde mit dem Prinzip der garantierten nuklearen Zweitschlagfähigkeit brechen, einem Grundpfeiler der derzeitig gültigen Rüstungskontrollverträge.[…] Andere Staaten könnten für sich das Recht in Anspruch nehmen, ein ähnliches System aufzubauen und eine ähnliche Stationierungspolitik (auch außerhalb ihres Staatsgebietes) zu verfolgen, oder ein noch größeres Arsenal an nuklearen Interkontinentalraketen zur Überwindung des Abfangschirms aufzustellen.

Die Drohungen russischer Militärs, im Fall einer Stationierung von BMD-Teilsystemen in Europa den amerikanisch-russischen Vertrag über atomare Mittelstreckenraketen aufzukündigen, sind ein Indiz dafür, wie brisant die US-Pläne sind und welche weit reichenden Konsequenzen diese für die Sicherheit in Europa und das Ziel einer weltweiten nuklearen Abrüstung haben können. (Quelle: Paul Schäfer in Deutscher Bundestag, Drucksache 16/4710 vom 19.3.2007, S. 1)

Bearbeitungsstand April 2008

siehe auch: Interkontinentalrakete

Ballistische Rakete

engl.: Ballistic missile

Bezeichnung für Raketen, die nach Beendigung der Antriebsphase (z.B. Brennschluss des Raketenmotors) einer ballistischen Flugbahn folgen, die entsteht, wenn ein Flugkörper im Wesentlichen nur noch durch die Erdanziehung und den Luftwiderstand beeinflusst wird.

Ballistische Rakete kurzer Reichweite
Kurzstreckenrakete, Short Range Ballistic Missile (SRBM)

Hierbei handelt es sich um eine ballistische Kurzstreckenrakete, die in der Lage ist, einen konventionellen oder einen ABC-Gefechtskopf bis zu einer Entfernung von 150 km ins Ziel zu tragen. Ihre Startvorrichtungen können stationär oder beweglich (Fahrzeug, Schiff, Flugzeug) sein.

Ballistische Rakete mittlerer Reichweite
Mittelstreckenrakete, Medium Range Ballistic Missile (MRBM)

Hierbei handelt es sich um eine ballistische Mittelstreckenrakete von mittlerer Reichweite, die in der Lage ist, ABC-Gefechtsköpfe auf eine Entfernung zwischen 1000 und 2700 km ins Ziel zu tragen. Ihre Startvorrichtungen können stationär (Silo) oder beweglich (Fahrzeug, Schiff, Flugzeug) sein.

Ballistische Rakete großer Reichweite
Mittelstreckenrakete, Intermediate Range Ballistic Missile (IRBM)

Hierbei handelt es sich um eine ballistische Mittelstreckenrakete von großer Reichweite, die in der Lage ist, ABC-Gefechtsköpfe auf eine Entfernung zwischen 2700 und 5500 km ins Ziel zu tragen. Ihre Startvorrichtungen können stationär (Silo) oder beweglich (Fahrzeug, Schiff, Flugzeug) sein. Sowjetische Systeme dieser Bauart waren die SS-5 und die SS-20. (LL)

Bearbeitungsstand: Januar 2006

siehe auch: Gefechtskopf
siehe auch: IRBM
siehe auch: MRBM
siehe auch: SRBM
siehe auch: SS-4 bis SS-27

Baruch-Plan

Schon vor dem Einsatz der ersten Atombomben gab es Überlegungen, deren Verbreitung zu verhindern. Dieses Ziel wurde vorrangig von der amerikanischen Regierung verfolgt. Ergebnis dieser Überlegungen war der Baruch-Plan, den die amerikanische Delegation den Vereinten Nationen 1945 vortrug. Der Plan sah die Internationalisierung des gesamten Brennstoffkreislaufs, die Unterstellung sämtlicher nuklearer Aktivitäten und Brennstoffe, von der bergmännischen Gewinnung an, unter Kontrolle der Atomenergiekommission der Vereinten Nationen vor. Vor Ort Inspektionen sollten gewährleisten, dass die Mitgliedsländer die Bestimmungen einhielten. Seien Organisation und Verifikationsmaßnahmen eingerichtet, würden die Kernwaffen der USA abgerüstet. Die Sowjetunion lehnte dieses Verfahren ab. Zum einen wollte das stalinistische Regime keine Vor Ort Inspektionen, zum anderen war die Reihenfolge im amerikanischen Vorschlag – erst Kontrolle, dann Abrüstung – für Moskau nicht annehmbar. Die Sowjetunion legte daher einen Gegenvorschlag vor, der gerade die umgekehrte Reihenfolge vorsah. An diesem Gegensatz scheiterten alle weiteren Verhandlungen. Die Atomenergiekommission beendete die erfolglosen Verhandlungen Anfang der fünfziger Jahre. (Harald Müller in: Michael Salewski (Hrsg.): Das Zeitalter der Bombe, München 1995, S. 233.)

Bearbeitungsstand: Februar 2006.

siehe auch: Atomic Energy Commission

Baumholder

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

Im Rahmen der großräumigen Luftverteidigung Europas während der Zeit des Kalten Krieges waren auch die US-Streitkräfte an dem quer durch Deutschland verlaufenden Nike-Herkules Flugabwehrgürtel mit insgesamt sechs in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz, stationierten Bataillonen beteiligt. Das 5thMissile Battailon, 6thUS-Arty-Group verfügte über atomare Feuerstellungen in den Standorten Schönborn, Wüschheim, Baumholder und Reitscheid.

Die Nike-Feuerstellung (Launching Area) Baumholder (49°37'41”N, 7°17'28”O) lag  unmittelbar westlich der Gemeinde Baumholder in Rheinland-Pfalz. Die dort stationierte C-Battery, 5thMissile Battailon, 6thUS-Arty-Group bestand aus drei getrennten Bereichen: der Unterkunft, dem Feuerleitbereich in günstiger topografischer Lage mit bis zu 5 Radargeräten für Überwachung, Zielerfassung, Zielverfolgung und Flugkörperverfolgung und dem Abschussbereich mit jeweils 3 Abschussflächen und dazugehörigen Bunkern. In diesem Bereich befanden sich auch die Atomsprengköpfe.

In der Stellung Baumholder waren bis 1983 atomare Flugabwehrraketen vom Typ Nike stationiert. An Atomsprengköpfen waren zwei Versionen verfügbar. Die kleinere mit der Bezeichnung B-XS hatte eine Sprengkraft von 2 Kilotonnen. Die größere B-XL besaß ursprünglich 40 kT Sprengkraft. Letztere wurden in den 1970er Jahren gegen Sprengköpfe zu 20 kT ausgetauscht. Maximal waren je Stellung zehn Nuklear-Sprengköpfe vorhanden, acht mit der Stärke XS mit 2 Kilotonnen und zwei XL mit 40/20 Kilotonnen Sprengkraft. Für den Einsatz der Gefechtsköpfe gab es genau festgelegte Prioritäten. Beim Anflug eines einzelnen feindlichen Zielobjektes wurde ein kleiner atomarer Gefechtskopf (B-XS) eingesetzt. Beim Anflug mehrerer feindlicher Zielobjekte wurde soweit verfügbar ein großer atomarer Gefechtskopf (B-XL) eingesetzt. Die ebenfalls vorhandenen konventionellen Gefechtsköpfe dienten lediglich als Munitionsreserve. (LL)

(Quellen:  Jürgen Dreifke, Michael Juhls)

Bearbeitungsstand: August 2010

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: KT(Kilotonne)
siehe auch: Nike Herkules

Bedburg

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

Die belgische Luftwaffe betrieb zwischen 1963 und 1989 im Rahmen der NATO-Luftverteidigung insgesamt 8 Nike Feuerstellungen (Launching Area) auf dem Boden der Bundesrepublik Deutschland. Dabei waren dem 9th Missile Battallion die Stellungen bei Xanten, Kappeln, Hinsbeck und Erle und dem 13th Missile Battallion die Stellungen bei Nideggen, Blankenheim, Euskirchen und Bedburg unterstellt.

Die Nike-Feuerstellung (Launching Area) Bedburg (51°01'17“N, 06°30'22“O) der D-Battery des 13th Missile Battallion lag ca. 18 km südlich von Mönchengladbach. (LL)

In der Stellung Bedburg waren atomare Flugabwehrraketen vom Typ Nike stationiert. An Atomsprengköpfen waren zwei Versionen verfügbar. Die kleinere mit der Bezeichnung B-XS hatte eine Sprengkraft von 2 Kilotonnen (KT). Die größere B-XL besaß ursprünglich 40 KT Sprengkraft. Letztere wurden in den 1970er Jahren gegen Sprengköpfe zu 20 KT ausgetauscht. Maximal waren je Stellung zehn Atomsprengköpfe vorhanden, acht mit der Stärke XS mit 2 KT und zwei XL mit 40/20 KT Sprengkraft. (Jürgen Dreifke)

Die ehemalige Feuerstellung mit ihren Gebäuden und Sicherungseinrichtungen ist heute noch gut erkennbar.  (LL)

Bearbeitungsstand: Juni 2011


Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: Nike Hercules
siehe auch: KT (Kilotonne)

Becquerel (Bq)

Radioaktivitätseinheit: 1 Becquerel liegt vor, wenn pro Sekunde ein Atomkern zerfällt. Eine hohe Becquerel-Zahl bedeutet viele Zerfallsprozesse pro Sekunde und dadurch eine hohe radioaktive Strahlung. Niedrige Werte müssen aber nicht automatisch geringere Gefährlichkeit bedeuten. Die Gefährlichkeit wird sowohl von der Lebensdauer und der Art der Strahlung als auch von der Art  der betroffenen Körperzellen bestimmt. (LL)

Bearbeitungsstand: Juni 2007

Siehe auch: Radioaktive Strahlung

Begrenzter Atomkrieg

engl.: limited nuclear war

Während die Anzahl von atomaren Sprengköpfen seit dem Rüstungshöhepunkt 1986 weltweit auf ungefähr ein Drittel des damaligen Arsenals zurückgegangen ist, steigt die Zahl der Staaten, die über Atomwaffen verfügen. Zusätzlich zu den fünf ursprünglichen Atommächten besitzen heute weitere vier Länder Nuklearwaffen: Indien, Pakistan, Israel und Nordkorea. All diese Länder sind seit längerem in Konflikte mit ihren Nachbarstaaten verwickelt. Ein Aspekt, der das Risiko eines Einsatzes von Atomwaffen erhöht. Zudem wird der Iran verdächtigt an einem nuklearen Waffenprogramm zu arbeiten. Weitere 32 Nationen verfügen schon heute über ausreichend spaltbares Material, um ein beachtliches Arsenal kleiner (Größenordnung der Hiroshimabombe) Atombomben herzustellen.

Deswegen ist es wichtig, die möglichen Folgen eines »begrenzten« Atomkrieges, in dem die neuen Atommächte eine tragende Rolle spielen könnten, in Betracht zu ziehen. Die Möglichkeit eines regionalen nuklearen Konfliktes in Südasien ist dafür ein nützliches Gedankenmodell. Die Bevölkerungen und die Wirtschaftszentren konzentrieren sich sowohl in Indien als auch in Pakistan auf die Metropolen, die somit zu den wahrscheinlichsten Zielen in einem nuklearen Konflikt werden. Betrachtet man die möglichen Folgen eines nuklearen Schlagabtauschs zwischen Indien und Pakistan, dann wird deutlich, dass unmittelbar 20 Millionen Menschenleben bedroht wären. Diese Schätzungen beruhen auf der Annahme, dass beide Länder ihre gesamten Atomwaffenarsenale (zusammen ca. 100 Sprengköpfe mit einer durchschnittlichen Sprengkraft von 15KT) gegeneinander einsetzen würden. Das Resultat eines solchen Einsatzes wären etwa halb so viele Todesopfer, wie der sechs Jahre andauernde Zweite Weltkrieg forderte. Zusätzlich würde der atmosphärische Fallout von langlebigen Radionukliden die Metropolen voraussichtlich auf unbegrenzte Zeit unbewohnbar machen.

