
Büchel

Der Luftwaffenstützpunkt (Fliegerhorst) Büchel in der Eifel ‑ unweit von Cochem an der Mosel gelegen ‑ ist nach derzeitigem Kenntnisstand der einzige Standort der deutschen Bundeswehr, an dem nachweislich Atomsprengkörper eingelagert sind.
Für die Bevölkerung, die im Umfeld des Fliegerhorstes lebt, stellt die Bundeswehr als wichtigster Arbeit- und Auftraggeber einen entscheidenden Wirtschaftsfaktor dar. Aus Veröffentlichungen in der Lokalpresse wird deutlich, dass man aus Furcht um die Arbeitsplätze bemüht ist, jede Diskussion um die Atomwaffen zu vermeiden.
In der Kaserne ist das Jagdbombergeschwader 33 stationiert. Im Frühjahr 2002 waren dort 1.734 Soldaten und 672 Zivilangestellte beschäftigt. Ausgerüstet ist das Jagdbombergeschwader mit insgesamt 36 Flugzeugen des Typs Tornado, die sowohl für den konventionellen als auch für den nuklearen Einsatz ausgestattet sind. Der Einsatz von Atomwaffen durch deutsche Soldaten würde durch ‚nukleare Teilhabe’ erfolgen und ist völkerrechtlich äußerst umstritten.
Der Standort Büchel verfügte zu unterschiedlichen Zeiten über insgesamt drei räumlich getrennte Atomwaffenlagerorte. Bis 1989 wurde eine kleine Anzahl von Atomwaffen in einem verbunkerten Sonderwaffenlager (genaue Lage nicht bekannt) auf dem Gelände des Flugplatzes selbst bereitgehalten. Die große Mehrzahl der Atombomben wurde in einem ca. 3 km nördlich der Landebahn gelegenen Atomwaffenlager (50°12'01"N, 7°04'24"O) bereitgehalten. Der Transport der Atomwaffen zu den Flugzeugen erforderte "Konvois mit starken Sicherungskräften, die durch öffentlich zugängliches Gelände fahren mussten. Schon das Vorhandensein der Konvois zog Aufmerksamkeit auf sich und war für Sabotageakte anfällig". 1990 wurde auf dem Fliegerhorst im Rahmen des NATO-Programms Weapons Storage and Security System (WS3) ein neues Atomwaffenlager (50°10'55"N, 7°03'48"O) errichtet, das maximal 44 Atombomben in elf so genannten ‚Grüften’ aufnehmen kann. Dieses System ermöglicht die Lagerung der Atomwaffen in den Flugzeugschutzbauten unmittelbar unter den Flugzeugen. Vermutlich handelt es sich bei den in Büchel stationierten Waffen um Fliegerbomben vom Typ B-61. Die Bomben verfügen über eine variable Sprengkraft von bis zu 45 Kilotonnen (Modell 3) bzw. bis zu 170 Kilotonnen (Modell 4). Letzteres entspricht mehr als der 13-fachen Zerstörungskraft der Hiroshima-Bombe. (Otfried Nassauer)
Unklar ist, wie lange die atomwaffentaugliche Variante des Tornados im Einsatz gehalten werden kann. Das Jagdbombergeschwader 33 in Büchel wird voraussichtlich zwischen 2012 und 2015 auf den nicht atomwaffenfähigen »Eurofighter« umgestellt. Allerdings werden auch danach in anderen deutschen Geschwadern atomwaffenfähige Tornados im Einsatz bleiben. Eine Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Fraktion der Linken im Bundestag brachte ans Licht, dass auch nach 2020, dem eigentlichen Zeitpunkt der endgültigen Ausmusterung des Tornados, einige Flugzeuge weiter im Dienst bleiben sollen, um Deutschlands Rolle in der nuklearen Teilhabe zu sichern. […] Offenbar soll eine Entscheidung über ein nuklearwaffentaugliches Trägersystem für die Luftwaffe so lange hinausgezögert werden, bis die politische Entscheidung über eine neue NATO-Nuklearstrategie gefallen ist. (Quelle: Oliver Meier in Friedensgutachten 2007, S. 91)
Bearbeitungsstand: Dezember 2009
siehe auch: Hiroshima
siehe auch: KT (Kilotonnen)
siehe auch: Nukleare Teilhabe