Überblick | USA

Titan-Raketenmuseum in Arizona, 2007. Die Titan-Raketen sind bereits alle abgerüstet. Foto: DevIn

Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums vom Anfang 2015 enthielt das US-Atomwaffenarsenal 4.760 Sprengköpfe, wobei die Atomwaffen, die für die Abrüstung vorgesehen sind, nicht mitgezählt wurden. Laut Kristensen und Norris vom Bulletin of Atomic Scientists sind 2.080 „aktiv“, d.h. einsatzbereit stationiert. Weitere 2.680 werden als "Reserve" für eventuelle Entwicklungen gelagert und können, wenn nötig, ins Arsenal zurückkehren. Darüber hinaus sind ca. 2.340 Atomsprengköpfe zwar zur Abrüstung markiert, aber noch intakt gelagert. Damit beträgt die Gesamtsumme der Atomwaffen im US-Arsenal 7.100. » mehr in der Tabelle unten

Die USA sind offiziell anerkannter Atomwaffenstaat und seit dem Jahr 1970 Mitglied des Atomwaffensperrvertrags, in dem sie  sich verpflichtet haben, „in redlicher Absicht Verhandlungen zu führen über wirksame Maßnahmen zur Beendigung des nuklearen Wettrüstens in naher Zukunft und zur nuklearen Abrüstung sowie über einen Vertrag zur allgemeinen und vollständigen Abrüstung“ (Artikel VI).

Als erster Staat, der 1945 die Atombombe entwickelte, trieben die USA seit Beginn des atomaren Zeitalters das weltweite Wettrüsten an. Die USA haben als erster und einziger Staat Atomwaffen eingesetzt: 1945 in den japanischen Städten Hiroshima und Nagasaki. Seit 1945 haben die Vereinigten Staaten mehr als 70.000 Atomwaffen in Form von über 65 verschiedenen Typen produziert, von der kleinen Atommine bis zur riesigen Wasserstoffbombe mit mehreren Megatonnen Sprengkraft. Im Jahr 1967 war die Höchstzahl  von Atomwaffen erreicht: 31.255.

Die USA haben 1.032 Atomtests durchgeführt, davon waren 228 oberirdisch. Seit 1992 testen die USA Atomwaffen nicht mehr durch Atomexplosionen, sondern nur noch mit subkritischen oder simulierten Tests im Rahen der „Stockpile Stewardship Program“. Die USA unterschrieben den umfassenden Atomteststoppvertrag am 24. September 1996, haben ihn aber noch nicht ratfiziert.

Obama erklärte bereits in seinen Wahlkampfreden 2008, dass er die Atomwaffenpolitik der USA wesentlich ändern und sich für eine atomwaffenfreie Welt einsetzen wolle. Diese Vision hat er in Prag am 5. April 2009 als US-Präsident erneut zum Ausdruck gebracht. Am 24. September 2009 brachte er eine Resolution in den UN-Sicherheitsrat ein, die u.a. die Vision einer atomwaffenfreien Welt bekräftigte. Die Resolution wurde einstimmig angenommen. Am 9. Oktober 2009 wurde Obama – unter anderem für seine Bemühungen und seine Vision einer atomwaffenfreien Welt – mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Im Februar 2012 kursierten Gerüchte über eine Diskussion des Pentagons über die künftige Zahl der Atomwaffen, die für eine glaubwürdige Abschreckung notwendig seien. Die Rede über eine mögliche Reduzierung der Zahl um bis zu 80% sorgte für Aufregung. In seiner Rede im Juni 2013 in Berlin kündigte Präsident Obama an, das US-Atomwaffenarsenal um bis zu ein Drittel zu reduzieren.

Neue START

Am 26. März 2010 verkündeten die USA und Russland, dass sie sich nach monatelangen Verhandlungen auf einen neuen Vertrag zur Abrüstung strategischer Atomwaffen geeinigt hätten, welcher das im Dezember 2009 ausgelaufene START-Abkommen ersetzen soll. Laut Vertrag sollen die strategischen Atomwaffen der beiden Länder jeweils um ca. ein Drittel reduziert werden. Das bedeutet, dass die Zahl der Atomsprengköpfe auf strategischen Trägersystemen innerhalb von sieben Jahren auf 1.550 Stück reduziert wird. Das sind ein Drittel weniger, als im letzten SORT-Vertrag von 2002 vorgesehen waren.