Wie schrecklich diese regionalen Folgen auch sein würden, sie könnten durch die globalen Folgen eines solchen Konfliktes auf das Klima in den Schatten gestellt werden. Der Rauch der Feuerstürme, die in den durch Atombomben getroffenen Städten entstehen, würde in die höhere Troposphäre steigen und zu einer Erwärmung der Atmosphäre führen, durch die der Rauch tief in die Stratosphäre hinauf getrieben würde. Die dabei entstehende Rußwolke würde die Sonne verdunkeln und zu einer signifikanten Abkühlung und einem Rückgang der Niederschläge führen, der über Dekaden andauern würde. Innerhalb von zehn Tagen würde die mittlere Temperatur an der Erdoberfläche um 1.25° C zurückgehen. Im darauf folgenden Jahr käme es zu einem Rückgang der mittleren globalen Niederschläge um 10% und zu einer erheblichen Abnahme der Intensität des asiatischen Sommermonsuns. Selbst zehn Jahre später würde die anhaltende Abkühlung der mittleren Erdoberflächentemperatur bei 0.5° C liegen. Ein Resultat daraus wäre die Verkürzung der Anbausaison um zehn bis zwanzig Tage in vielen der weltweit bedeutendsten Getreidegebiete. Die fehlende Zeit für die Reifung unter geeigneten klimatischen Bedingungen könnte zu einem totalen Ernteverlust führen. Zusätzlich würde der in die Stratosphäre eingetretene Ruß in der höheren Atmosphäre zu einer starken Reduktion des schützenden Ozons führen und damit zu der Entstehung eines fast weltweiten Ozonlochs.

Die möglichen Folgen eines regionalen Atomkrieges auf das Klima würden, in Bezug auf die Ernteausfälle in der Landwirtschaft, dramatische Ausmaße erreichen. Zusätzlich müssten wahrscheinlich große Mengen Lebensmittel vernichtet werden und bedeutende Getreideanbaugebiete aufgrund ihrer radioaktiven Versuchung von der landwirtschaftlichen Produktion ausgeschlossen werden. Des Weiteren könnte die Lebensmittelproduktion durch den Anstieg der ultravioletten Strahlung, den eine Ausweitung des Ozonlochs zur Folge haben würde, zurückgehen. Zurzeit leiden 800 Millionen Menschen weltweit an chronischer Unterernährung und einige hundert Millionen mehr leben in Ländern, die abhängig von Getreideimporten sind. Selbst ein geringfügiger plötzlicher Rückgang der landwirtschaftlichen Produktion könnte signifikante Preisanstiege für Basislebensmittel nach sich ziehen und Hortungskäufe globaler Ausmaße auslösen. In beiden Fällen würden Lebensmittel für arme Menschen weltweit zu unerreichbaren Gütern werden. Obwohl es nicht möglich ist, die präzisen Ausmaße einer durch einen Atomkrieg ausgelösten globalen Hungersnot abzuschätzen, erscheint es gerechtfertigt, allein die Zahl der zu erwartenden weltweiten Todesopfer durch Hungersnöte bei einer Größenordnung von einer Milliarde anzusiedeln.

Hungersnöte dieser Größenordnung würden zudem zu großen Epidemien und der Ausbreitung von Infektionskrankheiten führen. Diese Entwicklungen wiederum bergen ein immenses Potential für die Auslösung von Kriegen und Bürgerkriegen. Die Ergebnisse dieser Überlegungen werden einen bedeutenden Einfluss auf die Atomwaffenpolitik haben. Sie sind wichtige Argumente gegen spezifische Überlegungen wie etwa eine mögliche atomare Zusammenarbeit zwischen den USA und Indien. Und, was noch viel bedeutender ist, sie fordern ein neues, grundsätzliches Überdenken der Rolle von Atomwaffen in der Welt geradezu heraus. Wenn selbst ein kleiner Atomkrieg eine globale Katastrophe auslösen könnte, ist die einzig denkbare Antwort auf ein solches Szenario die komplette Beseitigung aller Nuklearwaffen.

Autoren:
Andy Kanter und Ira Helfand, Physicians for Social Responsibility, USA
Übersetzung: Nora Reulecke
(Quelle: IPPNW)

Bearbeitungsstand: Februar 2009

Siehe auch: Fallout
Siehe auch: Hiroshima
Siehe auch: Indien
Siehe auch: Kalter Krieg
Siehe auch: KT
Siehe auch: Pakistan

Begrenzte Nuklearoptionen

engl.: Limited Nuclear Options (LNO)

Die US-amerikanische Nuklearpolitik während der 1970er Jahre zum möglichen Einsatz nuklear-strategischer Waffen der USA außer im Fall eines allgemeinen Atomkrieges basierte auf der Annahme einer begrenzten Nuklearoption (Limited Nuclear Options (LNO)). Bereits seit den 1950er Jahren haben amerikanische Strategieexperten drei allgemeine Zweckbestimmungen für Atomwaffen gesehen:

1. Unterstützung der Ziele US-amerikanischer Außenpolitik,

2. Abschreckung feindlicher Angriffe,

3. Schadensminderung für den Fall, dass die Abschreckung nicht funktioniert.

Für jeden dieser möglichen Fälle wurden Gründe genannt, warum der begrenzte Gebrauch von Atomwaffen wünschenswert wäre:

1.   um Verhandlungen mit dem Feind herbeizuführen, bzw. um verhandelbare Positionen zu gewinnen,

2.   um Angriffe unterhalb der Ebene eines allgemeinen Krieges durch Drohung mit entsprechenden Reaktionen abzuschrecken,

3.   um den Feind nahe zu legen, keine amerikanischen Städte anzugreifen.

Die begrenzten Nuklearoptionen bezogen die Vorplanung von »Paketen« von nuklearen Waffen ein, die gegen feindliche militärische Ziele gerichtet werden konnten. Dazu gehörten beispielsweise Truppen des Warschauer Paktes, Flughäfen, Atomwaffenlager usw. Unter einem »Paket« ist eine Gruppe von Atomwaffen bestimmter Sprengkraft zu verstehen, die in einem begrenzten Zeitrahmen eingesetzt werden können, um taktischen und strategischen Eventualfällen wirkungsvoll zu begegnen. Die Planung von begrenzten Nuklearoptionen war in erster Linie darauf gerichtet, dem US-Präsidenten wirkungsvolle Reaktions-Optionen bei begrenzten sowjetischen Atomschlägen auf die USA zu eröffnen. Die begrenzten Nuklearoptionen waren auch als Abschreckung gegen sowjetische Nuklearangriffe auf Ziele in Westeuropa gedacht. (Quelle: Neuman, Kernwaffen in Europa, Bonn 1982, S. 54ff).

Bearbeitungsstand: September 2007

Siehe auch: Abschreckung
Siehe auch: Sprengkraft
Siehe auch: Warschauer Pakt

BERTELL Rosalie

1929 -

Rosalie Bertell wurde zusammen mit Alice Stewart „für die Aufdeckung der tatsächlichen Gefahren – entgegen den offiziellen Behauptungen – geringer Strahlendosen“ und „für die Aufklärung der Öffentlichkeit über die Zerstörung der Biosphäre und der menschlichen Gene durch niedrige Strahlendosen“ mit dem Alternativen Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Rosalie Bertell gründete das International Institute of Concern for Public Health im kanadischen Toronto und war bis 1996 dessen Vorsitzende. Die promovierte Biologin und Angehörige des Ordens der Grauen Nonnen des heiligsten Herzens, die auch Gründungsmitglied der International Medical Commission mit Sitz in Genf ist, beschäftigt sich seit 1970 mit umweltbedingten Krankheiten. Ihr Hauptziel ist die Verankerung des Rechts auf Gesundheit als Menschenrecht. Bertell war Chefredakteurin der Zeitschrift International Perspectives in Public Health und schrieb das Buch No Immediate Danger: Prognosis for a Radioactive Earth, das 1985 erschien.

Sie befasst sich intensiv mit der Erforschung der Umweltfaktoren, die sie für die Hauptursache der zunehmenden Zahl von Leukämieerkrankungen hält. Bei der Beschäftigung mit den Auswirkungen offiziell „normal“ arbeitender Atomkraftwerke im US-Staat Wisconsin kam sie zu dem Ergebnis, dass die radioaktiven Gasemissionen „ein Ansteigen der Sterblichkeit untergewichtiger Neugeborener verursachten“. Sie entdeckte angeborene Missbildungen bei Navajo-Kindern, deren Eltern den Folgen von Atomwaffentests und des Uranbergbaus ausgesetzt waren.

Darüber hinaus hat sie eine Krebsrisiko-Abschätzung für die Nachkommen von Angestellten aus der japanischen Atomindustrie sowie eine vom Deutschen Bundestag in Auftrag gegebene Risikoanalyse für neun Unfallszenarien des in den achtziger Jahren geplanten Schnellen Brüters in Kalkar erstellt. Neben ihrer Beratungstätigkeit für US-amerikanische und kanadische Regierungsbehörden beschäftigte sie sich mit umweltbedingten Krankheiten in Malaysia und auf den Marshall-Inseln. Rosalie Bertell war Vorsitzende des internationalen medizinischen Ausschusses, der sich mit den Folgen der Chemiekatastrophe im indischen Bhopal befasste. Weiterhin organisierte sie eine Kommission, deren Arbeit zehn Jahre nach dem Super-GAU von Tschernobyl dessen medizinische Folgen zum Inhalt hatte. Im selben Jahr unterstützte Bertell die Menschen der Philippinen, die den Auswirkungen von der US-Marine und -Luftwaffe zurückgelassener giftiger Abfälle ausgesetzt waren. Für diese fühlte die US-Regierung sich nicht verantwortlich, weil die Gifte in den vierziger Jahren nicht in den Verträgen berücksichtigt worden waren.

Zu ihren Arbeitsschwerpunkten gehören auch das Golfkriegssyndrom, unter dem zahlreiche US-Veteranen leiden, und die Auswirkungen der von der NATO im Krieg gegen Serbien sowie von den USA im dritten Golfkrieg eingesetzten Uran-Munition.

Rosalie Bertell erhielt außer zahlreichen Preisen auch fünf Ehrendoktortitel. (Quelle: International Institute of Concern for Public Health)

Bearbeitungsstand: November 2009

Betastrahlen

engl.: beta rays

Bei der Strahlung unterscheidet man in Teilchenstrahlung (Neutronen-, Beta- und Alphastrahlen) und Wellenstrahlung (Gamma- und Röntgenstrahlen).

Betastrahlen bestehen aus schnellen Elektronen, die aus dem Atomkern stammen (ein Neutron kann nämlich in ein Proton und ein Elektron zerfallen, wobei das Elektron ausgestrahlt wird). Betateilchen haben im Vergleich zu Alphateilchen eine höhere Reichweite. Sie können durch dünne Metallplatten, wie Aluminiumbleche abgehalten werden. (XH)

Bearbeitungsstand: Januar 2006

Siehe auch: Alphastrahlen
siehe auch: Gammastrahlen

BETHE Hans

1906 - 2005

Hans Bethe, Foto: US-Energieministerium

Hans Bethe wurde 1906 im damals deutschen Straßburg als Sohn eines Physiologie-Professors geboren. Er studierte in München Physik, als Erwin Schrödinger und Werner Heisenberg dort gerade die Quantenmechanik entscheidend vorantrieben. Wegen seiner jüdischen Mutter wurde er 1933 von der Universität Tübingen ausgeschlossen, wo er eine Stelle als Assistenzprofessor hatte, und folgte einem Ruf an die Cornell Universität.

Es war die Sorge, dass Hitler »die Bombe« zuerst haben könnte, die den deutschstämmigen Physiker Hans Bethe zur Teilnahme am Manhattan Projekt bewegte. Doch Zeit seines Lebens glaubte er, damit das Falsche getan zu haben. Er unterstützte die USA bei der Entwicklung einer Atombombe und engagierte sich gleichzeitig für die Rüstungskontrolle. Robert Oppenheimer holte ihn 1942 zum Manhattan Projekt zur Entwicklung der ersten Atombombe nach Los Alamos (New Mexico).

Trotz aller Zweifel kehrte Bethe nach dem Koreakrieg abermals nach Los Alamos zurück und nahm führend am Bau der Wasserstoffbombe teil. 1954 räumte er ein, die innere Sorge nie verloren zu haben. »Ich habe immer noch das Gefühl, dass ich das Falsche tat. Aber ich habe es getan«. Dafür initiierte Bethe die Genfer Konferenz 15 führender Forscher zur Empfehlung eines kontrollierten Teststoppabkommens und beriet den damaligen US-Präsidenten Dwight D. Eisenhower bei Fragen zur Einstellung von Kernwaffenversuchen.