Alle sechs Monate berichten die USA und Russland, wie viele strategische Atomwaffen sie noch besitzen. Bis zum 1. September 2014 waren noch 1.642 US-Atomwaffen auf 794 Raketen und Bombern einsatzbereit. Laut Kristensen und Norris wurden seit Inkraftreten des Vertrags im Februar 2011 158 Sprengköpfe und 88 Startsysteme ins Lager versetzt (aber nicht abgerüstet). Dennoch wurden bisher kaum stationierte Atomstreitkräfte abgezogen.

Bis 2018 sollen 104 leere Raketensilos zerstört und 50 Minuteman-Raketen aus ihren Silos ins Lager gebracht werden. Allerdings werden diese Raketen dort noch „warmgehalten“. Auch im Kampfflugzeugbereich soll die Gesamtzahl der Bomber von 89 auf 60 reduziert werden. Die Zahl der Raketenstartrohre in den U-Booten werden auch reduziert: Jedes U-Boot wird fortan 20 statt 24 Rohre tragen.

Atomwaffendoktrin

Unter US-Präsident Barack Obama wurde die erklärte Strategie von George W. Bush von 2002 geändert. Am 6. März 2010 ließ Obama die neue „Nuclear Posture Review“ (NPR) vorstellen, in der Präsident und Regierung ihre Strategie der nuklearen Abschreckung sowie die Regeln für den Umgang mit dem atomaren Waffenarsenal festsetzen. Demnach sollen Atomwaffen bei der Verteidigung des Landes eine geringere Rolle spielen als zuvor.

Nach der Bush-Doktrin von 2002 konnten Atomwaffen auch gegen Staaten eingesetzt werden, die keine Atomwaffen besitzen, oder als „präventive“ Waffe beim Verdacht eines geplanten Angriffes mit Massenvernichtungswaffen. Vor und während des Irakkrieges 2003 drohten die USA, sie würden Atomwaffen einsetzen, falls der Irak die USA mit Massenvernichtungswaffen angriffe.

So soll mit der neuen NPR für die USA ein Ersteinsatz dieser Waffen künftig nur noch unter eingeschränkten Bedingungen infrage kommen. Die USA wollen laut NPR keine neuen Atomsprengköpfe bauen, und sie bleiben bei ihrem Verzicht auf Atomtests.

Im Juni 2014 gab das Weiße Haus die neue präsidiale politische Direktive (PPD) heraus. Diese enthält die aktuelle Nuklearwaffeneinsatzstrategie. Demnach aktualisieren das Pentagon und die US-Streitkräfte die Nuklearwaffeneinsatzpolitik und den strategischen Plan. Diese Dokumente erhalten die tatsächlichen Ziele und Ressourcen, die dem strategischen Führungsstab (STRATCOM) der USA sowie den regionalen Kommandeuren für die Kriegsführung zur Verfügung stehen. Somit werden der strategische Kriegsplan sowie verschiedene regionale Kriegspläne aktualisiert.

Um die Durchführung dieser Pläne zu üben, wurden 2014 einige Einsatzmanöver durchgeführt, z.B. „Global Lightning“ oder „Constant Vigilance“, mit denen die USA zeigen, dass sie die Fähigkeit besitzen, überall in der Welt zu jeder Zeit zuzuschlagen. Auch die groß angelegten nuklearen Übungen „Valiant Shield“ und „Global Thunder“ demonstrieren die US-Bereitschaft, jeglicher vorstellbaren Drohung sogar aus dem Weltraum oder im Cyberspace zu begegnen.

Der Konflikt mit Russland um die Ukraine führte zu mehreren Übungen in Europa und zur Neustationierung von Atomwaffenträgern – den  B2- und B52H-Bombern in Großbritannien, die 2015 auch an Übungen im Baltikum teilnahmen.

Modernisierung

Die USA modernisieren nach und nach ihr gesamtes Arsenal sowie die zugehörige Atomwaffen-Infrastruktur. Laut dem Haushaltsbüro des US-Kongresses soll das Unterfangen über die nächsten zehn Jahre ca. 350 Mrd. US-Dollar kosten. Als erstes wurde der W76-Sprengkopf für die Trident-Raketen erneuert und verbessert. Teilweise sind die alten Sprengköpfe bereits ersetzt – insgesamt sollen bis 2019 1.600 Stück produziert werden. Die Produktion kostet insgesamt 3,7 Mrd. US-Dollar. Für das Trident-II-System wird auch eine neue Generation von zwölf U-Booten gebaut, die die alte Ohio-Klasse ersetzen sollen. Die Kosten sind belaufen sich auf ca. 92 Mrd. US-Dollar. Das erste U-Boot soll 2021 fertig gebaut werden und ab 2031 auf Patrouille gehen.