Der Nobelpreis für Physik wurde Bethe 1967 fast 30 Jahre nach der entscheidenden Forschung zuerkannt. 1938 hatte er in nur sechs Wochen den Nachweis erbracht, dass Fixsterne ihre Energie aus der Kernfusion von Wasserstoffatomen beziehen und so Licht und Hitze aussenden können.
2004 sprach sich Bethe zusammen mit 47 anderen Nobelpreisträgern in einem offenen Brief gegen die Wiederwahl von George W. Bush zum US-Präsidenten aus - mit der Begründung, dass Bush mit der krassen Kürzung von Forschungsgeldern die Zukunft der Wissenschaft in den USA verbaue. Bethe starb am 6. März 2005 in seinem Haus in Ithaca (US-Bundesstaat New York) im Alter von 98 Jahren. (Quelle: Stern)

Bearbeitungsstand: September 2007

Weitere Informationen zur Entwicklung der Atombombe

Siehe auch: Los Alamos
Siehe auch: Manhattan Projekt

Bikini-Atoll

Baker-Atomtest am 25. Juli 1946, Foto: US Govt. Defense Threat Reduction Agency

Das Bikini-Atoll gehört geografisch zu den Marschall-Inseln im Pazifik. In diesem Gebiet testeten die USA zwischen 1946 und 1958 ca. 70 Atom- und Wasserstoffbomben. Bei einem Test am 1. März 1954 wurden durch die Detonation einer Wasserstoffbombe Hunderte von Insulanern verseucht. In einigen Fällen betrug die in wenigen Stunden aufgenommene Strahlendosis bis zu 20.000 rem. Der zulässige Belastungswert für Personen in deutschen AKW beträgt im Vergleich dazu 1,5 Rem pro Jahr.

23 Jahre nach dem Test erklärte das zuständige US-Energieministerium im Jahr 1977, dass die verstrahlten Menschen »die beste verfügbare Datenquelle zum Transfer von Plutonium, das von einem biologischen System durch die Darmwände aufgenommen wurde«, seien. (Quelle nicht bekannt)

Bearbeitungsstand: August 2005

Biological Effects of Atomic Radiation Committee (BEAR)

dt.: Kommission zur Untersuchung der biologischen Folgen ionisierender Strahlung

Das BEAR ist eine Kommission zur Untersuchung der biologischen Folgen ionisierender Strahlung. Es wurde 1955 auf Initiative des damaligen AEC-Vorsitzenden Lewis Strauss bei der amerikanischen Akademie der Wissenschaften eingerichtete. Seit dem im Jahre 1956 veröffentlichten Bericht, an dem über hundert Wissenschaftler aus aller Welt mitgearbeitet hatten, hat das nachfolgende BEIR-Komitee (Biological Effects of Ionizing Radiation Committee) bis 1990 noch drei weitere Reports erarbeitet. (Quelle nicht bekannt)

Bearbeitungsstand: November 2007

Bitburg

ehem. Atomwaffenstandort Deutschland

Der ehemalige Atomwaffenstandort Bitburg (49°57'19“N, 06°33'54“O) lag im Bereich des Flughafens Bitburg unmittelbar südöstlich der Stadt in der Eifel. Hier war ab 1954 die 1st Pilotless Bomber Squadron (Light) stationiert, die ab März 1956 in 1st Tactical Missile Squadron umbenannt wurde. Die Staffel verfügte über 357 Soldaten mit insgesamt 24 Atomwaffen Matador, die auf drei Abschussbasen verteilt waren: Steinborn, Rittersdorf und Idenheim. Weitere Stationierungsorte waren Sembach und Hahn (Rheinland-Pfalz). Somit waren bis einschließlich 1962 insgesamt 72 Matador-Flugkörper in ständiger Gefechtsbereitschaft. Ab 1962 begann die Ausmusterung der Matador, die durch die Pershing 1 Rakete ersetzt wurde.

Der Marschflugkörper Matador verfügte auch über einen konventionellen Sprengkopf,  war aber in der Regel für den atomaren Einsatz vorgesehen. Dafür wurde der atomare Gefechtskopf W5 mit einer Sprengkraft von 50 KT vor Ort bereitgehalten. (LL)

Bearbeitungsstand: Januar 2012

siehe auch: Matador Marschflugkörper
siehe auch: KT-Wert
siehe auch: Sprengkopf

Blankenheim

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

Die belgische Luftwaffe betrieb zwischen 1963 und 1989 im Rahmen der NATO-Luftverteidigung insgesamt 8 Nike Feuerstellungen (Launching Area) auf dem Boden der Bundesrepublik Deutschland. Dabei waren dem 9th Missile Battallion die Stellungen bei Xanten, Kappeln, Hinsbeck und Erle und dem 13th Missile Battallion die Stellungen bei Nideggen, Blankenheim, Euskirchen und Bedburg unterstellt.

Die Nike-Feuerstellung (Launching Area) Blankenheim (50°26'29”N, 6°41'54”O) der B-Battery des 13th Missile Battallion lag ca. 42 km südwestlich von Bonn. (LL)

In der Stellung Blankenheim waren atomare Flugabwehrraketen vom Typ Nike stationiert. An Atomsprengköpfen waren zwei Versionen verfügbar. Die kleinere mit der Bezeichnung B-XS hatte eine Sprengkraft von 2 Kilotonnen (KT). Die größere B-XL besaß ursprünglich 40 KT Sprengkraft. Letztere wurden in den 1970er Jahren gegen Sprengköpfe zu 20 KT ausgetauscht. Maximal waren je Stellung zehn Atomsprengköpfe vorhanden, acht mit der Stärke XS mit 2 KT und zwei XL mit 40/20 KT Sprengkraft. (Jürgen Dreifke)

Die ehemalige Feuerstellung mit ihren Gebäuden und Sicherungseinrichtungen ist heute noch gut erkennbar. (LL)

Bearbeitungsstand: Juni 2011

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: Nike Hercules
siehe auch: KT (Kilotonne)

Blendung

engl.: temporary blindness

Die Wirkung der thermischen Strahlung einer Atomexplosion auf das menschliche Auge kann dazu führen, dass eine vorübergehende, schmerzhafte Blendung, eine fehlende Dunkelanpassungsfähigkeit oder eine bleibende Verbrennung eines Teils der Netzhaut auftreten.

Bei Tage dauert die Blendung für die meisten Betroffenen ca. 2 Minuten. Sie tritt vorwiegend bei Personen auf, die dem Feuerball zugewandt waren. Bei Nacht ist die Wirkung wesentlich stärker. Wer Richtung Feuerball blickt, ist ca. 10 Minuten, wer in eine andere Richtung sieht, ca. 3 Minuten geblendet. Nach einer Blendung kann die Dunkelanpassungsfähigkeit für längere Zeit verloren gehen.

Netzhautverbrennungen ergeben sich nur bei einem Blick in Richtung Feuerball. Sie sind schmerzlos, führen aber zu einer bleibenden, teilweise erheblichen Einschränkung des Sehvermögens.

Die Entfernungen, bis zu denen Blendungen und Netzhautverbrennungen eintreten können, sind abhängig von den Sichtverhältnissen und der Blickrichtung. Nachts ist bei klarer Sicht bis 50 km und bei Dunst bis 10 km mit beiden Wirkungen zu rechnen. (LL)

Bearbeitungsstand: Oktober 2004.

Blue Danube

Blue Danube-Bombe, Foto: nuclearweaponarchive.org

Großbritanniens erste einsetzbare Atombombe war die "Blue Danube", eine frei fallende Bombe, mit der die Bomber der V-Serie (Valiant, Victor und Vulcan) der strategischen Bomberstreitmacht der britischen Luftwaffe ab 1956 ausgerüstet wurden. (LL)

Bearbeitungsstand: Oktober 2009

Blue Peacock

Im Kalten Krieg wollten die Briten offenbar um jeden Preis eine Besetzung Deutschlands durch die Sowjets verhindern. Nukleare Landminen auf Basis von jetzt freigegebenen Geheimdokumenten, sollten im Kriegsfall ganze Landstriche verseuchen. Der britische Historiker David Hawkings, bis vor zwei Jahren am Atomic Weapons Establishment (AWE) der britischen Regierung beschäftigt, veröffentlichte im AWE-eigenen »Discovery«-Magazin Details über die Mine aus britischen Regierungsdokumenten, die jahrzehntelang geheim waren und jetzt freigegeben wurden. Demnach konstruierte das Armament Research and Development Establishment in Fort Halstead bei Kent, wo seit 1947 das britische Atomwaffen-Programm stationiert war, die Super-Mine zur Zerstörung von Gebäuden und anderen Strukturen. Darüber hinaus sollte der Atomsprengsatz (Codename »Blue Peacock«) eine Besetzung Deutschlands durch die Sowjets verhindern - durch ein Prinzip, das schon Hitler und Stalin während des Kriegs in Russland auf verbrecherische Weise benutzt hatten: das der »verbrannten Erde«.

»Eine geschickt platzierte Mine würde nicht nur Gebäude und Strukturen im weiten Umkreis zerstören, sondern durch Kontaminierung auch die Besetzung des Gebiets durch den Feind verhindern«, zitiert Hawkings einen Bericht des obersten Waffenentwicklers der britischen Armee, der Mitte der fünfziger Jahre verfasst wurde. Als geeignete Ziele tauchten darin Industrieanlagen, Ölraffinerien, Kanäle, Bahnhöfe sowie Bewässerungs- und Wasserkraftanlagen wie etwa Talsperren auf. In der Nähe solcher Orte hätte der Einsatz einer Nuklearwaffe wahrscheinlich tausende, wenn nicht gar zehntausende Menschenleben gefordert.

Von einem Mini-Sprengsatz konnte im Fall von »Blue Peacock« keine Rede sein. Die Mine basierte auf dem Design der britischen Atombombe »Blue Danube«, die seit November 1953 zum Arsenal der Royal Air Force gehörte. Ihr Herzstück war eine von hochexplosivem Material umschlossene Plutoniumkugel. »Blue Danube« wog rund 4,5 Tonnen, »Blue Peacock« aber fiel noch wuchtiger aus. Dank seiner gewaltigen Stahlhülle brachte der Trumm ein Gewicht von sieben Tonnen auf die Waage. Seine Sprengkraft sollte mit zehn Kilotonnen TNT fast halb so groß sein wie die der Nagasaki-Bombe, die im August 1945 rund 70.000 Menschen auf der Stelle und mehrere zehntausend durch Folgeschäden getötet hatte. Bei einer Detonation in zehn Metern Tiefe hätte die Mine, so zitiert Hawkings das Handbuch, einen 200 Meter breiten Krater gerissen.

Wäre ein Angriff der Roten Armee als wahrscheinlich eingestuft worden, hätte die britische Rheinarmee die Minen vergraben, auf der Oberfläche platzieren oder in Flüssen und Seen versenken sollen. Die Detonation wäre per Draht von einem maximal fünf Kilometer entfernten Befehlsstand oder durch einen Acht-Tage-Zeitzünder ausgelöst worden. Gegen Entschärfung war die Höllenmaschine durch ein Drucksystem und einen Schalter geschützt, der jede Lageveränderung registriert. »Wäre die Mine bewegt, ihre Hülle durch Gewehrfeuer beschädigt oder mit Wasser geflutet worden, wäre sie innerhalb von zehn Sekunden explodiert«, erklärt Hawkings. Das britische Militär stand Ende der fünfziger Jahre offenbar kurz davor, den Sprengsatz in Deutschland auszubringen. Noch im Juli 1957 bestellte der zuständige Armeeausschuss laut Hawkings zehn Exemplare der Super-Mine, deren Entwicklung zu diesem Zeitpunkt nahezu abgeschlossen war. Doch nur drei Monate später kassierte das Armee-Hauptquartier den Beschluss, denn mittlerweile hatten sich in der Führung Zweifel breit gemacht.

»Die Waffe war zu groß und zu schwer, und seinerzeit wurden bereits kleinere und leichtere Gefechtsköpfe entwickelt«, erklärt Hawkings. Der radioaktive Niederschlag nach einer »Blue Peacock«-Explosion sei als unakzeptabel eingestuft wurden. Zudem beschlichen die Armeeführung Zweifel, ob es politisch angebracht sei, heimlich nukleare Minen auf dem Gebiet eines verbündeten Landes zu verstecken. Im Februar 1958 beschloss das britische Verteidigungsministerium das Ende des Projekts. »Blue Peacock« starb unspektakulär: Die Dokumente verschwanden in Geheimarchiven, einer der beiden Prototypen wurde wahrscheinlich bei Versuchen zerstört. Der zweite sorgt heute in der südenglischen Provinz für wohliges Schaudern. Als Highlight der historischen Sammlung des AWE in Aldermaston, Berkshire. (Quelle: Markus Becker, www.spiegel.de vom 21.07.2003)

Bearbeitungsstand: Februar 2009

Siehe auch: Gefechtskopf
Siehe auch: Hiroshima

Bodendetonation

engl.: ground burst

Bei einer Bodendetonation einer Atombombe berührt der Feuerball die Erdoberfläche, wodurch ein Krater entsteht.

Neben der Absicht, durch den Krater ein Geländehindernis zu schaffen, besteht die entscheidende Wirkung einer Bodendetonation in der auftretenden starken Rückstandsstrahlung und der Erzeugung eines Fallout Gebietes.

Durch den entstehenden Staub wird die auf das Ziel auftreffende thermische Strahlung abgeschwächt. Die wirksame thermische Strahlung kann sich im Vergleich zu einer Luftdetonation um etwa 30% verringern. (LL)

Bearbeitungsstand: Januar 2006

siehe auch: Fallout
siehe auch: Rückstandsstrahlung

Bodenwolke

engl.: Wilson cloud

Atomtest Baker bei Bikini Atoll, 1946 Foto: US Military

Eine Bodenwolke bildet sich in der Regel bei Unterwasserdetonationen in geringer Tiefe. Dabei entsteht unmittelbar nach der Detonation abhängig vom KT-Wert eine mehrere hundert Meter hohe Wassersäule. Im Wasser entsteht eine Schockwelle, die sich mit hoher Geschwindigkeit vom Ground Zero entfernt. Die sich in der Atmosphäre ausbreitende Druckwelle bewegt sich langsamer fort, als diejenige im Wasser.

Das aus der Säule zurückfallende Wasser breitet sich beim Auftreffen auf die Meeresoberfläche rasch aus und bildet eine Bodenwolke. Diese besteht aus hoch radioaktivem Dunst und breitet sich mit einer Geschwindigkeit von etwa 60m/s aus. Im Falle einer Explosion in größerer Tiefe, bei der sich kein sichtbarer Atompilz ausbildet, entsteht aber trotzdem solch eine Bodenwolke.

Die Bodenwolke breitet sich nach allen Seiten aus. Etwa eine Minute nach der Detonation hat sie sich von der Wassersäule getrennt und ist als Ring um die Wassersäule sichtbar. Ihre Höhe beträgt mehrere hundert Meter. Schließlich löst sich die Bodenwolke von der Wasseroberfläche und gewinnt weiter an Höhe. Das ist auf verschiedene Ursachen zurückzuführen, darunter auch, dass das Abgeben von Wasser in Form von Regen die Wolke leichter macht. Nach 4 bis 5 Minuten ist die Bodenwolke vom Wind zerstreut worden und ist nicht mehr sichtbar. (Quelle: Chemglobe)

Bearbeitungsstand: März 2007

siehe auch: Ground Zero
siehe auch: KT (Kilotonne)
siehe auch: Unterwasserdetonation

BOHR Niels

1885 - 1962

Niels Bohr, Foto: Wikipedia Commons

Niels Hendrik David Bohr (1885-1962) wurde durch seine Arbeit an der Struktur der Atome bekannt, dem so genannten Bohrschen Atommodell, wofür er 1922 den Nobelpreis erhalten hat.

1943 musste Bohr, da er jüdische Vorfahren hatte, Kopenhagen verlassen und vor den Nazis zunächst nach Schweden und später weiter nach England fliehen. Dort wurde er Mitglied der Wissenschaftlergruppe, die am Manhattan-Projekt in Los Alamos arbeiten sollte.

Trotz seiner Mitarbeit an der Atombombe verlor Bohr niemals die Gefahr einer solchen Bombe aus den Augen. Er hat lange vor den Politikern die Gefahr eines Atomkrieges gesehen und vertrat die Auffassung, dass allenfalls das "Gleichgewicht des Schreckens" einen Atomkrieg verhindern könne. Deshalb schlug er vor, das Geheimnis der Atombombe an die Sowjetunion weiterzugeben. Dafür landete er fast im Gefängnis. 1957 erhielt Bohr für sein Engagement für eine friedliche Atompolitik den U.S. Atoms for Peace Award . (Quelle: Christian-Albrechts-Universität, Technische Fakultät)

Bearbeitungsstand: August 2006

Weitere Informationen zur Entwicklung der Atombombe

siehe auch: Gleichgewicht des Schreckens
siehe auch: Manhattan-Projekt

Bomarc-Flugkörper

engl.: Bomarc missile

Ein US-amerikanischer, ferngesteuerter Flugabwehrkörper der 1960er Jahre, der mit einem nuklearen Sprengkopf bestückt war. Die Bomarc erzielte eine maximale Reichweite von 700 km bei einer Geschwindigkeit von ca. 2,8 Mach. Zu Beginn des Kalten Krieges verfügten weder die USA noch die Sowjetunion über einsatzbereite Interkontinentalraketen. Stattdessen sollten gegnerische Ziele mit Nuklearwaffen bestückten strategischen Bombern angegriffen werden. Gegen diese Bedrohung von sowjetischer Seite entwickelten die USA Anfang der 1950er Jahre die Bomarc, die 1961 in Dienst gestellt wurde. Insgesamt wurden ca. 700 Bomarc-Flugkörper produziert.

Insgesamt 14 Bomarc-Abwehrstellungen in den USA und zwei weitere in Kanada eingerichtet. Die Bomarc waren in speziellen Schutzräumen untergebracht, von wo sie automatisch vertikal aufgerichtet und gestartet werden konnten. Mit diesem Verteidigungssystem sollten mögliche sowjetische nukleare Angriff über den Nordpol abgefangen werden. Nachdem die nukleare Bestückung der Flugkörper in der Öffentlichkeit bekannt wurde, kam es zwischen 1960 und 1971 in Kanada zu heftigen Protesten. Ab Mitte der 1960er Jahre übernahmen auf beiden Seiten nach und nach Interkontinentalraketen die Aufgaben der strategischen Bomber. Damit wurde die Bomarc überflüssig. Die letzte Einheit wurde 1972 aufgelöst.

Zielermittlung, Zielverfolgung und Steuerung der Bomarc erfolgten durch spezielle Radarstationen und Computersysteme. Bei Annäherung an das Ziel von weniger als 16.000 m übernahm das bordeigene Radar die Steuerung bis zum Abfangpunkt, wo der konventionelle Sprengkopf oder auch ein Nuklearsprengkopf (W-40) mit 10 kT gezündet wurde.

Technische Daten:
Länge: 14,2 m
Durchmesser: 0,89 m
Spannweite: 5,54 m
Geschwindigkeit: Mach 2,8 - 3,0
Maximale Flughöhe: 30.000 m
Reichweite: 320-640 km
Sprengkopf: konventionell oder atomar (LL)

Bearbeitungsstand: Dezember 2007

Bombenturm

engl.: bomb stack

Am 16. Juli 1945 explodierte die erste Atomwaffe der Geschichte über der Wüste in New Mexico in den USA. Auf dem Alamogordo-Testgelände testeten unter der Codename "Trinity" die USA eine in Los Alamos völlig neu entwickelte Implosionswaffe. Zu diesem Zweck wurde die Plutoniumbombe auf einem Bombenturm montiert und dann zur Expolsion gebracht. Der Turm war eine Stahlkonstruktion von ca. 40 m Höhe. Er war von der Spitze her mit seitlich abgespannten Stahlseilen am Boden fixiert. Sein Zweck war es, die Bombe während der Explosion in einer genau festgelegten Position zu halten, damit die Messgeräte und Kameras, mit denen die Wirkung der Detonation dokumentiert werden sollte, auswertbare Ergebnisse liefern konnten. Während der Explosion der Atombombe verdampfte der Bombenturm wegen der großen Hitze vollständig. Auch bei späteren oberirdischen Tests wurden immer wieder Bombentürme mit Höhen zwischen 30 bis 220 m verwendet. (LL)

Bearbeitungsstand: November 2009

Weitere Informationen über die Entwicklung der Atombombe

siehe auch: Alamogordo
siehe auch: Los Alamos
siehe auch: Trinity-Atomtest

Boosting

dt.: Wirkungssteigerung

Ein wichtiger Schritt in der Modernisierung und Weiterentwicklung der Kernwaffentechnologie ist die Technik des Boosting, deren theoretisches Prinzip schon 1945 in Los Alamos erfunden wurde. Es ist damit möglich, den Wirkungsgrad eines Kernsprengkopfes erheblich zu steigern und die Explosionsenergie in einem weiten Bereich kurz vor dem Einsatz nach Wunsch einzustellen.

Bei geboosteten Sprengkörpern wird in das Zentrum des Spaltstoffes Fusionsmaterial eingefüllt. Es handelt sich hierbei um Deuterium-Tritium-Gas, das infolge der durch die Kettenreaktion freigesetzten Energie des gezündeten Sprengkopfes so aufgeheizt wird, dass Fusionsreaktionen stattfinden. Bei einer solchen Fusionsreaktion zwischen einem Deuteriumkern und einem Tritiumkern werden ein Heliumkern, ein Neutron und Energie frei. Dadurch wird eine große Anzahl zusätzlicher Neutronen frei, die die Kettenreaktion erheblich verstärken.

Zu Beginn einer Kettenreaktion sind erst wenige Spaltneutronen vorhanden, deren Anzahl dann exponentiell ansteigt. Die Zahl der »Anfangsneutronen« entscheidet darüber, wie viele Kerne während der ungefähr 50 Neutronengenerationen insgesamt gespalten werden, bevor die Anordnung infolge der freigesetzten Energie wieder auseinander fliegt. Infolge der zusätzlichen Fusionsneutronen in früheren Generationen erhält der Sprengkopf einen höheren Wirkungsgrad. Dieser lässt sich durch die Menge des DT-Gases in einem weiten Bereich variieren.

Da das Tritium radioaktiv zerfällt (Halbwertszeit rund 12 Jahre) muss es von Zeit zu Zeit ersetzt werden. Das Fusionsmaterial ist daher außerhalb des Sprengkopfes angebracht und wird erst kurz vor der Implosion in das Zentrum eingebracht. Damit ist auch die Wahl der Explosionsenergie bis zum letzten Moment möglich. Im Mittel reichen pro Sprengkopf ungefähr 4 g Tritium aus. Bei fast allen heute existierenden Sprengköpfen wird das Boosting-Prinzip angewandt. (Quelle: Annette Schaper: Kernwaffen der ersten und zweiten Generation, in Rüstungsmodernisierung und Rüstungskontrolle, Baden-Baden 1991/92, S. 77f.)

Bearbeitungsstand: September 2007

Siehe auch: Halbwertszeit
Siehe auch: Kettenreaktion
Siehe auch: Los Alamos
Siehe auch: Sprengkraft
Siehe auch: Tritium

Borej-U-Boot

engl.: Borei submarine

Das strategische Atom-U-Boot des Projekts 955 »Borej« (NATO-Code: Borei) vierter Generation wurde im St. Petersburger Betrieb Rubin entwickelt. Das Boot ist 170 m lang und hat eine maximale Wasserverdrängung von 24 000 t (unter Wasser). Das Schiff hat eine Unterwasser-Geschwindigkeit von bis zu 29 Knoten und kann auf eine Tiefe von etwa 450 m tauchen. Die autonome Fahrt beträgt 100 Tage, zur Besatzung gehören 130 Mann.

Ursprünglich war geplant, »Borej«-U-Boote mit interkontinentalen ballistischen Raketen »Bark« neuer Generation mit Feststofftriebwerk auszustatten. Nach mehreren Pannen bei den Erprobungen beschloss das Verteidigungsministerium in Moskau, einen neuen Raketenkomplex - D-19M - mit zwölf ballistischen Feststoffraketen SS-NX-30 »Bulawa« zu entwickeln. Zu den Probestarts der Rakete (bislang wurden vier Raketen gestartet) wurde im Sewmasch-Betrieb nach dem Projekt 941UM das Atom-U-Boot TK-208 »Dmitri Donskoi« modernisiert.

»Borei«-U-Boote sollen in der Zukunft U-Boote der Klassen »Akula« (NATO-Code: Taifun) des Projekts 941 und »Delphin« (NATO-Code: Delta-IV) des Projekts 667BDRM ersetzen. Gegenwärtig baut Sewmasch im Auftrag des Staates zwei U-Boote dieser Klasse: »Juri Dolgoruki« und »Alexander Newski. Die Inbetriebnahme der Schiffe ist entsprechend für 2008 und 2010 geplant.