Unter dem Begriff „Lebensdauerverlängerung“ wird die Betriebsdauer der Minuteman-III-Rakete bis 2030 erweitert. Dabei sollte die Rakete, bis auf die Hülle, komplett neu gebaut werden und 2015 betriebsbereit sein. Derzeit wird mit ersten Forschungen zum Ersatz für die Minuteman-III im Jahr 2030 begonnen, einer neuen Generation von Interkontinentalraketen.

Die B61-Bombe, die auch in Europa unter der nuklearen Teilhabe der NATO stationiert ist, wird ebenfalls modernisiert. Die Kosten dafür explodieren und liegen bereits jetzt bei über zehn Mrd US-Dollar. Die neue Bombe (B61-12) ersetzt alle früheren Modelle und soll als lenkbare Präzisionsbombe einsetzbar sein. Die Stationierung soll bis 2025 erfolgen. Diese Bombe bekommt auch ein neues Trägerflugzeug: den Tarnkappenbomber F-35A Joint Strike Fighter.

Bearbeitungsstand: Dezember 2015

Die US-Atomstreitkräfte

Tabelle: Das US-Nuklearwaffenarsenal 2015

TypZahl der Träger stationiert im Jahr...Sprengköpfe x
Sprengkraft (KT)
stationierte Sprengköpfe

Gesamtsumme stationiert



ca. 2.080
Reserveca. 2.680
Zwischensumme


ca. 4.760
Für Abrüstung markiertca. 2.340
Gesamtarsenal



ca. 7.100
ICBMs
Minuteman III
Mk-12A20019791 W78 x 335 (MIRV)200
Mk-2125020061 W87 x 300250
Insgesamt
450


450
SLBMs
Trident II D5288
Mk-419924 W76 x 100 (MIRV)168
Mk-4A20084 W76-1 x 100 (MIRV)600
Mk 519904 W88 x 455 (MIRV)384
Insgesamt
288


1.152
Bomber
B-52H Stratofortress93/44*1961ALCM/W80-1 x 5-150200
B-2A Spirit20/161994B61-7/-11, B83-1100
Insgesamt
113/60


300
Taktische Waffen
B61-3,-4 Bomben/a19790,3-170180**
Insgesamt180

* Die erste Zahl ist das Inventar an Flugzeugträgern, die für Training, Tests und als Reserve gehalten werden. Die zweite Zahl ist das Inventar an für den Einsatz bestimmten Primärflugzeugträgern.

**180 von diesen Bomben sind in Europa stationiert. Weitere 300 sind in den USA gelagert.

Quelle Kristensen, Hans und Norris, Robert: Nuclear Notebook: U.S. nuclear forces, 2015 in Bulletin of Atomic Scientists, Februar 2015

US-Arsenal 2015
Insgesamt 7.100
Einsatzbereit2.080
Reserve2.680
für Abrüstung markiert2.340

Zitiert:

»Ich möchte heute ganz deutlich und mit Überzeugung Amerikas Bereitschaft erklären, den Frieden und die Sicherheit in einer Welt ohne Atomwaffen anzustreben.

Ich bin nicht naiv. Das Ziel wird sich nicht rasch erreichen lassen. Vielleicht auch nicht in meiner Lebenszeit. Es wird Geduld und Beharrlichkeit erfordern. Aber jetzt müssen wir die Stimmen jener ignorieren, die sagen, dass die Welt sich nicht ändern kann. Wir müssen darauf bestehen und sagen: Yes, we can.«

US-Präsident Barack Obama, Prag, 5. April 2009

Links

Zitiert:

»Wir leben vielleicht nicht mehr in Furcht vor einer globalen Vernichtung, aber solange es Kernwaffen gibt, sind wir nicht wirklich sicher.

»Frieden mit Gerechtigkeit bedeutet, dass die Sicherheit der Welt gewährleistet wird in einer nuklearwaffenfreien Welt, ungeachtet dessen, wie weit dieser Traum sich in der Zukunft befinden mag.«

US-Präsident Barack Obama, Berlin, 19. Juni 2013