Am 19. März 2005, am Tag des 100-jährigen Bestehens der Unterwasserflotte Russlands, wurde im Sewmasch-Betrieb ein drittes Atom-U-Boot der »Borej«-Klasse - »Wladimir Monomach« - auf Kiel gelegt. Das Schiff soll 2011 vom Stapel laufen. Alle drei U-Boote sollen der Nordflotte gehören.

Das vierte strategische U-Boot der Borej-Klasse (Projekt 955) wird in einer neuen Modifikation gebaut. Im Moment befinden sich in der Werft in Sewerodwinsk drei U-Boote des Projekts 955 Borej in verschiedenen Fertigungsstufen: die "Juri Dolgoruki", die "Alexander Newski" und die "Wlaidmir Monomach". Es ist geplant, bis 2015 insgesamt acht U-Boote dieser Klasse zu bauen. Die strategischen Atom-U-Boote der Borej-Klasse sollen laut Marinechef Wladimir Wyssozki bis 2040 das Kernstück der russischen Atomraketen-Flotte bilden. (Quelle: RIAN)

Bearbeitungsstand: Oktober 2010

siehe auch: Taifun U-Boot

Böttingen

ehem. Atomwaffenstandort Deutschland

Die ehemalige Raketenstellung Böttingen (48°06’09“N, 08°47’05“O) lag ca. 30 km westlich der Stadt Sigmaringen in Baden-Württemberg. Sie wurde in der Zeit des Kalten Krieges unterschiedlich genutzt.

Zunächst diente sie in den 1960 Jahren den französischen Streitkräften als Feuerstellung für das Flugabwehrsystem Nike. Im Rahmen der großräumigen Luftverteidigung Europas während der Zeit des Kalten Krieges waren auch die französischen Streitkräfte an dem quer durch Deutschland verlaufenden Nike-Herkules Flugabwehrgürtel mit insgesamt sechs in Süddeutschland gelegenen Feuerstellungen beteiligt. Dabei handelte es sich um die Standorte Böttingen, Friedrichshafen, Mengen, Münsingen, Stetten und Inneringen. Die in Böttingen stationierte 1./520 war in drei getrennten Bereichen untergliedert: der Unterkunft, dem Feuerleitbereich in günstiger topografischer Lage mit bis zu 5 Radargeräten für Überwachung, Zielerfassung, Zielverfolgung und Flugkörperverfolgung und dem Abschussbereich mit jeweils 3 Abschussflächen und dazugehörigen Bunkern. In diesem Bereich befanden sich auch die Atomsprengköpfe.

In der Stellung Böttingen waren von 1965 bis 1966 atomare Flugabwehrraketen vom Typ Nike stationiert. An Atomsprengköpfen waren zwei Versionen verfügbar. Die kleinere mit der Bezeichnung B-XS hatte eine Sprengkraft von 2 Kilotonnen. Die größere B-XL besaß 40 kT Sprengkraft. Maximal waren je Stellung zehn Nuklear-Sprengköpfe vorhanden, acht mit der Stärke XS mit 2 Kilotonnen und zwei XL mit 40/20 Kilotonnen Sprengkraft. Für den Einsatz der Gefechtsköpfe gab es genau festgelegte Prioritäten. Beim Anflug eines einzelnen feindlichen Zielobjektes wurde ein kleiner atomarer Gefechtskopf (B-XS) eingesetzt. Beim Anflug mehrerer feindlicher Zielobjekte wurde soweit verfügbar ein großer atomarer Gefechtskopf (B-XL) eingesetzt. Die ebenfalls vorhandenen konventionellen Gefechtsköpfe dienten lediglich als Munitionsreserve. Mit dem Austritt Frankreichs aus der integrierten Befehlsstruktur der NATO am 1. Juli 1966 wurde die Stellung von den französischen Truppen geräumt. (Quellen: Jürgen Dreifke, Michael Juhls)

Ab 1969 wurde Böttingen von der US-Armee als QRA-Stellung (Quick Reaction Alert) genutzt. Es handelte sich dabei um eine Pershing-IA-Raketenstellung des 81. Field Artillery Regiments der US-Armee mit drei abschussbereiten Raketen, bestückt mit atomaren Gefechtsköpfen. Die Sprengköpfe vom Typ W50 verfügten über unterschiedliche KT-Werte von 60, 200 oder 400 KT. Am 22. Februar 1970 ereignete sich in der Stellung ein kritischer Unfall. Durch unsachgemäße Wartungsarbeiten an einem scharfen Atomsprengkopft einer Pershing- Raketete, die sich zu diesem Zeitpunkt im QRA-Status befand, fiel der Sprengkopf unkontrolliert zu Boden. Die Stellung wurde sofort geräumt und weiträumig abgesperrt. Die befürchtete Detonation fand nicht statt. (LL)

Bearbeitungsstand: Januar 2012

siehe auch: Nike Herkules
siehe auch: KT-Wert
siehe auch: Kalter Krieg
siehe auch: QRA-Stellung

Bowie-Kommission

Robert R. Bowie war Direktor des »Center for International Affairs« an der Harvard Universität in Cambridge/Massachusetts und in dieser Funktion Berater des us-amerikanischen Außenministeriums. Im Sommer 1960 war Bowie zum Vorsitzenden einer Kommission berufen worden, die in einem Geheimbericht die Möglichkeiten einer politischen Stärkung der NATO untersuchen sollte. Die zentrale Empfehlung der Bowie-Kommission an den US-Verteidigungsminister McNamara lautet: Eine nukleare »taktische Kriegführung ist weder akzeptabel noch glaubwürdig als Abschreckung«. Ferner warnte die Kommission davor, dass die wachsende Macht Europas allmählich das amerikanische Monopol der nuklearen Entscheidung untergrabe. Im Mai 1961 machte sich Präsident Kennedy die entscheidenden Gedanken des Bowie-Berichts zu Eigen. Vor dem kanadischen Parlament in Ottawa erklärte er: »Wir prüfen die Möglichkeit, eine (Raketen tragende) NATO-Seestreitmacht zu schaffen, die in Besitz und Kontrolle wahrhaft multilateral sein soll«. Dieses Vorhaben konnte wegen unterschiedlicher Interessen der NATO-Partner (Großbritannien und Frankreich verfügen über eigene Nuklearstreitkräfte) nicht verwirklicht werden. (LL)

Bearbeitungsstand: März 2009

BRADBURY Norris

1909 - 1997

Der US- amerikanische Physiker Norris Bradbury wurde am 30. Mai 1909 in Santa Barbara, Kalifornien geboren. Im Jahr 1932 promovierte er an der University of California, Berkeley zum Thema: Die Mobilität von Ionen in Gasen. Danach arbeitete er als Physiker an der Stanford Universität. Seine Hauptarbeitsbereiche lagen auf den Gebieten der Elektrizitätsleitung in Gasen und den Folgen der Atmosphärenelektrizität. Von dort wurde er Anfang der 1940er Jahre zur Mitarbeit am Manhattan Projekt abberufen. Dort begann am 13. Juli 1945 unter seiner Leitung der Zusammenbau der ersten funktionsfähigen Atombombe »Trinity«. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges übernahm Bradbury die Leitung des Los Alamos National Laboratory. In dieser Funktion blieb er bis 1970. Bradbury starb am 20. August 1997 in Los Alamos, New Mexico.

Bearbeitungsstand März 2008

Weitere Informationen zur Entwicklung der Atombombe

siehe auch: Manhattan-Projekt

Brasilien

engl.: Brazil

Obwohl Brasilien bereits 1968 den Vertrag von Tlateloloco unterzeichnet hatte, der allen Staaten Lateinamerikas und der Karibik den Erwerb und Besitz von Nuklearwaffen verbietet, startete das Militärregime 1978 ein geheimes Kernwaffenprojekt. Bereits in den 1970er Jahren konnte Brasilien mit der Hilfe Deutschlands Uran anreichern. Ebenfalls mit deutscher Hilfe wurden in Brasilien die ersten Atomkraftwerke gebaut. Als das Land 1985 zur Demokratie zurückkehrte, wurden sämtliche Programme zur militärischen Nutzung der Kernenergie wieder eingestellt. Im Jahr 1998 ratifiziert Brasilien mit einiger Verspätung den Atomwaffensperrvertrag, nicht aber das Zusatzprotokoll, das Überraschungsbesuche der Inspektoren erlaubt. Das Land ist seit 1996 Mitglied der Nuclear Suppliers Group (NSG). Überdies hat Brasilien den Atomteststoppvertrag ratifiziert (im Unterschied zu China, Israel, dem Iran, Ägypten, Libyen Indien, Pakistan und den USA). (Quelle: Telepolis)

Im Jahr 2006 hat das Land von der Weltöffentlichkeit weitgehend unbeachtet mit der Anreicherung von Uran begonnen. Die Anlage Resende, auf einer ehemaligen Kaffeeplantage 150 Kilometer westlich von Rio de Janeiro gelegen, ging in Betrieb. Laut Regierung wolle Brasilien mit dem Uran seine zwei Atomkraftwerke Angra I und II betreiben. Sie entschied zudem den Bau eines dritten Atomkraftwerks, Angra III. Den Auftrag erhielten die deutsche Siemens-KWU und der staatliche französische Konzern Framatome. Brasiliens Technologieminister Sergio Rezende sagte, das Land würde durch die Anreicherung des Urans jährlich elf Millionen Dollar sparen, da es den Brennstoff nicht mehr aus Europa importieren müsse. Brasilien ist damit dem Ziel, Unabhängigkeit in der Energieversorgung zu erlangen, einen Schritt näher gekommen, zumal es selbst große Uranvorkommen hat. [...]
Brisant ist der Beschluss Brasiliens, als zehntes Land weltweit Uran anzureichern, jedoch vor allem deshalb, weil Brasilien damit den gleichen Schritt unternimmt, vor dem der Westen Iran warnt. In den USA und Europa wird nun befürchtet, Brasilien könne einen Präzedenzfall etablieren. Zwar besteht Minister Rezende darauf, dass das in Resende angereicherte Uran ausschließlich friedlichen Zwecken dienen werde. Doch das US-Wissenschaftsmagazin „Science“ wies darauf hin, dass in Resende waffenfähiges Uran für jährlich fünf bis sechs Atombomben produziert werden könne. [...] Dennoch weigert sich Brasilien, das Zusatzprotokoll, zum 1998 unterzeichneten Atomwaffensperrvertrag, zu ratifizieren, das unangekündigte Besuche von Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde IAEO erlaubt. Mehrfach hat man den Inspektoren bereits den Blick auf die zentralen Anlagenteile von Resende untersagt. Die Brasilianer begründen dies mit dem Schutz vor Industriespionage. [...] (Quelle: ARD-Bericht vom 16.5.2006)

Bearbeitungsstand: März 2008

siehe auch: Atomwaffensperrvertrag

Breakout

Breakout meint die Möglichkeit, dass Russland mit dem waffenfähigen Material seiner zerlegten Nuklearwaffen irgendwann sein gewaltiges Atomarsenal rasch wieder aufbauen könnte. Es besteht allerdings die Hoffnung, dass Russland in der Frage der Nutzung oder der Entsorgung von spaltbarem Material mit den USA zusammenarbeiten wird, mit dem Ziel, das waffenfähige Material nicht wieder für Atomwaffen zu verwenden. So hat Russland mit den USA vereinbart, ihnen in den nächsten 20 Jahren 500 Tonnen HEU zu verkaufen, das so gemischt wird, dass aus ihm Brennelemente aus schwach angereichertem Uran für Stromreaktoren hergestellt werden können. Für dieses Material wird Russland zwölf Milliarden Dollar erhalten. (Quelle: Richard L. Garwin inW&F 2/95)

Bearbeitungsstand: Mai 2007

Brennstoffkreislauf

engl.: nuclear fuel cycle

Abbildung des Brennstoffkreislaufes, Grafik: Benedikt SeidlWeil der Brennstoff in Atomkraftwerke nicht einfach verbrannt wird, sondern teilweise zurückgeführt werden kann, spricht man von einem „Zyklus“ oder „Kreislauf“. Der Brennstoff wird bei einmaligem Durchgang nur z. T. ausgebrannt. Bei jedem Durchgang wird im Brennstoff selbst Spaltstoff gebildet (bei Brüterreaktoren sogar mehr als verbraucht wird). Vor jedem neuen Durchgang muss aus dem Brennstoff in Wiederaufarbeitungsanlagen das Plutonium abgetrennt werden. Danach wird es in Refabrikationsanlagen zusammen mit frischem Uran in so genannten Mischoxid- (MOX)-Brennelementen weiterverarbeitet.

Das wieder aufgearbeitete Uran wurde wegen der darin enthaltenen Reststrahlung allerdings noch nie wieder eingesetzt. Zudem gelang die Nutzung von Plutonium in MOX-Brennelementen nicht in dem Umfang, wie dies Material produziert wurde und es liegen große Mengen Pu auf Halde. Daher sprechen viele ExpertInnen eher von einer „Kette“ als von einem „Kreislauf“, die beginnt mit dem Uranabbau und soll mit der noch ungelösten Endlagerung vom Atommüll enden. Die anderen wichtigsten Stadien auf dem Weg dahin sind: die Urankonversion, Urananreicherung, die Brennelementefabrikation, die Produktion von Strom im Kernreaktor, die Wiederaufbereitung und Refabrikation. An verschiedenen Punkten in dieser Kette können Spaltmaterialien für den Bau von Kernwaffen abgezweigt werden. (XH)

Bearbeitungstand: September 2009

siehe auch: Plutonium
siehe auch: Urananreicherung
siehe auch: Wiederaufarbeitung

Brimmingen

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

Im Rahmen der großräumigen Luftverteidigung Europas während der Zeit des Kalten Krieges waren auch die US-Streitkräfte an dem quer durch Deutschland verlaufenden Nike-Herkules Flugabwehrgürtel mit insgesamt sechs in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz, stationierten Bataillonen beteiligt. Das 4thMissile Battailon, 6thUS-Arty-Group verfügte über atomare Feuerstellungen in den Standorten Hontheim, Welschbillig, Brimingen und Balesfeld.
Die Nike-Feuerstellung (Launching Area) Brimingen (49°58'11“N, 6°21'08“O) lag 12 km westlich der Kreisstadt Bitburg in Rheinland-Pfalz.
Die dort stationierte C-Battery, 4thMissile Battailon, 6thUS-Arty-Group bestand aus drei getrennten Bereichen: der Unterkunft, dem Feuerleitbereich in günstiger topografischer Lage mit bis zu 5 Radargeräten für Überwachung, Zielerfassung, Zielverfolgung und Flugkörperverfolgung und dem Abschussbereich mit jeweils 3 Abschussflächen und dazugehörigen Bunkern. In diesem Bereich befanden sich auch die Atomsprengköpfe.
In der Stellung Brimingen waren bis 1970 atomare Flugabwehrraketen vom Typ Nike stationiert. An Atomsprengköpfen waren zwei Versionen verfügbar. Die kleinere mit der Bezeichnung B-XS hatte eine Sprengkraft von 2 Kilotonnen. Die größere B-XL besaß ursprünglich 40 kT Sprengkraft. Letztere wurden in den 1970er Jahren gegen Sprengköpfe zu 20 kT ausgetauscht. Maximal waren je Stellung zehn Nuklear-Sprengköpfe vorhanden, acht mit der Stärke XS mit 2 Kilotonnen und zwei XL mit 40/20 Kilotonnen Sprengkraft. Für den Einsatz der Gefechtsköpfe gab es genau festgelegte Prioritäten. Beim Anflug eines einzelnen feindlichen Zielobjektes wurde ein kleiner atomarer Gefechtskopf (B-XS) eingesetzt. Beim Anflug mehrerer feindlicher Zielobjekte wurde soweit verfügbar ein großer atomarer Gefechtskopf (B-XL) eingesetzt. Die ebenfalls vorhandenen konventionellen Gefechtsköpfe dienten lediglich als Munitionsreserve. (LL)

(Quellen: Jürgen Dreifke, Michael Juhls)

Bearbeitungsstand: August 2010

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: KT-Wert
siehe auch: Nike Hercules

Budapester Memorandum

Beim KSZE-Gipfeltreffen am 5. und 6. Dezember 1994 in Budapest wurde beschlossen, die KSZE zu institutionalisieren und mit Wirkung vom 1. Januar 1995 in »Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa« (OSZE) umzubenennen. Dadurch sollte eine operative Stärkung der KSZE - insbesondere bei der Konfliktverhütung und Friedenserhaltung - sowie ihre aktive Einbeziehung bei der Beilegung regionaler Konflikte erreicht werden.

Im Rahmen dieser Konferenz wurde am 5. Dezember 1994 das »Budapester Memorandum« unterzeichnet. Es war eine Vorbedingung für die Unterzeichnung und spätere Ratifizierung des Atomwaffensperrvertrages sowie des Atomteststoppvertrages. Im Memorandum heißt es: »In Anbetracht der neuen Bedrohungen durch die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen haben wir grundlegende Prinzipien vereinbart die uns in unserer einzelstaatlichen Politik leiten und uns auf unsere gemeinsamen Ziele der Nichtverbreitung hinführen sollen. Wir legen ein festes Bekenntnis zur uneingeschränkten Erfüllung sowie zur unbefristeten und bedingungslosen Verlängerung des Vertrages über die Nichtverbreitung von Kernwaffen ab. Wir begrüßen die jüngsten Erklärungen der vier Kernwaffenstaaten in der KSZE-Region in Bezug auf Kernwaffentests, da diese der Aushandlung eines umfassenden Kernwaffen-Teststoppvertrags dienlich sind…«. (Gipfelerklärung von Budapest, Ziffer 12)

Mit dem »Budapester Memorandum« verpflichteten sich die USA, Russland, China, Frankreich, Großbritannien und Deutschland, die politische und wirtschaftliche Unabhängigkeit von Weißrussland, der Ukraine und Kasachstan zu garantieren, wenn diese im Gegenzug auf den Besitz von Nuklearwaffen verzichten würden. Als Ergebnis dieser Vereinbarung wurden die in diesen Staaten noch aus Zeiten der Sowjetunion stationierten Nuklearwaffen bis zum Jahre 1996 nach Russland verbracht, das als Nachfolgestaat der UdSSR Atomwaffenstaat geblieben war. (LL)

Bearbeitungsstand: September 2007

Büchel

Besuch des Atomwaffenstandortes Büchel, Foto: IMV-Wuppertal

Der Fliegerhorst Büchel in der Eifel ‑ unweit von Cochem an der Mosel gelegen ‑ ist zur Zeit der einzige Standort der Bundeswehr, an dem nachweislich Atomsprengkörper eingelagert sind. Für die Bevölkerung, die im Umfeld des Fliegerhorstes lebt, stellt die Bundeswehr als wichtigster Arbeitgeber mit über 2000 Arbeitsplätzen einen entscheidenden Wirtschaftsfaktor dar.

In der Kaserne ist das Jagdbombergeschwader 33 stationiert. Ausgerüstet ist das Jagdbombergeschwader mit insgesamt 36 Flugzeugen des Typs Tornado, die sowohl für den konventionellen als auch für den nuklearen Einsatz ausgestattet sind. Der Einsatz von Atomwaffen durch deutsche Soldaten würde durch ‚nukleare Teilhabe’ erfolgen und ist völkerrechtlich äußerst umstritten.

Das Geschwader war zunächst mit der F-84F Thunderstreak ausgestattet. Die atomare Bewaffnung für dieses Flugzeug bestand aus einer freifallenden Fliegerbombe mit einer Sprengkraft von 8 Kilotonnen. Ab 1964 erfolgte die Umrüstung auf den Starfighter F-104G. Die atomare Bewaffnung bestand anfangs aus der Mk.28 Atombombe. Es handelte sich dabei um die erste amerikanische Waffe dieser Art. Nach einem Baukastenprinzip konnte diese Waffe in 5 verschiedenen Abwurfvarianten zusammengesetzt werden, um verschiedenen Trägersystemen gerecht zu werden. Bei der Version für die F-104G handelte es sich um die Version Mk.28 FUFO, die den gebremsten Abwurf von schnellen Jet's im Tiefflug erlaubte und weiter über eine Sprengkraft von 1100 Kilotonnen (KT) verfügte. Die Abwurfhöhe lag zwischen 91 und 183 Metern. Diese Version wurde ab 1968 von der Mk.43 Atombombe des Tactical Air Command abgelöst. Die Waffe verfügte über ein Gewicht von knapp 1000 kg und einer unveränderlichen Sprengwirkung von 1 Megatonne (MT). Sie war als Außenlast speziell für den Abwurf von schnell und tieffliegenden Jagdbombern entwickelt worden.

Die Ausbildung in den einzelnen Abwurfverfahren erfolgte mit der Übungsbombe MK-106, die von den Abwurfbehältern / Übungsbombenträgern getragen wurden. Diese amerikanische Übungsbombe wurde etwa ab 1975 von der DM18 aus deutscher Produktion abgelöst. Erst wenn der Pilot sich in allen Verfahren qualifiziert hatte, erhielt er die Möglichkeit die Profilübungsbombe BDU-8/B/BDU-12B (Bomb Dummy Unit) bei einem Übungseinsatz auf dem NATO-Schießplatz Decimomannu (Deci) abzuwerfen.

Ständige Weiterentwicklungen und Erprobungen fügte als Ergänzung ab 1968 die Mk.57 Atombombe mit einer vergleichsweise minimalen Sprengkraft von 5-20 KT dem A-Waffenarsenal der deutschen "F-104" hinzu.

Ab dem Jahr 1975 wurde die Version Mk.43 von der Mk/B 61 Abwurfwaffe abgelöst. Dies war eine optimierte und fortschrittlichere Bombe für den Abwurf von schnell und unter 90 Metern fliegenden Kampfflugzeugen, zu denen die F-104G gehörte, und als Mehrzweckwaffe für taktische und strategische Einsätze gedacht.

Der Einsatz der mit A-Waffen beladenen Starfighter war nur möglich, wenn die Bomben zuvor vom amerikanischen Personal geschärft worden waren. Das geschah erst unmittelbar vor dem befohlenen Einsatz. War der Kode an der Bombe von den Amerikanern nicht korrekt eingestellt, konnte diese nicht zum Einsatz gebracht werden. (Rolf Ferch: www.rolfferch.de/F104G/html/strikebeladeschema.html)

Die Umrüstung auf den ebenfalls nuklearwaffenfähigen Jagdbomder vom Typ Tornado erfolgte ab 1984.

Der Standort Büchel verfügte zu unterschiedlichen Zeiten über insgesamt drei räumlich getrennte Atomwaffenlagerorte. Bis 1989 wurde eine kleine Anzahl von Atomwaffen in einem verbunkerten Sonderwaffenlager (genaue Lage nicht bekannt) auf dem Gelände des Flugplatzes selbst bereitgehalten. Die große Mehrzahl der Atombomben wurde in einem ca. 3 km nördlich der Landebahn gelegenen Atomwaffenlager (50°12'01"N, 7°04'24"O) bereitgehalten. Der Transport der Atomwaffen zu den Flugzeugen erforderte "Konvois mit starken Sicherungskräften, die durch öffentlich zugängliches Gelände fahren mussten. Schon das Vorhandensein der Konvois zog Aufmerksamkeit auf sich und war für Sabotageakte anfällig". 1990 wurde auf dem Fliegerhorst im Rahmen des NATO-Programms Weapons Storage and Security System (WS3) ein neues Atomwaffenlager (50°10'55"N, 7°03'48"O) errichtet, das maximal 44 Atombomben in elf so genannten ‚Grüften’ aufnehmen kann. Dieses System ermöglicht die Lagerung der Atomwaffen in den Flugzeugschutzbauten unmittelbar unter den Flugzeugen. Vermutlich handelt es sich bei den in Büchel stationierten Waffen um Fliegerbomben vom Typ B-61. Die Bomben verfügen über eine variable Sprengkraft von bis zu 45 Kilotonnen (Modell 3) bzw. bis zu 170 Kilotonnen (Modell 4). Letzteres entspricht mehr als der 13-fachen Zerstörungskraft der Hiroshima-Bombe. (Otfried Nassauer)

Unklar ist, wie lange die atomwaffentaugliche Variante des Tornados im Einsatz gehalten werden kann. Das Jagdbombergeschwader 33 in Büchel wird voraussichtlich zwischen 2012 und 2015 auf den nicht atomwaffenfähigen »Eurofighter« umgestellt. Allerdings werden auch danach in anderen deutschen Geschwadern atomwaffenfähige Tornados im Einsatz bleiben. Eine Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Fraktion der Linken im Bundestag brachte ans Licht, dass auch nach 2020, dem eigentlichen Zeitpunkt der endgültigen Ausmusterung des Tornados, einige Flugzeuge weiter im Dienst bleiben sollen, um Deutschlands Rolle in der nuklearen Teilhabe zu sichern. […] Offenbar soll eine Entscheidung über ein nuklearwaffentaugliches Trägersystem für die Luftwaffe so lange hinausgezögert werden, bis die politische Entscheidung über eine neue NATO-Nuklearstrategie gefallen ist. (Quelle: Oliver Meier in Friedensgutachten 2007, S. 91)

Es gibt Hinweise, dass die USA im Rahmen eines Lebensdauer Verlängerungsprogramms (Life Extension Program) auch die in Büchel stationierten Atomwaffen modernisieren wollen. Die neu konstruierten Bomben vom Typ B61-12 wären dann die modernsten Nuklearwaffen der USA. So soll die Sprengkraft erhöht werden, und die Bomben sollen mit steuerbaren Heckflossen versehen werden. Dadurch könnte der Gefechtskopf zielgenauer zum Einsatz gebracht werden. Nach derzeitiger Planung sollen die ersten Bomben vom Typ B61-12 ab 2017 einsatzbereit sein (Quelle: Rheinzeitung Mayen vom 27.07.2011)

Bearbeitungsstand: August 2011

siehe auch: Hiroshima
siehe auch: KT (Kilotonnen)
siehe auch: Nukleare Teilhabe

Büecke

ehem. Atomwaffenstandort Deutschland

Das Flugabwehrraketenbataillon 21 wurde 1959 auf dem Fliegerhorst Köln-Wahn in Dienst gestellt. Es folgte eine Dislozierung des Verbandes in den Räumen Iserlohn, Soest, Warendorf und Dülmen. Als erster Verband der Luftwaffe wurde das neu aufgestellte FlaRakBtl 21 mit dem Waffensystem NIKE ausgerüstet.

Die Nike-Feuerstellung (Launching Area) Büecke (51°31’44“N, 08°05’53“O) der 2. Batterie des FlaRakBtl 21 lag ca. 5 km nördlich des Möhnesees in Nordrhein-Westfalen. Die Batterie bestand aus drei getrennten Bereichen: der Unterkunft, dem Feuerleitbereich in günstiger topografischer Lage mit bis zu 5 Radargeräten für Überwachung, Zielerfassung, Zielverfolgung und Flugkörperverfolgung und dem Abschussbereich mit jeweils 3 Abschussflächen und dazugehörigen Bunkern. In diesem Bereich befanden sich auch die Atomsprengköpfe. Während die Raketen in Montagebunkern oder auf durch Erdwälle geschützten  Abschussschienen bereit gehalten wurden, lagen die Radaranlagen in exponierter Stellung und konnten nur mit Sandsäcken oder Konturen verwischender Tarnung ungenügend geschützt werden. Zum Eigenschutz vor allem gegen angreifende Tiefflieger, wurden die Stellungen später zusätzlich mit 20mm Zwillingsgeschützen ausgestattet.

In der Stellung Büecke waren bis 1987 atomare Flugabwehrraketen vom Typ Nike stationiert. An Atomsprengköpfen waren zwei Versionen verfügbar. Die kleinere mit der Bezeichnung B-XS hatte eine Sprengkraft von 2 Kilotonnen. Die größere B-XL besaß ursprünglich 40 KT Sprengkraft. Letztere wurden in den 1970er Jahren gegen Sprengköpfe zu 20 KT ausgetauscht.

Maximal waren je Stellung zehn Nuklear-Sprengköpfe vorhanden, acht mit der Stärke XS mit 2 Kilotonnen und zwei XL mit 40/20 Kilotonnen Sprengkraft. (Quelle: Jürgen Dreifke)

Ein Zeitzeuge erinnert sich: «Die vier Batterien des FlaRakBtls 21 [mit den Feuerstellungen Westkirchen, Büecke, Opherdicke und Datteln] befanden sich in unterschiedlichen Bereitschaftsstufen mit einer Reaktionszeit von maximal 30 Minuten, maximal 3 Stunden, maximal 12 Stunden und mehr als 12 Stunden. Innerhalb einer Batterie hatten mindestens zwei Abschussplätze den selben Bereitschaftsgrad. Konnte eine der Batterien aus technischen Gründen den Bereitschaftsgrad nicht einhalten, dann rückten die anderen Batterien eine Einsatzstufe nach oben. Abhängig vom Bereitschaftsgrad war die Stellung im Schichtbetrieb ständig besetzt und einsatzbereit. Dazu gab es in der Batterie drei Kampfbesatzungen für den Feuerleit- und Abschussbereich, die sich in einem System von 48-Std-Schichten während der Woche und 72-Std-Schichten am Wochenende abwechselten.

«Für den Einsatz der Gefechtsköpfe gab es genau festgelegte Prioritäten. Beim Anflug eines einzelnen feindlichen Zielobjektes wurde ein kleiner atomarer Gefechtskopf (B-XS) eingesetzt. Beim Anflug mehrerer feindlicher Zielobjekte wurde ein großer atomarer Gefechtskopf (B-XL) eingesetzt. Die ebenfalls vorhandenen konventionellen Gefechtsköpfe dienten lediglich als Munitionsreserve.

«Soweit mir bekannt, befanden sich in allen Nike-Stellungen der Bundesluftwaffe atomare Gefechtsköpfe.» (Quelle: Michael Juhls)

Bearbeitungsstand: Februar 2010

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: KT (Kilotonne)
siehe auch: Nike Hercules

Büren

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

Das atomare "Versorgungslager Munition" (VLM) Büren (51°33'02“N, 8°38'03“O) lag ca. 20 km südwestlich der Stadt Paderborn in Ostwestfalen. Es handelte sich hierbei um eines von insgesamt 10 Hauptlagern der USA, Belgier und Niederländer für atomare Sprengköpfe. Dazu gehörte auch das Waffensystem Nike Herkules. Es standen zwei unterschiedliche Atomsprengköpfe zur Verfügung. Die kleinere Version trug die Bezeichnung B-XS und hatte eine Sprengkraft von ca. 2 Kilotonnen. Die größere Version B-XL verfügte ursprünglich über eine Sprengkraft von ca. 40 Kilotonnen, die in den 1970er Jahren auf ca. 20 Kilotonnen reduziert wurde.

Die Sprengköpfe wurde 1988 abgezogen und in die USA rückverlegt. Über die Anzahl der eingelagerten Sprengköpfe gibt es keine Angaben. (LL)

Bearbeitungsstand: August 2011

siehe auch: Honest John-Rakete
siehe auch: Sprengkraft

Bulawa-Atomrakete

engl.: Bulava missiles

eine russische Interkontinental-Rakete des Typs Bulawa nach dem Abschuss von einem U-Boot aus

Die Bulawa soll die Hauptbewaffnung der neuen russischen U-Boote der BOREY-Klasse werden. Für die Entwicklung der Bulawa wurden verschiedene Komponenten der SS-27 übernommen. Das Entwicklungsprogramm hinkt rund 15 Jahre hinter dem ursprünglichen Zeitplan hinterher. Der erste Ausstoßversuch aus einem getauchten U-Boot fand am 11. Dezember 2001 statt. Der erste Teststart erfolgte am 27 September 2005. Das System soll im Jahr 2008 eingeführt werden. Zu einem späteren Zeitpunkt  ist auch eine fahrzeuggebundene Ausführung geplant.

Technische Daten:
Entwicklungsbeginn: 1992
Vorgesehene Lebensdauer: 20 Jahre
Vorgesehene U-Bootklasse: TYPHOON und BOREY
Anzahl der Lenkwaffen pro U-Boot: maximal 20 Raketen
Antriebstufen: 3 plus PBV
Treibstoff: Feststoffantrieb und Flüssigkeitsantrieb
Lenksystem: Trägheitsnavigation
Länge: 12,1 m
Durchmesser: 2 m
Startgewicht: 36800 kg
Reichweite je nach Typ 8500 – 10000 km
Treffergenauigkeit (CEP) je nach Typ: weniger als 50-350 m
Sprengleistung des Gefechtskopfes je nach Typ: maximal 1 MT

(Quelle: Defense Threat Information Group)

Nach US-Informationen hat der gut 30 Tonnen schwere neue Atomträger drei Stufen und kann mit zehn individuell steuerbaren Sprengköpfen ausgerüstet werden. Die ersten beiden Raketenstufen sollen mit Festtreibstoff betrieben werden, die dritte verfüge über ein Flüssigkeitstriebwerk. (Quelle: ddp, 29.06.2007)

Bearbeitungsstand: Dezember 2007

Bunker Buster

Robust Nuclear Earth Penetrator (RNEP)

Bei den "nuklearen Bunkerbrechern" handelt es sich um eine neue Generation erdeindringender Atomwaffen. Drei Modifikationsmöglichkeiten stehen zur Verfügung: der konventionelle Bunker Buster, der vorhandene nukleare Bunker Buster (B61-11) und eine Atomwaffe mit einer großen Sprengkraft (W-76 oder B-83).

Es wird behauptet, dass ein mit geringer Sprengkraft bestückter Atom-Bunkerbrecher mit "minimalem Kollateralschaden" einsetzbar wäre. Dabei muss eine Ein-Kilotonnen-Bombe mindestens 100 Meter in die Erde eindringen, um die Radioaktivität im Untergrund eingeschlossen zu halten. Bisher gibt es jedoch kein Waffensystem, das diese Tiefe erreicht.
So dringt die 1997 als nuklearer "Bunker Buster" modifizierte, getestete und stationierte B-61-11 aus einer Höhe von gut 13.000 Metern nur bis zu sieben Meter in die Erde und 2-3 Meter in gefrorenen Boden ein. Dennoch haben die USA etwa 50 dieser Bomben herstellen lassen.

Atomwaffen mit geringer Sprengkraft müssen Vorgabewerte präzise einhalten, sonst könnte die Sprengkraft größer als vorgesehen ausfallen. Ob die Nuklearkomponente und die Elektronik des Sprengkopfes dem massiven Aufprallschock beim Eindringen in die Erde standhalten, ist sehr fraglich. Nichterdeindringende Atomwaffen sind für den Aufprall mit einem Fallschirm ausgestattet. Bunkerbrechende Atomsprengköpfe werden deswegen wahrscheinlich mit abgereichertem Uran gefestigt.

Wünsche der Wissenschaft: Wichtig bei der Entwicklung der neuen Waffe sind Präzision, Stabilität, geringe Sprengkraft und einfaches Design. Dennoch halten die Wissenschaftler es für wichtig, einige herkömmliche Atomwaffen mit großer Sprengkraft zu behalten, um stark gepanzerte oder sehr tief im Felsen versteckte Anlagen zu zerstören. (XH)

Bearbeitungsstand: Oktober 2004

Bürgermeister für den Frieden

engl.: Mayors for Peace

Die Nichtregierungsorganisation »Mayors for Peace« (Bürgermeister für den Frieden) wurde 1982 von Takeshi Araki, Oberbürgermeister von Hiroshima, ins Leben gerufen. »Die vornehmste Aufgabe eines Bürgermeisters ist, das Leben und Eigentum der Bürger zu schützen«, so Araki in dem Wissen, dass es unmöglich für eine Stadt und ihre Bewohner ist, bei einem Atomwaffen-Angriff irgendwelche Schutzmaßnahmen zu ergreifen.

Aus diesem Grund initiierte er das Netzwerk »Mayors for Peace«, um sich für die weltweite Abschaffung aller Atomwaffen einzusetzen. Am 6. und 9. August 1945 wurde der Welt vor Augen geführt, welche Folgen ein Atombombeneinsatz hat: Die Städte Hiroshima und Nagasaki wurden zerstört und mit ihnen über 300 000 Menschen getötet oder verletzt. Trotzdem wurden und werden weltweit Atomwaffen in großer Zahl produziert.

Am 24. Juni, 1982 schlug den damaligen Hiroshima-Oberbürgermeister, Takeshi Araki, der 2. UN-Sondersitzung für Abrüstung, ein Partnerschaftsprogramm der Städte Hiroshima und Nagasaki zur Ächtung aller Atomwaffen in Ost und West vor. Dieser Vorschlag bot Städten eine Möglichkeit an, nationale Grenzen zu überwinden, um für die Abschaffung aller Atomwaffen zusammen zu arbeiten. Danach rief die Bürgermeister von Hiroshima und Nagasaki alle Bürgermeister der Welt auf, das Programm zu unterstützen. Diese Unterstützung war die Grundlage für Mayors for Peace.

Die zentralen Forderungen der »Mayors for Peace« sind deshalb:

  • die verbindliche Einhaltung des Atomwaffensperrvertrags
  • die Fortsetzung von Verhandlungen zur atomaren Abrüstung und deren Kontrolle
  • das Verbot anderer Massenvernichtungswaffen und nuklearer Materialien

2020 Vision
Weltweit sind mehr als 2.700 Bürgermeister aus 134 Ländern dem Netzwerk beigetreten und sprechen sich für ein friedliches und sicheres Zusammenleben aus. Im Oktober 2003 hat das Netzwerk die Kampagne "2020 Vision" (zu Deutsch: atomwaffenfrei bis 2020) gestartet. Mayors for Peace rief ihre Mitgliedsstädte auf, die Kampagne zu unterstützen, um sich so in die Verhandlungen über Atomwaffen einzumischen. Sie wurden dabei von Friedensgruppen auf der ganzen Welt sowohl auf lokaler als auch internationaler Ebene unterstützt. Ziel war eine verbindliche Vereinbarung eines Zeitplans für die Abschaffung aller Atomwaffen in 2005, mit dem Abschluss einer Atomwaffenkonvention auf der Konferenz in 2010, um eine atomwaffenfreie Welt bis 2020 zu erreichen.

Um diese Vision überzeugend zu machen, hat Mayors for Peace einen Plan entwickelt. Mit dem Atomwaffensperrvertrag als Grundlage, ein Zusatzprotokoll soll zur Verwirklichung der 2020-Vision beitragen. Sie nennen dieses Protokoll "Hiroshima-Nagasaki-Protokoll". Es fordert die Regierungen dazu auf, sich ein für allemal auf die Eliminierung der nuklearen Bedrohung zu konzentrieren.

Am 18. Oktober 2007 erhielten die Bürgermeister für den Frieden die Auszeichnung "Nuclear Free Future Award" in der Kategorie "Lösungen". (Quelle: mayorsforpeace.de)

Bearbeitungsstand: Februar 2009

Siehe auch: Atomwaffensperrvertrag
Siehe auch: Bürgermeister für den Frieden
Siehe auch: Hiroshima

Burbach

ehem. Atomwaffenlager in Deutschland

Die Nike-Feuerstellung (Launching Area) Burbach (50°43’01“N, 08°04’48“O) der 2. Batterie des FlaRakBtl 22 lag ca. 18 km südlich der Stadt Siegen im Sauerland. Die Batterie wurde im Sommer 1962 von Köln-Wahn nach Burbach verlegt. Sie bestand aus drei getrennten Bereichen: der Unterkunft, dem Feuerleitbereich in günstiger topografischer Lage mit bis zu 5 Radargeräten für Überwachung, Zielerfassung, Zielverfolgung und Flugkörperverfolgung und dem Abschussbereich mit jeweils 3 Abschussflächen und dazugehörigen Bunkern. In diesem Bereich befanden sich auch die Atomsprengköpfe. Während die Raketen in Montagebunkern oder auf durch Erdwälle geschützten  Abschussschienen bereit gehalten wurden, lagen die Radaranlagen in exponierter Stellung und konnten nur mit Sandsäcken oder Konturen verwischender Tarnung ungenügend geschützt werden. Zum Eigenschutz vor allem gegen angreifende Tiefflieger, wurden die Stellungen später zusätzlich mit 20mm Zwillingsgeschützen ausgestattet.

In der Stellung Burbach waren von 1963 bis 1987 atomare Flugabwehrraketen vom Typ Nike stationiert. An Atomsprengköpfen waren zwei Versionen verfügbar. Die kleinere mit der Bezeichnung B-XS hatte eine Sprengkraft von 2 Kilotonnen (KT). Die größere B-XL besaß ursprünglich 40 KT Sprengkraft. Letztere wurden in den 1970er Jahren gegen Sprengköpfe zu 20 KT ausgetauscht.

Maximal waren je Stellung zehn Nuklearsprengköpfe vorhanden, acht mit der Stärke XS mit 2 KT und zwei XL mit 40/20 KT Sprengkraft. (Jürgen Dreifke)

Ein Zeitzeuge erinnert sich: „Die vier Batterien des FlaRakBtls 22 [mit den Feuerstellungen Ödingen, Burbach, Waldbröl und Marienheide] befanden sich in unterschiedlichen Bereitschaftsstufen mit einer Reaktionszeit von maximal 30 Minuten, maximal 3 Stunden, maximal 12 Stunden und mehr als 12 Stunden. Innerhalb einer Batterie hatten mindestens zwei Abschussplätze den selben Bereitschaftsgrad. Konnte eine der Batterien aus technischen Gründen den Bereitschaftsgrad nicht einhalten, dann rückten die anderen Batterien eine Einsatzstufe nach oben. Abhängig vom Bereitschaftsgrad war die Stellung im Schichtbetrieb ständig besetzt und einsatzbereit. Dazu gab es in der Batterie drei Kampfbesatzungen für den Feuerleit- und Abschussbereich, die sich in einem System von 48-Std-Schichten während der Woche und 72-Std-Schichten am Wochenende abwechselten.

Für den Einsatz der Gefechtsköpfe gab es genau festgelegte Prioritäten. Beim Anflug eines einzelnen feindlichen Zielobjektes wurde ein kleiner atomarer Gefechtskopf (B-XS) eingesetzt. Beim Anflug mehrerer feindlicher Zielobjekte wurde ein großer atomarer Gefechtskopf (B-XL) eingesetzt. Die ebenfalls vorhandenen konventionellen Gefechtsköpfe dienten lediglich als Munitionsreserve.

Soweit mir bekannt, befanden sich in allen Nike-Stellungen der Bundesluftwaffe atomare Gefechtsköpfe.“ (Michael Juhls)

Bearbeitungsstand: Januar 2010

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: Gefechtskopf
siehe auch: KT (Kilotonne)
siehe auch: Nike Herkules

Bus

engl.: post-boost vehicle (PBV)

Als BUS bezeichnet man allgemein gesprochen ein komplexes außerhalb der Erdatmosphäre manövrierfähiges System, das dazu verwendet wird, eigene Raketensysteme zum Zwecke der Raketenabwehr in Position zu bringen. Ein BUS befindet sich normalerweise an der Spitze einer ballistischen Interkontinentalrakete und wird nach Brennschluss der letzten Raketenstufe von der Rakete abgetrennt, um seinen Weg in einer ballistischen Flugbahn fortzusetzen.

Es können jeweils eine beliebige Anzahl von Wiedereintrittskörpern (reentry vehicles) abhängig von dem entsprechenden Raketensystem zu einem BUS zusammengefasst werden. Das System verfügt über eine eigenständige Steuerungs- und Kontroll-Hardware, die es ermöglicht, die Flugbahn des BUS zu jedem Zeitpunkt zu kontrollieren und wenn nötig zu korrigieren. Dieses Verfahren ermöglicht es, die Wiedereintrittskörper (reentry vehicles) sehr präzise an einem bestimmten Ort zu platzieren. Gleichzeitig wird dadurch der gegnerischen Raketenabwehr die Aufklärung des Systems erheblich erschwert. (LL)

Bearbeitungsstand: September 2007

siehe auch: Interkontinentalrakete

Buschehr (Iran)

engl.: Bushehr

Im Februar 2009 wurde in der Hafenstadt Buschehr das erste iranische Atomkraftwerk fertig gestellt. Die Planung begann bereits in den 1970er Jahren, als der damalige Schah Mohammed Resa Pahlewi den Bau eines Atomkraftwerkes mit zwei 1200-Megawatt-Reaktoren an den deutschen Siemenskonzern erteilte. Doch wegen der Islamischen Revolution 1979 und dem darauf folgenden Krieg zwischen Iran und Irak (1980 bis 1989) verfolgte Teheran das Projekt zunächst nicht weiter. Erst nach dem Tod des Ayatollah Khomeini 1989 wandte sich die iranische Regierung wieder dem Großprojekt zu. Da Teheran inzwischen die Unterstützung des Westens verloren hatte, erklärte sich Russland 1994 bereit, die Anlage fertig zu stellen. Nach langen Verhandlungen unterzeichneten beide Seiten 1995 einen Vertrag über eine Milliarde Dollar für die Wiederaufnahme der Bauarbeiten.

Das Projekt sah jetzt nur noch einen Druckwasserreaktor mit einer Leistung von 1000 Megawatt vor. Für dessen Betrieb ist angereichertes Uran erforderlich, das auch zum Bau von Atomwaffen verwendet werden kann. Gemäß Vertrag soll Russland den nuklearen Brennstoff für die Anlage liefern und der Iran das gebrauchte Material nach Russland zurückschicken. Insgesamt waren über 2000 russische Ingenieure und Arbeiter in Buschehr im Einsatz. Bei den Bauarbeiten kam es immer wieder zu Verzögerungen, da die vorhandene Siemenstechnik an die russischen Standards angepasst werden musste. Zusätzlich gab es finanzielle und vor allem zunehmend politische Schwierigkeiten, insbesondere der Streit um das iranische Atomprogramm verzögerte die Baumaßnahmen. Westliche Beobachter vermuteten, dass Moskau die Fertigstellung der Anlage systematisch verzögerte, um den Iran zu mehr Transparenz in seinem Atomprogramm zu zwingen. Die USA aber auch Staaten der EU verdächtigen den Iran, unter dem Deckmantel eines zivilen Programms die Entwicklung von Atomwaffen voranzutreiben.

Nach einem ersten Testbetrieb ohne atomare Brennstäbe soll das Atomkraftwerk Buschehr im Laufe des Jahres 2009 seinen regulären Betrieb aufnehmen. (Quelle: Giessener Allgemeine Zeitung, 26.2.2009, S. 4)

Bearbeitungsstand: März 2009

Weitere Informationen zum iranischen Atomprogramm

Bush-Putin-Abkommen

engl.: Strategic Offensive Reductions Treaty

Im Mai 2002 unterzeichneten die Präsidenten der USA und Russlands, George W. Bush und Vladimir Putin, als Ersatz für das gescheiterte START-II-Abkommen, den SORT-Vertrag. Gemäß diesem Vertrag müssen die beiden Länder die stationierten strategischen Atomwaffen bis zum Jahr 2012 auf jeweils höchstens 1.700 bis 2.200 reduzieren. Der Vertrag ist für viele Experten das Papier nicht Wert, auf das er geschrieben wurde. So enthält er keinen Zeitplan für die Abrüstung, sieht keinerlei Verifikationsmaßnahmen vor und endet am selben Tag, an dem er erfüllt werden muss, also am 31. Dezember 2012. Die "abgerüsteten" Systeme brauchen nicht verschrottet sondern lediglich in ein Lager verbracht zu werden. Überdies kann der Vertrag jederzeit mit einer Frist von drei Monaten gekündigt werden. (RH)

Bearbeitungsstand: Dezember 2005

siehe auch: START-II-Vertrag
siehe auch: Strategische Atomwaffen
siehe auch: Verifikation

BUTLER Lee

1939 -

Lee Butler war General der US Air Force und bis zu seiner Pensionierung 1994 militärischer Oberbefehlshaber der US-amerikanischen Nuklearstreitkräfte. Er bekannte sich nach seiner 40-jährigen Karriere beim Militär zum Atompazifismus. Gefangen im eigenen Denken, vollkommen jenseits eines "gesunden Menschenverstandes", so schildert General Lee Butler seine eigene Vergangenheit und die seiner ehemaligen Mitstreiter.

In seiner Rede zum Thema „Sind Kernwaffen notwendig“ im Jahr 1999 führte er folgendes aus: "Die führenden Politiker der Kernwaffenstaaten laufen heute Gefahr, von künftigen Historikern als ihres Zeitalters unwürdig beurteilt zu werden, weil sie die Chancen, die unter großen Opfern und Kosten eröffnet wurden, nicht genutzt haben, weil sie das nukleare Wettrüsten auf der Erde wieder in Gang gesetzt haben, weil sie die Menschheit dazu verdammen, unter dem ständigen Damoklesschwert der Angst zu leben. Das ist kein der Menschheit würdiges Erbe. Das ist nicht die Welt, die ich meinen Kindern und Enkeln hinterlassen will. Das ist einfach untragbar." Ferner sagte er: "... dass nämlich, genau besehen, Kernwaffen der Feind der Menschheit sind. Ja, sie sind eigentlich gar keine Waffen. Sie sind eine Art biologischer Zeitbomben, deren Wirkungen Zeit und Raum überschreiten und die Erde wie auch ihre Bewohner auf Generationen hinaus vergiften." (LL)

Bearbeitungsstand: Juni 2006

Glossar

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